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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbststerbung bis selbsttadel (Bd. 16, Sp. 495 bis 496)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbststerbung, f. autochiria 2172. — vgl. mhd. selbstorbig von gefallenem vieh: 'das ir das fleisch yn seyme blute nicht vressit' (do meinte her das selbstorbige, das irdruckte irtrunckene unde irworgitte). Rothe dür. chron. c. 17.
 
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selbststifter, m.:

und wie dieser war
selbst-stifter seines hauses hohen glücks.
Chamisso Fortunat s. 8, 39.


 
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selbststreben, n. eigenes streben Campe (aus Herder).
 
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selbststreit, m.: selbstreit des herren Katzens. Schottel 544; selbst-streit, m. pugna, conflitto, combattimento con e contro se stesso. der selbststreit des fleisches und des geistes, il conflitto etc. proprio frd la carne e lo spirito. Kramer dict. 2, 764b; seelenstreit, et selbststreit, dissensio interna, scrupulus, et fluctuatio mentis. Stieler 2209. später kaum gebräuchlich.
 
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selbstsucht, f. begierde, streben nach dem eignen vortheil, egoismus. das wort ist erst 1759 entstanden, s. Heyne 3, 584, aber schon in der classischen zeit in allgemeinem gebrauche. von den wörterbüchern hat es Campe zuerst. belege: da .. habsucht .. ebensowohl, als knauserei .. selbstsucht (solipsismus) zum grunde haben. Kant 5, 266; noch häufiger ist auch rohe selbstsucht der herren durch dieselbe klugheit zu maasz und rücksicht genöthigt worden, welche jetzt den sclavenhalter Amerika' s bestimmen. Freytag neue bilder (1862) 75;

miszfallen dir selbst die entwürfe
der närrischstolzen selbstsucht nicht?
Göckingk 2, 137;

zehrt er heimlich auf
seinen eignen werth
in ung'nügender selbstsucht.
Göthe 2, 65;

eigennutz, die gefräsz'ge hyäne,
eigenliebe, sich gott und altar,
selbstsucht, wetzend die gierigen zähne.
Grillparzer5 2, 110.

dafür selbsucht bei Rückert:

wann der liebe guter geist besiegt der selbsucht schlimmen. ges. ged. 2, 460

(ghas. 3, 5; in den werken v. 1882, 5, s. 240 dafür: selbstsucht); selbersucht bei J. Paul: von der brauchbarkeit für andere ist die blosze für sich selber, nur wie von ehrlosigkeit lieblosigkeit verschieden; beide schmelzen zusammen in der selbersucht. Levana 1, 33.
 
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selbstsüchtelei, f. kleinliche selbstsucht. Campe.
 
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selbstsüchtig, adj. egoistisch Campe; von menschen: der, welchem es gleichgültig ist, wie es anderen ergehen mag, wenn es ihm selbst nur wohl geht, ist ein selbstsüchtiger (solipsista). Kant 5, 287; in absicht der äuszern güter, deren nachjagung die übrigen menschen selbstsüchtig macht. Garve anm. zu Cic. de off. 1, s. 326; diese stütze findet sich nicht in dem natürlichen charakter des menschen, der, selbstsüchtig und gewaltthätig, vielmehr auf zerstörung als auf erhaltung der gesellschaft zielt. Schiller 10, 280 (ästh. erz. 3. brief); so erwachte aller trotz seiner selbstsüchtigen seele. Freytag soll u. haben 2, 341;

selbstsücht'ger, eigenmächt'ger, strenger, herber!
Grillparzer4 6, 42.

[Bd. 16, Sp. 496]


von gesinnungen, handlungen u. s. w.: maximen, welche sich zur allgemeinen gesetzgebung qualificiren, die also nicht selbstsüchtig (ex solipsismo prodeuntes) sein können. Kant 5, 287; immer mit selbstsüchtigen beziehungen beschäftigt, bleibt ihnen das wesen der übrigen menschheit unbekannt. Schleiermacher über die religion 8.
 
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selbstsüchtler, -ling, m. egoist. Campe (als neubildung). nicht sehr gebräuchlich.
 
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selbstsucht(s)los, adj.: nur das sittliche bildet sittlich, nur das selbstsuchtlose bildet menschlich. Pestalozzi 6, 299.
 
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selbstsuchtsnährer, m.: anklang würde es bei allen finden, die umsturz des bestehenden wollen, die selbstsuchtsnährer sind und ihrer eitelkeit fröhnen. Treitschke d. gesch. 5, 45 (worte des nachmaligen kais. Wilhelm I.).
 
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selbsttadel, m.: ohne dasz dieses ihn gleichwohl wider den selbsttadel und den verweis sichern kann, den er sich selbst macht. Kant 4, 215.