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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
senkwage bis senne (Bd. 16, Sp. 598)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) senkwage, f. instrument zur bestimmung der dichte von flüssigkeiten, aräometer, auch senkspindel. Jacobsson 7, 337b. Karmarsch-Heeren techn. wb.3 1, 180.
 
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senkwasche, f. 'ein senkstück bey einem wasserbau, so lang und rund ist, und aus einander verbundenem busche mit steinen gefüllet bestehet'. Jacobsson 4, 142b. vgl. nd. waask brem. wb. 5, 201. in gleicher bedeutung senkwasen Jacobsson 7, 338a.
 
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senkwerk, n. 'allerley zum einsenken (ins wasser) gebräuchliche sachen, als grosze vierecke mit erde beschweret, senkwaschen, schanzkörbe, sandsäcke, auch schutt, ingleichen schiffe mit erde gefüllet, u. dgl. m.' Jacobsson 4, 142b; dann auch der aus solchem material im wasser errichtete bau; faschinenwerk, das in wasserläufen angebracht wird. Schm. 2, 314.
 
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senkwurst, f.: senkwörste, plur. eine art von faschinen. Behlen lex. d. forst.- u. jagdk. 5, 612. Jacobsson 4, 675a verzeichnet in diesem sinne wurst.
 
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senkzeit, f. tempus propagandi vites. Frisch 2, 265a; s. DWB senken 3, a.
 
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senkzimmerung, f. holzauskleidung eines senkschachtes (s. dieses) Veith bergwb. 591.
 
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senn, s. DWB senne.
 
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senna, s. DWB senesbaum.
 
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sennader, f., s. sehnader (sp. 148) und (das zweite) senne, f. zu den belegen: sennadern, nervi corporum. Stieler 2007; nervus, sennader, oder hyrnader, die von dem hyrn kumpt. Gersdorf feldb. d. wundarzn. 98a; wäitzenmeel mit dem safft ausz bilsenkraut zu einem pflaster gesotten, ist gut wider die flüsz der nerven und sennaderen. Tabernaem. 602 K; s. auch zeitvertr. 49. als marterinstrument (vgl. henker- sive foltersennen, fidiculae Stieler 2007, sowie ochsensehne, th. 7, 1137 und Schm. 2, 287):

als er nun das auch uberwundn,
man bald ein ander pein erfundn.
sennadern, starcke ochsenzähn,
musz diser ritter (St. Georg) auszstehn.
Rueff von dem heil. ritter S. Georgen (Augsp. 1621) bl. 8 (str. 59).

übertragen: das geld ist die sennader, das ist das mächtigste und fürnehmst in allen fürhabenden sachen (i danari esser il nervo di tutte le cose). Guicciardini erquickst., durch C. Ens verteutscht s. 498.
 
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sennalp, f., in der Schweiz, in Tirol, Baiern und Steiermark (für das schwäb.-österr. schweigalp) Grimm gesch. d. d. spr. 1014. nach Schm. 1, 64. 2, 288 sennalben, -alm, bergweide für melkvieh, wo butter und käse bereitet wird. vgl. sennenalp(e).
 
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senne, m. alpenhirt. das wort ist dem oberd. sprachgebiete (vgl. u.) eigenthümlich, scheint indessen altgerm. erbgut zu sein. es ist wahrscheinlich eine ableitung (eine art nomen agentis) zu sahne (vgl. das. th. 8, 1663; got. *sanja zu *sana), s. Frisch 2, 149b. J. Grimm z. gesch. d. d. spr. 1002. Weigand 2, 699. Kluge4 326b. darüber hinaus läszt sich über die etymologie nichts sicheres sagen; einen versuch weiterer anknüpfung (zu idg. sa(n)- herstellen, erwerben) macht Karsten bei Paul-Braune beitr. 16, 564. — das wort begegnet schon ahd. in den Schlettst. glossen 4, 65: oppilio senno vel scafhirte. zschr. f. d. alterth. 5, 326b. Steinmeyer-Sievers ahd. gl. 2, 687, 53; vgl. J. Grimm zschr. 7, 469 (kl. schr. 7, 253). trotzdem findet es sich in der ganzen ahd. und mhd. litteratur gar nicht bezeugt (wol aber senne, f., vgl. das. und Lexer hwb. 2, 886), vermutlich wegen seines mundartlichen characters. es taucht zuerst auf in den tirol. weisth. des 15. — 16. jh.: um ein senn sollen die albmeister schauen, wie von alters her, damit die gemain versorgt werde. 3, 202, 5 (vom

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j. 1564); zwen alpbürgen .., die schuldig sein, ... sennen, raider und hürten, zu dingen und zu bestellen. 212, 21 (vom j. 1583); dieselben albpirgen sollen schuldig sein, umb ainen senn auf der alben zu schauen. 223, 34; so der senn und das alpvolk gewar wurden, dass böse, schädliche, wilde thiere vorhanden wären. 275, 18, vgl. 25; wo der senn die hirten hinfahren haiszt waiden, sollen sie das thuen. 4, 37, 42; item derselb albmeister sol dann bestellen ain sennen oder sennin, ain kessler, zwen hirten zun küen und ain zun gaissen. 57, 33 (vom j. 1462), s. ferner 36, 32. 37, 10. 18. 20. 24. 38, 8. 23. 27. 42. 39, 7. 9. 12 und sennin. auch bei Stumpf Schweitzer chron. 492: wann die sennen oder vieh-hirten ire beschissene schuh in dieses brünnlein stossen, s. Frisch a. a. o. seit Göthe gehört senne der nhd. litteratursprache an. belege:

ihr matten lebt wohl,
ihr sonnigen weiden!
der senne musz scheiden.
Schiller Tell 1, 1.

im nom. gern zu senn gekürzt (nach oberd. weise): derjenige, welcher mit seiner heerde während der guten jahreszeit ins gebirge hinauf zieht, ist ein senn. Berlepsch alpen s. 332; ein junger senn, an eine schöne falbe kuh gelehnt, schaut sich um. Keller nachl. 229;

und der senn steht angsterfüllt
vor dem strausz der elemente.
Reithard gesch. aus d. Schweiz 290.

in den andern casusformen ist die schwache flexion stets deutlich gewahrt: sein' tage hat er nicht so oft nach den sennen gesehn, als neuerdings. Göthe 11, 7 (Jer. u. Bät.); chor der sennen. 36; bei sennen einkehren, im ländlichen wirthshaus übernachten. Vischer auch einer 2, 343; denn es entstand ein geräusch und gedränge im mittleren gange, herrührend von zwei sennen aus dem Entlibuch, die sich durch die menge schoben. Keller 6, 329;

seht dort den melkenden sennen, den fischer hier im kahn.
Grün der letzte ritter 127;

sennen nennt man die eigner (der sennten), der ringsum weidenden älpler
höchste; genügsame, freie, der welt unkundige menschen.
Baggesen 1, 190 (Parth. 7, 14).

wenn derselbe sich den genitiv des senns erlaubt (Parth. 11, 87, s. werke 1, 233), so zeigt sich darin das mangelhafte sprachgefühl des ausländers (doch steht diese form auch Jacobsson 4, 143a s. v. sennhütte). — lexicalisch gebucht ist das wort schon von den schweizerischen wörterbüchern des 16. jahrh.: die sennen Frisius (1556) 750a, s. Weigand a. a. o.; sennen, milchköch, lactarij Maaler 370b; sänn (die) pecuarius. vychhirt. 341a. dann taucht es erst wieder bei Frisch 2, 149b auf: senn, ein vieh-hirt, sonderlich auf den alpen. (mit citat aus Stumpf und Maaler.) ferner: senn, heisset ein Schweitzerischer kuhmelcker, oder ein solcher mann, der einer heerde vieh vorgesetzet ist, mit welchen er des sommers fleiszig zu alp fähret, fleiszig auf sie achtung giebet und von ihnen butter, käse und zieger sammlet, dafür auch dem besitzer des viehes entweder einen gewissen .. zins giebet, oder aber rechnung davon thut. öconom. lex.2 2717, ebenso Jacobsson 4, 142b. auch Adelung und Campe bezeichnen senn als schweizerisch. in der that ist es (mit seiner sippe) nicht im ganzen oberd. gebiete in gleicher weise gebräuchlich, besonders in Österreich und Schwaben tritt dafür schweige mit seinen ableitungen ein, s. dieses th. 9, 2422 und J. Grimm gesch. der d. spr. 1014. senn dagegen herrscht in der Schweiz, s. Stalder 2, 371. Hunz. 239. Tobler 421b (1. oberkuhhirt, 2. eigenthümer eines sennthums). Bühler Davos 2, 15; in Baiern (Schm. 2, 288) und Tirol Höfer 3, 139. Frommann 4, 61. — vielfach sind daneben oder dafür weiterbildungen in gebrauch, s. DWB senner, DWB sender und sen(n)te.