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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstrecht bis selbstrezension (Bd. 16, Sp. 487 bis 488)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstrecht, n. recht, das man sich selbst nimmt. Campe, selbsthülfe: eigen- sive selbstrecht, jus proprium, de facto, it. jus cerebrinum. Stieler 1550; ihr angemastes selbstrecht und eigentähtliche wiederrechtliche execution. quelle bei Schottel 544 (danach Haltaus 1673); daneben: mit selbrecht machet oft ein mann sein recht zu unrecht. ebenda; mnd. sulfrecht, selffrecht Schiller-Lübben 4, 466a.
 
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selbstredend, adj. von selbst, für sich selbst redend, offenbar: selbstredende billigkeit, aequitas manifesta. quasi dicas: aequum se ipsum praedicans. Stieler 1543; wider die selbstredende warheit etwz ausschreyen. Schottel 544 (nach urk.); in einer von vielen jahren mehrmals abgeurtheilten selbstredenden klaren sache. urk. von 1636 bei Haltaus 1673; es ist

[Bd. 16, Sp. 488]


die selbstredende warheit, was ich sage, und werden alle umstände mit meinen worten eintreffen. Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 3, 428. — heute besonders prädicativ und adverbial: das ist selbstredend, versteht sich von selbst; selbstredend werde ich das thun u. ähnl. es scheint, als ob das wort zeitweilig (im 18. jahrh.) erloschen und erst wieder (mit andrer nuancierung, vgl. selbstverständlich) neu gebildet sei. immerhin musz es als gutes, altes wort gelten und ist daher zu unrecht als sprachwidrige neubildung beanstandet (z. b. von W. Grimm kl. schr. 1, 515. Andresen sprachgebr.7 127, anm. 2). neuerdings ist es etwas in verruf (obwol nicht aus dem allgemeinen gebrauche) gekommen als 'lieblingswort der wein- und cigarrenreisenden, ladendiener, friseure und kellner'. Wustmann sprachdummheiten2 353.
 
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selbstredner, m. der mit sich selbst redet: er besann sich nur, dasz er unter dem hollunderbaum allerlei tolles zeug ganz laut geschwatzt, was ihm denn um so entsetzlicher war, als er von jeher einen innerlichen abscheu gegen alle selbstredner gehegt. Hoffmann 7, 197 (d. goldene topf 2).
 
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selbstregieren, n.: dass er, um für seine eigne, hohe person, keine sünde an dem ihm anvertrauten volke .. durch selbstthätigkeit, oder selbstregieren zu begehen, es seinen ministern überlassen hat. Klinger 11, 227.
 
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selbstregierend, adj.: dasselbe vergnügen .., das ein grosser, selbstregierender monarch empfände, wenn er das politische gewäsch der müssigen über seine regierung .. belauschte. Klinger 11, 119.
 
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selbstregierung, f. vom herrscher, der selbst die regierung führt: wie wenig befähigt (war der junge könig), nun auch die selbstregierung zu übernehmen! Dahlmann dän. gesch. 1, 417; rechtfertigungschreiben, worin er (könig Heinrich) aufzählt, was er seit seiner selbstregierung zur ehre Deutschlands und zu seines vaters vortheil gethan habe. Schirrmacher kaiser Friedrich II., 1, 235. — von gemeinwesen, die sich selbst regieren (wofür gewöhnlicher selbstverwaltung): die ländliche bevölkerung erfreut sich heute vermöge der ihr gewährten selbstregirung nicht etwa einer ähnlichen autonomie wie seit lange die städte. Bismarck ged. u. erinner. 1, 11; die selbstregierung der städte musz ihre grenzen haben. ders. bei Busch tagebuchbl. 3, 33.
 
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selbstreiz, m.: so ist auch die reizbarkeit (des muskels) wahrscheinlich nichts als eine auf innige art unendlich vermehrte schnellkraft, die in dieser organischen verschlingung vieler theile sich aus dem todten fiberngefühl zur ersten stuffe des thierischen selbstreizes erhoben. Herder 13, 82 Suphan (ideen 3, 2); so giebt es auch eine unbesonnenheit aus mangel an selbstreiz und eine unbesonnenheit aus übermaasz an selbstreiz. Novalis 3, 215 Meiszner.
 
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selbstretter, m. sibi ipsi praesidium. ich musz mein selbstretter seyn, mihi ipsi consistendum est contra, reprimenda et propulsanda est vis a capite meo. Stieler 1606. dafür: das volk als selberretter. J. Paul herbstblum. 3, 37 (überschr.).
 
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selbstrettung, f.: da ihm (dem genie) aber der doktor juris darthat, dass es Satan seiner selbstrettung wegen fallen liess, erkannte es die gefahr. Klinger 10, 283; aber der drang seines geldmangels liesz ihm nicht einmal zu, den mitteln seiner selbstrettung nachzudenken. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 304.
 
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selbstrezensent, m. der sich selbst rezensiert; dazu: eben so verwerflich ist Erasmus selbstrezensentin, die narrheit. J. Paul vorsch. der ästh. 1, 180. —
 
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selbstrezension, f.: da die eigenen vorreden der verfasser ordentlicher weise nichts sind, als offene selberrezensionen. kleine bücherschau 1, 32.