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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstgefallsucht bis selbstgemischt (Bd. 16, Sp. 471 bis 472)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstgefallsucht, f.: noch widerlicher wird durch selbstgefallsucht und .. unglauben Pigault le Brun in seinem ritter Mendoza. J. Paul vorsch. d. ästhet. 1, 179.
 
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selbstgefällt, adj.: nun zimmert er sich flösze von selbstgefällten fichten. Becker weltgesch. 1, 290.
 
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selbstgefühl, n., wie selbstbewusztsein in doppeltem sinne, vgl. Adelung und Campe, gefühl seiner selbst, seines zustandes: glauben sie wohl, dasz alle unsres geschlechts ein gleich tiefes selbstgefühl, ein gleichwirksames selbstbewusztseyn, mithin ein gleich inniges daseyn haben. Herder 16, 574 Suphan (vgl. unter selbstbewusztsein); ein zustand, der sich nicht wohl beschreiben, wohl aber fühlen läszt und in absicht dessen jeder an sein selbstgefühl verwiesen werden musz. Fichte grundl. der ges. wissenschaftslehre 289; ihre (der musen) werke werden immer .. im heiligen selbstgefühl der unschuld und sittlichkeit alle meine gedanken und empfindungen mit dem siegel der begeisterung und hoheit bezeichnen. Novalis 1, 53 Meiszner;

die kunst, in solchem seelendrang
sein selbstgefühl zu überschreyen,
half jetzt auch mir des spottes übelklang,
der mein gefühl durchlief, zerstreuen.
Thümmel reise 1, 141.

gewöhnlich gefühl des eignen wertes u. ähnl.: von dem ersten zarten selbstgefühl, wenn das mädchen verweilt, den krug aus dem klaren wasser wieder heraufzuheben, und indessen ihr bild gefällig betrachtet. Göthe 20, 200; das wahre, ächte, unentbehrliche selbstgefühl aber zerstört sich in dünkel und anmaszung. 22, 13 (vgl. auch 21, 31); nichts ist schwerer, als sein selbstgefühl dem andern aufzuopfern, seine eitelkeit dem andern zum verschlingen hinzuwerfen. Klinger 9, 85; es ist sehr betrübt, wenn eine kriechende sclaverei, eine gänzliche lähmung des selbstgefühles daraus entsteht. Brentano 4, 450; die einsamkeit giebt dem geist selbstgefühl. Bettina briefw. 1, 234; er (Neidhart) hat das volle selbstgefühl eines feingebildeten mannes. Freytag neue bilder 16; ich kann mich des eindrucks nicht erwehren, dasz dieses veto ein act unfruchtbaren selbstgefühls nach art des französischen prestige war. Bismarck ged. u. erinnerungen 1, 271; ein maszloses selbstgefühl schwellte den führern der neuen republik die seele. Treitschke d. gesch. 1, 129; umgeben von der verehrung dankbarer zuhörer blickte der gelehrte mit naivem selbstgefühl um sich. 2, 11;

vergessen von der welt ... beseligt seine tage
gesundheit, unschuld, ruh, und reines selbstgefühl.
Wieland 26, 85 (Oberon 8, 25).


 
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selbstgefühlig, adj.: nirgends in deutschen landen tritt der bauernstolz so selbstgefühlig auf wie hier (im lande Hadeln), wo das schlagwort 'ick bin buur' noch seinen vollklang hat. W. Herbst J. H. Vosz 1, s. 209.
 
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selbstgefühlt, adj., s. Göthe unter selbstgedichtet.
 
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selbstgehen, n. das gehen auf eignen füszen, ohne sich von andern gängeln, leiten zu lassen. Campe.
 
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selbstgelassenheit, f. da man sich selbst überlassen ist, daher entweder einsamkeit: dasz diese frembde fürstin in ihrer heiligen selbst-gelassenheit an dem zischen der heilsamen schlangen eine so grosze ergötzligkeit wahrgenommen habe. Lohenstein Armin. 2, 219a; man widerräth den schwermüthigen die einsamkeit, ... bei dem allen glaub' ich, dasz, wenn ja ein kraut und pflaster sie heilen könne, es die einsamkeit, die selbstgelassenheit sey, wenn diese einsiedelei nur gleich beim anfange gebraucht wird. Hippel 3, 105. oder zwanglosigkeit, verschieden nuanciert: dieser falsche wohlstand bringt in alle gesellschaften etwas trauriges und verdrieszliches, wo sonst eine anständige selbstgelassenheit eine unschuldige fröhlichkeit verursachen würde. J. E. Schlegel 5, 112;

[Bd. 16, Sp. 472]


in der ableitung des muskels zum munde herab schwebt geduld, in dem munde ruht schweigen, natürliche liebliche selbstgelassenheit, die feinste art des trutzes. Lavater phys. fragm. 2, s. 257; der befehdungstrieb steigt bis zu den geringsten menschen hinunter, denen nichts erwünschteres erscheint, als ein beispiel, das unbändiger selbstgelassenheit die fahne vorträgt. Göthe 42, 105 (Gottfr. v. Berl. 3, 2).
 
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selbstgelehrt, adj.:

selbstgelehrt auch stellt' er der gnädigen gräfin die schloszuhr.
Voss 1, 29 (Luise 1, 196).

als subst. der selbstgelehrte, autodidakt. Campe.
 
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selbstgelter, -geltschaft, s. unter selbgelte.
 
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selbstgemacht, adj.: (es beruht) auf dem gewöhnlich trägen behagen des menschen am willkührlichen und selbstgemachten und festgesetzten. Novalis 3, 195 Meiszner; der conflict der pflichten liegt nicht vor, denn die erstre pflicht ist eine selbstgemachte. könig Wilhelm bei Bismarck ged. u. erinnerungen 1, 326;

es wäre gottes lob, so ich zum zweck gesetzt,
ein selbst-gemachter dienst, und nichts von gott geschätzt.
Brockes 1, 416;

soll ich dann noch vor menschendrohung zittern,
und meiner augenblicke rest
durch selbstgemachte furcht verbittern?
Gotter 1, 433;

dasz sie des guten tones zwang',
und selbstgemachter pflichten drang' ...,
am elterlichen arm, entgingen. 458;

sind wir nicht brave thoren,
dasz wir, durch selbstgemachte qual,
den schönen may verloren?
Göckingk 3, 22.

mhd. selbmacht (bei Jeroschin) s. Lexer hdwb. 2, 862. — auch mundartlich verbreitet: schweiz. sälbg'machăt Bühler Davos 1, 236. 2, 33. 114; nd. sülfstmaokt tg Danneil 243b, sülfmâken (tg) Schambach 218a. vgl. selbstmachend.
 
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selbstgemischt, adj.:

dies recht, mit unabweislich fester hand,
setzt unsern selbstgemischten, gift'gen kelch
an unsre eignen lippen. Shakesp. Macbeth 1, 7.