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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sengwin bis senkelaal (Bd. 16, Sp. 587 bis 590)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sengwin, adj. (sanguineus, blutrot?): ein swarcʒ pert und waren zeyme und furgebuge halb sengwin und halb grune. Frankf. bürgemeisterbuch von 1435; ij gulden umb ein sengewins rock. Frankf. archiv (1410).
 
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senior, m.: senior einer familie, familienältester; senior, der vorsitzende eines studentischen corps (Kluge studentenspr. 126), so im 18. jahrh. üblich, noch jetzt hier und da gebräuchlich. hierzu seniorenconvent (S. C.). in einigen protestantischen gegenden ist der senior der erste geistliche an einer kirche. als

[Bd. 16, Sp. 588]


seniorat wird ein gut oder gütercomplex bezeichnet, der an den familienältesten vererbt wird, so auch im staatsrechtlichen sinne. im mittelalter ist seniorat das verhältnis des herrn (senior) zu den von ihm abhängigen leuten.
 
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senkarbeit, f. (bergbau), 'die gesammtheit der arbeiten, welche erforderlich sind um durch lockeres, loses und zugleich wasserreiches oder eigentlich schwimmendes gebirge von bedeutender mächtigkeit schächte, die sogenannten senkschächte niederzubringen'. Veith bergwerkb. 446.
 
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senkbaum, m. balken, quer über einen flusz eingesenkt, um das wasser zum ablassen in einen nebenrinnsal oder mühlbach aufzustauen. Schm. 2, 314.
 
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senkblei, n.: senkbley, bolis Stieler 194; lot etiam dicitur bolis, senkbley, perpendiculum nimirum nauticum. 1181; das senckbley auswerffen; mit dem senckbley ò senckel die tieffe abmessen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 768a; senck-bley ò senckel-schnur ebenda; senk-bley, bey den schiffern auf dem meer, die tiefe zu erforschen. Frisch 2, 264c. im gebrauch der 'minirer' Eggers kriegslex. 2, 892; bleyloth, bleyschnur, bleywurf (so bei Luther, s. oben th. 2, sp. 103), senkbley 'ist ein stück bley, in gestalt eines kegels, an einem langen seil gebunden, welches man in die see hinunter läszt, um sowohl die tiefe, als auch die eigenschaft des grundes zu erfahren'. Jacobsson 1, 237a; in gleicher bedeutung bei Adelung auch grundbley, grundloth. loth, senkloth, bleiloth, senkblei, eine schnur mit einem kleinen cylindrischen, unten zugespitzten gewicht, zur bestimmung und einstellung lothrecht übereinander liegender punkte. Karmarsch-Heeren technol. wb.3 8, 220. die umständliche bezeichnung senkblei ist im practischen gebrauche selten (dafür loth), sie gehört mehr der gehobenen sprache an; ein älterer ausdruck für senkblei ist senkel (s. dieses):

mein senkblei fällt ins unermeszliche;
das meer hat boden, dieser jüngling nicht.
Schiller dom Karlos 2, 9;

sich tauchen in der tiefe grund,
wo nie das senkbley bis zum boden reichte. Shakespeare Heinrich IV, 1, 1, 3;

auch sagen sie, und solches könnt' ihr stündlich
mit senkblei selbst erproben oder stange,
dasz diese flut so völlig unergründlich,
dasz auf den boden nie ein stein gelange.
Platen 317b;

den unerforschten abgrund ...,
von dem kein senkblei noch erforscht die tiefe.
Grillparzer 8, 83;

ein prophet, der das senkblei seines geistes in den abgrund noch unverhüllter weltordnungen niederzulassen vermag. Vischer auch einer 1, 339.
 
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senkblick, m. das sehen unter niedergelassenen augenlidern hinweg.
 
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senkbrunnen, m. brunnen, dessen ringförmige ummauerung durch ausheben und untergraben und oben angebrachte belastung gesenkt wird; auch zur fundierung im wasserbau benutzt. Karmarsch-Heeren techn. wb.3 10, 283. vgl. DWB senken 3, b, senkspaten.
 
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senke, f.
1) vertiefung im boden, mulde, delle, kleines thal, vgl. mhd. wb. 2, 2, 306a; in der norddeutschen umgangssprache gebräuchlich. Liesenberg 214; auch von einer einsenkung im dache Schambach 190a; vertiefung, wo wasser austritt, schlammpfütze Dähnert 422a; tor senke fören, stecken bleiben (mit dem wagen). ebenda; tau senk driwen, in gleichem sinne Mi 79a; s. auch Frischbier 2, 338a, vgl. sinke.
2) grube zur aufnahme des unrats, senkgrube (Niederrhein).
3) für senkgarn, senknetz (s. diese): sencke, un traineau à pescher Hulsius dict. (1616) 296a; senke, fischgarn Schottel 1415; fischbahr, tragula, alias eine wate oder senke Stieler 133; fisch- sive zuggarn 2008; eine senke, bey den fischern, ein netz das man ins wasser hangen läst, und oben etwas daran macht, dasz man den obersten rand sehen kann. Frisch 2, 264c; vgl. Frischbier 2, 338b. Schambach 190a.
4) bei schmieden und schlossern ist die senke eine ausgehöhlte form, 'andern dingen darin ihre gehörige gestalt zu geben'; in der schlüsselsenke werden die röhren der schlüssel abgerundet. Adelung.
5) eine senke, in den weinbergen, propago Frisch 2, 264c; senker, senke, senkende, gesenke Nemnich; man nimmt eine rebe, die man aber am stock läszt, und biegt sie in eine grube hinein (senkgrube); eine solche rebe heiszt senke oder auch die handlung wird senke genannt. Jacobsson 4, 140b, vgl. DWB senken; es tragen auch die sencken nicht alle jahr. Coler öconom. (1680) 262b.

[Bd. 16, Sp. 589]



6) für senknadel (s. dieses), bei Campe als verdeutschung von sonde.
 
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senkeisen, n. ein besondrer ambos der kupferschmiede. Jacobsson 4, 140b.
 
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senkel ,
1) senkel, m. schnürband, schnürriemen, nestel, mhd. senkel mhd. wb. 2, 2, 252b. Lexer mhd. handwb. 2, 885; es liegt kein grund vor an entlehnung (franz. sengle, sangle, lat. cingulum) zu denken, senkel war der zungenartige bandstreifen, der durch eine schnalle oder schnürloch gesteckt wird, im mhd. vor allem am gürtel beschrieben, der durch den rinken gezogene lang herab gelassene und kostbar geschmückte streifen, am gürtel herabhangendes zierstück. Weinhold frauen2 2, 282. Schultz höf. leben2 1, 274. 277; (die kaiserin hatte) ein gürtel mit einem senkel, darein verwürkt warent edel gestain ausz India. d. städtechroniken 3, 69, 5; vgl. unten die stelle aus dem heiligenleben (1478), wo der senkel abnehmbar ist; noch bei Hulsius (1616) in ähnlichem sinne: senckel, die kette an den gürteln, welche die weiber an seiten hinunder hängen lassen. 296a; dann wird senkel überhaupt von den bändern und bandähnlichen vorrichtungen zum schnüren und befestigen der kleidungsstücke gebraucht, z. b. von den hosennesteln, den schnüren am mieder, an den schuhen: cinctura senckel Diefenb. gloss. 120a; liga, senckel, nestel; senkl o. hosnestl, senghel vel natelreme. 329a; ligula, senkel; ligula cancellaris, snursenckel 329b; renda, senckel, das houpt von dem riemen. 492a; liga, hosvettel, senkel nov. gloss. 234b, vgl. Schm. 2, 314; mnd. senkel, m. in gleicher anwendung Schiller-Lübben 4, 190a; senckel, nestel, m. Hulsius dict. (1616) 296a. Schottel 1415. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 771b; ligula astrictoria, ein nestel, senckel. Corvinus fons latinit. (1660) 362b; lederner senkel, beschlagener senkel mit stiften, senkel zuebinden. Stieler 2007; senckel (als f.), ligula, fibula Steinbach 580; Frisch 2, 264c bemerkt, dasz das wort in Oberdeutschland wenig gebräuchlich sei. er versteht unter senkel schnürbänder, 'sonderlich deren spitzen mit metallenen blechen beschlagen'; schnür-, hosensenkel, seidene, beschlagene (mit stiften an den enden versehene) senkel. nestel, senkel, schnürsenkel, eine gewisse gattung langer und schmaler riemen oder schnüre, rund oder platt, auf einem oder beyden enden mit stiften beschlagen, werden zum zuschnüren gebraucht. Jacobsson 4, 135a; nd. senkel, an hose und schuhen. Schütze 4, 97; auf aufwand, der früher mit hosensenkeln getrieben wurde, deuten die redensarten: he het senkel an de bene, er ist ein stutzer; dat is een keerl, de het senkel an de bene, das ist ein ganzer kerl. brem. wb. 4, 753; md.: senkel, schnîrsenkel, an korsett und schuhen Jecht 103b; senkel, schnur mit metallspitzen, schnür-, schuhsenkel. Frischbier 2, 338b; das wort ist im zurückweichen begriffen, doch werden die zusammensetzungen schuh-, schnürsenkel in der umgangssprache verschiedener nordd. gegenden noch gebraucht;

desgleichen sich die metz beweist
den heintzen zubedencken
und rote senckel sie sich fleist,
thut sie dem heintzen schencken. bergreihen 82 neudruck;

darnach gab S. Alexius seinem gemahel ein kosper fingerlin und den senkel ab seiner girtel. heiligenl. (1478) 82a; (würste,) welche er alle, wann er zur zech gieng an gürtel umbher hencket, wie die schwebische furleut die rote senckel, uber das glat artlich gekerbet ledere gesesz. Fischart Garg. 54a; diese preysen (frauenärmel) mocht man mit einem senckel anbinden. Hennenberger preusz. landtafel (1595) 279; auch einen senckel, wenn er eine pinnen darvon in eines schlos loch gesteckt, ist es auch auffgangen. 469; gnüpffet am senckel. Schoch studentenleben 16, 2 Fabricius; sie lest euch freundlich grüszen, und schickt euch hier einen schönen senckel in euere sonntags-krausze, den solt ihr ihr zu gefallen tragen. 63, 33; mit den nesteln (sencklen) bindet man knoten (schörten) oder löset sie auff. Comenius sprachenthür übersetzt von Docemius (1657) 516.
2) im ahd. glossiert senkil (daneben steht ein fem. sinkila) anchora, jaculum, funda Graff 6, 256; vgl. senkilstein, anchora 689 (s. aber am ende des absatzes 3 sinkelstein) und senkilkrapfo, ancora 4, 597; funda ist ein beschwertes netz (senkgarn, senknetz). mit senkel wird bald das beschwerende gewicht, bald das ganze durch gewicht herabgezogene netz bezeichnet: es soll kain fischer senkel setzen. quelle bei Lexer mhd. hdwb. 2, 885; senkel, blei an fischnetzen Strodtmann 210. beschwerendes gewicht, nicht senkbaum, bezeichnet senkel wol auch in der Frommanns zeitschr. 7, 119 angeführten stelle. vgl. DWB senkelkorb.

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3) aus dem zusammenhange mit senken erklärt sich gleicher weise von selbst die verwendung von senkel für bleiloth des werkmanns und des schiffers: perpendiculum, bleywaag, senckel. Dief. 428c; senckel oder bleiwag, das blei der werckmeyster, perpendiculum Dasypodius; dem senckel nach oder der schnr nach machen. Maaler 370a; bleischnur, bleiwag, senchel, metzler, senckel, regel. Henisch 417, 30; senckel, m., das bley der werckmeister, bleywage, daran sie erkennen, ob sie strack fahren. Hulsius diction. (1616) 296a; senkel, m. perpendiculum Schottel 1415. Stieler 2007; spruch: den stein nach dem senkel, nicht den senkel nach dem stein. senkel, m. und n., bleilot der markscheider; senkel schlagen, durch bleilote die richtung für einen schacht festlegen Veith bergwb. 447. Scheuchenstuel 224; der senkel, senkblei Hunziker 239; der senkel, werkzeug zur verticalmessung Karmarsch-Heeren techn. wb.3 6, 46. 102; vom senkblei im wasser: mit dem senckbley ò senckel die tieffe abmessen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 768a; nachdem die messer aber bereits neun zwirnnetz (ist ein masz, das die Schwartzwälder bauren-weiber besser als ich oder ein ander geometra verstehen) mit einem senckel hinunter gelassen und gleichwohl noch keinen boden gefunden. Simpl. 2, 49, 3 Kurz; vil seltsames, in den tiefen wellen der natur, das wir mit dem bleysenkel unserer vernunfft, bey der schiffart dieses lebens, nicht ergründen. Butschky Pathmos 575;

liebesabgrund, den ergründen
auch keines engels senkel kann.
Arndt 533.

in der bei Schultz höf. leben2 2, 342, 3 angeführten stelle (Brandan 1492) heiszt das loth sinkel und sinkelstein.
4) senkel, senkelaal, dünner, junger aal Frischbier 2, 338b (nach 1), so dünn, wie ein schnürsenkel.
5) Diefenbach gloss. 522c führt senkel auf als name für roggen (secale); vielleicht steht senkel für sengel, sängel, reife ähre (vgl. th. 8, sp. 1790); sängelbüschel, ährenbüschel Schm. 2, 310; senkile, büschel von ähren, mohnköpfen Lexer 232; ferner bietet Dief. 512c die glosse sardiola, senkel. ob damit eine pflanze gemeint ist, wie Diefenbach und Frisch 2, 264c annehmen, ist zweifelhaft.
6) nach Lexer 232 bezeichnet man mit sengel, senkel den glockenschwengel; ferner einen groszen kropf oder dicken bauch (so wol auch sinckel, nicht sinckelhert bei Wolkenstein 50, 2, 1 = bauch); senkl, grosze, bald harte, bald weiche geschwulst Hügel 148b; senggl, m., ein groszer baumelnder gegenstand, z. b. groszes bündel, das man in der hand trägt. senggln, schwer tragen Hintner 206.
7) senkel, schnur an ländlichen thürklinken, woran sie aufgezogen werden; über nacht zieht man den senkel ein Frischbier 2, 338b; wol nach senkel 1 (schnürsenkel).
8) senkel, schlickfänger, rostartige vorrichtung, z. b. senkrecht herabgelassenes weidengeflecht (im küstengebiet); die fluth tritt über die schlickfänger und läszt beim zurückweichen den mitgeführten schlamm hinter dem schlickfänger zurück. Jacobsson 7, 336b.
9) klammern zur befestigung (übertragen von 1 her): 'kleine eiserne klammern, womit die gerinne (holzbahnen für rinnendes wasser) zusammengehalten werden'. Jacobsson 4, 140; am treibofen für die bleigewinnung 'kleine, fingerdicke haspen und riegel, vermittelst deren die ribben des treibehuts an die bleche desselbigen bevestiget werden'. ebenda. klammern am schiff, s. oben theil 5, sp. 939 (Mathesius).
10) obscön: ich weisz, das ihr in meinen kram (vulva) sein senckel misset. Frey gartengesellschaft 152 Bolte; etwa: schnürsenkel, verschnürendes, verschlieszendes stück?
 
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senkelaal, m., s. DWB senkel 4.