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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sendschreiber bis senfbrühe (Bd. 16, Sp. 579 bis 582)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sendschreiber, m.: so bezeigte und erklärte ich von allem, was der sendschreiber meinte, dasz ich nothwendig bezeigen und erklären müsse, schlechterdings nichts. Lessing 8, 199.
 
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sendstuhl, m., zu send, m. geistliches gericht:

da (in Mainz) ist nû dere kuninge wîchtuom
dis pâbis senitstuol. Annolied 508;

wanner de bischoppe den seentstoel besittenn willen. niederd. jahrb. 8, 87.
 
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sendung, f. , zum verb. senden gebildet, vgl. mhd. wb. 2, 2, 298b. Lexer mhd. handwb. 2, 877; mnd. sendinge Schiller-Lübben 4, 189a; vgl. auch ahd. santunga Graff 6, 239; sendung der botten, legatio Dasypodius; sendung, missio, legatio Maaler 370a; sendung des heyligen geistes. Stieler 2010; seine rechtmäszige sendung darthun. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 768c.
1) handlung des sendens, das object folgt im gen.: sendung eines bevollmächtigten, eines vertreters, sendung der bestellten waren.
2) prägnanter, legatio; von dem verbalen sinne findet leicht ein übergang zu der anwendung statt, dasz mit dem worte die stellung, der zustand, die eigenschaft des gesandten bezeichnet wird: eine diplomatische sendung führte ihn nach Wien; ein bevollmächtigter in auszerordentlicher sendung; einer gesandtschaftlichen sendung angeschlossen. Göthe 23, 137; er hatte glück bei allen diplomatischen sendungen. ebenda.
3) das was einem gesendeten aufgetragen ist, botschaft, aufgabe, besonders auch in freierer, die eigentliche bedeutung des verbums verlassender anwendung, bestimmung (mission): wenn Aruja gesinnt ist wie ich, sagte Perisadeh, so wirst du wenig freude von deiner sendung haben. Wieland 8, 390 (Danischmend 45); Hans Sachsens poetische sendung. Göthe 13, 123; nun hätte zuletzt ein dritter, die freunde beobachtend, gar wohl bemerken können, dasz die sendung beider eigentlich geendigt sey. 22, 129; sie von der zuverlässigkeit meiner sendung zu überzeugen. 23, 131; allmächtiger gott, ich weisz es ja, dasz ich eine grosze sendung übernahm, dieses verwüstete land zu sittigen. Alexis hosen12 248;

als ob sie zentnerschwer an ihrer sendung trüge.
Wieland 21, 212 (Klelia 3, 24);

ein ordenspriester lästert seine sendung,
misbraucht der gottbeit siegelring.
Schiller dom Karlos 2, 9;

anklagen ist mein amt und meine sendung,
es ist meîn herz, was gern bey'm lob verweilt. Piccolomini 2, 7;

ich hab den inhalt ihrer sendung zwar
vernommen. ebenda;

an schwester Marfa lautet meine sendung. Demetrius 2, 1;

lasz ihn dann zum lichte schieszen,
wenn er nicht erliegt der blendung,
denn die sonne zu begrüszen
ist allein des adlers sendung.
Strachwitz 44;

wenn meister auch der kunst zu sein, vielleicht nicht meine sendung ist.
Leuthold ged.4 129.


4) gesendete sache, eine sendung empfangen, den empfang einer sendung bescheinigen; eine sendung abgehen lassen. im stillen hing seine seele an diesen sendungen. Freytag ges. werke 4, 8.
 
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sendverwandter, m. ein dem geistlichen gericht unterworfener. Frisch 2, 263c.
 
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seneisen, n. lamina foraminum plenae(!). Agricola bergbuch (1621), auslegung der bergwörter.
 
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senesbaum, m. senesstaude, f. cassia senna, ein staudengewächs, das die abführenden senesblätter liefert. sennesbälge, die schoten Jacobsson 7, 338a. sene ist ein loup daʒ wahset an eim boum. arzneib. im mhd. wb. 2, 251b; vgl. Lexer mhd. handwb. 2, 877. Schiller-Lübben 4, 189a. das wort ist fremden ursprungs, ital. sena, franz. séné, aus dem arabischen stammend (Diez etym. wb.4 291), sene, sen Dief. 526b, colutea, senet 134b; senetstaud, colutra Dasypodius; senetbaum, nach Ruellij meinung, colutea Maaler 370a; senet, m. senetbaum, senetblätter Hulsius dict. (1616) 296b; folia senae, senetblätter, habent vim purgandi. Corvinus fons lat. (1660) 586b. senet, m. foenum graecum Schottel 1415; senet, senet-, senesblätter Stieler nachschusz 27a, seneblätter Steinbach 2, 581; senes, oder senet, ein bäumlein, dessen blätter in der arzeney gut sind. Frisch 2, 264b; senesbaum, senesblätter, senne.

[Bd. 16, Sp. 580]


Adelung; senesbaum, -blätter, senetstrauch, italische senna. Campe, vgl. Weigand4 2, 697. senet: disz kraut sampt seinen schöttlin, darinn der samen ligt, ist ein fast gemein purgatz desz gemeinen manns .. von Florentz bringt man viel, wird auch bey uns in den gärten erziehlet, die beste aber ist die, so von Alexandria hauffend gen Venedig gebracht wird. Wirsung arzneib. (1597) 15 D; etliche wöllen fälschlichen ein coluteam ausz der senet machen, und herwiderumb ausz dem colutea Theophrasti ein senet geschlecht, welches ein doppelter falsch ist, colutea heist bey uns linsenbaum. register; ebenda senet-blatt, -lattwerg, -pulver, -syrup, -tranck, -wein. senet ist zweyerley, eine so sena orientalis (die alexandrinisch senet) genennet wird, die ander sena italica (die welsch senet, welsch senetkraut). Tabernaemont. kräuterbuch (1664) 903; er wechselt zwischen m. und f.: es ist kaum ein gebräuchlicher artzney zu dem purgieren, dann eben dieser senet, .. weil sie sicherlich ohn allen schaden und fruchtbarlich purgieret. ebenda; cassia absus, die ægyptische senne mit vier blättern, cassia lanceolata, die morgenländische senna, cassia senna, die italienische senna, der sennetstrauch. Nemnich (bauhinia acuminata, die unächte senna); cassia senna (Aegypten, Arabien, Senegal, auch im südlichen Europa und in Westindien angebauet) .. liefert die bekannten sennesblätter, welche gelind abführen und daher den kindern gegeben werden. Oken 3, 1718 (die strauchartige kronwicke, scorpions - senna, coronilla emerus. 1621); cassia senna, senetblätter, senna-, senne-, sennenblätter, sennes-, sennetblätter. Pritzel-Jessen 84; vgl. Karmarsch-Heeren technol. wb.3 8, 222, sennebletter Hunziker 239, sendelblätter Kehrein 375, senesblätter, senesmus Hertel thür. sprachsch. 228, sêmsbldr Danneil 191b, sêmsbladen ten Doornkaat Koolman 3, 173b; wie ein frommer weihekrug dampfte während dieser zeit der hafen mit den sennesblättern und dem glaubersalz. Keller 6, 250.
 
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seneschall, m. oberster hofbeamter der fränkischen könige, mittellat. seniscalcus, 'der älteste, vornehmste der knechte', vgl. got. sinista, der älteste (zu einem unbezeugten positiv gehörig), und skalks, knecht. seneschall ist das franz. sénéchal. daneben ist in neuerer sprache das an die mittellat. form angelehnte seneschalk im gebrauch. zur ursprünglichen bedeutung des wortes vgl. Schröder rechtsgesch.2 139. Brunner rechtsgesch. 1, 235. 2, 101; mit dem höfischen epos drang das wort in franz. form wieder ins deutsche ein, als scheneschlant, scheneschalt, seneschalt, seneschas u. s. w., vgl. mhd. wb. 2, 2, 93b. Lexer mhd. handwb. 2, 879. Grimm gramm. 3, 420. Schultz höf. leb.2 1, 204. 401, senteschalk Stieler 2001, seneschall, praetor provincialis supremus Galliae Apin gloss. (1728) 493;

der stolze Weltling — sey
der seneschall von Aquilej.
Wieland 18, 79 (wasserkufe);

hierzu seneschallin, f.:

die seneschallin spricht. 82.


 
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senf, m. sinapis, die frucht der senfstaude.
1) die sprache, aus der zufrühest die Griechen mit der sache das wort, in der doppelform νᾶπυ (bei den Attikern) und dann σίναπυ, σίναπι (hellenistisch) entlehnt haben, ist unbekannt; man hat, ohne alle sicherheit, auf das sanskrit (Benfey griech. wurzelwörterb. 1, 428) oder das ägyptische (Hehn kulturpflanzen2 s. 184) geraten. als sinapi und sinapis dringt es ins lateinische ein; die Goten bilden dem griechischen genitiv σινάπεως ihre form sinapis nach (kaúrnô sinapis, κόκκον σινάπεως Marc. 4, 31. Luc. 17, 6), ohne dasz daraus auf eine einbürgerung des wortes bei ihnen geschlossen werden könnte; erst in die späteren germanischen dialecte kommt es als lehnwort von Rom her: ahd. sinapi seniph Steinmeyer ahd. glossen 3, 590, 45; synapi senif 591, 60; synapi zenf 597, 35; sinapis senef, senf 108, 36; iʒ ist gilîh corne senafes (simile est grano sinapis). Tatian 73, 2; habent ir gelouba also seneffes chorn (si haberitis fidem ut granum sinapis). Notker ps. 45, 3; altsächs. sinapi sanep Steinmeyer 3, 593, 33; synapi senap 595, 41; ags. sinapis senep Wright-Wülker anglos. voc. 1, 135, 33; mhd. senef, senf: sinape seniph, seniff, senff, senpf, senffe, semph, schenff Dief. 535c; später auch als senft:

darzu ich würcz und krewter han,
nagwuercz, senft und den encian.
H. Sachs fab. 1, 282, 82 Götze,

eine form, die mundartlich bis jetzt dauert: senef, senif, senft Schöpf 670; senft, semft, sempft Schm. 22, 287; senft Lenz vergl. wörterbuch der nhd. sprache und des Handschuhsheimer

[Bd. 16, Sp. 581]


dialects (1898) s. 65b, ebenso hessisch und düringisch; niederd. semp und semt Schambach 190a. das altnord. kennt das wort noch nicht; erst dän. sennop, sennep, schwed. senap. als collectivum entbehrt es des plurals, als geschlecht hat sich, im gegensatz zum lateinischen, allgemein das masculine festgesetzt.
2) ursprünglich als handelsartikel aus Italien eingeführt, bald in den heimischen gärten gezogen (sinape capitulare de villis 34. 44) bezeichnet senf zunächst die frucht, die sowol in der arznei wie in der küche als würze verwendet und namentlich wegen ihrer beizenden eigenschaften gekannt wird:

die senf und salsen eʒʒent gern,
die sulen des vil flîʒic sîn
daʒ si den unflât verbern
und stôʒen niht die vinger drîn. Tanhäusers hofzucht in Haupts zeitschr. 6, 490, 53;

zucker kan wol süeʒen:
kumt ein senf, der tuot in den ougen wê. minnes. 2, 240b Hagen;

ich bin ein hofmann, kan senff essen, und doch nicht weinen. Garg. (1590) 37; darnach soll man jm (dem siechen) über alle gelider (ausgenommen das haupt) senif überlegen, so lang bis es die haut aufbeiszt und rot macht. Celsus von Khüffner (1531) 54a; wenn du wilt einen guten senff haben, so nim denselben, und wässer jhn reine, und schütte jn in einen reibetopff, und nim darzu gebrüete mandeln und reib jn wol durcheinander gantz klein. Coler hausb. 1 (1604), 167; diesen senff magstu gebrauchen, zum gebraten oder zu kalten ochsenfüssen, oder zu wilden schweinen heuptern. ebenda; senff .. ist ein bekannter same, der auf der mühle gemahlen, mit wein-eszig in kleine fäszgen eingemachet, und weit und breit versendet wird. Amaranthes frauenzimmer-lex. (1715) 1838; mit dem senff pflegt der koch entweder gewisse essen gut und angenehm zu machen, oder er setzet solchen als eine tuncke bey böckel- und geräucherten fleisch, schincken etc. auff, wodurch dergleichen gerichte delicat, gesund und verdaulich gemachet werden. 1839; bisziger senf, sinapis fletum factura terenti. Stieler 2011; eine beiszarznei von senf, est serapismus, exulceratio cutis, quae fit cataplasmatis sinapis. ebenda; senf reiben, terere sinapi musto, wurst mit senf, botuli cum intinctu sinapi. ebenda; scharffer senf, sinapi acre, den senf stampfen, sinapi terere. Steinbach 2, 580; der senf steigt im essen desselben in die nase, acrimonia sinapis in naso sentitur. Frisch 2, 264b; früchte mit senf einmachen, fructus sinapio jusculo condire, senf mahlen, sinapina grana terere. ebenda;

auff mich darffest dein zän nicht spitzen (spricht das zicklein zum wolf),
hast sonst kein senff, so magst wol stippen,
mit fünff fingern in hindern dippen.
B. Waldis 1, 54, 31 Kurz;

indesz die klugen ...
nach wirklichem verlangt, gewürzt mit gurken.
mit senf, und was noch sonst den hunger reizt.
Grillparzer 1 (1887) s. 205.


3) in mehrfacher bildlicher anwendung (vergl. auch sauersenf theil 8, 1874); für etwas lust, appetit erregendes: sie (die liebe frau) ist sein (des mannes) lustessiger senff. Garg. (1590) 134; nu aber hats gott also gemenget (in der ehe), und den senff zum gebraten gesetzt, das jnen deste bas schmeckete. Luther 5, 341a; umgekehrt für etwas scharfes, verdrieszliches: bei geschäften darf man den senf nicht mit sich bringen, man wird ihn finden. Lehmann floril. 97; besonders aber in den stehenden redensarten einen senf um etwas machen, seinen senf zu etwas geben, seinen senf anbringen u. ähnl., hergenommen von dem würzen der speisen durch senf und übertragen auf ursprünglich beiszende, scharfe, witzige beiträge in einer unterhaltung, dann verblaszter auch auf auseinandersetzungen überhaupt, die anregend oder eindringend wirken sollen: er brachte seinen senf gar bald an. Parthenophilus das bei acad. lebende frauenzimmer 116; was machst du mir so einen langen senf her? quas ambages mihi narrere occipis? Steinbach 2, 580; einem einen langen senf hermachen, das ist, einem langweilige verdrieszliche reden hermachen, als der senf in der nase ist, fastidiosis ambagibus uti. Frisch 2, 264c; einen langen senf über etwas machen. Adelung; einen langen senf an etwas machen. Campe; erst machte er einen langen senf, womit er bewies, dasz man bei einer handlung auf die bewegungsgründe sehen müsse. Siegfr. v. Lindenb. 2, 163; den senf an alles streichen. J. Gotthelf käserei 332; ich habe das meinige gethan und es ist besser, dasz ihr auch euren senf dazu gebt. G. Keller werke 4, 305; philosophischer senf. Thümmel 7, 294;

auch Thom's gab seinen senf dazu.
Bürger 49a.

[Bd. 16, Sp. 582]



4) senf, bezogen auf die ganze staude: sinapis haiʒet senif. daʒ kraut ist haiʒ und trucken .. der senif ist zwaierlai, wilt und haimisch. Megenberg 422, 9; senff ist ein kraut, welches mit seinem saamen gleichen nahmen führet. dessen sind zweyerley gattung, weiszer und schwarzer, von der farbe des saamens also genannt. öconom. lex. 2280; weiszen oder gelben senf, wovon die blätter, weil sie noch zart sind, unter den kräutersalat gebrauchet werden. frauenz.-lex. (1773) s. 3251.
5) übertragen auf mehrere senfähnliche ackerpflanzen und ihren samen: ahd. mhd. eruca, wildesenef, wiltsenef, wiltsenf Steinmeyer gloss. 3, 109, 59; erucam witsenep 595, 26; eruca wild senf, wilder senf, veldsenf, wiʒ senef, hüttrich l. wilder sänf Dief. 209a; nhd. baurensenf, thlaspi, wegesenf, erysimon, et verbena foemina, alias hederich, weiszer senf, eruca hortensis Stieler 2011; brauner gemeiner senf, sinapi sylvestre, lampsana, wild senfkraut, gelber wilder senf, hederich, rapistrum, baurensenf, thlaspi primum, weg-senf, erysimum, schütt-senf, isio Frisch 2, 264b; brassica erucastrum, groszer wilder senf Nemnich 1, 666; erysimum officinale, hederich, wegesenf, wilder senf, falscher wassersenf 2, 1530; raphanus raphanistrum, wilder senf 4, 1133; von dem wilden senff, welcher auff denen feldern wächset, werden die blätter klein geschnitten, und zum frühstück wider die raude genossen. öcon. lex. 2280.
 
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senfbad, n. bad in wasser, worin senf gebrüht ist: gliederschmerzen, welche weder die dusche, noch das senfbad, noch das dampfbad lindern will. Sturz 1, 195.
 
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senfbereitung, f. bereitung des senfsamens zur speisewürze.
 
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senfbrühe, f. mit senf zubereitete brühe. Adelung; senfbrüh, jusculum sinapinum Frisch 2, 264a.