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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstsinn bis selbststand (Bd. 16, Sp. 492)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstsinn, m.: nun zeugt es freilich von einer besondern unbekanntschaft mit der welt, von einem jugendlichen selbstsinn, wenn ein laienhafter schüler den gildemeistern zu widersprechen wagt. Göthe 55, 164;

vor ihrem athem, wie vor frühlingslüften,
zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten,
der selbstsinn tief in winterlichen grüften;
kein eigennutz, kein eigenwille dauert. 3, 27.


 
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selbstsorge, f. sorge für sich selbst. Campe, lieblingswort von Pestalozzi: von wirtschaftlicher sicherheit, zu welcher der einzelne mensch ... nur da gelange, wo ihn die herrschaft ... auf das gleis der selbstsorge führe. Lienh. u. Gertr. 3, 144; nimmst zu in allem fleisz, in aller ordnung, ... und in aller weisheit der selbstsorge? 221; die selbstsorge, die sie in ihrem innersten sinn nicht von der rohen selbstsucht trennte. schr. 3, 264; unter den tausenden, die sich durch den schrecken der vergangenen jahre zur besonnenheit einer gereiften selbstsorge erhoben haben. 6, 57, s. noch 7, 11. 25. —
 
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selbstsorger, m. (bei Campe irrig für selbstsieger, s. das.), nd.: dat es en selfsörger, dä sorget men för sinen kijak (schnabel). Woeste 235b. Wander 4, 536.
 
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selbstspanner, m. eine art des radschlosses bei gewehren. Böheim waffenk. 476.
 
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selbstspiegel, m.: so sah er sich immer in seinem selbst-spiegel, nämlich nur verschleiert. J. Paul Tit. 3, 185.
 
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selbstspiel, n.: erst später, wenn in den fünf akten der fünf sinne die erkennung der welt geschehen ist, ... hebt die gröszere freiheit des selbstspiels an. J. Paul Lev. 1, 92 (dafür weiter oben: schaffendes spielen, selbstthätige spiele).
 
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selbstspott, m. spott über sich selbst. Campe (als neubildung). dazu: 'das haus Diethelm bleibt', sagte er halb selbstspöttisch. Auerbach dorfgesch. 4, 27.
 
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selbstsprechend, adj. (vgl.selbstredend): die gemälde, die dieses kunst- und naturalien-cabinet zieren, sind wohl nicht weniger zweckmäszig und selbstsprechend, als das gastgebot des storchs in dem audienz-gemache zu C—. Thümmel reise 4, 370 f.
 
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selbstspringend, adj.:

das brustbein, so man nent das rosz,
vermacht sie (die gans), dasz es sey ein posz:
zur kurtzweil umb der kinder willen,
dasz man sie darmit möge stillen:
und selbsspringende röszlin machen.
Spangenberg s. 44 (ganskönig 2, 157).


 
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selbstsprossend, adj.: strebe, denn du muszt streben. wolle keinen dank, keine selbstsprossende ernte. Herder bei Campe.
 
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selbststand, m. substanz: selbststand, der, ens, quemadmodum selbstwesen, das, substantia. Stieler nachsch. 27a; dahero wäre dieses keine gantz wesentliche verwandelung zweyer in dem selbststande gantz unterschiedene[r] dinge. Lohenstein Arm. 1, 177b; ein jeder einzelner selbststand, als ich und du, ist ein einig, unzertheilig, unverderblich ding.

[Bd. 16, Sp. 493]


Leibnitz 1, 411; die leiber an sich selbst sind keine selbststände: schatten, so dahin flieszen. 412. in der ältern sprache auch selbstand (welche schreibung Campe vorzieht, vgl. selbstständig): eine substantia oder selbstand. Kirchhof wendunmuth 465;

ausz lieb er (Christus) setzet und bestet,
fünff wörter, di der priester pett,
und sich dadrch gewandelt hat,
als jn verwandlt scheinlich brot.
und als natrlich schreybt der Hayd,
anhng und selbstnd (accidentia et substantias?) underschayd.
Schwartzenberg Cic. 155a.