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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstgepräge bis selbstgesetzgebung (Bd. 16, Sp. 473 bis 474)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstgepräge, n.: der wildmeister war, wie alle einsame oder waldmenschen ..., unter die schaumünzen von selbst-gepräge gehörig. J. Paul leb. Fibels 104.
 
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selbstgepreszt, adj.:

es ist ja selbst gepreszter cyder,
kein theurer fremder wein.
Göckingk 3, 126.


 
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selbstgerecht, adj. der sich selbst für gerecht hält (wie der pharisäer in der neutestamentlichen parabel). — dazu selbstgerechtigkeit, f.: seitdem ... niemand mehr von selbstgerechtigkeit, selbstwürde und selbstbestimmung weisz. Herder 5, 549 Suphan.
 
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selbstgesät, adj.:

als, von des gartens engem hag umschlossen,
ich selbstgesäte bäume selber pfropfte.
Göthe 9, 306.


 
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selbstgeschaffen, adj.: wo ist die liebe zu diesem höhern selbstgeschaffnen dasein (dem staate)? Schleiermacher 3, 1, 388 (monol. 3); ein selbstgeschaffnes übel ist das verschwinden des muthes und der kraft. 412 (5); wo verzweiflung über selbstgeschaffnes elend ... ruhelos wieder vor und wieder hinterschlich. Ludwig 1, 146.
 
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selbstgeschlagen, adj.: selbstgeschlagne wunde, sieh Campe.
 
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selbstgeschlungen, adj.: die weichen braunen haare, die in den milden, selbstgeschlungnen locken über die schläfe hinabrollten. Ludwig 1, 318.
 
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selbstgeschosz, n. (m.) geschosz, das sich von selbst entladet, wenn es betreten oder berührt wird, besonders als jägerausdruck, ein gespanntes gewehr, das durch eine schnur mit dem luder verbunden ist, auch selbstschusz, legbüchse, vgl. diese. Adelung. Jacobsson 4, 138b. Heppe wohlred. jäger 278a. Kehrein weidmannsspr. 271:

du muszt das todesurtheil
vollstrecken, wenn dein weg durch's leben nicht
dem gang durch einen garten gleichen soll.
wo jeder schritt ein selbst-geschosz entzündet
und jede blume eine natter deckt.
Hebbel (1891) 6, 143 (Demetr. 4, 1).

häufiger in der ältern sprache in der form selbgeschosz, mhd. selpgeschôʒ (neben selpschôʒ), in anderm sinne, vgl. DWB selbschosz Lexer hwb. 2, 868. nhd. selb-geschosz, n. schioppo ò arco che tira da per se, cioè con certa machina à cotal effetto. Kramer dict. 2, 764a; selbgeschosz, der, et das, arcus automaticus. Stieler 1771; s. ferner Frisch 2, 262b (bei der fuchsjagd). öconom. lex.2 2712. Eggers 2, 890. belege:

[Bd. 16, Sp. 474]


dergleich die waydleut auff mich dichten,
und mir viel scharpfer selb gschosz richten.
H. Sachs 1, 347b ('die wolffsklag' v. 44).

als masc. (vgl. oben Stieler): der selb-geschosz wird von drey oder vier starcken kurtzen läufften in ein länglicht holtz geschäfftet: die zündlöcher zusammen gefüget, und ein klein feuer-schlosz daran gemachet, mercket man nun einen wolff oder luchs ... so wird dieser selb-geschosz mit kleinen lauffkugeln ordentlich geladen, und an verlangten ort gebracht, eine haarene schnur von 5 bisz 6 ellen lang über die suhle gezogen oder vor dem luder angebunden, nach dem selb-geschosz gezogen, und am abzug leise angebunden. Fleming t. jäger 242. — auch in der form selbsgeschosz: der peer, der wolf, der fux, der lux, und das eltasz; dise thier sollen meniclich winter und sumer bei tag und nacht frei sein zu ächten und zu fachen, auszgenommen mit gift und selbsgeschosz. Salzb. taid. 190, 4. ferner: a. 1593 hat sich N. mit einem selgeschosz an einem schenkel verletzt, und das geäder mit einem pfeil entzwey geschossen. qu. bei Schm. 2, 265. auch das wort selbgeschlosz ist vielleicht nur verschrieben für dieses: die selbgeschlosz, zucken, predtfallen, sengsen und andern dergeleichen gericht soll man kains weegs bei den strassen und weegen richten. steir. taid. 236, 25, vgl. d. gloss. (s. 644a) und sachr.dazu als wegname: dann abermal hinauf ob den oberen selbgeschossweg. tirol. weisth. 4, 370, 32.
 
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selbstgesetzgebend, adj. für autonom bei Campe: der wille wird also nicht lediglich dem gesetze unterworfen, sondern so unterworfen, dasz er auch als selbstgesetzgebend ... angesehen werden musz. Kant 4, 55 f.
 
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selbstgesetzgeber, m. Campe; dazu: man sieht, Kant will über das: was ihr wollt, dasz euch die leute thun sollen u. s. f. noch hinaus, denn dieses bringt die neigung in's spiel; während Kant die vernunft zur selbstgesetzgeberin machen will. D. F. Strausz d. alte u. d. neue glaube s. 238. —
 
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selbstgesetzgebung, f. autonomie Campe, wie sie z. b. im mittelalter in Friesland, Dithmarschen, der Schweiz bestand, s. Amira in Pauls grundr. 2, 2, 66; die selbstgesetzgebung der vernunft. Campe.