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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seldenhaus bis seldner (Bd. 16, Sp. 512 bis 513)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seldenhaus, n. kleines bauernhaus, meist zu einem gröszeren gut oder dgl. gehörig, davon abhängig, mhd. seldenhûs Lexer mhd. handwb. 2, 863 (vgl. das erste selde), in der form söldenhaus: es sol auch der söldner in sölgem söldenhaus nicht mer viech haben, dann zwo hennen und ainen han. tirol. weisth. 1, 164, 12 (von 1483), deminutiv seldenhäuslein, söldenhäusel: abschaffung der neuen söldenhäuszl oder ingehäusz. quelle bei Schm.2 2, 269. daneben seldhaus. 268, selthaus: Staudenfuchs und zwai selthaus, sint Chuntzleins von dem Stadel, ligent an dem Griesz. tirol. weisth. 4, 194, 7, söldhaus (Schöpf 679), soldhaus: sonder ainiche neue soldhäuser .. erpauen. 590, 5 (17. jahrh.), selhaus, sellhaus: ain ieder selman daselbs, der ain selhaus hat, (soll geben) zwen pfennig. Salzb. taid. 289, 4 (15. jahrh.); es soll keiner holz schlagen im Geflaner wald, zu verkaufen, es seien pauhäuser oder sellhäuser. tirol. weisth. 3, 204, 35 (von 1568); sölhaus, söllhaus, solhaus: welcher ain söllhaus hat, der soll drei fueder holz in ainem jar verkaufen, und welcher ain bauhaus hat, der soll vier fueder holz verkaufen recht haben. 204, 11 (v. 1564); in den söl- als ohne das schlecht und klainen heisern. 2, 72, 14 (von 1644); dieweil sonderlich den sölheuszlern die solheuser allain auf ihr persohn und ihr weib und kinder zu setzen und nit auf überzins zu pauen und die weszenlichen güeter in holz, wunn und waid zu beschwären vergunt sein. Salzb. taid. 253, 10 (17. jahrh.). in einer deminutirform: so oft sich mit dem paur- oder söllman durch ableiben oder in anderweg ain veränderung mit dem guet oder söllheisl begibt. tirol. weisth. 1, 21, 17 (17. jahrh.). dazu seldhäusler,

[Bd. 16, Sp. 513]


bewohner, besitzer eines solchen hauses. Schm.2 2, 269, auch söllhäusler ebenda, sölhäusler (s. die oben angeführte stelle Salzb. taid. 253, 10), solhäusler: jährlichen so sollen alle rauchfeng bei baueren oder solheislern zweimal des jahrs visitirt werden. tir. weisth. 1, 68, 37 (von 1609); also befindt sich auch, das die angesessnen paurszleut und die solhäuszler ihre häuser täglich auf mer zimmer, die herberger darinnen underzubringen, richten. Salzb. taid. 253, 3 (17. jahrh.).
 
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seldenhof, m. kleines, meist nicht selbständiges bauerngut. Frisch 2, 262c (in älterer sprache). vgl. das erste selde.
 
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seldenreich, adj. reich an selde, heil, glück, segen (s. dies oben), auch säldenreich geschrieben, mhd. sældenrîche, daneben sælderîche Lexer mhd. handwb. 2, 581:

nun kusz mich lieb noch zu ainer stund,
mich sældenreiche raine.
Hätzlerin 1, 8, 44;

ein jegliches tet hoffen
ein selden reichen tag.
Böhme altd. liederbuch nr. 20, 4, 4

(bezeugt aus dem 16. jh., wahrscheinlich aber aus dem 15. jh. stammend).
 
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seldenvoll, adj. voll selde, heil, glück, segen (s. dies oben), von Keller in nachahmung alter sprache angewendet: in heller freude lieszen die 'seldenvollen' frauen die federspiele steigen. 6, 79.
 
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selderecht, f., auch seldrecht, zum ersten selde gehörig, aufenthaltsabgabe: item ist auch, das ein fremd man, der nit viches hat, blibt jar und tag ze hus by etwem uff des gots(hus) guttern, der git darnach yerlich einem vogt ein schilling pfennig zu seldrecht. weisth. 1, 349 (Schwarzwald, 15. jahrh.). recht an eine selde, ein kleines zinspflichtiges ländliches anwesen, einkünfte davon: es sîe an selden, an selderehten. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 863.
 
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selderer, m., dasselbe wie seldner. Schm.2 2, 269. in gleichem sinne begegnet mhd. ein kürzeres selder Lexer mhd. handwb. 2, 863, dem ahd. selidari, seldare, mansionarius, inquilinus, sarabaita. Graff 6, 178 entspricht. ein fem. zu dem letzteren erkennt Berger zeitschrift für d. phil. 20, 119 in der folgenden stelle Steinmars:

sumerzît, ich vröu mich dîn,
daʒ ich mac beschouwen
eine sueʒe selderîn (so die handschrift, die herausgeber
v. d. Hagen und Meiszner schreiben
sælderîn, beglückerin),
mînes herzen vrouwen. 7, 3.


 
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seldewurz, f., wol zum zweiten selde gehörig: alii radicibus nomina diversa imponunt ut seldewrz vel wepwurz et homines sic deludunt. quelle bei Schm.2 2, 253.
 
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seldgrundzins, m., zum ersten selde gehörig. quelle bei Birlinger 385b.
 
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seldgut, n., s. DWB seldengut.
 
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seldhaus, n.seldhäusler,m., s. DWB seldenhaus.
 
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seldner, m. bewohner, besitzer eines als selde bezeichneten gebäudes oder gutes (s. das erste selde), meist eines kleinen, eigentlich nicht selbständigen ländlichen hauses, anwesens, häusler, mhd. seldenære, seldener, seldner. Lexer mhd. handwb. 2, 863. nachtr. 364, landschaftlich (oberd.) sich fortsetzend als seldner. Schm.2 2, 269, seldnär, seltner: swelcher arm man auf dem lande geseszen ist, er sey pawr oder seldnär. quelle von 1453 bei Schm. a. a. o.; ein jeglich hof soll da geben einen metzen rochn; ein hub einen halben metzen; das lechen ein viertheil; der seltner was er vermag. quelle bei Frisch 2, 262c, selner Schm. a. a. o., der nebenform sölde entsprechend auch (anscheinend häufiger) als söldner. Schm. a. a. o. Schöpf 679. Höfer 3, 144. Schmid 497: das die wiert paurn, söldner, noch andere gerichtspersohnen, niemant lenger, dann über ain nacht beherbrigen, .. es beschehe dann mit vorwissen und bewilligung der herrschaft. tirol. weisth. 1, 20, 45 (17. jahrh.); ob ainer oder mer nachpern und söldner personen an der herberig het oder einnimbt, welche bei dem ehehafttäding nit erscheinen und soliche gepot und verpot nit hören verlesen. 131, 32 (17. jh.); nemblichen und obwolen der elter vorangemelt vertrag und ordnung vom achtundzwainzigisten februari anno sechzehenhundert vierundvierzig in sich hat und vermag, das alzeit zum andern jar vier im dorf Gaisz herdis- und ennhalb der pruggen, als ein paur und ein söldner im gericht Uttenhaimb, sowol ain paur und ain söldner aus den Tauferischen unterthanen zu dorf- und paumaistern verordent und verpflicht werden sollen. 4, 504, 2. 3 (von 1668);

[Bd. 16, Sp. 514]


achtens mag zwar ain ieder nachper oder söldner an herbstzeiten irer gelegenheit nach auf deren aigenthümbliche güeter ir rintvich ausspannen und darauf hieten. 1, 158, 19 (von 1676). das wort wird in dieser form gleichlautend mit dem zu sold gehörigen söldner und vermischt sich in der auffassung mit diesem, wie die folgende erklärung zeigt: söldner, stipendiarius agrestis qui praeter casam et equum nihil habet. voc. von 1618 bei Schm.2 2, 270. es ist das um so leichter möglich, als dies söldner gleich andern wörtern mit ö auch eine form seldner neben sich hat (so bezeugt aus dem jahre 1525 d. städtechroniken 25, 230, 20). vielleicht beruht söldner als nebenform zu seldner, häusler, überhaupt auf angleichung an söldner. mercenarius (vergleiche sölde, haus, neben selde unter dem letzteren). auch ohne umlaut soldner: begerten durch urtail zu erleutern, was doch ain soldner in ainem soldnerhaus mit und bei ine als angesessnen paumans- und lehensleuten gerechtikait in irem viechbesuech. panwaldern und an gemain nutzen und niessen sullen und mugen. tirol. weisth. 1, 163, 42 (von 1483). söllner (vgl. oben selner): von der söllner feltdrib und holzbesuech. item riegt man, es soll kain söllner in kein felt treiben, er hobe dan grund dorinen, und zu holz solt er sich gemäsz verhalten wie vor alter. Salzb. taid. 116, 15. 16 (17. jahrh.); die unterthanen, es seien gleich pauren, söllner oder ingeheissen. tirol. weisth. 1, 49, 36 (18. jh.). unterschieden werden lârseldner, bauseldner. Schmeller2 2, 269 (vgl. DWB leere selde. bauselde unter selde), leibsöldner, pächter auf lebenszeit. ebenda, erbgültige seltner, alte seltner. Frisch 2, 262c. der oben unter selde zuletzt erwähnten anwendung dieses worts gemäsz bezeichnet söllner auch den holzknecht, der die wache hat in der selden. Schm.2 2, 269.