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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbsthändig bis selbstheit (Bd. 16, Sp. 476 bis 477)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbsthändig, adj.: oder sie erwehle sich den nechsten ort, wo sie ir kümmerliches leben selbsthändig abschneiden könte. polit. stockf. 354; ja der Bastarnen könig Deldo selbsthändig von des Crassus jüngstem sohne getödtet ward. Lohenstein Arm. 1, 230b; die frauen und jungfrauen zu Heraclea hätten sich lieber selbsthändig getödtet. 280a;

so wolt' er durch sein blutt selbsthändig ihn versöhnen. Cleop. 35 (2, 57);

dasz nichts bey kräfften blieb,
was nicht Cleopatra selbst händig unterschrieb. 41 (264);

jetzt dafür eigenhändig.
 
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selbsthändler, m., im bergwesen 'ein arbeiter oder unteraufseher, welchem ein grubenbau oder ein theil eines solchen zur unterhaltung der zimmerung darin überwiesen ist'. Veith 446.

[Bd. 16, Sp. 477]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbsthandlung, f.: weil er nur in soferne dichter ist, als er durch eine freye selbsthandlung unsrer einbildungskraft seinen zweck erreicht. Schiller 10, 239.
 
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selbsthang, m. suspendium sui ipsius, autochiria. Stieler 700.
 
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selbsthasser, m. der sich selbst haszt. Campe.
 
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selbsthasz, m. odio di se stesso. Kramer dict. 2, 764a; (Byron,) der immer wichtiger hervortrat, und mich nach und nach mehr anzog, da er mich früher durch hypochondrische leidenschaft und heftigen selbsthasz abgestoszen. Göthe 32, 109; dass er durch zergliederungen des geschehenen gefahr liefe, Ernstens selbsthass gegen die menschen zu kehren, oder ihn auf die klippe des unglaubens an alle tugenden zu treiben, vor welchem ihn bisher sein selbsthass ... gerettet hatte. Klinger 8, 378;

dasz mein ganzes leben dann
in selbsthasz sich und selbst-verachtung theilt.
Hebbel (1891) 1, 177 (Genoveva 4, 6).

dafür: selberhasz ... ist nicht möglich: denn hasz ist nichts als ein wunsch des fremden unglücks. J. Paul Siebenk. 3, 182.
 
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selbstheil, n. name der prunelle oder braunelle, einer wild wachsenden pflanze, die als mittel gegen die halsbräune gebraucht wurde, prunella vulgaris. Nemnich.ähnlich werden mhd. selpheile, f. und selplâche, f. als pflanzennamen verwendet, s. Lexer hwb. 2, 868 f. Schm. 2, 265: senecium ... selplacha ... selbeza. Dief. gl. 526c; euphrasia ... selb-, selheila vel -heile, salveia 213a.
 
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selbstheiler, m. sibi ipsi medicans. Stieler 818.
 
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selbstheilig, adj.: die klosterleut und clauszner, und andere dergleichen selbstheyligen und vom himmel gefallene gugelfritzen. bienenk. 106a.
 
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selbstheilung, f.: dieses vermögen der selbstheilung und wiederherstellung, wodurch der mensch das widrigste schicksal besiegt. Klinger 12, 101.
 
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selbstheit, f. , abstractbildung zu selbst, älter als dieses selbst in substantivischem gebrauche (vgl. das. II, 6), ist an stelle des ältern selbheit getreten, s. das., und wie dieses in mystischer sprache erwachsen: selbstheit haben einige als ein abstractum in der theologia ascetica und mystica aufgebracht, für alles, was einen sonderlich an der seel angeht. Frisch 2, 262b, vgl. Kramer unter selbheit. es steht in der form selbesheit schon mhd. neben selpheit (bei Eckhart, s. d. belege), vgl. mhd. wb. 2, 2, 247b. Weigand 2, 694, und ist besonders in der classischen litteratur des 18. und beginnenden 19. jh., kaum noch jetzt, üblich.
1) das eigne, eigenthümliche wesen, das selbst, individualität u. ähnl.: er sol aller vrîest sîn, alsô daʒ er vergeʒʒe sîn selbesheit unde vlieʒe mit alle dem, daʒ er ist, in daʒ gruntlôse abründe sînes urspringes. Eckhart 393, 24; in dem unbegrîfen der hôhen einekeit, diu aller dinge vernihtet in ir selbesheit sunder sich. 517, 10; weil sie mich zum mitschuldigen derer gemacht hätte, die bloss darum meine feinde wurden, weil sie keine lust hatten mir, auf unkosten ihrer selbstheit, gutes wirken zu helfen. Wieland 3, 189 (Agath. 12, 11); so mit den schülern desselben schreibmeisters! alle schreiben ähnlich, und jeder dennoch mischt eine tinktur seiner selbstheit bey. Lavater physiogn. fragm. 3, s. 113; das principium der selbstheit hing also nicht von ihnen ab. Herder 16, 574 Suphan (wechselt ohne unterschied mit selbst, n., s. das., schlieszt zugleich die bedeutung 3 ein); dasz sich ... alles, dem man ein wesen, ein daseyn zuschreiben kann, in's unendliche vervielfältigt, und zwar dadurch, dasz immerfort gleichbilder, gleichnisse, abbildungen als zweyte selbstheiten von ihm ausgehen. Göthe 53, 193; oft bedaure ich sie (die jungen leute) dasz sie in eine verrückte zeit gekommen, wo ein starrzäher egoismus auf halbem ... wege sich verstockt und die reine selbstheit sich auszubilden hindert. briefw. mit Zelter 6, 385; sieh, so ist ichheit oder selbstheit jedes menschen gott! Klinger 6, 222; ein feuerstrom der macht und des begehrens ..., den der widerstand fremder selbstheit nur reizen und erzürnen ... kann. Forster ansichten 1, 397; wollte man die seligkeit schildern, so schilderte man einen zustand, worin man ganz auf selbstheit verzicht gethan, in die gottheit eingegangen ... war. briefe 1, 773; der gemeine empiriker hingegen unterwirft sich der natur als einer macht ... seine selbstheit ist unterdrückt, und als mensch hat er absolut keinen werth und keine würde. Schiller 10, 522; und was hindert dich

[Bd. 16, Sp. 478]


nun, deinen dolch gegen den tiger zu erheben, der völker seiner einzelnen selbstheit aufopfert? Dya Na Sore 3 (1791), 163; nur wenn der mensch im gegenwärtigen handeln sich seiner eigenheit bewuszt ist, kann er sicher sein sie auch im künftigen nicht zu verlezen, und nur, wenn er von sich beständig fordert die ganze menschheit anzuschaun, und jeder andern darstellung von ihr sich und die seine vergleichend gegenüber zu stellen, kann er das bewusztsein seiner selbstheit erhalten. Schleiermacher 3, 1, 372 (monol. 2); eine zeit, welche in ihrer jugend die unschuldig bewegte selbstheit unter dem namen der sentimentalität ... verhöhnte, und immer nach objectivität schrie. Brentano 8, 171;

deines bilds bild ruhte mir längst im innern,
seit der freundschaft seelenberuf erwacht war,
der so gern schau'n möchte des eignen wesens
edlere selbstheit.
Platen 111a.


2) die (unberechtigte) liebe des eignen selbst, selbstsucht, egoismus, auch eigendünkel: hier musz unsre seele von den hefen der sinnlichkeit und selbstheit gereiniget werden. Wieland suppl. 3, 180 (sympath. 9); der Kefernburger besasz ein groszes masz von dreistigkeit und selbstheit. Musäus volksm. 4, 16 Hempel; liebe und selbstheit. Herder 15, 304 Suphan; es ist die selbstheit eines wohllüstlings oder eines tyrannen, zu glauben, dasz mit uns das weltall untergehe. 16, 4; dasz er (der mensch) sich selbst für das beste halten darf was gott und natur hervorgebracht haben, ja, dasz er auf dieser höhe verweilen kann, ohne durch dünkel und selbstheit wieder in's gemeine gezogen zu werden. Göthe 22, 16 (wanderjahre 2, 1); allgemeines übereinstimmen und wechselseitiges gutes bedienen, zwischen nationen und individuen, wird an die stelle treten der gegenwärtigen selbstheit und miszstimmung. 51, 251; des beleidigten, getäuschten, gefühlarmen herzens letzte regung, — selbstheit. Dya Na Sore 3, 181;

wie sanft, wie frey von stolz und eitler selbstheit.
Wieland suppl. 4, 221;

nur er ist da, er in der weiten welt,
und alles andre nichts, als stoff zu thaten.
voll selbstheit, nicht des nutzens, doch des sinns,
spielt er mit seinem und der andern glück.
Grillparzer4 4, 165 (Medea 2).


3) idendität, so selten:

doch leider fehlt dem sicher todten
der selbstheit sich'rer stempel, das gesicht.
Müllner 4, 119 (Albaneserin 3, 6).

(oder zu 1 zu stellen?)
4) weiterbildungen dazu begegnen nur bei Jahn: will indessen ein jählings aufgeschossener, ein zusammengewürfelter dünkelstaat ... seine dermalige staatigkeit als selbstheitiges volkstum geltend machen und das ihm abgehende volk durch belgische staatshörigkeit ersetzen. werke 2, 519 Euler; Adelung .., will in 'leute' die selbständigkeit des einzelnen aus einer groszen gesamtheit nicht anerkennen und scheint von der selbstheitigkeit, so die grundlage aller deutschen gesetzgebung ist, keinen klaren begriff zu haben. 509.