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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
semmer bis semperfrei (Bd. 16, Sp. 567 bis 569)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) semmer, für sam mir:

ich weis, semmer gott, nit, wie wirs machen.
Hayneccius schulteufel 5, 1.

vgl. DWB sam 4 oben theil 8, 1727 und sammer ebenda 1745.
 
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semmern, verb., fränk. klagelaute ausstoszen, wimmern. Frommanns zeitschr. 6, 409: mer härt nix ass semmern und jammern. 467, 11, sèmern Baierns mundarten 2, 267 (Baireuth), sâmern, dazu sâmerig Frommanns zeitschr. 2, 458 (fränkischhennebergisch). Reinwald führt an samern, still krank liegen 2, 107, aussâmern, durch kränklichkeit ausgezehrt werden 1, 5. im älteren schles. ist bezeugt:

so sämmert jhr euch jnnig ab,
und eures leibes kraft verzehret.
Christ. Colerus. Frommanns zeitschr. 4, 182.

[Bd. 16, Sp. 568]


die formen gehören wahrscheinlich zusammen. sie könnten in etymologischer beziehung stehen zu sein, älter auch seim, adj., träge, traurig, kränklich und semmeln, verb., langsam sein, s. diese oben. vgl. auch das erste sempern unten.
 
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semmler, m. semmelbäcker, in älterer sprache: die semler sullen lose wecke backen. quelle von 1343 bei Schm.2 2, 280 (Würzburg). vgl.semeler Lexer mhd. handwb. 2, 874, wo das wort zufrühest aus dem jahre 1289 und zuletzt aus dem jahre 1498 nachgewiesen ist.
 
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semner, m., semener, magistratus Mulhusinus in Thuringia. sic dictus a semenen pro sammlen, colligere, quod mulctas colligeret. Scherz - Oberlin 1483. vergl. DWB sammenen, DWB samnen und DWB sammener, samner oben th. 8, 1744. dazu semneramt, n., semnergericht, n. judicium censorium Mulhusiae. ebenda.
 
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semmerrosz, n., s. DWB säumer, m. saumthier 1 oben th. 8, 1915.
 
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sempel, m., nebenform zu zampel bei den webern Jacobsson 4, 680a. vgl. dies unten.
 
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sempeln, verb., schweiz. (sempelen) zaudern, langsam sein, arbeiten Stalder 2, 370, ebenso in der Eifel Frommanns zeitschr. 6, 19. vgl. DWB semmeln oben und zimpeln unten.
 
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semper, m.
1) bezeichnung von theilen des menschlichen körpers, in den folgenden stellen anscheinend das gesäsz bezeichnend:

die bawren-knecht luffen und rungen,
warffen einander auff den semper,
das manchem im leib kracht der gemper.
H. Sachs 5, 276, 12 Keller;

so sind zwen teufel zu uns kommen.
mein Grundo hat die flucht genommen,
mich nider geworffen auff mein semper,
das mir hoch auffprelt mein gemper.
Ayrer 2249, 33 Keller.

den bauch:

tag unde nacht sitz ich beim wein,
mit guten gsellen schlem und prasz,
würst, semel in mein semper fasz.
H. Sachs 7, 26, 25 Keller;

drinckh je zu zeit in deinen semper,
auch brunn wasser ausz dem emper.
J. Rasch fastenlob (1588).

ebenso vom thier in der fabel:

das ich (der wolf) zureisz schaf, kü und schwein,
darmit ich speisz den semper mein.
H. Sachs 9, 189, 25.

in diesem oder dem zuerst erwähnten sinne:

Astarot (die seele auffangend im sack).
Beelzebub, ist's noch nit drin?
nu kom herzu du hellisch gsin,
schüttelt, das jm der semper krach,
so komt die seel bei zeit hernach.
Heros ird. pilger (1562) 4 ba.

im Drauthal heiszt semper noch groszer bauch oder kropf Lexer kärnt. wb. 231, in der Wetterau sömber dicker, hervorstehender leib Schm.2 2, 284, auch sembert Weigand wb.4 2, 696. das wort ist wahrscheinlich eine nebenform zu simmer, älter sumber, m. und n., geflecht, korb, getreidemasz, handtrommel, pauke Lexer mhd. handwb. 2, 1295. vgl. Schm.2 2, 284. Weigand wb.4 2, 696. 716 und simmer unten.
2) im bairischen walde und am Obermain ist der semper ein kobold, knecht Ruprecht. der semper kommt und schneidet den kindern den bauch auf Schm.2 2, 285. schon mhd. erscheint das wort ähnlich:

dich müs der semper machen gsunt! (fututor ad insatiatam).
Wittenweiler ring 14d, 5.

bei Schmeller a. a. o. wird damit die folgende stelle verglichen: 3 ° videant qui in certis noctibus ut epiphaniae pericht, alias dominae habundiae vulgariter phinczen oder sack semper ponunt cibos vel potus aut sal ut sit isto anno huic domui propitia et largiantur satietatem et abundantiam unde et Habundia vel Sacia vocatur. quelle 1, 270. sack semper könnte entstellt sein aus sanct semper, und wirklich bezeugt Schm.2 2, 285 auch aus einer älteren quelle: ahn S. Sempers tagke advenerunt molitores nach Wursten saltantes ibi respondet (dr. Luther) lieben gesellen seidt frum, hald euch still und seid frolich und halt über ewr gewonheit. s. Semper ist nach Schm. a. a. o. Simpertus, dem der 15. october heilig ist. für semper, kobold wird ebenda auszerdem entstellung aus schembart erwogen. man könnte aber diese bedeutung auch für übertragung von 1 aus halten: dickbauch für einen dickbäuchigen, wie wanst für einen mit einem wanste behafteten gesagt wird. in der gegend von Eger heiszt zember popanz, schreckbild, augenscheinlich dasselbe wie DWB semper in diesem sinne. Schm.2 2, 1125.

[Bd. 16, Sp. 569]



3) auch semper in der folgenden stelle, wofür Schm.2 2, 285 zweifelnd auf semperfrei verweist, läszt sich hierher ziehen:

gehoffte frau eur gnad zu guet sey habendt
das ich vüll armer semper
mein dännckh so hoch thue in die lüffte drabent.
Pütrich v. Reicherzhausen ehrenbr. 86.


 
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semper, adj., alemannisch wählerisch in bezug auf speisen, worte, mittel Stalder 2, 370, delicat (von personen), verzärtelt, zimperlich Hunziker 239, eine sempere frau, Argentorati femina affectans vestium aut morum elegantiam. Scherz-Oberlin 1484, aber auch nd. Schütze 4, 96. nebenform zu zimper, zimperlich, s. diese unten. auch das bei Schm.2 2, 285 aus Kitzbühel bezeugte semperig, unpäszlich gehört wol in diesen zusammenhang. vgl. das erste sempern, verb.
 
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semperer, m., bair. rausch Schm.2 2, 283. vgl. DWB sumberer, sumerer, trommel-, paukenschläger, ebenda. Lexer mhd. handwb. 2, 1296.
 
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semperfrei, adj. ausdruck der älteren rechtssprache, mhd. semper vrî, sempar vrî, der höchsten art der freiheit theilhaftig, von personen, nicht wie es nach der folgenden erklärung Stielers scheinen kann: semperfrey, in iure publico dicuntur semperliberi et equitibus aequiparantur, al. exponitur exlex, qui perpetuo immunis esse vult ab omnibus oneribus, vulg. ein libertiner. nachsch. 27a, wie Apin gl. 493, Frisch 2, 263c und Scherz-Oberlin 1483 angeben, mit dem lat. semper gebildet, sondern entstanden aus sendbar (vgl. dies) frei, mhd. sentbære (sentpêre) vrî. für sendbar bezeugt Haltaus 1679 aus dem 14. jh. die form semper auch alleinstehend: und seind ihme gemeiniglich genomben alle die recht, die ein semper hat. quelle von 1313 ebenda. vgl. auch DWB sempermann unten und schöffenbar oben th. 9, 1444. die zusammensetzung mit frei kann nicht etwa den bezeichnen, über den der send keine gewalt hat, vielmehr darf als eigentliche bedeutung gelten: frei, gewisse vorrechte genieszend in bezug auf den send. vgl. schöffenbarfrei oben theil 9, 1444. ob send (s. d.) hier mit Lexer 2, 875. Gengler Schwabensp.2 308b eigentlich im sinne einer weltlichen versammlung gefaszt werden darf, nicht einer geistlichen, ist sehr zweifelhaft. vgl. Schröder d. rechtsgesch.2 570: wir zelen drîerhande frien der heiʒent eine sempar frien; daʒ sint die frien herren, als fürsten, und die ander frien ze man hânt. sô heiʒent die andern mittel frien; daʒ sint die, die der hohen frien man sint. die dritten frien daʒ sint die frien lantsäʒen, die gebûren, die da fri sint. Schwabenspiegel 2 Gengler; ist das kint semper fri, man sol eʒ mit sinen genoʒen überziugen. 54, § 8; eʒ ist nieman semper fri wan des vater und muter, und der vater und muter semper fri waren. die von den mittel frien sint geboren, die sint ouch mittel frien. und ist ioch diu muter semper fri und der vater mittel fri, oder ist der vater semper fri und diu muter mittel fri; so werdent diu kint doch niht wan mittel frien. 57, 6; und sprichet ein man den andern kemphlichen an, und ist im dar umbe niht tac gegeben: man sol im tac geben nach siner geburt, daʒ er sich da zu bereite, swes er da zu bedarf. dem semper frien git man tac über sehs wochen; dem mittel frien über vier wochen; dem dienstman und allen liuten über zwo wochen. 86, 2;

die ritter, grafen, semperfreien
die müssen all an meinen (des todes) reyen.
Cl. Stephani geistl. action (1568) D 8b.

substantivisch unflectiert: es haben die bürger und baurn, zumalen vor dem krieg, ihre tische und tresuren mit gülden und silbern bechern, schüsseln und kannen auszgebutzet und gezieret, da hingegen vor zeiten ein vornehmer semper frey sein hausz ausz allem seinem vermögen und einkommen nur etwan mit zin hätte auszstaffiren und butzen können. Schuppius 783. als titel bestimmter familien: semperfreyen, wie Limburg, Hewen, und etwan auch Rappoltstein und Reinstein in Sachsen. quelle bei Scherz-Oberlin 1483; her Albrecht her zu Limpurg, des h. r. r. erbschenck semperfrey. quelle ebenda. übertragen auf die ewige freiheit, die das jüngste gericht den frommen bringen wird: es wird ein ewigs frey jubel und halljar sein, da tod, sünd, teufel, scepter, joch, und der gantze fluch, so auff Adam und menschlichem geschlecht gelegen, sampt leiblicher dienstbarkeit und knechtschafft wird auffhören, und wir semperfrey, brüder und miterben Jesu Christi inn alle ewigkeit sein und bleiben werden. Mathesius Sar. 94a. in neuerer sprache nur durch gelehrte kenntnis wieder aufgefrischt: in den gassen sind keine schlaf-denuncianten mit guten ohren vertheilt, welche etwan den semperfreien bürger

[Bd. 16, Sp. 570]


behorchten, wenn er im hemde ist, und die am morgen darauf ein reichsnachtjournal seiner träume ablieferten. J. Paul palingenes. 1, 25.