Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstthätigkeit bis selbstüberwindung (Bd. 16, Sp. 497 bis 498)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstthätigkeit, f.: auszer dem physischen .. finde ich die mittel vom wahnsinne zu heilen sehr einfach .. man errege ihre selbstthätigkeit. Göthe 19, 246; es ist immer sein unglück, wenn er veranlaszt wird, nach etwas zu streben, mit dem er sich durch eine regelmäszige selbstthätigkeit nicht verbinden kann. 341; so gewisz zwar eine gewisse passivität des beleidigten unsern grimm gegen den beleidiger mehr erhizt, als eine selbstthätigkeit des erstern. Schiller 2, 370; aber eben dieser gänzliche nachlasz der selbstthätigkeit, der ... im genusz zu erfolgen pflegt, setzt augenblicklich auch die rohe materie in freyheit. 10, 96; noch in seinem leiden musz er (der mensch) seine selbstthätigkeit ... beginnen. 356 (ästh. erz. 23. br.); dasz man zwischen derjenigen äuszerung der absoluten selbstthätigkeit, durch welche die vernunft praktisch ist, .. und derjenigen, durch welche der mensch sich .. bestimmt, diesem gesetze zu gehorchen .., sorgfältig zu unterscheiden habe. Fichte in d. allgem. litt. zeit. 1793, iv, 201; dasz dieselbe (freiheit des willens) ein vermögen sey, durch absolute selbstthätigkeit sich zum gehorsam oder ungehorsam gegen das sittengesetz .. zu bestimmen. 202; nemlich jedes wollen .. geschieht mit dem bewusztseyn der selbstthätigkeit. nun kann dasjenige, worauf die selbstthätigkeit in dieser handlung wirkt, nicht selbst wieder selbstthätigkeit seyn, .. sondern es ist, insofern die spontaneität auf dasselbe wirkt, blos leidend. krit. aller offenb. s. 17; die mathematik ist ächte wissenschaft, weil sie gemachte kenntnisse enthält, producte geistiger selbstthätigkeit. Novalis 3, 132 Meiszner.in älterer sprache selbthätigkeit, eigenmächtigkeit: dem schultheiszen den eingriff und angemaszte selbthätigkeit ungestraft hingehen lassen. Dresdener urkunde von 1609 bei Diefenbach-Wülcker 852.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbsttod, m., in älterer sprache vereinzelt für selbstmord: mnd. de ... sulffes dodes gestorven sin. quelle bei Schiller-Lübben 4, 465a; nhd.: weil sie (die heiden) vermeint, dasz nach diesem leben alles aus, oder dasz solcher selbsttod, als eine tapfere heldenthat, in den Elysier feldern werde belohnet werden. Harsdörffer frauenzimmer-gesprächsp. 8 (1649), 571. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbsttöter, m. Campe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbsttötung, f.: ist es erlaubt, dem ungerechten todesurtheile seines oberen durch selbsttödtung zuvorzukommen? Kant 5, 253; der ächte philosophische akt ist selbsttödtung. Novalis 3, 101 Meiszner; graf Westphalen sagte im Münsterschen landtage: 'meine mitstände beschwöre ich es auch nicht einmal stillschweigend gutheiszen zu wollen, als bedürfe es nur einer seidenen schnur zur moralischen selbsttödung eines dem gouvernement miszfälligen bürgers'. Treitschke d. gesch. 5, 283.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbsttrieb, m. eigner antrieb: aber der schönste witz des Seneca und aller wortflusz des Cicero richten eben so viel aus wie Moses und die propheten, wenn es an der pfingstgabe des geistes, des selbsttriebes fehlt. Hamann 6, 345; durch meinen, im selbsttrieb aller meiner kräfte begründeten und belebten willen. Pestalozzi 5, 158; das kind, vom selbsttrieb der kräfte die in ihm liegen, gedrungen. 13, 106.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbsttrost, m.: selbstrost, confidentia sui. Dentzler 2, 262b. dafür auch selbströste, f. ebenda.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbsttrug, m. Butschky Pathm. s. 292 (überschr.).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbstüberhebung, f.: an denen ... rohe, übermüthige nüchternheit die spuren frivoler selbstüberhebung und schonungslosigkeit zurückliesz. Wolfsohn in d. bl. für lit. unterh. 1846, nr. 315, s. 1257b; mit solcher verblendung äuszerte sich die selbstüberhebung des kleinstaatlichen liberalismus schon in seinen ersten anfängen. Treitschke d. gesch. 2, 104; unter den beschwerden, die er (Börne) unermüdlich vorbrachte, waren manche wohl begründet, aber auch viele nur durch

[Bd. 16, Sp. 498]


die empfindlichkeit krankhafter selbstüberhebung eingegeben. 3, 707.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbstüberlassenheit, f. der zustand eines, der sich selbst überlassen ist.dafür häufiger, wiewol weniger gut, selbstüberlassung, f.: was giebt's auszer dergleichen gedanken-obelisken für andere ernte einer weisen selbstüberlassung einer ächten einsamkeit? Hippel 12, 194; mich aber trieb nun neigung zur einsamen selbstüberlassung auf seite. Fr. Müller 1, 50; (wo wir) in lauterer unschuld, in freyer, unbefangener selbstüberlassung hier so selige, selige stunden durchlebet. 351 (Kreuznach).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbstüberschätzung, f.: eine hochmüthige selbstüberschätzung der jeztlebenden kann niemand darin finden wollen. Savigny zschr. f. geschichtl. rechtswiss. 1, 393; nur die strengeren urtheile der eltern ... bewahrten ihn (Niebuhr) vor selbstüberschätzung und verkleinerung anderer. allgem. lit. zeit. 1840, I, s. 267; (Gruner) hat nunmehr seit 15 jahren ... mit der ganzen verbissenheit verkannter selbstüberschätzung gegen mich gesprochen. Bismarck ged. und erinn. 2, 203.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbstüberwindung, f.: dasz selbstüberwindung die einzige tugend ist, in der wir (frauen) es oft den männern zuvorthun! Gotter 3, 271; vor allem aber war in ihm (dem hündlein von Bretten) bewundernswerth die moralische selbstüberwindung. denn es ... that auch für allerhand alte weiber was unsere neumodischen hundestutzer nicht gern thun, seinen wohlgemeinten toleranten sprung. Brentano 4, 418; nicht ohne gewaltsame selbstüberwindung konnte er (Göthe) also aus der beschaulichen stimmung des greisenalters zurückgreifen zu einem werke, das der flammenden begeisterung des jünglings entsprungen war (Faust). Treitschke d. gesch. 4, 412;

selbstüberwindung ihm der höchste sieg.
Göthe 4, 296 Weim. ausgabe.

vgl. selbstbesiegung.