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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
semmelmus bis semmelrinde (Bd. 16, Sp. 565 bis 566)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) semmelmus, n. aus semmelmehl oder semmeln bereitetes mus (vgl. DWB semmel 1 und 2): gemains semelmuesz, anprentz semelmuesz. altes kochbuch aus Tegernsee Germ. 9, 201; soll meine liebste noch eines kindes genesen, so wil ich es mit lauter semmel-müserchen aufziehen lassen. Weise kl. leute 34.
 
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semmeln, adj., so würde die heutige form lauten von frühnhd. sem(me)lein, -lîn, mhd. semelîn, simelîn, aus feinem weizenmehl bestehend, davon gebacken (vgl. DWB semmel 1) Lexer mhd. handwb. 2, 874: brätzen daʒ die recht semlîn sîn. quelle bei Schm.2 2, 280; es ist ouch erkennet by der grouszen keltin, daʒ die beken nit broud weder semelins, slechmalins (von einfachem, schlichten mehl gemahlen) noch ruggins nit uszfüren süllen. d. städtechron. 5, 180, anm. 1 (Augsburg, von 1442); semlein prot, röckein prot. quelle von 1468 bei Schm.2 2, 280; und wisz das lautter semmellein prot den pauch zusammen twinget und grymmet in dem leib. Ortolff v. Bayrlandt arzneibuch (1477) 54b;

wîʒer, denne simmelîn,
was diz reine guot brôt.
Walther von Rheinau 86, 46;

der eine fuorte ze wâfen,
den dâ vehtens bevilte,
in einem rôten schilte
semlîner wecke drî.
Ottokar 15967 Seemüller.


 
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semmeln, verb., besonders nd. und in der hd. umgangssprache nd. gegenden, weitläufigkeit im reden machen, langsam,

[Bd. 16, Sp. 566]


albern plaudern, bei der arbeit zaudern. brem. wb. 4, 751, im heutigen bremischen meist zemmeln, lippisch sämmeln, langsam, lässig etwas verrichten Frommanns zeitschrift 6, 477, im osnabr. semlen, zaudern Strodtmann 210, in Ostfriesland semeln, sämeln, zaudern, besonders beim sprechen und arbeiten. ten Doornkaat Koolman, ndl. semelen, frivola scrupulose agere, et gravia ignaviter Kilian. vgl. DWB säumeln oben th. 8, 1911, seineln oben sp. 366, sempeln und semmern unten. dazu semmeler, der semmelt. brem. wörterb. 4, 751, semeler ten Doornkaat Koolman 3, 173b, tropf Strodtmann 210, semmelerske, semmelke, die semmelt. brem. wb. 4, 751, semmelke. semmeltaske Strodtmann 210, semmelije, geschwätz, zaudern. brem. wb. 4, 752, semelê, gesemel ten Doornkaat Koolman 3, 173b. dazu auch nordthür. besemmelung, geschwätz, weitläufigkeit Hertel 227 und wahrscheinlich tirol. ein müder semmel, lästig bittender, zudringlicher mensch Schöpf 670.
 
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semmeln, verb., umgelautete nebenform zu sammeln, frühnhd., in der schreibung semlen: wir lesen im evangelio Matthei VI 'ir söllen üch nit semlen schetz uf ertrich, sondern semlen üch schetz im himel ...' Schade satiren u. pasquille 3, 17, 4, noch heute mundartlich semeln, dazu semele, f., sammlung, semelach, gasemelach, menge, haufen, gemengsel. cimbr. wb. 230b.
 
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semmelname, m.: brot- und semmelnamen, bezeichnungen von brot und semmeln. Höfer in der Germania 15, 79.
 
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semmelofen, m. ofen zum backen von semmeln: (sie haben) den vierdten theil an der kelter am brauhause, backhause und semmelofen des orts. quelle von 1640 bei Diefenbach-Wülcker 853.
 
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semmelopfer, n. aus semmelmehl oder semmeln bestehendes opfer (vergl. DWB semmel 1 und 2, auch semmelmehl als opfer). bildlich: wer gott danckt, das ist das recht semelopffer. Syr. 35, 3; in einer versificierung dieser stelle:

wer gott dancket zu aller frist,
ein recht semmelopffer das ist.
H. Sachs 19, 148, 18 Keller-Götze.


 
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semmelort, m.:

das nackte kind das zaget nicht;
mit seinem pfennig springt es fort,
und kennt recht gut den semmelort,
ich meine des bäckers laden.
Göthe 3, 116.


 
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semmelpaste, f., dasselbe wie das folgende. Frisch 2, 263b.
 
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semmelpastete, f. eine runde semmel, inwendig ausgehöhlt, mit einem ragout ausgefüllt und gebacken, franzbrod. Frisch 1, 289a. öconom. lex. (1744) 815. Adelung.
 
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semmelrinde, f. rinde, kruste einer semmel. Campe.