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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbsterkenntnis bis selbsterzeugt (Bd. 16, Sp. 468 bis 469)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbsterkenntnis, f. richtige erkenntnis seiner selbst. Adelung, vgl. Gombert 5, 19 und selbst II, 6, b: selbsterkäntnüsz. Logau 2, 30, 5 (überschr.); die einige selbsterkenntnisz ist: unser selbstwesen von unserm unwesen wohl unterscheiden. Leibnitz 1, 411; demüthige selbst-erkänntnisz. Brockes 5, 129 (überschr.); wenn wir zur selbsterkenntnisz gelangen, wenn wir von ungefähr uns selbst in unserer wahren gestalt zu gesicht bekommen. Hamann 1, 82 (u. sehr oft, s. 8, 2, 476 f.); dank sey dem unglücke, das mich selbsterkenntnisz gelehrt hat! Gotter 3, 462; ich seh' es als einen ihm gewöhnlichen bescheidenen zug seiner selbsterkenntniss an. Klinger 11, 125; dieses setzt ein reines, aufrichtiges gefühl und einen durch erfahrung, selbsterkenntniss und richtige schätzung der dinge der welt geläuterten verstand voraus. 12, 227. — Kant gebraucht das wort anfangs als neutr.: den eigendünkel der speculation auf das bescheidene, aber gründliche selbsterkenntnisz zurückzuführen. 2, 554; diese selbstprüfung, die (1. ausg.: das moralische selbsterkenntnisz, das) in die schwerer zu ergründenden tiefen ... des herzens zu dringen verlangt, und die dadurch zu erhaltende selbsterkenntnisz ist aller menschlichen weisheit anfang, ... nur die höllenfahrt der selbsterkenntnisz bahnt den weg zur vergötterung. diese (1. ausgabe: dieses) moralische selbsterkenntnisz

[Bd. 16, Sp. 469]


wird erstlich die schwärmerische verachtung seiner selbst ... verbannen. 5, 275. — dafür auch: jener musz ... als der gottmensch schon geboren sein, er musz das selbsterkennen schon in sich tragen. Schleiermacher weihnachtsf. s. 155 Schwarz.
 
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selbsterlaubnis, f.: dasz staaten ... sich von jeher eben so in alle würden und selbsterlaubnisse hinein geschossen und gehauen haben. J. Paul 34, 168 (doppelheerschau).
 
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selbsterlebt, adj.: das bild der selbsterlebten allerneuesten ereignisse verschob und verwirrte sich in dem gedächtnisz der völker. Treitschke d. gesch. 2, 102; mit der ganzen macht des selbsterlebten leides erklang aus den schluszscenen (des Faust I.) die reue um die verrathene Friderike. 4, 413.
 
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selbsterleichterung, f.: wie es denn überhaupt meine gewohnheit war, zur lyrik nur als einem mittel der selbsterleichterung zuflucht zu nehmen. Grillparzer4 15, 163.
 
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selbsterleuchtet, adj.: alles schöne ist ein selbsterleuchtetes, vollendetes individuum. Novalis 3, 253 Meiszner.
 
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selbsterleuchtung, f., ebenda s. 82, s. selbstbearbeitung.
 
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selbsterniedrigung, f. humiliatione di se stesso. Kramer dict. 2, 764a; noch getrennt: sein selbsterniedrigung, exinanitio sui ipsius. Stieler 1348. belege: wer die hölle seiner selbst erniedrigung vorbey streichet, der wird sicherlich das paradies der ruhe erben. Olearius pers. baumg. 42b (3, 7); ein staat-süchtiger mensch ist gemeiniglich hoffärtig, und weisz nicht, dasz ansehen und staat zu erlangen durch die selbsterniedrigung geschicht. 56a (4, 11); das leere geschwäz der selbsterniedrigung ist längst für mich verhallt. Schleiermacher 3, 1, 398 (monol. 4).
 
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selbsterrungen, adj.:

vertraut der selbsterrungenen wahrheit.
Voss bei
Campe;

um seinen gott sich doppelt schmerzlich mühend,
war er ihm, selbsterrungen, doppelt theuer.
Herwegh ged. eines leb.2 1, 141 (Shelley).


 
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selbsterschreckt, adj.:

er wird des tages anblick nicht ertragen,
und selbsterschreckt, vor seiner sünde zittern. Shakesp. könig Richard II, 3, 3.


 
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selbsterwählt, adj. Adelung, 'durch eigne wahl bestimmt' Campe:

bisz er (Hannibal) zu allerletzt durch den geschmierten ring,
den selbsterwehlten todt, den letzten lohn, empfieng.
Rachel sat. ged. 62.

häufig im 16. jahrh. in der form selberwählt: welche haben einen schein der weisheit, durch selb erwelete geistligkeit und demut. Col. 2, 23; eben dasselbe selberwelte werck Bernhardi, ... weil es ein abgesondert eigen werck ist, so ists fehrlich. Luther 5, 117b; lose, vergebliche, untüchtige werck, wie der münche und aller tollen heiligen selberwelete werck sind. 6, 55b; satzungen, die wol haben ein schein der weisheit durch selberwölte geistlicheit und demt. H. Sachs dial. 33, 23; gottes willen thun mit selberwelten wercken. qu. v. j. 1562 bei Dief.-Wülcker 852; selberwehlte heiligkeit ist für gott eitel mord und lästerung oder verleugnung gottes. Petri E 8a.
 
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selbsterzeugt, adj.:

es wäre denn, dasz wir wie das vieh
gras'ten und unser kleid, wie sie
trügen von selbsterzeugtem flaus.
Soltau bei
Campe unter flaus 1.