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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstgeschosz bis selbstgesteckt (Bd. 16, Sp. 473 bis 475)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstgeschosz, n. (m.) geschosz, das sich von selbst entladet, wenn es betreten oder berührt wird, besonders als jägerausdruck, ein gespanntes gewehr, das durch eine schnur mit dem luder verbunden ist, auch selbstschusz, legbüchse, vgl. diese. Adelung. Jacobsson 4, 138b. Heppe wohlred. jäger 278a. Kehrein weidmannsspr. 271:

du muszt das todesurtheil
vollstrecken, wenn dein weg durch's leben nicht
dem gang durch einen garten gleichen soll.
wo jeder schritt ein selbst-geschosz entzündet
und jede blume eine natter deckt.
Hebbel (1891) 6, 143 (Demetr. 4, 1).

häufiger in der ältern sprache in der form selbgeschosz, mhd. selpgeschôʒ (neben selpschôʒ), in anderm sinne, vgl. DWB selbschosz Lexer hwb. 2, 868. nhd. selb-geschosz, n. schioppo ò arco che tira da per se, cioè con certa machina à cotal effetto. Kramer dict. 2, 764a; selbgeschosz, der, et das, arcus automaticus. Stieler 1771; s. ferner Frisch 2, 262b (bei der fuchsjagd). öconom. lex.2 2712. Eggers 2, 890. belege:

[Bd. 16, Sp. 474]


dergleich die waydleut auff mich dichten,
und mir viel scharpfer selb gschosz richten.
H. Sachs 1, 347b ('die wolffsklag' v. 44).

als masc. (vgl. oben Stieler): der selb-geschosz wird von drey oder vier starcken kurtzen läufften in ein länglicht holtz geschäfftet: die zündlöcher zusammen gefüget, und ein klein feuer-schlosz daran gemachet, mercket man nun einen wolff oder luchs ... so wird dieser selb-geschosz mit kleinen lauffkugeln ordentlich geladen, und an verlangten ort gebracht, eine haarene schnur von 5 bisz 6 ellen lang über die suhle gezogen oder vor dem luder angebunden, nach dem selb-geschosz gezogen, und am abzug leise angebunden. Fleming t. jäger 242. — auch in der form selbsgeschosz: der peer, der wolf, der fux, der lux, und das eltasz; dise thier sollen meniclich winter und sumer bei tag und nacht frei sein zu ächten und zu fachen, auszgenommen mit gift und selbsgeschosz. Salzb. taid. 190, 4. ferner: a. 1593 hat sich N. mit einem selgeschosz an einem schenkel verletzt, und das geäder mit einem pfeil entzwey geschossen. qu. bei Schm. 2, 265. auch das wort selbgeschlosz ist vielleicht nur verschrieben für dieses: die selbgeschlosz, zucken, predtfallen, sengsen und andern dergeleichen gericht soll man kains weegs bei den strassen und weegen richten. steir. taid. 236, 25, vgl. d. gloss. (s. 644a) und sachr.dazu als wegname: dann abermal hinauf ob den oberen selbgeschossweg. tirol. weisth. 4, 370, 32.
 
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selbstgesetzgebend, adj. für autonom bei Campe: der wille wird also nicht lediglich dem gesetze unterworfen, sondern so unterworfen, dasz er auch als selbstgesetzgebend ... angesehen werden musz. Kant 4, 55 f.
 
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selbstgesetzgeber, m. Campe; dazu: man sieht, Kant will über das: was ihr wollt, dasz euch die leute thun sollen u. s. f. noch hinaus, denn dieses bringt die neigung in's spiel; während Kant die vernunft zur selbstgesetzgeberin machen will. D. F. Strausz d. alte u. d. neue glaube s. 238. —
 
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selbstgesetzgebung, f. autonomie Campe, wie sie z. b. im mittelalter in Friesland, Dithmarschen, der Schweiz bestand, s. Amira in Pauls grundr. 2, 2, 66; die selbstgesetzgebung der vernunft. Campe.
 
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selbstgesicht, n. vision, worin man sich selbst sieht: aus solchen selbstgesichten, die sich mehrmals übereinstimmend wiederholten, und die später von ihr als ihre eigene geschichte anerkannt wurden, sind die umstände ihrer stigmatisationen mitgetheilt. Brentano 4, 311.
 
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selbstgespannt, adj.:

bald suchst du in der wunder-uhr, ...
bewegt von selbst-gespannten federn:
du siehst des herzens unruh gehn.
Haller ged.10 119.


 
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selbstgesponnen, adj.: selbstgesponnenes garn. Campe: in dem monat, worin ... tausend arten von bunten fliegen und schmetterlingen, aus ihren selbst-gesponnenen gräbern aufgestanden, ihre feuchten flügel in der sonne versuchen. Wieland 14, 35 (Koxkox 8).
 
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selbstgespräch, n. gespräch mit sich selbst, worin man sich selbst anredet, vielfach auch nur ein gespräch, das man für sich selbst, allein, hält, so für monolog im drama. Adelung: sehen sie meine luftstreiche, die ich thue, für ein selbstgespräch an. Hamann 5, 278; dieser umstand macht begreiflich, wie der geschichtschreiber wissen konnte, was Agathon bey dieser und andern gelegenheiten mit sich selbst gesprochen; und schützt uns vor den einwürfen, die man gegen die selbstgespräche machen kann, worin die geschichtschreiber den poeten so gerne nachzuahmen pflegen. Wieland 1, 60 (Agath. 1, 6); immer selbstgespräche! hören wir den leser sagen. wenigstens ist diess eines, und wer kann dafür? Agathon hatte sonst niemand mit dem er hätte reden können als sich selbst. 119 (2, 6); nach einem selbstgespräch, worinn sie (Amalia) gegen die liebe zu Karln ... als gegen einen meineid kämpft; erscheint er selbst. Schiller 2, 366; aus diesem halb bewusztlos hingeträumten selbstgespräch risz ihn der schlag einer nahen thurmuhr. Heyse kinder der welt 1, 5;

kümmert euch nicht um den inhalt
seiner selbstgespräche; er
ist nicht wohl.
Müllner schuld 4, 1;

dasz in der einsamkeit dir nicht der reiz gebräche
der unterhaltung, hälst du mit dir selbstgespräche.
Rückert 8, 14 (weish. des brahm. 1, 28).

dafür: durch diese lustigen selbergespräche wollt' er sich vom anblick seiner verworrenen ... seele entfernen.

[Bd. 16, Sp. 475]


J. Paul Hesp. 2, 180. — dazu noch: das bild eines .. greises .., der bald personen in umrissen zeichnet, ... jetzt eine artige anecdote ruhig und schlicht erzählt ... oder wie in sich selbst versunken selbstgesprächsweise vor sich hin redet. Berliner literar. zeit. 1846, s. 1213.
 
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selbstgesprochen, adj.:

dasz auch selber, wenn wir beten, selbst-gesprochner wörterkraft,
sonderlich wenns laut geschehn, würcklich sich so weit erstrecket,
dasz die andacht noch vermehrt ... wird.
Brockes 5, 109.


 
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selbstgeständnis, n. geständnis, das man (vor) sich selbst ablegt, s. Campe, so selten; gewöhnlich, geständnis, das man (einem andern) über sich selbst macht, ebenda. belege: unparteilichkeit in beurtheilung unserer selbst, in vergleichung mit dem gesetz und aufrichtigkeit im selbstgeständnisse seines inneren moralischen werths oder unwerths sind pflichten gegen sich selbst. Kant 5, 276; das waren selbstgeständnisse, teurer freund, zu denen ich gegen sie immer offen bin. W. v. Humboldt an Schiller, nr. 62 (s. 280 Muncker).
 
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selbstgesteckt, adj.:

nach einem selbgesteckten ziel
mit holdem irren hinzuschweifen.
Göthe 12, 16.

vgl. Strehlke wb. zu Göthes Faust 125b.