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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
semperer bis sendach (Bd. 16, Sp. 569 bis 571)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) semperer, m., bair. rausch Schm.2 2, 283. vgl. DWB sumberer, sumerer, trommel-, paukenschläger, ebenda. Lexer mhd. handwb. 2, 1296.
 
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semperfrei, adj. ausdruck der älteren rechtssprache, mhd. semper vrî, sempar vrî, der höchsten art der freiheit theilhaftig, von personen, nicht wie es nach der folgenden erklärung Stielers scheinen kann: semperfrey, in iure publico dicuntur semperliberi et equitibus aequiparantur, al. exponitur exlex, qui perpetuo immunis esse vult ab omnibus oneribus, vulg. ein libertiner. nachsch. 27a, wie Apin gl. 493, Frisch 2, 263c und Scherz-Oberlin 1483 angeben, mit dem lat. semper gebildet, sondern entstanden aus sendbar (vgl. dies) frei, mhd. sentbære (sentpêre) vrî. für sendbar bezeugt Haltaus 1679 aus dem 14. jh. die form semper auch alleinstehend: und seind ihme gemeiniglich genomben alle die recht, die ein semper hat. quelle von 1313 ebenda. vgl. auch DWB sempermann unten und schöffenbar oben th. 9, 1444. die zusammensetzung mit frei kann nicht etwa den bezeichnen, über den der send keine gewalt hat, vielmehr darf als eigentliche bedeutung gelten: frei, gewisse vorrechte genieszend in bezug auf den send. vgl. schöffenbarfrei oben theil 9, 1444. ob send (s. d.) hier mit Lexer 2, 875. Gengler Schwabensp.2 308b eigentlich im sinne einer weltlichen versammlung gefaszt werden darf, nicht einer geistlichen, ist sehr zweifelhaft. vgl. Schröder d. rechtsgesch.2 570: wir zelen drîerhande frien der heiʒent eine sempar frien; daʒ sint die frien herren, als fürsten, und die ander frien ze man hânt. sô heiʒent die andern mittel frien; daʒ sint die, die der hohen frien man sint. die dritten frien daʒ sint die frien lantsäʒen, die gebûren, die da fri sint. Schwabenspiegel 2 Gengler; ist das kint semper fri, man sol eʒ mit sinen genoʒen überziugen. 54, § 8; eʒ ist nieman semper fri wan des vater und muter, und der vater und muter semper fri waren. die von den mittel frien sint geboren, die sint ouch mittel frien. und ist ioch diu muter semper fri und der vater mittel fri, oder ist der vater semper fri und diu muter mittel fri; so werdent diu kint doch niht wan mittel frien. 57, 6; und sprichet ein man den andern kemphlichen an, und ist im dar umbe niht tac gegeben: man sol im tac geben nach siner geburt, daʒ er sich da zu bereite, swes er da zu bedarf. dem semper frien git man tac über sehs wochen; dem mittel frien über vier wochen; dem dienstman und allen liuten über zwo wochen. 86, 2;

die ritter, grafen, semperfreien
die müssen all an meinen (des todes) reyen.
Cl. Stephani geistl. action (1568) D 8b.

substantivisch unflectiert: es haben die bürger und baurn, zumalen vor dem krieg, ihre tische und tresuren mit gülden und silbern bechern, schüsseln und kannen auszgebutzet und gezieret, da hingegen vor zeiten ein vornehmer semper frey sein hausz ausz allem seinem vermögen und einkommen nur etwan mit zin hätte auszstaffiren und butzen können. Schuppius 783. als titel bestimmter familien: semperfreyen, wie Limburg, Hewen, und etwan auch Rappoltstein und Reinstein in Sachsen. quelle bei Scherz-Oberlin 1483; her Albrecht her zu Limpurg, des h. r. r. erbschenck semperfrey. quelle ebenda. übertragen auf die ewige freiheit, die das jüngste gericht den frommen bringen wird: es wird ein ewigs frey jubel und halljar sein, da tod, sünd, teufel, scepter, joch, und der gantze fluch, so auff Adam und menschlichem geschlecht gelegen, sampt leiblicher dienstbarkeit und knechtschafft wird auffhören, und wir semperfrey, brüder und miterben Jesu Christi inn alle ewigkeit sein und bleiben werden. Mathesius Sar. 94a. in neuerer sprache nur durch gelehrte kenntnis wieder aufgefrischt: in den gassen sind keine schlaf-denuncianten mit guten ohren vertheilt, welche etwan den semperfreien bürger

[Bd. 16, Sp. 570]


behorchten, wenn er im hemde ist, und die am morgen darauf ein reichsnachtjournal seiner träume ablieferten. J. Paul palingenes. 1, 25.
 
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semperleute, plur., s. DWB sempermann.
 
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sempermann, m. ausdruck der älteren rechtssprache, zusammengezogen aus sendbar, mhd. sendbære, semper mann (flectiert, ein sempêrer man. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 887; einen andern sempern mann. quelle bei Scherz-Oberlin 1484). zur bedeutung vgl. DWB semperfrei: ein jeglich sempermann, der sin recht hat behalten, er si furst oder anders ein hoch mann. quelle bei Haltaus 1679; ein jeglicher sempermann mag in allen sachen, die vorgeschrieben sind, helffen bezeugen mit andern dienstmannen. quelle ebenda. als plur. erscheint semperleute, semperlüte, semperliute (flectiert die sempæren liute. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 887): pfaffen und geburen und alle die nüt semperlüte sint, und die nüt elich sint, die sullent alle lehenrechts darben. quelle bei Scherz-Oberlin 1483; semperlüt sind patricii die anfänglich in uffbuwung der statt oder fleckens St. Gallen dahin sich gesetzt, mögen wappen füren, haben vil fryheit. Tschudi 1, 505b (randbemerkung zu folgender stelle einer dort angeführten urkunde von 1382: wann derselb unser herr von Sant Gallen sich verschriben hett gegen der statt, dasz er von allen personen die nit semper sind, noch burgrecht nit kand und zu Sant Gallen säszhafft sind, mit welchen rechten si dem gottszhusz zugehörend, nit nemmen, den sin ersts lebend houpt).
 
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sempern, verb., kärnt. beständig etwas haben wollen, einen mit bitten quälen. Lexer kärnt. wb. 231. vgl. DWB semmern oben und zimpern unten.
 
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sempern, verb., auch sampern, kärnt. schwer tragen Lexer kärnt. wb. 231. vgl. DWB säumen auf saumthieren fortschaffen oben theil 8, 1915.
 
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semse, f. binse, semesz, juncus Diefenb. 312a (glossen des 15. jahrh. und Frischlins nomencl.), pluralisch semsen, scirpus 518c (Kirschii cornuc. von 1713), juncus Nemnich 2, 264, scirpus 1243, semse, juncus Frischbier 2, 338a, scirpus Bernd 285, binse (auch semsel) Hertel thür. sprachsch. 227. daneben simsen, juncus, scirpus Nemnich a. a. o., simse Pritzel - Jessen 195b (Württemberg), simeze Weigand4 2, 696 (Wetterau), simeze, simze, juncus Pfister nachtr. 276. stammverwandt mit dem gleichbedeutenden semde.
 
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sen, verkürzt aus sein, gen., so schlesisch: s' hot sn noch genug, es ist noch genug davon da; vgl. Frommanns zeitschrift 3, 243, 48. 411, 427. 452 (Tirol). 476 (fränkisch). Schmeller 2, 287. cimbr. wb. 225a. Albrecht 212a; es sinkt dann völlig zum füllwort herab: dar ist sen in dem walde ein röslein roth, das hat sen geschaffen der liebe gott. A. Gryphius 1, 784 (1698). vgl. den aufsatz von Palm 'über die ausdrücke sen, sent, sender, sen sent, sen soch in der volksthümlichen sprechweise einzelner dichter des 16. und 17. jahrh.' in Frommanns zeitschr. 6, 185. besonders bemerkenswert ist die affigierung von sen an das demonstrativum: dersen, dassen, densen u. s. w., s. Schm. 2, 286.
 
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senat, m., in verschiedener verwendung eingebürgert: regierungscollegium der hansestädte, collegium der professoren an universitäten, strafsenat, civilsenat am reichsgericht. hierzu senator, m. z. b. in hansestädten mitglied des regierungscollegiums, in einzelnen gegenden mitglied des magistrats. dumm senater, der unstudierte ratsherr Mi 79a, senator werden, in den senat kommen, scherzhaft für 'emeritiert werden' Sallmann lex. beiträge zur deutschen mundart in Esthland. der älteren sprache eigenthümlich ist die verwendung von senat für eine einzelne person, vgl. mhd. wb. 2, 2, 251b. Lexer mhd. handwb. 2, 875. Schmid 492. Schiller-Lübben mnd. wb. 4, 188b:

sant Peter, gotes degen,
ir aller furste und senat.
Ottokar reimchr. 53485;

sex und drizich senate. Braunschw. reimchr. 2764;

do se hadden de senaten —
de weren olt unde wyse. d. städtechron. 16, 114, 385;

der edel Marcus Rêgulus
antwurte den senâten sus:
'ir herren, sît ich râten sol'.
H. v. Beringen schachged. 2848;

daneben aber:

die senâtûren ieschen
Papîrium durch sînen sin
fürbaʒ in dem senâte sîn. 1037;

in der stat was en rike senat, de hadde ene lieve dochter. sächs. weltchronik 121, 46.

[Bd. 16, Sp. 571]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) send, m. aus synodus, geistliche versammlung, dann besonders geistliches rügegericht; freier für jede gerichtsversammlung oder versammlung überhaupt; sogar auch für den jahrmarkt, der mit der abhaltung des geistlichen gerichtes hier und da verbunden war, vgl. Schiller-Lübben 6, 260a. in neuerer zeit mit der sache ausgestorben, s. Graff 6, 245. mhd. wb. 2, 2, 252b. Lexer mhd. handwb. 2, 886. Schiller-Lübben 4, 190b; senatus, senet Dief. gloss. 526b; sinodus, sent, send, sendt, zient, zeent, sant, sint 537a; seynt, der papen richte nov. gloss. 340b. Schröder rechtsgesch.2 569 fg. Brunner rechtsgesch. 2, 325. Schm. 2, 316. brem. wb. 4, 788. Schottel 496b; der send, der senn Stieler 2010. Frisch 2, 263c (als m. und f., vgl. Adelung und Campe, die neben der send auch die sende verzeichnen). Scherz 2, 1484. 1501. 1610; ags. seonoþ, sionoþ, senoþ, sinoþ, synoþ, geistliche versammlung; fries. sinuth, sineth, sind (Richthofen 1017a). vereinzelt als neutrum: he makede dat erste senet to Nik. deutsche chron. 2, 1, 267, 21; dat andere send to Constantinopole. 38; item das der sent, der nach satzung der rechten je uber etlich jar ain mal beritten sollt werden, jetzo alle jar beritten und geubt wurdet an vil orten. reichstagsacten unter Karl V 2, 704; es werden die geystlichen ordinarien ynnhaltung des heyligen sendts, darynnen die laster ... zu straffen sein, durch etliche weltliche oberkeit verhindert, welche solchen send ynn yhren gebietten zu halten nicht gestaten wollen. Luther 19, 269, 8 Weim. ausgabe; wir haben ain irrung des christlichen glaubens z Straszburg aufgericht und im den namen des hailigen sents geben. Schade sat. u. pasqu. 2, 95, 34; die leien im sent zu schinden. 14; der official und alle geistlich, die den sent halten. 47, 22; es sein etliche gemeine priesterliche oder bischoffliche versamlungen, so ausz der gantzen christenheit priester und bischoffe versamlet werden, die nennet man concilia generalia, oder universalia, darnach sein etliche sonderliche versamlungen der priester oder geistlichen, in einem jeden lande oder bisthumb, so ein bischoff seine geistliche zsammen fordert, zu seinem bisthumb, oder zu seiner jurisdiction gehörig. diese nennet man synodos provinciales, oder ditionales, und haben solchen jhren griechischen namen behalten, auch bey den teutschen, die solche versamlungen, senet, oder calant nennen, mit versetzung und auszlassung etlicher buchstaben. denn synodos oder senet, sein nicht ferne von einander. und so fleuszt auch caland von dem wort kalein, a vocando. E. Sarcerius hirtenbuch (1566) 393. send-sitzen, exercere judicium synodale Frisch 2, 263c;

der gleich verreteri gschicht auch
im sent. da macht man mangen gauch:
dan da msz man all die angeben
die im eestand unelich leben.
Schade sat. und pasqu. 2, 219, 836;

es hat ein heil'ger send, zu Wien versammelt,
im vorsitz Guido, kardinal- legat, ...
zu recht gesprochen.
Grillparzer 5, 30 (Ottokars glück u. ende 1).


 
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sendach, n. heidekraut, calluna vulgaris. Lexer kärnt. wb. 231; gambssendach, gambshaidach, azalea procumbens Schm. 2, 305. vgl. DWB sende 2.