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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstgefühlig bis selbstgenügen (Bd. 16, Sp. 471 bis 472)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstgefühlig, adj.: nirgends in deutschen landen tritt der bauernstolz so selbstgefühlig auf wie hier (im lande Hadeln), wo das schlagwort 'ick bin buur' noch seinen vollklang hat. W. Herbst J. H. Vosz 1, s. 209.
 
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selbstgefühlt, adj., s. Göthe unter selbstgedichtet.
 
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selbstgehen, n. das gehen auf eignen füszen, ohne sich von andern gängeln, leiten zu lassen. Campe.
 
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selbstgelassenheit, f. da man sich selbst überlassen ist, daher entweder einsamkeit: dasz diese frembde fürstin in ihrer heiligen selbst-gelassenheit an dem zischen der heilsamen schlangen eine so grosze ergötzligkeit wahrgenommen habe. Lohenstein Armin. 2, 219a; man widerräth den schwermüthigen die einsamkeit, ... bei dem allen glaub' ich, dasz, wenn ja ein kraut und pflaster sie heilen könne, es die einsamkeit, die selbstgelassenheit sey, wenn diese einsiedelei nur gleich beim anfange gebraucht wird. Hippel 3, 105. oder zwanglosigkeit, verschieden nuanciert: dieser falsche wohlstand bringt in alle gesellschaften etwas trauriges und verdrieszliches, wo sonst eine anständige selbstgelassenheit eine unschuldige fröhlichkeit verursachen würde. J. E. Schlegel 5, 112;

[Bd. 16, Sp. 472]


in der ableitung des muskels zum munde herab schwebt geduld, in dem munde ruht schweigen, natürliche liebliche selbstgelassenheit, die feinste art des trutzes. Lavater phys. fragm. 2, s. 257; der befehdungstrieb steigt bis zu den geringsten menschen hinunter, denen nichts erwünschteres erscheint, als ein beispiel, das unbändiger selbstgelassenheit die fahne vorträgt. Göthe 42, 105 (Gottfr. v. Berl. 3, 2).
 
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selbstgelehrt, adj.:

selbstgelehrt auch stellt' er der gnädigen gräfin die schloszuhr.
Voss 1, 29 (Luise 1, 196).

als subst. der selbstgelehrte, autodidakt. Campe.
 
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selbstgelter, -geltschaft, s. unter selbgelte.
 
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selbstgemacht, adj.: (es beruht) auf dem gewöhnlich trägen behagen des menschen am willkührlichen und selbstgemachten und festgesetzten. Novalis 3, 195 Meiszner; der conflict der pflichten liegt nicht vor, denn die erstre pflicht ist eine selbstgemachte. könig Wilhelm bei Bismarck ged. u. erinnerungen 1, 326;

es wäre gottes lob, so ich zum zweck gesetzt,
ein selbst-gemachter dienst, und nichts von gott geschätzt.
Brockes 1, 416;

soll ich dann noch vor menschendrohung zittern,
und meiner augenblicke rest
durch selbstgemachte furcht verbittern?
Gotter 1, 433;

dasz sie des guten tones zwang',
und selbstgemachter pflichten drang' ...,
am elterlichen arm, entgingen. 458;

sind wir nicht brave thoren,
dasz wir, durch selbstgemachte qual,
den schönen may verloren?
Göckingk 3, 22.

mhd. selbmacht (bei Jeroschin) s. Lexer hdwb. 2, 862. — auch mundartlich verbreitet: schweiz. sälbg'machăt Bühler Davos 1, 236. 2, 33. 114; nd. sülfstmaokt tg Danneil 243b, sülfmâken (tg) Schambach 218a. vgl. selbstmachend.
 
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selbstgemischt, adj.:

dies recht, mit unabweislich fester hand,
setzt unsern selbstgemischten, gift'gen kelch
an unsre eignen lippen. Shakesp. Macbeth 1, 7.


 
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selbstgemordet, adj.:

über den selbstgemordeten liebling
Alexander weinte.
Göthe 56, 122.


 
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selbstgenug, adj.: dem einen staate, der sich glaubte selbstgenug abschlieszen zu können, lernte man seine richtigere stellung zuzuerkennen. Gervinus gesch. des 19. jh. 1, 316.
 
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selbstgenügen, n.: Ulysz kann unter seinem auf ähnliche weise erworbenen mantel nicht mit mehr behaglichkeit und selbstgenügen geruht haben. Göthe 30, 77; wo sie (die gottheit) in unfruchtbarem selbstgenügen in stolzer erdenferne von ihren engeln sich verehren läzt. Ludwig 5, 59.