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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstquälerisch bis selbstregierung (Bd. 16, Sp. 487 bis 488)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstquälerisch, adj.: wenn ihn eine selbstquälerische einbildungskraft noch weiter führte. Göthe 17, 184; ich hatte zeit genug mir den seltsamsten roman von traurigen ereignissen und einer unvermeidlich tragischen katastrophe selbstquälerisch auszumahlen. 24, 342; ich setzte die hergebrachte poetische beichte wieder fort, um durch diese selbstquälerische büszung einer innern absolution würdig zu werden. 26, 120; man werde sich aus einem schmerzlichen, selbstquälerischen, düstern seelenzustande nur durch naturbeschauung und herzliche theilnahme an der äuszern welt retten und befreien. 30, 228; er fand eine selbstquälerische lust, in seiner diplomatischen weise dem sohne dessen unkindlichkeit vorzuwerfen. Ludwig 1, 379; mit einem peinlichen eindruck, den wir andern ohne groszen kampf verwischen, wird er lange selbstquälerisch und hart ringen. Freytag handschr. 3, 228.
 
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selbstquallustig, adj.: Fritz schreibt sich den verlust von Schweidnitz ohne not selbstquallustig zu. Ludwig 4, 20.
 
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selbstrache, f. vendetta propria ò privata di se stesso. Kramer dict. 2, 764b; vindicta privata Stieler 1506. auch bei Frisch 2, 262b. Adelung. Campe.
 
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selbsträchend, adj. (in anderm sinne): nie hat die tragische dichtung in schärferen zügen als es hier die geschichte that, die lehre von der selbsträchenden verschuldung dargestellt. Gervinus gesch. des 19. jh. 1, 3. —
 
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selbsträcher, m. vendicatore, vindice di se stesso. Kramer dict. 2, 764b. Campe.
 
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selbstrecht, n. recht, das man sich selbst nimmt. Campe, selbsthülfe: eigen- sive selbstrecht, jus proprium, de facto, it. jus cerebrinum. Stieler 1550; ihr angemastes selbstrecht und eigentähtliche wiederrechtliche execution. quelle bei Schottel 544 (danach Haltaus 1673); daneben: mit selbrecht machet oft ein mann sein recht zu unrecht. ebenda; mnd. sulfrecht, selffrecht Schiller-Lübben 4, 466a.
 
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selbstredend, adj. von selbst, für sich selbst redend, offenbar: selbstredende billigkeit, aequitas manifesta. quasi dicas: aequum se ipsum praedicans. Stieler 1543; wider die selbstredende warheit etwz ausschreyen. Schottel 544 (nach urk.); in einer von vielen jahren mehrmals abgeurtheilten selbstredenden klaren sache. urk. von 1636 bei Haltaus 1673; es ist

[Bd. 16, Sp. 488]


die selbstredende warheit, was ich sage, und werden alle umstände mit meinen worten eintreffen. Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 3, 428. — heute besonders prädicativ und adverbial: das ist selbstredend, versteht sich von selbst; selbstredend werde ich das thun u. ähnl. es scheint, als ob das wort zeitweilig (im 18. jahrh.) erloschen und erst wieder (mit andrer nuancierung, vgl. selbstverständlich) neu gebildet sei. immerhin musz es als gutes, altes wort gelten und ist daher zu unrecht als sprachwidrige neubildung beanstandet (z. b. von W. Grimm kl. schr. 1, 515. Andresen sprachgebr.7 127, anm. 2). neuerdings ist es etwas in verruf (obwol nicht aus dem allgemeinen gebrauche) gekommen als 'lieblingswort der wein- und cigarrenreisenden, ladendiener, friseure und kellner'. Wustmann sprachdummheiten2 353.
 
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selbstredner, m. der mit sich selbst redet: er besann sich nur, dasz er unter dem hollunderbaum allerlei tolles zeug ganz laut geschwatzt, was ihm denn um so entsetzlicher war, als er von jeher einen innerlichen abscheu gegen alle selbstredner gehegt. Hoffmann 7, 197 (d. goldene topf 2).
 
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selbstregieren, n.: dass er, um für seine eigne, hohe person, keine sünde an dem ihm anvertrauten volke .. durch selbstthätigkeit, oder selbstregieren zu begehen, es seinen ministern überlassen hat. Klinger 11, 227.
 
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selbstregierend, adj.: dasselbe vergnügen .., das ein grosser, selbstregierender monarch empfände, wenn er das politische gewäsch der müssigen über seine regierung .. belauschte. Klinger 11, 119.
 
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selbstregierung, f. vom herrscher, der selbst die regierung führt: wie wenig befähigt (war der junge könig), nun auch die selbstregierung zu übernehmen! Dahlmann dän. gesch. 1, 417; rechtfertigungschreiben, worin er (könig Heinrich) aufzählt, was er seit seiner selbstregierung zur ehre Deutschlands und zu seines vaters vortheil gethan habe. Schirrmacher kaiser Friedrich II., 1, 235. — von gemeinwesen, die sich selbst regieren (wofür gewöhnlicher selbstverwaltung): die ländliche bevölkerung erfreut sich heute vermöge der ihr gewährten selbstregirung nicht etwa einer ähnlichen autonomie wie seit lange die städte. Bismarck ged. u. erinner. 1, 11; die selbstregierung der städte musz ihre grenzen haben. ders. bei Busch tagebuchbl. 3, 33.