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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstgott bis selbstheil (Bd. 16, Sp. 476 bis 477)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstgott, m. der sich selbst zu gott macht, für einen gott hält. Campe (belegt bei Herder). — dazu (in gleichem sinne): auch ist das scharfsinnigste gemächt der selbgöttler eigentlich nur zum staat und für die guten tage. Claudius 6, 103.
 
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selbstgreiflich, adj.: ihr habt daheren selbstgreifflichen abzunehmen. urkunde vom j. 1574 bei Dief.-Wülcker 852; weill aber ihr und menniglichen daheren selbstgreifflichen abzunehmen. ebenda (vom j. 1575).
 
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selbsthalter, m.: 'eine neue übersetzung des worts αὐτοκράτωρ, (samoderschez,) im titel des ruszischen kaysers. Frisch 2, 262b, auch bei Adelung und Campe verzeichnet. vgl. auch DWB selbsterhalter und das jetzt allein übliche selbstherrscher. belege: des allerdurchlauchtigsten, groszmächtigsten kaysers, grosz-zaaren und herrn herrn Petri Alexowiz, des Groszen, Klein- und Weisz-Ruszlandes selbst-halters. Weichmann 5, 5; selbsthalter nennen sich Ruszlands monarchen; er (Peter d. gr.) war dies nicht allein, sondern selbsteinrichter und haushalter seines reichs. Herder 23, 436 Suphan. auch in weiterem gebrauche, von gott: nicht nur das ende, sondern der ganze wandel eines christen ist das meisterstück des unbekannten genies, das himmel und erde für den einigen schöpfer, mittler und selbsthalter erkennet. Hamann 2, 159. übertragen: so sehr bedauerte ich den herrn Schwarz, der sich gewiss auch damit an jenen allgewaltigen lichtern und selbsthaltern des deutschen parnasses gröblich versündiget hatte, dass er von mir und nicht von ihnen selbst, eine vorrede begehret hatte. Gottscheds vorr. zu Overbeck Virg. s. III. — dazu: mir Katharina II kaiserin und selbsthalterin aller Reuszen. urk. von 1768 bei Dief.-Wülcker 852. in anderm sinne: hier soll sie (die philosophie) ihre lauterkeit beweisen, als selbsthalterin ihrer gesetze. Kant 4, 49.
 
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selbsthandelnd, adj.: ich sehe eben, ... dasz sie die teilung des chors entschuldigen und darauf aufmerksam machen, dasz sie nur da angebracht sei, wo der chor selbsthandelnde person ist. Humboldt an Schiller nr. 62 (s. 276 Muncker).
 
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selbsthändig, adj.: oder sie erwehle sich den nechsten ort, wo sie ir kümmerliches leben selbsthändig abschneiden könte. polit. stockf. 354; ja der Bastarnen könig Deldo selbsthändig von des Crassus jüngstem sohne getödtet ward. Lohenstein Arm. 1, 230b; die frauen und jungfrauen zu Heraclea hätten sich lieber selbsthändig getödtet. 280a;

so wolt' er durch sein blutt selbsthändig ihn versöhnen. Cleop. 35 (2, 57);

dasz nichts bey kräfften blieb,
was nicht Cleopatra selbst händig unterschrieb. 41 (264);

jetzt dafür eigenhändig.
 
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selbsthändler, m., im bergwesen 'ein arbeiter oder unteraufseher, welchem ein grubenbau oder ein theil eines solchen zur unterhaltung der zimmerung darin überwiesen ist'. Veith 446.

[Bd. 16, Sp. 477]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbsthandlung, f.: weil er nur in soferne dichter ist, als er durch eine freye selbsthandlung unsrer einbildungskraft seinen zweck erreicht. Schiller 10, 239.
 
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selbsthang, m. suspendium sui ipsius, autochiria. Stieler 700.
 
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selbsthasser, m. der sich selbst haszt. Campe.
 
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selbsthasz, m. odio di se stesso. Kramer dict. 2, 764a; (Byron,) der immer wichtiger hervortrat, und mich nach und nach mehr anzog, da er mich früher durch hypochondrische leidenschaft und heftigen selbsthasz abgestoszen. Göthe 32, 109; dass er durch zergliederungen des geschehenen gefahr liefe, Ernstens selbsthass gegen die menschen zu kehren, oder ihn auf die klippe des unglaubens an alle tugenden zu treiben, vor welchem ihn bisher sein selbsthass ... gerettet hatte. Klinger 8, 378;

dasz mein ganzes leben dann
in selbsthasz sich und selbst-verachtung theilt.
Hebbel (1891) 1, 177 (Genoveva 4, 6).

dafür: selberhasz ... ist nicht möglich: denn hasz ist nichts als ein wunsch des fremden unglücks. J. Paul Siebenk. 3, 182.
 
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selbstheil, n. name der prunelle oder braunelle, einer wild wachsenden pflanze, die als mittel gegen die halsbräune gebraucht wurde, prunella vulgaris. Nemnich.ähnlich werden mhd. selpheile, f. und selplâche, f. als pflanzennamen verwendet, s. Lexer hwb. 2, 868 f. Schm. 2, 265: senecium ... selplacha ... selbeza. Dief. gl. 526c; euphrasia ... selb-, selheila vel -heile, salveia 213a.