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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sendrath bis seneisen (Bd. 16, Sp. 578 bis 579)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sendrath, m. im sinne von sendgericht. Birlinger 386a.
 
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sendrecht, n. recht, rechtsprechung des geistlichen gerichts: hat ein man ein wîp ze êlichen dingen, und begit er sich âne ir willen in geistlichen orden, und vordert si in ze sentrehte uʒ dem lebenne. Schwabensp. 28, 1;

si rewelt ir fiunf hundert althêrren die in den zuhten wæren
daʒ si sentreht vernæmen. kaiserchron. 8479.

das seentrecht der sieben Münsterschen propsteien in Ostfriesland. nd. jahrb. 8, 86 ff.; send-recht, jus synodale Frisch 2, 263c. vgl. Haltaus 1680.
 
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sendrichter, m. mitglied des geistlichen gerichts, besonders aber vom vorsitzenden official; sendrichter, judices synodales Stieler 2010.
 
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sendrüge, f. rüge, anklage und strafe vor dem geistlichen gericht Schiller-Lübben 4, 191a: send-rugen, send-anklagen die vor das geistliche gericht gehören. Frisch 2, 133b; sagen sie auf ihr gewissen, ob eine solche unanständige und unverzeihliche treulosigkeit, nachlässigkeit und unwissenheit ... nicht sendrügen verdient. Hamann 4, 279; nd. sentwroger, ankläger beim geistlichen gericht. Schiller-Lübben 4, 191a.
 
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sendschöffe, m. dem laienstande angehöriges mitglied des geistlichen gerichts. mhd. wb. 2, 2, 70b. Lexer mhd. handwb. 2, 887; senatus, sentschepen Dief. 526b; sentschöpfen, scabini synodales Frisch 2, 263c; sinnschöffe, kirchenältester Schmidt 218.
 
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sendschreiben, n.: send-brief, send-schreiben, lettera missiva Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 768c. Frisch 2, 264a; vgl. sendbrief. nach Adelung von einem schreiben an mehrere, das einer dem andern zusendet. es ist feierlicher als brief und wird besonders von officiellen schriftstücken, briefen urkundlichen characters oder von solchen schreiben, die in form eines briefes für die öffentlichkeit oder doch weitere verbreitung bestimmt sind, gebraucht: brieflich urkunden, als testament, schuldbrief, supplication, sentschreiben und dergleichen. tirol. weisthümer 4, 750, 5; aus den glaubwürdigen schriften und aus den worten seiner sendeschreiben bei seinen königlichen ehren allen bundsgnossen zum pfande gegeben. Opel - Cohn 299; schau wie lib mir deine zugleich mit hoher kunstpracht der wörter und herlicher zir - rede ausgesmükte send - sreiben gewesen. Butschky hochd. kanz. 71; so lautete Antonio's sendschreiben an Raphael. Wackenroder herzensergieszungen (1797) 49; die

[Bd. 16, Sp. 579]


gedruckten oder lithographirten sendschreiben, aufrufe und prospecte. Keller 5, 146.
 
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sendschreiber, m.: so bezeigte und erklärte ich von allem, was der sendschreiber meinte, dasz ich nothwendig bezeigen und erklären müsse, schlechterdings nichts. Lessing 8, 199.
 
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sendstuhl, m., zu send, m. geistliches gericht:

da (in Mainz) ist nû dere kuninge wîchtuom
dis pâbis senitstuol. Annolied 508;

wanner de bischoppe den seentstoel besittenn willen. niederd. jahrb. 8, 87.
 
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sendung, f. , zum verb. senden gebildet, vgl. mhd. wb. 2, 2, 298b. Lexer mhd. handwb. 2, 877; mnd. sendinge Schiller-Lübben 4, 189a; vgl. auch ahd. santunga Graff 6, 239; sendung der botten, legatio Dasypodius; sendung, missio, legatio Maaler 370a; sendung des heyligen geistes. Stieler 2010; seine rechtmäszige sendung darthun. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 768c.
1) handlung des sendens, das object folgt im gen.: sendung eines bevollmächtigten, eines vertreters, sendung der bestellten waren.
2) prägnanter, legatio; von dem verbalen sinne findet leicht ein übergang zu der anwendung statt, dasz mit dem worte die stellung, der zustand, die eigenschaft des gesandten bezeichnet wird: eine diplomatische sendung führte ihn nach Wien; ein bevollmächtigter in auszerordentlicher sendung; einer gesandtschaftlichen sendung angeschlossen. Göthe 23, 137; er hatte glück bei allen diplomatischen sendungen. ebenda.
3) das was einem gesendeten aufgetragen ist, botschaft, aufgabe, besonders auch in freierer, die eigentliche bedeutung des verbums verlassender anwendung, bestimmung (mission): wenn Aruja gesinnt ist wie ich, sagte Perisadeh, so wirst du wenig freude von deiner sendung haben. Wieland 8, 390 (Danischmend 45); Hans Sachsens poetische sendung. Göthe 13, 123; nun hätte zuletzt ein dritter, die freunde beobachtend, gar wohl bemerken können, dasz die sendung beider eigentlich geendigt sey. 22, 129; sie von der zuverlässigkeit meiner sendung zu überzeugen. 23, 131; allmächtiger gott, ich weisz es ja, dasz ich eine grosze sendung übernahm, dieses verwüstete land zu sittigen. Alexis hosen12 248;

als ob sie zentnerschwer an ihrer sendung trüge.
Wieland 21, 212 (Klelia 3, 24);

ein ordenspriester lästert seine sendung,
misbraucht der gottbeit siegelring.
Schiller dom Karlos 2, 9;

anklagen ist mein amt und meine sendung,
es ist meîn herz, was gern bey'm lob verweilt. Piccolomini 2, 7;

ich hab den inhalt ihrer sendung zwar
vernommen. ebenda;

an schwester Marfa lautet meine sendung. Demetrius 2, 1;

lasz ihn dann zum lichte schieszen,
wenn er nicht erliegt der blendung,
denn die sonne zu begrüszen
ist allein des adlers sendung.
Strachwitz 44;

wenn meister auch der kunst zu sein, vielleicht nicht meine sendung ist.
Leuthold ged.4 129.


4) gesendete sache, eine sendung empfangen, den empfang einer sendung bescheinigen; eine sendung abgehen lassen. im stillen hing seine seele an diesen sendungen. Freytag ges. werke 4, 8.
 
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sendverwandter, m. ein dem geistlichen gericht unterworfener. Frisch 2, 263c.
 
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seneisen, n. lamina foraminum plenae(!). Agricola bergbuch (1621), auslegung der bergwörter.