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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
semmelwarm bis semper (Bd. 16, Sp. 567 bis 568)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) semmelwarm, adj., eigentlich warm wie eine frische semmel, in übertragenem sinne ganz frisch, in wendungen gleich den folgenden: herrn director Schadow danke zum schönsten, dasz er mir die reformationsmedaillen semmelwarm überschicken wollte. Göthe an Zelter im briefwechsel beider 2, 417; hier las ich in meinem sechzehnten jahre den ersten roman, und zwar den Siegwart, den mir mein vetter Hahn, ein Weiszenfelser gymnasiast, semmelwarm aus der dortigen presse zuschickte. Seume 11 (1827), 56.
 
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semmelweck, m. weck, gebäck aus semmelmehl (vergl. DWB semmel 1) Stieler 2530, semelweck Dasypodius, der nebenform zu semmel: sim(m)el entsprechend auch in älterer sprache sim(m)elweck: und wann sie hinein kommen, so soll man dem wagenmeister geben roten und weissen wein, wildts und zambs und einen simmelweckhen, den soll er uff den fuoss seczen, das der simmelweckh für das knüe uff geht unnd das er obwendig dem knüe darab scheide, das der vorknecht gnuog daran zuessende habe. weisth. 4, 51 (Elsasz, von 1413); item man spricht ouch z dem rechten, das die simelwecken söllent lutter simel sin. 1, 417 (Schwarzwald, 15. jahrh.); zwo grosze kannen Etschweins und zwelf semmelwek zu presenz. quelle von 1595 bei Birlinger 385b; das brodt das von dem semelmeel des wäitzens gebacken wird, heiszt .. hochteutsch, simelen, semelen, simel oder semelweck. Tabernaemontanus (1664) 605 G; ausz dem wolgebeutelten speltzenmeel macht man ein herrlich schön weiszbrodt oder semelweck am Rheinstrom, wie man solches sonst an andern orthen ausz dem wäitzensemel zu backen pflegt. 610 G; semmelwecke bereiteten wir uns selbst und trugen sie zum bäcker. Hoffmann v. Fallersleben leben 5, 106;

ley mir heer die semmel weck! bergreihen 101, 28 neudruck,

steck an den schweinen praten,
das heia ho!
darz die semelwecke,
si machen uns gar saur
wol z dem külen wein.
Uhland volksl.2 446 (nr. 212), 2.

auch die folgende stelle gehört wol hierher:

so hettenʒ (sie) simelwagen und würst
und ze drincken so sie dürst. des teufels netz 8391.


 
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semmelwerk, n. semmeln und ähnliches backwerk von feinem weizenmehl. Campe.
 
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semmer, für sam mir:

ich weis, semmer gott, nit, wie wirs machen.
Hayneccius schulteufel 5, 1.

vgl. DWB sam 4 oben theil 8, 1727 und sammer ebenda 1745.
 
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semmern, verb., fränk. klagelaute ausstoszen, wimmern. Frommanns zeitschr. 6, 409: mer härt nix ass semmern und jammern. 467, 11, sèmern Baierns mundarten 2, 267 (Baireuth), sâmern, dazu sâmerig Frommanns zeitschr. 2, 458 (fränkischhennebergisch). Reinwald führt an samern, still krank liegen 2, 107, aussâmern, durch kränklichkeit ausgezehrt werden 1, 5. im älteren schles. ist bezeugt:

so sämmert jhr euch jnnig ab,
und eures leibes kraft verzehret.
Christ. Colerus. Frommanns zeitschr. 4, 182.

[Bd. 16, Sp. 568]


die formen gehören wahrscheinlich zusammen. sie könnten in etymologischer beziehung stehen zu sein, älter auch seim, adj., träge, traurig, kränklich und semmeln, verb., langsam sein, s. diese oben. vgl. auch das erste sempern unten.
 
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semmler, m. semmelbäcker, in älterer sprache: die semler sullen lose wecke backen. quelle von 1343 bei Schm.2 2, 280 (Würzburg). vgl.semeler Lexer mhd. handwb. 2, 874, wo das wort zufrühest aus dem jahre 1289 und zuletzt aus dem jahre 1498 nachgewiesen ist.
 
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semner, m., semener, magistratus Mulhusinus in Thuringia. sic dictus a semenen pro sammlen, colligere, quod mulctas colligeret. Scherz - Oberlin 1483. vergl. DWB sammenen, DWB samnen und DWB sammener, samner oben th. 8, 1744. dazu semneramt, n., semnergericht, n. judicium censorium Mulhusiae. ebenda.
 
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semmerrosz, n., s. DWB säumer, m. saumthier 1 oben th. 8, 1915.
 
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sempel, m., nebenform zu zampel bei den webern Jacobsson 4, 680a. vgl. dies unten.
 
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sempeln, verb., schweiz. (sempelen) zaudern, langsam sein, arbeiten Stalder 2, 370, ebenso in der Eifel Frommanns zeitschr. 6, 19. vgl. DWB semmeln oben und zimpeln unten.
 
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semper, m.
1) bezeichnung von theilen des menschlichen körpers, in den folgenden stellen anscheinend das gesäsz bezeichnend:

die bawren-knecht luffen und rungen,
warffen einander auff den semper,
das manchem im leib kracht der gemper.
H. Sachs 5, 276, 12 Keller;

so sind zwen teufel zu uns kommen.
mein Grundo hat die flucht genommen,
mich nider geworffen auff mein semper,
das mir hoch auffprelt mein gemper.
Ayrer 2249, 33 Keller.

den bauch:

tag unde nacht sitz ich beim wein,
mit guten gsellen schlem und prasz,
würst, semel in mein semper fasz.
H. Sachs 7, 26, 25 Keller;

drinckh je zu zeit in deinen semper,
auch brunn wasser ausz dem emper.
J. Rasch fastenlob (1588).

ebenso vom thier in der fabel:

das ich (der wolf) zureisz schaf, kü und schwein,
darmit ich speisz den semper mein.
H. Sachs 9, 189, 25.

in diesem oder dem zuerst erwähnten sinne:

Astarot (die seele auffangend im sack).
Beelzebub, ist's noch nit drin?
nu kom herzu du hellisch gsin,
schüttelt, das jm der semper krach,
so komt die seel bei zeit hernach.
Heros ird. pilger (1562) 4 ba.

im Drauthal heiszt semper noch groszer bauch oder kropf Lexer kärnt. wb. 231, in der Wetterau sömber dicker, hervorstehender leib Schm.2 2, 284, auch sembert Weigand wb.4 2, 696. das wort ist wahrscheinlich eine nebenform zu simmer, älter sumber, m. und n., geflecht, korb, getreidemasz, handtrommel, pauke Lexer mhd. handwb. 2, 1295. vgl. Schm.2 2, 284. Weigand wb.4 2, 696. 716 und simmer unten.
2) im bairischen walde und am Obermain ist der semper ein kobold, knecht Ruprecht. der semper kommt und schneidet den kindern den bauch auf Schm.2 2, 285. schon mhd. erscheint das wort ähnlich:

dich müs der semper machen gsunt! (fututor ad insatiatam).
Wittenweiler ring 14d, 5.

bei Schmeller a. a. o. wird damit die folgende stelle verglichen: 3 ° videant qui in certis noctibus ut epiphaniae pericht, alias dominae habundiae vulgariter phinczen oder sack semper ponunt cibos vel potus aut sal ut sit isto anno huic domui propitia et largiantur satietatem et abundantiam unde et Habundia vel Sacia vocatur. quelle 1, 270. sack semper könnte entstellt sein aus sanct semper, und wirklich bezeugt Schm.2 2, 285 auch aus einer älteren quelle: ahn S. Sempers tagke advenerunt molitores nach Wursten saltantes ibi respondet (dr. Luther) lieben gesellen seidt frum, hald euch still und seid frolich und halt über ewr gewonheit. s. Semper ist nach Schm. a. a. o. Simpertus, dem der 15. october heilig ist. für semper, kobold wird ebenda auszerdem entstellung aus schembart erwogen. man könnte aber diese bedeutung auch für übertragung von 1 aus halten: dickbauch für einen dickbäuchigen, wie wanst für einen mit einem wanste behafteten gesagt wird. in der gegend von Eger heiszt zember popanz, schreckbild, augenscheinlich dasselbe wie DWB semper in diesem sinne. Schm.2 2, 1125.

[Bd. 16, Sp. 569]



3) auch semper in der folgenden stelle, wofür Schm.2 2, 285 zweifelnd auf semperfrei verweist, läszt sich hierher ziehen:

gehoffte frau eur gnad zu guet sey habendt
das ich vüll armer semper
mein dännckh so hoch thue in die lüffte drabent.
Pütrich v. Reicherzhausen ehrenbr. 86.