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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbwalt bis selbzwanzigst (Bd. 16, Sp. 508 bis 509)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbwalt, f. und m., eigenmächtige gewalt(that), selbsthilfe, frevel, ein wort, das in dem ältern nd. zu hause ist, mnd. sulfwolt, -wold, -wald, -welde, sullefwolt, zulwolt, silfwold, silvold. Schiller-Lübben 4, 467b f.; sülffwolde, vis privata et propria, s. Haltaus 1676; Bertram Pawel unde Heyse v. Strobeke ... sint vorvestet van Henrikes weghene van Kochinge unde Henninges Kolarced darumme dat se erer jowelkeme sine husdore tostotten dor oren sulfwold. d. städtechron. 6, 45, anm. 8; desse handelinghe unde grote sulfwolt is uns gheschen an unsen leven vrnden. 348, 7; er se os armen luden dit grote unrecht unde sulfwolt ghedan hedden. 363, 3; Cordt Homestere is vorfestet vamme rade, dat he frevelde unde sulleffwolt dede. 16, 187, anm. 1. so auch: sulfwalt, -welde, -wolde. brem. wb. 5, 170 f.; sülvwald Dähnert 473a. in dem sinne 'mulcta per vim injustam commissa' auch in hd. quellen übernommen: was dessen straffe? erkandt: den groszen sulffwaldt; als denn sollen die partien etc. dem fiscali in 4. s. noch geben, welches ein solbwalt heist, s. Haltaus 1676; in ganz vorhochdeutscher form selbstwaltts brüche. 1677; als selbgewalt im gewöhnlichen sinne: ein solches were in .. nie erleubet, darumb were zu mercken, das sich die bornmeister und die andern der regierunge mit selb gewalt underzogen hetten. Spittendorf 156. alle diese quellen gehören dem ursprünglich nd. gebiet an. so auch folgende stelle:

selbwalt ist daʒ getan
unde ist auch kegn der mynnen bot.
Eberhard Cersne der minne regel 1361,

wo man kaum nöthig hat, (mit Bech Germ. 7, 495, und Lexer hwb. 2, 871) ein sonst nicht bezeugtes adj. anzunehmen.ableitungen: selbwalten, verb. in eigener person herrschen. Campe (sonst nicht bekannt).
 
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selbwalter, m. der selbst herrscht. Campe (?), mnd. sulfwolder, -welder, 'der sich gewaltthätig selbst hilft': unde dat nemant sulfwelder ofte synes sulves richter wesen schal, s. Schiller-Lübben 4, 467b; dafür auch sulffwoldenere. ebenda.
 
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selbwalterei, f. das herrschen in eigner person. Campe.
 
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selbwaltig, adj. eigenmächtig: mnd. sulfwoldich, solipotens; sulfwoldich vel modwillich protervus, inobediens. Schiller-Lübben 4, 467b; s. ferner Haltaus 1677; sulfweldig brem. wb. 5, 171, sülvweldig Dähnert 473a. auch im hd., vgl. Lexer hwb. 2, 871, der aus eigner macht handelt (selbstwaltend, -herrschend. Campe), ohne tadelnden sinn: das Hannss von Scheyding ... als eyn selbwaldiger befehelhaber fordern soll undt mag eyn rechtmessig volstendig leypgeding. testament v. 1524 bei Haltaus 1677;

wer sinen knecht czu selpuldig czuget,
sich selber er bedruget. Morolf 2, 277.

scherzhaft als namen:

ein bruderschaft hat sich irhaben
von leckerechtigen und vireszigen knaben,
und ist der selpweldie orden genant,
den Kartusern unglich und unbekant.

d. städtechron. 17, 315, 18 (chron. v. Mainz zum j. 1443; Dief.-Wülcker 852 liest dafür selpweldre). als adv. auch selbwaltiglich, mnd. selfwoldichliken, -woldelken Schiller-Lübben 4, 467d, sulffweldichlichen. brem. wb. 5, 171; hd., s. Lexer hwb. 2, 871: wanne er einen czoll ... wider uns und das reiche selbweldiclichen genomen und gerawbet hat. urk. von 1379 bei Dief.-Wülcker 852, s. auch Haltaus 1677. — dazu auch selbwaltigkeit, f.: von selbwaltekeit. qu. v. 1382, s. Germ. 17, 54, 77.
 
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selbwarm, adj., von selbst, von natur warm: den heiligen St. Primus und Felician als patronum des selbwarmen wildtpadt alhie in Gastein. altarbl. v. 1662 bei Schm. 2, 266.
 
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selbwärtig, adj. in eigner person gegenwärtig. Campe, ipsemet praesens. Haltaus 1677: das ... mir der satan ... etlich stück zugericht hat, die ich mit keiner schrifft stillen kan, sondern mus mit selbwertiger person und lebendigem mund und ohren da handeln. Luther 2, 83a (dieselbe stelle auch br. 2, 142 und bei Haltaus, ist der einzige bekannte beleg).

[Bd. 16, Sp. 509]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbweibel, m. der oberste unter den weibeln, weibel zum unterschiede von den weibelknechten. Lexer hwb. 2, 871. Schmid 490. Scherz-Oberlin 1473.
 
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selbzehnt, s. DWB selb II, 6, c.
 
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selbzogen, adj., selbzogner, m., bezeichnung des eingebornen in Ammergau, s. Schm. 2, 266.
 
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selbzunge, f.: selbzwng, prenkraut, apiostellum. Schm. 2, 266.
 
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selbzwanzigst, selbzwölft, s. DWB selb II, 6, c.