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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbsteinschätzung bis selbstentschädigung (Bd. 16, Sp. 465 bis 467)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbsteinschätzung, f., für die steuer: das einkommensteuergesetz mit selbsteinschätzung. reichsbote 1899 nr. 78, beil. 1. moralisch oder geistig: aber wenn 'nur die lumpe bescheiden' sind, bin ich von jeher ein arger lump gewesen und geblieben bis heute, da ich mich ... auch jetzt noch, in aufrichtiger selbsteinschätzung, lediglich für einen dichter dritten ranges halte. Fel. Dahn in deutsche dichtung 11, 27b.
 
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selbsteinschläferung, f., s. Campe.
 
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selbsteln, verb. egoistisch sein, s. Campe. dazu selbstelei, f. ebenda.
 
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selbstempfängnis, f.: das gute quoll nicht aus ihrem herzen: es ward nicht in ihrer eignen seele gebohren. — und was folgte draus, meine tochter? dasz es ihnen auch nicht die freude der selbstempfängnisz gab. Herder 28, 152 Suphan (paramyth. sphinx 5).
 
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selbstempfinden, n., selten für selbstgefühl:

und das grobe selbstempfinden
haben leute hart gescholten,
die am wenigsten verwinden,
wenn die andern was gegolten.
Göthe 5, 96.

seltner in anderm sinne: selbstempfinden ist, wie selbstdenken, aktives empfinden. Novalis 3, 117 Meiszner.
 
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selbsten, pron., eine weiterbildung zu selbst, die zuerst im 16. jh. auftaucht, im 17.—18. jh. sehr verbreitet ist, noch bei den classischen autoren der jahrhundertswende (Göthe, Schiller, Tieck) begegnet, besonders in volksthümlicher redeweise, jetzt dagegen ganz aufgegeben ist: selbst, selbsten, selber, selb, idem, ipse, sui ipsius. Schottel 544. selbsten ist viell. zunächst für die cas. obl. gebildet nach dem muster von selben; so steht es beim gen.: hat der gröste herr seiner selbsten vergessen? Simpl. 2, 129, 19 Kurz. Logau 3, 156, 4, s. unter selbstbetrug;

noch eh der herrscher gold ihm vom haupte schien,
schon herrscher seiner selbsten. Gött. musenalm. 1770, 6.

beim acc.: dasz wir ... gedacht sein, ... die kirchen selbsten zu unserer stiftung des closters unser lieben frauen ... alsz ain unwidersprechliche geschanknus geben. steir. taid. 53, 35 (16. jahrh.); aber was habt ihr hier für einen zettel, ich halts ihr kommet auch, und wollet euch selbsten mahnen? Schoch stud. leb. L 6a (5, 6); es wundert mich wahrhafftig selbsten. A 5b (1, 1); hören sie doch einmal auf, sich selbsten zu quälen! Cronegk 1, 70;

schaue meiner hände falten
und mich selbsten freundlich an.
P. Gerhardt s. 41, 36 Gödeke;

ein auge dasz sich nie der lust desz sehns entbricht:
wird endlich gar verblendt, und siht sich selbsten nicht.
Scheffler cherub. wandersm. 1, 122.

beim dat.: der vierdte sitzt und flickt ihm selbsten die hosen. Schoch stud. leb. K 2b (5, 2); er ... wil ihm mit diesem dolche selbsten das leben nehmen. ebenda; wir werden uns selbsten gram. 3b; eine ruthe die anjetzo nicht gemein, mir auch selbsten nicht allerdings bekant ist. Ettner unw. doctor 8; so machte ich mir selbsten muth. Göthe 35, 153. — oft nach präpos.: es sind viele leute unter uns, die allenthalben was zu tadelen finden, ausser an jhnen selbsten, da es doch am

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meisten nötig were. Schottel 544; so hatte ich nicht das glück, ... vor mich selbsten, und mit meiner hand beuthen zu machen. Simpl. (1685) 2, 206; bei mir selbsten. Jucundiss. 209. Pierot 2, 28; in dem hause selbsten war ihm niemand hold. Stilling 2, 44; hierin ist zauberey oder eine andere geheime kraft, die der menschen sinne zwiespaltig mit sich selbsten macht. Göthe 14, 73; während Uli, so lang der wein in ihm war, über den meister sich geärgert hatte, kam ihm nun, als der wein aus ihm war, der ärger über sich selbsten. Gotthelf Uli d. knecht s. 10 Vetter; er war unbehaglich, und zufrieden mit sich selbsten. 11;

wir musten alle völcker zu todtengräbern haben,
eh Deutschland in sich selbsten sie kunten recht vergraben.
Logau 3, 190, 97;

der veilgen süsse gunst, der anemonen pracht
macht, dasz die kluge frau offt in sich selbsten lacht.
Fleming 150.

so besonders häufig von (sich) selbsten: solle sich ein solcher bei unszerer waltinspection vorhero anmelden und nicht von sich selbsten solches ohne vor- oder auszzaigung des jägers in dem banwald schlagen. steir. taid. 459, 18; man gebe mir einen ganz heiligen willen, so wird alle versuchung zum bösen von selbsten an mir scheitern. Kant 6, 227; es versteht sich also schon von selbsten. 8, 85; hätten wir einmal diesen Sickingen, Selbitz — Berlichingen auf die seite geschafft, das übrige würde bald von sich selbsten zerfallen. Göthe Götz v. Berl. (1773) s. 100 (werke 8, 81: selbst, vgl. Weim. ausgabe 8, 82, 21 var.); die pantomime der vorhergehenden arie gibt sich von selbsten. 11, 163; doch wenn ich euch recht kenne, so wird diesz von selbsten geschehen. Klinger 1, 196;

er weisz wie die gewalt selbstherrschender gebietern
zuerst das volk erdrückt, und dann von selbsten fällt.
Haller ged.10 s. 35, var. (alpen 288);

von selbsten hab' ich wohl nicht gunst noch glück erworben.
Göthe 13. 34 (Plundersw.).

doch ist selbsten auch als nom. ungemein häufig: ihro f. gnaden sowohl mein herr vater, auch die jungfrau selbsten, wuste nicht anders. Schweinichen 1, 96; die unschuld bedarf keines vorsprechers, kann sich selbsten defendiren. Lehmann 202; wasz die herrschaft selbsten nicht noturftig. steir. taid. 178, 20; wann der herr nicht selbsten wüste, wie einem buler ums hertz ist. Simpl. 1, 326, 1 Kurz; solche marter und sclaverey, die schwerer zu erdulden ist, als der todt selbsten. (1685) 2, 127; allwo nicht allein mein rittmeister tödlich verwundet, sondern auch unser general der graf Bucquoy selbsten nidergemacht wurde. 128; dasz auch der magistrat ... selbsten mehr ursach hatte, durch die finger zu sehen. 207; neben mir wohnete ein alter Mechaberis ..., welcher ein weib hatte die viel älter war als er selbsten. 212; wie er mit seinem bruder selbsten reden möchte. Schuppius 389; das herbey nahende männliche alter wird uns schon mit der zeit ein bessers lehren, und ins künfftige schon selbsten uns solche lust verdrüszlich machen. Schoch stud. leb. A 7b (1, 1); desz Floretto wegen intercedire ich selbsten. L 1b (5, 5); Petroni ist selbsten hier gewesen. 2b; sie selbsten kompt. Jucundiss. 209; denn ich selbsten darvor halte. Ettner unw. doctor 5; esz befindet sich unfehlbahr der könig selbsten bey diser jagdt. d. prinz v. Arkad. (1701) 1, 2, s. Baierns mundarten 1, 138, 22; der nun selbsten vermeynte. Salinde 134; (die) aber eine so gute christin war, als ich selbsten. Pierot 1, 211; so hat sie deine ungetreue abwege selbsten angesehen. 2, 26; da euer herr vater selbsten nicht in solche heyrath willigen wollen. Felsenb. 1, 130; auf die ereignisz hin, dasz der klügling einst selbsten auftrat, und redete. Klopstock 12, 128; er muste sich des morgens selbsten feuer in den ofen machen. Stilling 2, 45; mag sie (die mittelkraft) dann auch selbsten stuffe und kette mehrerer, immer sich von der masze mehr entfernender ... kräfte seyn. Schiller 1, 78; er ... verfiel endlich aus mattigkeit in einen schlaf, worin seine herzogliche durchlaucht ihn selbsten überraschten. 112; daran bist selbsten schuld. Gotthelf schuldenb. 329;

keine straff ist auszgesetzet
auff desz neides gifft:
denn er ist zu aller zeit
selbsten voll gerechtigkeit,
dasz er meistens trifft,
und sich durch sich selbst verletzet.
Logau 1, 13, 36;

vor allen so gedencke
der kalten-schalen wohl, dasz sie also. wie du
sie selbsten gerne magst, uns wird gerichtet zu.
Fleming ged. 38;

[Bd. 16, Sp. 467]



wenn du die traurigkeiten
durch deine kunst bestürmst, so dringt der Helicoon
auch selbsten sich zu dir. 58;

so macht er selbsten sich in seinem wesen irre. 106 (auf derselben seite: gegen sich selbst);

bis einst
vor dem schelten des ewigen sinken die sterne
und du selbsten erbleichst.
Schiller 1, 216;

sah ich's etwa nicht selbst mit an, ...
wie ihm der kaiser selbsten erlaubt,
zu bedecken sein fürstlich haupt? 12, 49 (Wallensteins lager 11).

für 'von selbst':

beständig schwebt
wen gott erhebt:
wer selbsten steigt
wird bald geneigt.
Logau 2, 134, 78.

auch als steigerndes adverb, 'sogar': der ist stockblind, der sein mohrengesicht durch ein spiegel selbsten nit sehen kann. Lehmann 113; die eyer selbsten, woraus sie kommen, werden schon von der mutter ... hier und dar eintzeln hingesetzet. Rösel ins. belust. 1, 1, 25; muszt aber ja nicht dabey zu erwägen aus der acht lassen, dasz selbsten solche ächte und wahre regeln zu nichts nicht taugen dem, der nicht geisteskraft und gabe dazu hat, etwas nach selbigen hervorzubringen. Klopstock 12, 153; es wurden also mechanische kräfte zwischen die welt und die mittelkraft gestellt, die ich die mechanische unterkräfte nenne; und da diese, ja selbsten meine mittelkraft, dem ewigen zerstöhrenden einflus äuszerlicher kräfte, und selbsten dem übermaase des objekts ausgesezt ist, so wurden andere mechanische kräfte ihnen gleichsam zugeordnet. Schiller 1, 79;

itzt wil mir selbsten nicht die mutter springen bey.
Fleming 118;

selbsten die götter sind erfreut. wunderh. 1, 428 Boxb.;

erstaunt hört der Olymp des helden (Herakles) werke,
die grösze seines muths, die wunder seiner stärke,
die selbsten der natur gebeut.
Merck briefs. 1, s. xliii.

daselbsten, s. th. 2, 809: Stilling eilte nun den berg hinunter nach Schönenthal hin; er vernahm aber, dasz die sprachmeister daselbsten sich für ihn nicht schicken würden. Stilling (1806) 3, 76.
 
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selbstentäuszerung, f.: selbstentäuszerung ist die quelle aller erniedrigung, so wie .. der grund aller echten erhebung. Novalis 3, 251 Meiszner; mehr als unter irgend einem andern volke finden wir bey den Indern die schärfsten gegensätze, die höchste selbstentäuszerung und die erschlaffung entnervender orientalischer üppigkeit. Becker weltgesch. 1, 38; das alte bedürfnisz der Germanen, sich einem herrn in opfermuth, treue und selbstentäuszerung hinzugeben. Freytag bilder 1, 471.
 
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selbstentfaltung, f.: so ist denn alles was da war und ist und sein wird von ewigkeit zu ewigkeit nur die göttliche vernunft in ihrer selbstentfaltung. Treitschke d. gesch. 3, 715.
 
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selbstentleibung, f. für selbstmord. Campe: das widerspiel derselben (der selbsterhaltung) ist die willkührliche oder vorsätzliche zerstörung seiner animalischen natur ... die totale heiszt die selbstentleibung (autochiria, suicidium). Kant 5, 250; las er in einem solchen momente in einem zeitungsblatte die nachricht von der selbst-entleibung eines studenten. Schiller 1, 38.
 
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selbstentsagung, f.
 
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selbstentschädigung, f. Campe.