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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstsüchtelei bis selbstthäterin (Bd. 16, Sp. 495 bis 496)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstsüchtelei, f. kleinliche selbstsucht. Campe.
 
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selbstsüchtig, adj. egoistisch Campe; von menschen: der, welchem es gleichgültig ist, wie es anderen ergehen mag, wenn es ihm selbst nur wohl geht, ist ein selbstsüchtiger (solipsista). Kant 5, 287; in absicht der äuszern güter, deren nachjagung die übrigen menschen selbstsüchtig macht. Garve anm. zu Cic. de off. 1, s. 326; diese stütze findet sich nicht in dem natürlichen charakter des menschen, der, selbstsüchtig und gewaltthätig, vielmehr auf zerstörung als auf erhaltung der gesellschaft zielt. Schiller 10, 280 (ästh. erz. 3. brief); so erwachte aller trotz seiner selbstsüchtigen seele. Freytag soll u. haben 2, 341;

selbstsücht'ger, eigenmächt'ger, strenger, herber!
Grillparzer4 6, 42.

[Bd. 16, Sp. 496]


von gesinnungen, handlungen u. s. w.: maximen, welche sich zur allgemeinen gesetzgebung qualificiren, die also nicht selbstsüchtig (ex solipsismo prodeuntes) sein können. Kant 5, 287; immer mit selbstsüchtigen beziehungen beschäftigt, bleibt ihnen das wesen der übrigen menschheit unbekannt. Schleiermacher über die religion 8.
 
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selbstsüchtler, -ling, m. egoist. Campe (als neubildung). nicht sehr gebräuchlich.
 
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selbstsucht(s)los, adj.: nur das sittliche bildet sittlich, nur das selbstsuchtlose bildet menschlich. Pestalozzi 6, 299.
 
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selbstsuchtsnährer, m.: anklang würde es bei allen finden, die umsturz des bestehenden wollen, die selbstsuchtsnährer sind und ihrer eitelkeit fröhnen. Treitschke d. gesch. 5, 45 (worte des nachmaligen kais. Wilhelm I.).
 
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selbsttadel, m.: ohne dasz dieses ihn gleichwohl wider den selbsttadel und den verweis sichern kann, den er sich selbst macht. Kant 4, 215.
 
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selbsttaufe, f. taufe, die man (der vater) selbst, nicht der geistliche, verrichtet. Campe.
 
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selbsttäuschung, f. täuschung seiner selbst. Campe: diese selbsttäuschung, ob sie gleich grob genug ist ..., ist doch von sehr begreiflichem ursprunge. Kant 3, 50; Schach-Gebal glaubt, er wünsche sich einen freund; aber es ist blosse selbsttäuschung; er will nur einen schmeichler. Wieland 8, 360 (Danischm. 43); dasz sie (eine aufzeichnung von Otto Ludwig) durchaus wahrhaft, ja auch ohne selbsttäuschung niedergeschrieben ist, lehrt die durchsicht derselben. Freytag 16, 59; um den geliebten zu schonen und vielleicht auch weil sie selbst in krankhafter selbsttäuschung befangen war, verhüllte sie (Charl. Stieglitz) dann die weiblichen beweggründe ihres entschlusses mit starkgeistigen worten. Treitschke d. geschichte 4, 436. —
 
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selbertäuschung J. Paul kl. bücherschau 1, 17.
 
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selbstthäter, m. der selbst etwas thut. dafür in älterer sprache selbthäter, patrator maleficii. Haltaus 1676: idem Petrus Fischer ist sin kompan und selbtetter gewest, deme had man auch gnade erczeyget. urkunde von 1470 s. ebenda; wir suchen hie den, der nit gethan wirt, als die werck, sondern den selbthetter und werckmeyster, der gott ehret und die werck thut. Luther 7, 26, 26 Weim. ausg.
 
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selbstthäterin, f.: die .. heldin des stückes (Maria von Schottland) ist keine tragische, sie ist nicht die schöpferin ihres leidens und darin als selbstthäterin imposant, sondern mitleidswert. Ludwig 5, 376.