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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
semmeln bis semmelroggen (Bd. 16, Sp. 565 bis 566)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) semmeln, verb., besonders nd. und in der hd. umgangssprache nd. gegenden, weitläufigkeit im reden machen, langsam,

[Bd. 16, Sp. 566]


albern plaudern, bei der arbeit zaudern. brem. wb. 4, 751, im heutigen bremischen meist zemmeln, lippisch sämmeln, langsam, lässig etwas verrichten Frommanns zeitschrift 6, 477, im osnabr. semlen, zaudern Strodtmann 210, in Ostfriesland semeln, sämeln, zaudern, besonders beim sprechen und arbeiten. ten Doornkaat Koolman, ndl. semelen, frivola scrupulose agere, et gravia ignaviter Kilian. vgl. DWB säumeln oben th. 8, 1911, seineln oben sp. 366, sempeln und semmern unten. dazu semmeler, der semmelt. brem. wörterb. 4, 751, semeler ten Doornkaat Koolman 3, 173b, tropf Strodtmann 210, semmelerske, semmelke, die semmelt. brem. wb. 4, 751, semmelke. semmeltaske Strodtmann 210, semmelije, geschwätz, zaudern. brem. wb. 4, 752, semelê, gesemel ten Doornkaat Koolman 3, 173b. dazu auch nordthür. besemmelung, geschwätz, weitläufigkeit Hertel 227 und wahrscheinlich tirol. ein müder semmel, lästig bittender, zudringlicher mensch Schöpf 670.
 
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semmeln, verb., umgelautete nebenform zu sammeln, frühnhd., in der schreibung semlen: wir lesen im evangelio Matthei VI 'ir söllen üch nit semlen schetz uf ertrich, sondern semlen üch schetz im himel ...' Schade satiren u. pasquille 3, 17, 4, noch heute mundartlich semeln, dazu semele, f., sammlung, semelach, gasemelach, menge, haufen, gemengsel. cimbr. wb. 230b.
 
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semmelname, m.: brot- und semmelnamen, bezeichnungen von brot und semmeln. Höfer in der Germania 15, 79.
 
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semmelofen, m. ofen zum backen von semmeln: (sie haben) den vierdten theil an der kelter am brauhause, backhause und semmelofen des orts. quelle von 1640 bei Diefenbach-Wülcker 853.
 
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semmelopfer, n. aus semmelmehl oder semmeln bestehendes opfer (vergl. DWB semmel 1 und 2, auch semmelmehl als opfer). bildlich: wer gott danckt, das ist das recht semelopffer. Syr. 35, 3; in einer versificierung dieser stelle:

wer gott dancket zu aller frist,
ein recht semmelopffer das ist.
H. Sachs 19, 148, 18 Keller-Götze.


 
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semmelort, m.:

das nackte kind das zaget nicht;
mit seinem pfennig springt es fort,
und kennt recht gut den semmelort,
ich meine des bäckers laden.
Göthe 3, 116.


 
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semmelpaste, f., dasselbe wie das folgende. Frisch 2, 263b.
 
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semmelpastete, f. eine runde semmel, inwendig ausgehöhlt, mit einem ragout ausgefüllt und gebacken, franzbrod. Frisch 1, 289a. öconom. lex. (1744) 815. Adelung.
 
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semmelrinde, f. rinde, kruste einer semmel. Campe.
 
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semmelring, m. bretzel aus semmelmehl (vgl. DWB semmel 1), der nebenform zu semmel: sim(m)el entsprechend simmelring (der), crustulum, collyra Maaler 374a, simelring, scriblita Dentzler 2, 264b:

den (kindern) wurfen sie nach altem sitt,
welches bedeutet dank und frid,
ir zürchisch brot, genant simelring,
an das gestad, das mans empfieng.
Fischart 2, 199, 787 Kurz (791 semelbrot genannt).

verkürzt zu simering, simmering (Schaffhausen) Stalder 2, 374. Frommanns zeitschr. 5, 404. dazu semmelringbäcker, m.: simmelringbacher, unnd die ränfftige speysz machend, crustularii Maaler 374a.
 
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semmelroggen, m.: 'der 24 loth wiegende semelrockhen des alten Passauer stadtbuchs wird wol aus einem gemisch von weizen- und rockenmehl bestanden haben'. Schm.2 2, 280. dazu scheint aber die folgende stelle nicht zu stimmen: man sol auch poll an die semelrokken niht tragen, wann man ein ieglich mel sunderbar bachen sol, und aineʒ zu dem andern niht mischen sol. Nürnb. polizeiordn. 195. bei Lexer mhd. handwb. 2, 875 ist semelrocke aus einer urkunde von 1256 belegt. aus späterer zeit stammt die glosse semelrucke, collyrida Dief. 132c. das wort begegnet auch im mnd.: XII modii claustrales sil. nitidissime purgate. inde pistor pistat XXX siligines, qui dicuntur semelroggen. quelle im korrespondenzbl. des vereins für nd. sprachf. 13, 42.