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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstklug bis selbstler (Bd. 16, Sp. 482 bis 483)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstklug, adj. 'eine ungegründete einbildung von seiner eigenen klugheit besitzend und darin gegründet' Adelung: man kann es (das 18. jahrh.) ... wohl das selbstkluge nennen, indem es sich auf eine gewisse klare verständigkeit sehr viel einbildete. Göthe 53, 162; man darf muth und zuversicht haben, aber nicht eingebildet und selbstklug seyn. Claudius 3, 162. sprichw.: meister selbstklug fällt über (zerschlägt) den eigenen krug. Wander 4, 536.
 
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selbstknecht, m.: der selbst-knecht seiner diener, Philipp V. von Spanien. J. Paul Lev. 2, 158.
 
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selbstkocher, m. kochapparat, der von selbst kocht, ohne dasz man nachzusehen brauchte. Campe. (entspricht genau dem russ. samovar.)
 
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selbstkost, f.: sechs wochen sol der lehnmann reisen, und seinen herren dienen bey seiner selbstkost. Schottel 544. jetzt nur noch im plur.: Stein bittet ihn (Arndt), er möge 1000 exemplare dieser schrift durch den verleger für 2 sgr. verkaufen lassen, er wolle den ausfall von den selbstkosten jenem ersetzen. Hall. lit. zeit. 1847, sp. 135. — sehr gewöhnlich etwas zum selbstkostenpreise (preise, den es den verkäufer selbst kostet) verkaufen u. ä.
 
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selbstkraft, f. eigne kraft: selbstkraft geht nach selbstziel, s. Campe; die entkeimende selbstkraft macht jetzt das kind die hand der mutter verlassen. Pestalozzi 5, 262; die selbstkraft des volks, die nach einem dauernden rechtlichen wohlstand strebt. 4, 78.
 
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selbstkritik, f.: philosophie einer wissenschaft entsteht durch selbstkritik und selbstsystem der wissenschaft. Novalis 3, 234 Meiszner; die schonungsloseste selbstkritik, die sich in früherer zeit unmittelbar nach der vollendung platz machte, fieng jetzt schon an, sich während der arbeit einzustellen. Grillparzer4 15, 167.
 
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selbstlaut, m. als übersetzung für vocal. Adelung; übertragen, laut, der von selbst erschallt, ohne dasz ein redender da ist(?): der christ, entzückt in den himmel, hört unaussprechliche worte. wann haben wir nicht unaussprechliche selbstlaute gehört, wenn uns eine schöne frühlingsmorgenröthe in's freie einlud ...? Hippel 3, 145. — älter ist in diesem sinne das part. selbstlautend, adj., als subst.: selbstlautender, der, grammaticis appellatur vocalis, al. klingbuchstab et stimmer. Stieler nachsch. 27a; selbstlautende buchstaben. Adelung; ich sehe es für eine ehre .. an, dem dienst eurer eitelkeit weniger als meine selbst- und mitlautenden brüder unterworfen zu seyn. Hamann 4, 141 (apologie des buchstabens h). häufiger selblautend, selb-stimmend, adj.: suonante da per se cioè vocale. selblautender buchstab; selblauter, selbstummer [l.-stimmer?] litera vocale. Kramer dict. 2, 764a; selblautender, nemlich buchstab, vocalis, als da sind a, e, i, o, u. Frisch 2, 262b; das e, wann es vor einem andern selblautenden buchstaben zue ende des wortes vorher gehet, ... wird nicht geschrieben. Opitz poet. s. 36 ndr.; wie wir die selblautenden buchstaben auszsprechen. Logau A 1b (vorrede). selbstlauter, m. zeichen für einen selbstlaut, vocalbuchstabe. Adelung, doch auch für den laut selbst: ohne dasz ich ihm ein anderes wunder in der aussprache dieses doppelten mitlauters, als durch die modification des selbstlauters (in der silbe ann) zutraue. Hamann 4, 123;

hier ist's, wo unter eignem namen
die buchstaben sonst zusammen kamen.
mit scharlachkleidern angethan
saszen die selbstlauter oben an:
a, e, i, o und u dabei,
machten gar ein seltsam geschrey.
Göthe 2, 211.

bildlich: die politischen selbstlauter Europens, die Engländer J. Paul Levana 1, 6. dazu: desto reicher fiel sein reiner genusz an den orientalischen sprachen aus, weil deren letternformen und selbstlauter-untersätze (untergesetzte vocalzeichen wie im hebr.) sie weit über alle neueren sprachen hoben. leb. Fib. 39; bald nachher standen die erlegten ich in der Fichte'schen aseität, icherei und selbstlauterei in masse

[Bd. 16, Sp. 483]


wieder von den todten auf. vorsch. d. ästh. 1, 180. —
 
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selbstlautig, adj. vocalisch Campe: die selbstlautigen endungen der silben und wörter. Klopstock s. ebenda (gel.-rep. 96).
 
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selbstleben, n.: es wird ihnen (den spiralgefäszen der pflanzen) ein selbstleben zugeschrieben, die kraft sich an und für sich einzeln zu bewegen. Göthe 55, 119. dazu: da ... der held und sein sänger in eines zusammenfallen, und mit ein ander das herausgeben, was man eine selbstlebensbeschreibung, autobiographie, confessions u. s. w. nennt; aber welcher vortheil, da alsdann der selbst-beschreiber allein die geheimsten ehren- und schandthaten weisz. J. Paul leb. Fib. 195; auch in der auffälligen form: ihr (der Stael) urtheil über Göthe als autor-mensch können die Deutschen, seit erscheinung seiner selb-lebensbeschreibung, bequem entbehren. kl. bücherschau 1, 75. vgl. selbstbiographie. — seltner: selbstlebung, f.: die hypochondrie bahnt den weg zur körperlichen selbsterkenntnisz, — selbstbeherrschung und selbstlebung. Novalis 2, 206 Meiszner.
 
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selbstlehre, f. autodidaxia. Stieler 1128, vgl. selbstunterricht. Campe. dazu: selbstlehrer, m. und selbstlehrling, m., beides als übersetzung von autodidakt, ebenda, letzteres von Eggers 1, 179 (automate) vorgeschlagen.
 
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selbstler, m. egoist, gebildet auf grund des kaum gebräuchlichen selbsteln, vgl. auch selbstling. von Campe als neubildung bezeichnet, obwol schon bei Kant und Wieland belegt, s. Gombert 5, 18 f.: es giebt .. leute, die nichts lieben können als sich selbst und was sie selbst gemacht haben. allein von solchen selbstlern ist auch hier die rede nicht. Wieland 8, 30 (Danischm. 3); indem sie als ungebildete selbstler das zu zerstören wünschen, wobei sie nicht mehr fortwirken sollen. Göthe 17, 151 (wahlverw. 1, 14); khalife. das sind ja abscheuliche menschen. ben Hali. es sind selbstler*); dazu die anm.: *) nach dem arabischen paraphrasirt; das wort ist bezeichnend genug und hat nichts gegen sich, als dasz es nicht gebräuchlich ist. Klinger 6, 332; der frühe selbstler hingegen, dessen erster .. gedanke sein eigenes selbst wäre, und der sich und seinen vortheil nie vergäsze. Fichte nachgel. werke 3, 197; wie anders wär's, wenn ... der mensch zur gemeinsamkeit erzogen würde, statt zum lieblosen selbstler. Felder sonderlinge 2, 311. — in Baiern ein lediger bursche, der keine geliebte hat. Schm. 2, 266.