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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
send bis sendeblatt (Bd. 16, Sp. 571 bis 573)
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[Bd. 16, Sp. 571]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) send, m. aus synodus, geistliche versammlung, dann besonders geistliches rügegericht; freier für jede gerichtsversammlung oder versammlung überhaupt; sogar auch für den jahrmarkt, der mit der abhaltung des geistlichen gerichtes hier und da verbunden war, vgl. Schiller-Lübben 6, 260a. in neuerer zeit mit der sache ausgestorben, s. Graff 6, 245. mhd. wb. 2, 2, 252b. Lexer mhd. handwb. 2, 886. Schiller-Lübben 4, 190b; senatus, senet Dief. gloss. 526b; sinodus, sent, send, sendt, zient, zeent, sant, sint 537a; seynt, der papen richte nov. gloss. 340b. Schröder rechtsgesch.2 569 fg. Brunner rechtsgesch. 2, 325. Schm. 2, 316. brem. wb. 4, 788. Schottel 496b; der send, der senn Stieler 2010. Frisch 2, 263c (als m. und f., vgl. Adelung und Campe, die neben der send auch die sende verzeichnen). Scherz 2, 1484. 1501. 1610; ags. seonoþ, sionoþ, senoþ, sinoþ, synoþ, geistliche versammlung; fries. sinuth, sineth, sind (Richthofen 1017a). vereinzelt als neutrum: he makede dat erste senet to Nik. deutsche chron. 2, 1, 267, 21; dat andere send to Constantinopole. 38; item das der sent, der nach satzung der rechten je uber etlich jar ain mal beritten sollt werden, jetzo alle jar beritten und geubt wurdet an vil orten. reichstagsacten unter Karl V 2, 704; es werden die geystlichen ordinarien ynnhaltung des heyligen sendts, darynnen die laster ... zu straffen sein, durch etliche weltliche oberkeit verhindert, welche solchen send ynn yhren gebietten zu halten nicht gestaten wollen. Luther 19, 269, 8 Weim. ausgabe; wir haben ain irrung des christlichen glaubens z Straszburg aufgericht und im den namen des hailigen sents geben. Schade sat. u. pasqu. 2, 95, 34; die leien im sent zu schinden. 14; der official und alle geistlich, die den sent halten. 47, 22; es sein etliche gemeine priesterliche oder bischoffliche versamlungen, so ausz der gantzen christenheit priester und bischoffe versamlet werden, die nennet man concilia generalia, oder universalia, darnach sein etliche sonderliche versamlungen der priester oder geistlichen, in einem jeden lande oder bisthumb, so ein bischoff seine geistliche zsammen fordert, zu seinem bisthumb, oder zu seiner jurisdiction gehörig. diese nennet man synodos provinciales, oder ditionales, und haben solchen jhren griechischen namen behalten, auch bey den teutschen, die solche versamlungen, senet, oder calant nennen, mit versetzung und auszlassung etlicher buchstaben. denn synodos oder senet, sein nicht ferne von einander. und so fleuszt auch caland von dem wort kalein, a vocando. E. Sarcerius hirtenbuch (1566) 393. send-sitzen, exercere judicium synodale Frisch 2, 263c;

der gleich verreteri gschicht auch
im sent. da macht man mangen gauch:
dan da msz man all die angeben
die im eestand unelich leben.
Schade sat. und pasqu. 2, 219, 836;

es hat ein heil'ger send, zu Wien versammelt,
im vorsitz Guido, kardinal- legat, ...
zu recht gesprochen.
Grillparzer 5, 30 (Ottokars glück u. ende 1).


 
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sendach, n. heidekraut, calluna vulgaris. Lexer kärnt. wb. 231; gambssendach, gambshaidach, azalea procumbens Schm. 2, 305. vgl. DWB sende 2.
 
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sendbann, m. zuständigkeitsgebiet des geistlichen gerichts, vgl. Haltaus 1678.
 
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sendbar, adj., als rechtsausdruck in älterer sprache gebräuchlich, abgeleitet von send, geistliches gericht; mhd. sentbære mhd. wb. 2, 2, 253a. Lexer mhd. handwb. 2, 886; meist in verbindung mit frei, mann, leute und dann auch in der form semper (s. oben unter semper-); zunächst wol als eigenschaft derjenigen, die berechtigt sind als schöffen, vielleicht auch als rügezeugen am send theil zu nehmen. vgl. Haltaus 1678. 1679. Scherz 1484. 1485. als semperfreien, semperleute, -männer bezeichnet man aber gewöhnlich leute, die sich gewisser vorrechte in bezug auf das geistliche gericht erfreuen, z. b. dasz sie nur dem bischöflichen send unterstehen, vgl. Sachsensp. I, 2, 1. im Schwabenspiegel bilden die semparfrîen die höchste classe der freien. vgl. Schröder rechtsgesch.2 570, anmerk.
 
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sendbar, adj. zu senden, verb.: ein sendbarer bote, tabellarius aptus, commodus Stieler 2010; sentper, missivus. voc. bei Scherz 1485.
 
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sendbote, m.: vele erliker sendeboden (gesandte) ut des rikes steden van dem Rine. d. städtechr. 7, 349, 22; die haben z andtwurt geben, sie seien nun sandtbotten. 23, 324, 18; vgl. Scherz 1485; nd. sendelbaden godes. quelle bei Schiller-Lübben 4, 189a, in neuerer sprache nur zur schilderung älterer

[Bd. 16, Sp. 572]


verhältnisse oder in gebobener sprache: wenn der sendbote ihnen nicht so manchen strafschilling aus dem sack zwickte. Scheffel Ekkeh.88 82; einer der angesehensten bischöfe stellte sich in seiner angst vor kaiserlichen sendboten auf die kanzel. Freytag ges. werke 17, 294; vgl. unten sendgraf; indessen erschien aber ein sendbote der groszmutter. Keller werke 1, 181; die sendboten gottes. hierzu sendbotschaft, f.: item ein waltpot sole alle jare jerlichen uf s. Katherin tag selbst oder durch sein mechtigen sendboitschaft oder amptlude uf der auwe vor Ursel komen. Grimm weisth. 5, 319.
 
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sendbrief, m., mhd. sentbrief Lexer mhd. handwb. 2, 887, missiva, sendbrieff, zende breff Dief. gloss. 363c; epistola, litera missiva, sende-, sent-, sant-, sind-brieff, -brif, -briff, zende bref 205a; sendbrieff und missiven, das sendbrieffle Maaler 370a; sandtbrieff, epistola 342d; sendbrieff, lettre missive Hulsius dict. (1616) 296b; epistola, ein sendbrieff, ein missiv, ein schreiben. Corvinus fons lat. (1660) 407a; die sendbriefe des h. apostels Pauli, die sendbriefe Ciceronis. Kramer deutschital. dict. (1702) 2, 768c; send-brief, epistola, gebrauchen etliche, die nicht mehr epistel sagen wollen. Frisch 2, 264a. 'eigentlich ein jeder brief, ... zum unterschiede von brief, so fern es ehedem eine jede urkunde bedeutete. in dieser bedeutung ist es veraltet, und man braucht sendbrief, oder noch lieber sendschreiben, nur noch von einem schreiben an mehrere, welches einer dem andern zusendet'. Adelung; daʒ ist ain tail aines sandbriefs, der gescriben ist worden des von Brabant canzler von ainem von Paris. deutsche chron. 2, 1, 373, 1; Augustin in ainem sendprief, den er sant seinem freund Januario. Megenberg 64, 33; als der ersam wyse Petter von Argun ... uns durch seinen santbrieffe sein burgrecht uffgesagt hett. deutsche städtechron. 5, 403, 25; Caspar Slick, des römischen künigs kantzler, hat den nach geschriben santbrief gen Venedig gesant. 10, 171, 9 (unmittelbar vorher: copia des sent briefs); scht die stücklin des santbriefs und legt und satzt zsamen die zerrissnen worte. N. von Wyle translat. 35, 10 Keller; darbey was ein sendebrieff, das der rath den vorigen anlass untuchtigk machen sollte. Spittendorff 380; so bald du empfohest diszen sendbrieff. Keisersberg post. 2, 55b; zu morgens entpfieng diser künig alle sendbrieff, so jm an eim yeden tag zgeschickt warden. Franck weltb. 9; wie dann auch Narbazan, der Persier hauptman, dem groszen Alexander in einem sendbrief zueschreibt. Aventin bair. chron. 1, 298, 1; ain neuer sendbrief von den bösen gaistlichen geschickt z irem rechten herren. Schade sat. u. pasqu. 2, 93; ein fauler schlüngel, saget Plato in seinem andern sende-briefe. Mandelslo reisebeschr. herausg. von Olearius 1; ein sendbrief aus dem englischen übersetzt. Göthe 60, 183. in neuerer sprache ungebräuchlich für 'brief', auch in gehobenem sinne seltner als sendschreiben; wie dieses von officiellen schriftstücken, die für einen gröszeren kreis bestimmt sind.
 
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sendbrüche, f.: 'die sendbrüche, sing. inusit. in einigen gegenden strafgelder, welche auf der send, oder dem sendgerichte erkannt werden'. Adelung; s. oben brüche th. 2, 411; nd. sentbroke Schiller-Lübben 4, 191a.
 
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senddechant, m.: wie die sentherrn unbillichen zins von den heusern fordern. item der sentdechant fordert auch an etlichen orten alle jar gelt von heusern. reichstagsacten unter Karl V 2, 702 (der dechant hält im namen des bischofs den send ab).
 
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sende, f.
1) binse, mhd. semede, s. oben semde. sende, plur. die senden, aliis bins, binsen. Steinbach 2, 580. scirpus, sende Nemnich; juncus conglomeratus, knopfsende, glatte sende. ebenda; Oken 3, 434 führt auf strick-, dach-, woll-, blasensenden; rutsche, knopf-, dochtbinse, sende, juncus conglomeratus Frischbier 2, 240a; W. Scherffer braucht sende (s. Drechsler 243), der heutigen mundart Schlesiens scheint das wort fremd zu sein, vgl. Weinhold 90a. Frommanns zeitschr. 5, 477. Weinhold a. a. o. verzeichnet es für 1) spanisches rohr, wie es in den schulen gebraucht wird; 2) sehne oder saite, die straff über das spinnrad gezogen ist; ob das zweite zu semde, binse, gehört, ist unsicher, s. Weinhold unter bîse. deutsch-ungar. ist sendel, m. binse Schröer 289a.
2) sende heiszt auch das heidekraut, erica carnea et vulgaris Schm. 2, 305; vgl. oben sendach.
3) send, f., säd, futterkorb, auch der inhalt, e säd häcksel. Frischbier 2, 244; sêde, f. gemisch von heu und spreu, das auf der häckselmaschine geschnitten und dem vieh mit wasser gegeben wird. Kleemann 21a.

[Bd. 16, Sp. 573]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sendeblatt, n.: inschriften, denk- und sende - blätter. Göthe 4, 85.