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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstverführung bis selbstverirrt (Bd. 16, Sp. 499 bis 500)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstverführung, f. Campe (aus Herder).
 
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selbstvergessen ,
1) n. Campe (wofür auch selbstvergessenheit, s. unten): hintendrein trätscheten, wie in halbem selbstvergessen, die alten. Gotthelf Uli d. knecht s. 63 Vetter;

wenn sich ein herz, entzückend und entzückt,
dem herzen schenkt in süszem selbstvergessen.
Schiller M. Stuart 2, 6.


2) adj.: ihr herz schwamm in andacht so selbstvergessen, dasz sie den schwarm der gäste kaum wahrnahm. Arnim 1, 149; als ob ich nicht selbst eine meerkatze wäre ..., vergasz ich ganz die eingelernten sprünge und possen und sah ruhig und selbstvergessen den anderen zu. Keller 1, 112;

dem schändlichen gemahl steht sie noch wütend bey;
stellt, selbstvergessen, sich dem schwerd des sohns entgegen.
Gotter 2, 178.

seltner dafür selbstvergessend:

und nenn' ich das
ein fröhlich selbstbewusztes leben, wenn
uns jeder tag, vergebens hingeträumt,
zu jenen grauen tagen vorbereitet,
die an dem ufer Lethe's, selbstvergessend,
die trauerschaar der abgeschiednen feyert?
Göthe 9, 7 (Tasso 1, 2).

dazu selbstvergessenheit, f., vgl. Campe: die schönste selbstvergessenheit bewundre ich in allem was er in heiligem eifer gegen sie sagt. Schleiermacher üb. d. relig. 169; die anlage zur sittlichkeit hinwiederum zeigt sich in der selbstvergessenheit und erhebung über das selbst zu einem andern und höhern. Fichte nachgel. w. 3, 197; was in den verdüsterten seelen umging, und zum teil heraustrat in der selbstvergessenheit der angst. Ludwig 1, 147.
 
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selbstvergiftung, f., bildlich: sonst wäre wahrlich das geheimniss nichts werth — gelind genannt, wäre es selbstvergiftung; ob man bey dieser vergiftung gleichwohl noch leben kann. Klinger 12, 32.
 
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selbstvergleichung, f.: der kitzel der selbstvergleichung müszte ja als komische lust sich bei jeder wahrnehmung fremden irrthums und fremder tiefe einstellen. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 160, s. auch 2, 29.

[Bd. 16, Sp. 500]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstvergnügen, n.:

und ein wahres selbst-vergnügen
kommt nicht ohne kampff und leid.
Günther 211;

du hast mit mir geburt und stand und blut gemein,
drum musz dein wohlergehn mein selbst-vergnügen seyn. 661;

indem du in gefahr ein selbst-vergnügen hast. 730.

daneben bei demselben selbstvergnügung, f.:

daher verfehlt ir fusz die bahne,
die zu der selbst-vergnügung bringt. 222;

wenn mein geist nur stets im stillen
seine selbst-vergnügung findt. 240.

s. ferner s. 421. 571. — sonst vereinzelt selbstvergnügtheit, f.: wieder anderswo zankt man sich um das glück, dessen das vaterland theilhaftig ist, und mag sich den erfolg nicht gönnen, und in irgend einer ecke endlich ist man aus lauter selbstvergnügtheit eingenickt. Keller nachlasz 50.
 
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selbstvergötterung, f.: in der regel ist jeder mensch sein eigener abgott .. so wie jede religion der gottheit ihr symbol bringt, so auch diese selbstvergötterung. Benzel-Sternau bei Campe; eine so eigenartige ansicht von der vollgewalt des königthums, wie dieser fürst (Friedr. Wilh. IV) sie in begeistertem herzen hegte, hatte mit der frivolen selbstvergötterung der Bourbonen ... nur wenig gemein. Treitschke d. gesch. 5, 6.
 
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selbstverhältnis, n., im plur., private, eigne verhältnisse, angelegenheiten: ich gewann diese arbeit lieb, von der ich leider durch betrübende zeit und selbstverhältnisse nur zu oft getrennt wurde. Brentano 8, 140.
 
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selbstverhätschelung, f.: ist ... diese frömmigkeit nicht doch auch, ... eine moralische selbstverhätschelung auf kosten anderer? Heyse kinder der welt 1, 321.
 
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selbstverheerung, f.: die schreckensgeschichte der wollust, von den anfängen der weichenden standhaftigkeit bis an die gränzen der selbstverheerung. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 222.
 
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selbstverhöhnung, f.: am verderblichsten aber wurde dem deutschen radicalismus die sonderbare jüdische unart der selbstverhöhnung. Treitschke d. gesch. 3, 704; was ihn (Börne) freilich nicht hinderte, gelegentlich mit roher selbstverhöhnung über juden und Deutsche zugleich herzufallen. 707.
 
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selbstverirrt, adj. der sich von selbst verirrt hat, nicht von andern irregeführt ist. Campe: er sorgt für alle, ... auch für selbstverirrte in der wüste. Herder s. ebenda.