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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstverschuldung bis selbstverwaltung (Bd. 16, Sp. 501 bis 502)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstverschuldung, f.
 
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selbstversöhnung, f. versöhnung mit sich selbst, s. Campe.
 
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selbstverspottung, f.: der rassenstolz des auserwählten volkes gegenüber den gojim war freilich so tief eingewurzelt, dasz er selbst durch die frechste selbstverspottung nicht erschüttert werden konnte. Treitschke d. gesch. 3, 704.
 
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selbstverständig, adj.: eben wegen dieser selbstverständigen einzelnheit (die in sich selbst verstand hat?) ist das gebiet der anschauung so unendlich. Schleiermacher über die religion 61. selten. in älterer sprache vereinzelt in der form: das er (dr. Emser) die heyligen schrifft mit seinem unnutzen geyffer begeyffert, wie ein rotzicht kind, ist an keinem ort seiner wort mechtig odder selbvorstendig. Luther 6, 321, 30 Weim. ausgabe.
 
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selbstverständlich, adj. in oder aus sich selbst verständlich, sodasz es keiner erklärung, keines commentars bedarf:

ton und klang jedoch entwindet
sich dem worte selbstverständlich.
Göthe 5, 270.

bei Campe noch nicht verzeichnet. heute dagegen ungemein gewöhnlich, namentlich in der umgangssprache (woneben, weniger gut, selbstredend, s. daselbst) in dem stärkern sinne 'was sich von selbst versteht, was daher gar nicht ausgesprochen zu werden braucht, um verstanden zu werden': diese selbstverständliche

[Bd. 16, Sp. 502]


wahrheit hätte nicht so langer auseinandersetzungen bedurft; dasz oft harte noth diese ansiedler traf, ist selbstverständlich. Freytag bilder 1, 112. besonders als adverb: selbstverständlich hast du recht u. a.; classisch könnte man (in Klingers 'betrachtungen und gedanken') nur die äuszere sprachliche klarheit und correctheit nennen, welche aber hier selbstverständlich gefodert wird. blätter für lit. unterhaltung 1846, s. 977a; er hat die adresse selbstverständlich ebenfalls unterschrieben. d. zeitung 1847, s. 540, s. W. Grimm kl. schr. 1, 515, anmerk. 1. — dazu selbstverständlichkeit, f.
 
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selbstverständnis, n.: wer .. seinen ganzen zusammenhang mechanisch erklären .. könne, der stände auf dem gipfel der menschheit und des selbstverständnisses. Schleiermacher 3, 1, 352 (monol. 1); das nicht-ich ist das symbol des ich und dient nur zum selbstverständnisz des ich. Novalis 3, 86 Meiszner; ohne vollendetes selbstverständnisz wird man nie andre wahrhaft verstehen lernen. 251;

doch zu dem selbst-verständnisz
ist auch wohl noch ein rath.
Göthe 3, 258.

heute weniger gebräuchlich.
 
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selbstverstümmelung, f. Campe.
 
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selbstvertagung, f.: die kammern haben von dem ihnen zustehenden rechte einer dreytägigen selbstvertagung keinen gebrauch gemacht. beyl. zur Kasseler zeit. 1847, s. 671.
 
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selbstvertheidigung, f. Campe: seine (Göthes) polemik ist aber nicht angreifender natur, sondern abwehrender, und am ende blosz selbstvertheidigung. Grillparzer4 14, 116. als titel eines werkes von Jahn 2, 157 ff. Euler.
 
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selbstvertrauen, n. vertrauen auf sich selbst. Campe: einer, der selbstvertrauen auf seinen muth und geist hat. Klinger theat. 2, 151; je erhabner das ziel ist, nach welchem wir streben, .. desto höher steigt unser muth, desto reiner wird unser selbstvertrauen. Schiller 3, 509;

ein allzu starckes selbst-vertraun
ist stets ein selbst-betriegen.
Günther 22.

bei Rückert auch als selbvertraun:

deiner liebe fehlt vertraun allein,
ein vertraun zu mir, und eins zu dir:
selbvertraun, dasz du genügest mir,
und das zutraun, dasz ich treu kann seyn.
Rückert ges. ged. (1839) 2, 390

(vierzeilen 2, 12; in der ausgabe von 1882 7, 495, dafür selbstvertraun).
 
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selbstverwaltung, f.: so ward er (Niebuhr) wie Stein ein abgesagter feind aller politischen systemsucht und fand wie jener den eckstein der freiheit in der selbstverwaltung, die den bürger gewöhne mannhaft auf eigenen füszen zu stehen und das regieren .. handanlegend zu lernen. Treitschke d. gesch. 2, 64; selbst Rotteck konnte sich seine constitutionelle herrlichkeit nur auf dem boden der selbstverwaltung denken. 110; man hatte ... gehofft, dasz die staatsbehörden durch die einführung der heutigen localen selbstverwaltung an geschäften und an beamten würden entbürdet werden; aber im gegentheile, die zahl der beamten und ihre geschäftslast sind durch correspondenzen und frictionen mit den organen der selbstverwaltung ... erheblich gesteigert worden. die 'selbstverwaltung' ist also verschärfung der bürokratie, vermehrung der beamten, ihrer macht und ihrer einmischung ins privatleben. Bismarck ged. u. erinner. 1, 11 f.