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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbstgebärung bis selbstgefallsucht (Bd. 16, Sp. 470 bis 471)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbstgebärung, f.: unser skeptiker .. hielt geradezu diese vermehrung der begriffe aus sich selbst, und, so zu sagen, die selbstgebärung unseres verstandes .., ohne durch erfahrung geschwängert zu sein, für unmöglich. Kant 2, 574. vgl. selbstgeboren.
 
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selbstgebaut, adj.:

und um die zelle blüht
ein kleiner selbst-gebauter garten.
Wieland 21, 403 (Klelia u. Sinibald 10, 122).


 
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selbstgeboren, adj. (vgl.selbstgebärung): so wenig ein mensch seiner natürlichen geburt nach aus sich selbst entspringt: so wenig ist er im gebrauch seiner geistigen kräfte ein selbstgebohrner. Herder 13, 344 Suphan (ideen 9, 1); wie hat sie (Margaretha v. Parma) sich aus selbstgebohrnem endschlusse über den buchstaben der königlichen befehle erhoben. Schiller 7, 329.
 
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selbstgeboten, adj.: och haben die herren von Hirsow sehss selbgebotten gericht allü iaar. Grimm weisth. 1, 403 (vom jahre 1433).
 
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selbstgedacht, adj.: sie zu einem kleinen specimen, das sowohl für eine probe des selbstgedachten, als des gelehrten gelten kann, aufzufordern. Gotter 3, 378; denn das selbstgedachte versteht man viel gründlicher als das erlernte. Schopenhauer parerga u. paral. 2, 15.
 
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selbstgedanke, m.: wie oft hat mich ein dergleichen selbstgedanken, ad analogiam mit selbstgespräch, gestärkt und getröstet. Hippel 12, 194.
 
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selbstgedichtet, adj.:

selbstgefühltes lied entquillet,
selbstgedichtetes dem mund.
Göthe 5, 165.


 
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selbstgefallen, n. (m.).
1) gefallen an sich selbst, vgl. DWB selbstgefälligkeit: sich mit groszem selbstgefallen im spiegel betrachten. Campe; dennoch strahlten die jugendlich unvorsichtige eitelkeit und das selbstgefallen von ihren hübschen gesichtern. Keller 8, 176. dazu: vom selbsgefallen narren, oder von spiegel narren .. das sechtzigst narrengeschwarm ist, von spiegel narren oder selbsgefallen narren. dann es seind deren gar vil, die jnen selbs in allen jren wercken und worten alzeit allein wolgefallen. Höniger narrensch. 218b.
2) eignes belieben, willkür. so selten:

wie wär's, verlieszen wir der menschen schlacht,
und stellten's lieber vater Zeus anheim,
den sieg nach selbstgefallen zu verleihn?
Bürger 159a (Il. 5, 40).


 
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selbstgefällig, adj. gefallen an sich selbst findend. Campe, vgl. DWB selbstgefallen 1; auch von dem, worin sich selbstgefälligkeit äuszert: eine läszliche bosheit, eine selbstgefällige schadenfreude sind ein genusz für diejenigen u. s. w. Göthe 24, 265; der selbstgefällige wahn jener aufgeklärten leute, welche das neue jahrhundert den leidenschaften der religionskriege entwachsen glaubten. Treitschke d. gesch. 2, 94.
 
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selbstgefälligkeit, f., gewöhnlicher für selbstgefallen (1), s. Adelung: (indessen) hatte jeder zuhörer raum genug an sich selbst zu denken, und ganz sachte aus der demuth, zu der er sich noch vor kurzem geneigt fühlte, zu einer glücklichen selbstgefälligkeit empor zu steigen. Göthe 18, 245 (W. Meister 3, 2); seine schöne gestalt hätte noch mehr eindruck gemacht, wenn sein ganzes wesen nicht eine art von selbstgefälligkeit gezeigt hätte. 19, 276; dasz die verfasser, obschon mit miszbilligung, doch auch zugleich mit einigem behagen von ihren fehlern sprechen, und in ihre reue sich immer eine art von selbstgefälligkeit über das vollbrachte mit einmischt. 53, 141; dasz mir mein werk .. gefiel, war mir

[Bd. 16, Sp. 471]


zu verzeihen; aber dasz ich dem grafen diese selbstgefälligkeit zeigte, diesz war ein schülerstreich. Klinger 9, 82; wer das mögliche frecher anmassungen, überschätzung des werths, von dummheit, narrheit, stolz und selbstgefälligkeit erfahren will. 11, 173; wenn die selbstgefälligkeit ihrer armut sich selber sozusagen stolz zulächelt. Ludwig 5, 223; da kam den geistlichen übergrosze selbstgefälligkeit, herrschsucht, alle fehler eines privilegirten standes. Freytag bild. (1859) 2, 8; während im norden bald kaum ein gebildeter mann mehr lebte, der nicht etwas von land und leuten des südens gesehen, blühte im oberlande die particularistische selbstgefälligkeit. Treitschke d. gesch. 2, 58; die prahlerische selbstgefälligkeit des Teutonenthums. 3, 701. — Campe hat dafür auch selbstgefallenheit, f.
 
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selbstgefallsucht, f.: noch widerlicher wird durch selbstgefallsucht und .. unglauben Pigault le Brun in seinem ritter Mendoza. J. Paul vorsch. d. ästhet. 1, 179.