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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
semmelleib bis semmelort (Bd. 16, Sp. 564 bis 566)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) semmelleib, m. leib brot aus feinem weizenmehl (vergl. DWB semmel 1 und 2), in der form s(z)emellep, -leb: 24 hll. von Hanszenn Muller zcw Weyszenbrun fur ein szemellep. quelle von 1518 bei Dief.-Wülcker 853 (Weimar). als abgabe: haben ire semelleb der frawen gein Coburgk gebenn. ebenda.
 
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semmellein, n., demin. zu semmel, gekürzt semmelein, mhd. semelîn Lexer mhd. handwörterb. 2, 874. im sinne von semmel 2: item 26  n. 10 sz 10 hlr denselben (den büchsenmeistern) fur wein, item 4  n. 8 sz 4 hlr fur semelein. d. städtechron. 11, 519, 31 (Nürnberg, von 1471);

kantten und kopff mit guttem wein,
darbey auch manichs semelein.
Keller altd. erzählungen 177, 22;

reich' mir ein gläschen kühlen wein,
reich' mir ein weiszes semmelein.
Arndt (1860) 352


 
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semmelmehl, n. feines mehl, besonders weizenmehl (vgl. DWB semmel 1), mhd. semelmel, simelmel Lexer mhd. handwb. 2, 874, frühnhd. semelmel, semelmeel, simelmel, symelmeel, simmelmeel, adeps, ador, amidum, simila, similago Dief. 12b. 13c. 30c. 534c, simelmäl, similago Dasypodius, simmelmäl, das ist, das reynest oder feynest mäl, pollen, similago Maaler 374a, simmelmel, grieszmäl, das zartist und reinist mäl, simila Calepin. dict. (1570) 1422, semelmäl, la pure farine de froument. Hulsius (1616) 296a, semmelmeel, klar, weisz meel, simila, similago Corvinus fons latinitat. 1 (1660), 604a, semmelmehl, similago Stieler 1304, farina bianchissima Kramer deutsch-ital. diction. 2 (1702), 767c, semmelmeel, simila, similago Frisch 2, 263b, semmelmehl (mit besonderer beziehung zu semmel 2), feines weizenmehl, woraus semmeln gebacken werden, vom feineren mundmehl unterschieden Adelung, östr. weizenmehl von der zweiten

[Bd. 16, Sp. 565]


art Klein 2, 153, mundartlich (alemannisch) noch mit erhaltung des alten i simmelmäl Spreng Alemannia 15, 220b. Seiler 269a, simelmel Hunziker 241: sô stirbet armer liute kinde dâ von vil, daʒ sie niht guot semelmel hânt und andereʒ des sie dürftic wæren. Berthold v. Regensburg 2, 205, 36; nymb eyger und zeslahe die mit semel mele. buch von guter spise 21, 66; und Salomo muste täglich zur speissung haben, dreissig cor semelmelh, sechzig cor ander melh. 1 kön. 4, 22; morgen umb diese zeit wird ein scheffel semelmelh einen sekel gelten. 2 kön. 7, 1; das brodt das von dem semelmeel des wäitzens gebacken wird, heiszt bey den Griechen σεμδαλίτης ἄρτος. Tabernaemontanus (1661) 605 F;

her (Salomo) hete tegelich zu brote
sechzig winscheffel rocken kornis,
ja enruch ich, wem iʒ zorn is,
und driʒik winscheffel semelmel.
Brun v. Schonebeck 383, 7 Fischer

(vgl. oben 1 kön. 4, 22). als opfer: sie opfern das zehent teil des masz des semelmelbs in eim ewigen opfer. bibel von 1483 3 Mos. 6, 20; wenn eine seele dem herrn ein speisopffer thun wil, so sol es von semelmelh sein, und sol ole drauff giessen, und weyrauch drauff legen. Luther 3 Mos. 2, 1; am achten tag sol er (der vom aussatz geheilte) zwey lemmer nemen on wandel, und ein jerig schaf on wandel, und drey zehenden semelmelh zum speisopffer, mit öle gemenget, und ein log öles. 14, 10; und solt semelmehl nemen, und davon zwelff kuchen backen, .. und solt sie legen ja sechs auff eine schicht auff den feinen tisch fur dem herrn. 24, 5. in der heilkunde: thue das semmelmeel darzu, und temperirs wol durcheinander zu einer salben. Tabernaemont. (1664) 602 H. zum pudern gebraucht: am folgenden morgen stand der ludimagister vor tages anbruch auf, kämmte seine sonntagsperüke, schmierte sie reichlich mit schweineschmalz und lichttalg, zerrte einige locken perpendikular, richtete andre horizontal, und bestreuete sie strohhalmsdick mit feinem gebeutelten semmelmehl. Müller Siegfr. von Lindenberg 1, 70.
in vergleichen: und unmassen me denne man mag gezellen ein gros mas vol simel melwes noch minner so mag man gezellen die grossen und die manigvaltigen gnade die dem menschen wider farent in der heiligen messe der mit rechter riuwe und mit rechtem glouben da ist. Wackernagel pred. 41, 27; man grîfet niuwen drîn (in den berg gemahlenen goldes) und nimet wie vil man wil, reht als der in simel mel grîfet. myst. 1, 288, 18;

entrunnen
wær er allem leide,
swer ir zöpfe reide
solde girdeclîche sehen
und ir neckel dâ dur brehen
wîʒer denn ein simelmel. Reinfried von Braunschweig 2143.

bildlich: das semmelmehl des evangelij soll man ohn saltz des gesetzes nicht opfferen. Henisch 954, 13. dazu semmelmehlbrot, n., brot aus semmelmehl, ältere form simmelmälbrot, similagineus panis Maaler 374a.
 
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semmelmus, n. aus semmelmehl oder semmeln bereitetes mus (vgl. DWB semmel 1 und 2): gemains semelmuesz, anprentz semelmuesz. altes kochbuch aus Tegernsee Germ. 9, 201; soll meine liebste noch eines kindes genesen, so wil ich es mit lauter semmel-müserchen aufziehen lassen. Weise kl. leute 34.
 
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semmeln, adj., so würde die heutige form lauten von frühnhd. sem(me)lein, -lîn, mhd. semelîn, simelîn, aus feinem weizenmehl bestehend, davon gebacken (vgl. DWB semmel 1) Lexer mhd. handwb. 2, 874: brätzen daʒ die recht semlîn sîn. quelle bei Schm.2 2, 280; es ist ouch erkennet by der grouszen keltin, daʒ die beken nit broud weder semelins, slechmalins (von einfachem, schlichten mehl gemahlen) noch ruggins nit uszfüren süllen. d. städtechron. 5, 180, anm. 1 (Augsburg, von 1442); semlein prot, röckein prot. quelle von 1468 bei Schm.2 2, 280; und wisz das lautter semmellein prot den pauch zusammen twinget und grymmet in dem leib. Ortolff v. Bayrlandt arzneibuch (1477) 54b;

wîʒer, denne simmelîn,
was diz reine guot brôt.
Walther von Rheinau 86, 46;

der eine fuorte ze wâfen,
den dâ vehtens bevilte,
in einem rôten schilte
semlîner wecke drî.
Ottokar 15967 Seemüller.


 
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semmeln, verb., besonders nd. und in der hd. umgangssprache nd. gegenden, weitläufigkeit im reden machen, langsam,

[Bd. 16, Sp. 566]


albern plaudern, bei der arbeit zaudern. brem. wb. 4, 751, im heutigen bremischen meist zemmeln, lippisch sämmeln, langsam, lässig etwas verrichten Frommanns zeitschrift 6, 477, im osnabr. semlen, zaudern Strodtmann 210, in Ostfriesland semeln, sämeln, zaudern, besonders beim sprechen und arbeiten. ten Doornkaat Koolman, ndl. semelen, frivola scrupulose agere, et gravia ignaviter Kilian. vgl. DWB säumeln oben th. 8, 1911, seineln oben sp. 366, sempeln und semmern unten. dazu semmeler, der semmelt. brem. wörterb. 4, 751, semeler ten Doornkaat Koolman 3, 173b, tropf Strodtmann 210, semmelerske, semmelke, die semmelt. brem. wb. 4, 751, semmelke. semmeltaske Strodtmann 210, semmelije, geschwätz, zaudern. brem. wb. 4, 752, semelê, gesemel ten Doornkaat Koolman 3, 173b. dazu auch nordthür. besemmelung, geschwätz, weitläufigkeit Hertel 227 und wahrscheinlich tirol. ein müder semmel, lästig bittender, zudringlicher mensch Schöpf 670.
 
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semmeln, verb., umgelautete nebenform zu sammeln, frühnhd., in der schreibung semlen: wir lesen im evangelio Matthei VI 'ir söllen üch nit semlen schetz uf ertrich, sondern semlen üch schetz im himel ...' Schade satiren u. pasquille 3, 17, 4, noch heute mundartlich semeln, dazu semele, f., sammlung, semelach, gasemelach, menge, haufen, gemengsel. cimbr. wb. 230b.
 
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semmelname, m.: brot- und semmelnamen, bezeichnungen von brot und semmeln. Höfer in der Germania 15, 79.
 
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semmelofen, m. ofen zum backen von semmeln: (sie haben) den vierdten theil an der kelter am brauhause, backhause und semmelofen des orts. quelle von 1640 bei Diefenbach-Wülcker 853.
 
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semmelopfer, n. aus semmelmehl oder semmeln bestehendes opfer (vergl. DWB semmel 1 und 2, auch semmelmehl als opfer). bildlich: wer gott danckt, das ist das recht semelopffer. Syr. 35, 3; in einer versificierung dieser stelle:

wer gott dancket zu aller frist,
ein recht semmelopffer das ist.
H. Sachs 19, 148, 18 Keller-Götze.


 
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semmelort, m.:

das nackte kind das zaget nicht;
mit seinem pfennig springt es fort,
und kennt recht gut den semmelort,
ich meine des bäckers laden.
Göthe 3, 116.