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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbzwanzigst bis selde (Bd. 16, Sp. 509 bis 510)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbzwanzigst, selbzwölft, s. DWB selb II, 6, c.
 
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selch, pron., s. DWB solch.
 
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selche, f. zum folgenden, bair. selch, räucherung, anstalt dazu. Schm.2 2, 267.
 
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selchen, verb. trocknen, räuchern, ein landschaftliches, besonders bair.-österr. wort. ahd. ist bezeugt arselchen, glosse zu (psythia) passos (de vite racemos). Vergil Georg. 4, 269. Steinmeyer-Sievers gl. 2, 644, 19. ist die deutsche form der lat. gemäsz als part. praet. aufzufassen, so bietet sie eine abweichung von der gewöhnlichen bildungsart der auf l -verbindungen ausgehenden verben (vgl. DWB geholfen). verglichen werden kann in diesem falle das im ahd. nur als gihellan bezeugte part. praet. zu hellan, schallen. Braune ahd. gramm. § 337, anm. 6. das wahrscheinlich entsprechende ags. aseolcan (asealcan Bosworth-Toller 53a), erschlaffen weist das part. praet. asolcen auf. Sievers ags. gramm.3 § 387, anm. 3. vgl. auch das gleichbedeutende part. besolcen ebenda. Bosworth-Toller 92a. das deutsche selchen flectiert im übrigen schwach. etymologische beziehung zu dem oben theil 9, 2485 behandelten schwelken, schwelchen, wie sie Graff 6, 215 andeutet, ist auch nach dem heutigen stande der forschung möglich, vgl. Noreen urgerm. lautlehre s. 217—219. einer weiterbildung scheint die folgende ahd. form anzugehören: selchenet, stupet, daʒ chît, stillêt (strît) Graff 6, 216.
1) intransitiv, trocken, dürr werden. Schm.2 2, 266. Schöpf 669, abmagern. Hügel 148b, aus-, ein-, verselchen. Schm. a. a. o.: da möcht' man glatt verselchen vor lauter haissen. ebenda; der mensch selcht sauber aus. ebenda. die folgenden verbindungen, die das part. praet. bieten, gehören wahrscheinlich hierher, können aber auch von 2 aus erklärt werden: a. 1573 ist im salzberg Türnberg 6300 schuh tief im ganzen berg ein mann 9 spannen lang mit haar, bart und kleidung ganz unverwesen, jedoch am fleisch ganz geselcht, gelb und hart wie ein stockfisch, ausgehaut worden. quelle bei Schm.2 2, 267; die weibsbilder verhüllen ihr schwarzes geselchtes angesicht. quelle von 1753 bei Schöpf 669; ein geselchter kerl, ausgedorrter mensch. Castelli 255; ebenso ausgeselcht, mager, dürr. Schöpf 669: weil er dermaszen ausgeselcht, dasz ihne die strenge kranckheit zu einem durchleuchtig machet. Abr. a S. Clara bei Schm.2 2, 266.
2) transitiv, trocken, dürr machen, (fleisch) einpökeln, räuchern. Klein 2, 152, besonders: räuchern. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 711b (als bair. bezeichnet). öcon. lex. 2711b. Adelung (als landschaftlich, bair. bezeichnet). Schm.2 2, 267. Höfer 3, 138. Castelli 255. Hügel 148b: (man) selchet sie (die hammen, schweinsschinken) hernach fein gemach mit kranaweth-sträuchlein. Hohberg 1, 213a; fleisch, würste, zungen etc. schwelchen, im rauch schwelchen, ò selchen. Kramer deutsch.-ital. dict. 2 (1702), 711b; geselchtes fleisch, geselchte schunken, würste, renken. Schm.2 2, 267, geselchter hering. Höfer 3, 138 u. ähnl.: wie nun die propheten und der herre selber der fischerey offt gedenken, da man mit lebendigen fischen umbgehet, wie das wort Luce 5. lautet (denn was stinckende umd gesaltzene fisch, unnd geselchte oder faule rencken sein, gehören für die fischmenger). Mathesius hist. v. Jesu Christo 2 (1568), 85b; gesälchte zungen, pachen. quelle von 1603 bei Schmeller2 2, 267; weilen sich die patres meistens mit geselchten und gesalznen vischen betragen. quelle von 1627 ebenda; vom eingesalzten und geselchten fleisch. Hohberg 1, 212; (er) waisz zwar wol, dasz ihm hartt ankommen wird, in meiner glarten sudelkuchel lang zu wartten, bis die geselchten würst fertig seyn. tintenf. 12. das geselchte, geräuchertes fleisch. Schöpf 669: wiewol viel, auch das beste fleisch also einsaltzen, und es lieber essen als das geselchte (mit groszem anfangsbuchstaben gedruckt). Hohberg 1, 212a; ich durfte kein brot, keine mehlspeise, nichts geselchtes essen. Hoffmann v. Fallersleben leben 2, 253. ebenso in zusammensetzung mit auf: die gänse werden mit grossen nutzen eingesaltzen und im rauchfang aufgeselchet. Hohberg 2, 337b. an der sonne, an der luft selchen: im juni etliche khrotten anspüssen, selbe an der sonnen selchen und aufbehalten, selbe yber die best zaichen gelegt,

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ziehen das güfft aus. quelle bei Schm.2 2, 267; um Mühldorf, links des Inns, werden viele gänse an der luft geselcht. quelle ebenda. schnee selchen, mare exurere. quelle ebenda.
3) tirol. auch: langweilig an etwas arbeiten, bitten. Schöpf 669. wenn dasselbe wort vorliegt, so läszt sich eine entwicklung der bedeutung von 2 aus denken (weil das räuchern längere zeit beansprucht).
4) in der Wiener soldatensprache ist selchen (tabak) rauchen, wobei vielleicht einwirkung des in gleichem sinne gebrauchten, auf das hebr. zurückgehenden serchen der gaunersprache stattgehabt hat (s. dies unten). Avé-Lallemant 4, 594.
 
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selchen, adj., bezeugt als selhin, zu salche, salweide, s. DWB sale oben theil 8, 1696: kaltholz dat ist birkyn, espin, selhin und erlin und das zu buwen niht entauk. quelle von 1353 Germ. 30, 118; selhin holz. quelle von 1535 (?) bei Lexer mhd. hdwb. nachtr. 364.
 
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selcher, m. , zu selchen, verb.
1) im sinne von 2, der fleisch einsalzt (schles.), räuchert. Campe, fleischselcher, der geräuchtertes fleisch und würste verkauft (in Wien). Schm.2 2, 267: der alte wurde auf die strasze geschickt, holzkohlen zu kaufen, zwiebeln vom gemüsehändler, wurst vom fleischselcher, milch aus irgend einem keller. Gutzkow unterhalt. am häusl. herd (1854) 3, 165.
2) im sinne von 4, in der Wiener soldatensprache tabakspfeife. Avé-Lallemant 4, 594.
 
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selchfleisch, n. geselchtes, geräuchertes fleisch. vgl. DWB selchen 2: wenn er dann so festsasz zwischen weinkrügen, selchfleisch, würsten und tabaksbeuteln mit aufgeknüpften schnüren, alles zu seinem dienste. Anzengruber 4, 26.
 
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selchkammer, f. kammer zum selchen, räuchern von fleisch (vgl. DWB selchen 2), räucherkammer, bair. selchkammerl, n. Schm.2 2, 267.
 
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selchküche, f. küche, wo geselcht wird, rauchkammer. vgl. das vorige, östr. selchkuchl. Hügel 148b. redensarten: bei eng (euch) schaut's aus wier in aner selchkuchl, sehr schmutzig, räuchrig. ebenda. dein 'm bub'n weg'n werd' ich's (eine heiratsfähige tochter) nit in d' selchkuchel hängen! Anzengruber 1, 109.
 
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selchung, f., das selchen. Campe.
 
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selde, f. (mit ĕ) kleines ländliches anwesen, hütte, landschaftlich, früher häufiger und von allgemeinerer bedeutung, etymologisch zu saal gehörig, got. saliþva, nur im pl. saliþvos bezeugt, herberge, μονή, μοναί, κατάλυμα, ξενία. Schulze got. gloss. 295a; ags. sælþ, wohnung. Bosworth-Toller 811a, selde, proaula, i. domus coramaula, sumerselde, zetas aestivales, winterselde, zetas hyemales. glossen ebenda 859a. 934b. 1236b; as. selida, wohnung, haus, herberge; anderfrk. selitha, salitha, wohnung, herberge, hütte; ahd. salida, selitha, selida, seleda, selda, domicilium, mansio, tugurium, habitaculum, tabernaculum, domus, nidus, officina, mappale. Graff 6, 177, mhd. selide, selede, selde, sölde, md. solde, wohnung, haus, herberge, bauernhaus, hütte, sowie der dazu gehörige grund und boden. Lexer mhd. hdw. 2, 852, in letzterer anwendung landschaftlich auch noch nhd., meist in den formen selde, sälde. Birlinger 385b, sölde Schmid 497, selden, sölden, seld, söld. Schm.2 2, 268. 269. namentlich gilt es als bezeichnung eines kleinen eigentlich nicht selbständigen, frohn- oder zinspflichtigen ländlichen anwesens. Schm. a. a. o. Schmid erklärt a. a. o. kleines bauerngut von einer bis vier jauchert in jeder flur: item die selden, lehen und huben soll man nit zertrennen unvergont mius gn. h. von Hirsou, es wer dann in erbfalls wis oder ein kind uszustüren, doch das daruf ouch zimlich zins gelegt werd. weisth. 6, 314, 21 (Schwaben, v. 1424); dar nach witer anpringung und verwilligung gescheen durch all ander herschaft so güter und sölden daselbst habend. 239 (Schwaben, v. 1487); sedelhof samt den dreyen selden darzu gehörig. quelle v. 1526 bei Schm.2 2, 268; derselb baur war sunst auch irrig und widerwertig und sasz auf einer söld, die geheret dem Reymundus Fugger zue. d. städtechron. 23, 244, anm. 1 (Augsburg, v. 1529); die leser (hülfsgeistlichen) haben z Langeneiffen etlich selden und ecker gehept. 237, 12 (Augsburg, v. 1534); zu wissen, das nachvolgend lehengüeter und sælden zu Mecklingen und die inhaber der selbigen von alter dem closter Anhausen mit aller oberkait, gebot und verboten underworfen seien. weisth. 6, 310, 1 (Schwaben, v. 1588); auf selbiger seiten bis in den Weilerbach hinab an Tobias Widenmanns, Nördlinger, sölden. 279, 28 (Schwaben, v. 1686). vgl. auch Frisch 2, 262c. verhältnis der selde zum hofe, zur hube (hufe): a. 1445 gibt eine selden

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12 dn. steuer, während der hof 9 szl. dn. gibt. Schm.2 2, 269; a. 1501 findet man von einer abgabe auf einen hof 28, auf eine hueb 15, auf eine selden 10 kreuzer gelegt. ebenda; in akten von 1595 wird ein hof mit 100, eine hueb mit 50, eine sölden mit 25 fl. besteuert. ebenda; ain hof, ain hueb, ain söld ist dem andern in diszem landt ganz ungleich. quelle v. 1605 ebenda; und wan aber ainer peunten (einzäunen) will, so soll er allemahl den dritten acker einzeun, so er hat in demselben feld, an wismat ain ganzer hof ain ganz tagwerck, ain halber hof ain halbs tagwerck, ain hueben und lechen iedes nach seiner grösse, ain sölden als weit, so lang ross und pflueg ist, einfachen mag. Salzb. taid. (1870) 96, 1 (v. 1671); die alte bair. polizeiordn. (von wann?) bestimmt das seelgerät für den besitzer eines ganzen hofes auf 12, für den einer hub auf 6, für den einer sölden auf 3 szl. dn. Schm.2 2, 269. unterschieden werden leere selden (häuser mit keinem oder wenig zugehörigem land), deren der ganze hof 16 enthält, und gute selden oder bauselden, deren nach dem ehemaligen hoffusz 8 auf den ganzen hof gerechnet werden. doch ist dies verhältnis nicht ganz feststehend. Schm.2 2, 268. die ersteren heiszen auch schlechte: bausölden sind nach Chlingensberg de jure hofmarch. praedia, quae agris, pratis et fundis, sed paucioribus quam quartarius (der viertelhofsbesitzer) sunt instructa, ut aliquibus in locis 8 bausölden, alibi 14 uni integro manso (hof) aequiparent, schlechte oder läre sölden aber, so kain bau haben, und deren zuweilen 16, zuweilen 20, 24 einem ganze hofe gleich. ebenda. ebenso einfache: a. 1682 gibt der hof 5 fl., der halbe 3, der drittelshof 2 fl. 30 kr., das lehen oder der viertelshof 2 fl., ein bausölden, dabei man etwas anbauen und vich unterhalten kann, 1 fl. 30 kr., ein einfache sölden, dabey nichts als ein gärtl oder auch sovil nit ist, 1 fl. als landdefensionsbeitrag. nach der alten bair. polizeiordnung darf ein hof 24, eine hub 12, eine bausölden 8, ein söldner, der nichts zu bauen hat, nur 4 schafe halten. ebenda. im bair. unterland hat der besitzer einer bauselden in der regel nur ein paar ochsen, im oberland auch wol ein paar pferde, um seinen feldbau zu versehen. ebenda. die selden (seln, söllen) für die arbeiter in gebirgswaldungen ist nur eine hütte aus baumstämmen. 268, sölde, sölden, sölln, f. für holzarbeiter im walde bestimmte hütte. Schöpf 679.