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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbigkeit bis selbneunt (Bd. 16, Sp. 438 bis 439)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbigkeit, f. identität: aus der ursprünglichen einerleiheit der vernunft in allen und der selbigkeit der zu bildenden natur vor allen ergiebt sich als abgeschlossenes ganzes ein bildungsgebiet, wo ein werk von einem einzelnen angefangen von einem anderen als völlig dasselbe fortgesetzt .. werden kann. Fischer Schleiermacher (1899) 119 (aus der ethik). — vergl. auch dasselbigkeit Schiller Demetr. 1, s. theil 2, 810: identitas das selbigkeit, eben das selb. Melber vocab. praedicantium (1486) 13b, s. Gombert 5, 19.
 
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selbigmal, adv. damals, vgl. DWB selbig 3, b, α und selbmal: hab' ihn als eine kleine rotznase gekannt, so hoch, selbigmahl war er schon ein vorwitziger junge. Fr. Müller 3, 102.
 
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selbkante, f., nur mundartlich, besonders 1) nd. sülfkante gleichbedeutend mit selbende, s. daselbst, so auch westfäl. selfkante Woeste 235b, niederl. zelfkant, vgl. auch Andresen volksetym.4 213. 2) westfälisch auch für 'rand, klebekruste des brotes'. Woeste a. a. o. 3) in der Eifler mundart selfkante die linke seite. Frommann 6, 19.
 
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selbkommend, adj. von selbst, ohne anbau und pflege, kommend, wachsend: disz volck (die Gethuler) bawet nicht, sunder laufft hin und her in der wüsten, nöret sich der selbkummenden

[Bd. 16, Sp. 439]


frücht. Franck weltb. 8a; vgl.: da allerley frücht von jnen selbs bekummen ungebawen. 8b.
 
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selblache, f. pflanzenname: senecium (sennetion) .. selplacha Dief. gloss. 526c, zu lâchen heilen, s. Schm. 2, 265. vgl. selbstheil.
 
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selblich, adj. , seltne bildung der ältern sprache:
1) was von selbst, aus eignem antriebe, auf eigne faust gethan wird, eigenmächtig: unnd nit zu gestatten soliche jr muthwillige selbliche gewalt gein unns zu gebrauchen. urkunde von 1470 bei Haltaus 1671; das unbillich furnemen und selblichen gewalt. Frankf. urk. von 1489 bei Dief.-Wülcker 852; mit eygner, selblicher gewalt. ebenda; gegen den 24 verordneten als selblich neuerhebten unfürstlichen regiment. quelle vom jahre 1505 bei Schm. 2, 266.
2) später von bildlichen darstellungen, dem selbst(original) entsprechend, getreu, leibhaftig (?): in dem ehren - tempel dieses lorbeerhayns .. erscheinet, in e. may. hochlöblichster stammahnen hohen tugenden und lob-eigenschafften, ein selblicher fürsten-spiegel. Birken ostländ. lorbeerh. vorr. 10b; ein bildnis in lebensgrösse, von allerhandfärbigen edelsteinen so künstlich zusammen gesetzt, dasz es kein mahler mit farben selblicher ausbilden könde. Guelfis 171.
 
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selblicht, n.:

vater, der du aller bist, ...
lasz mir dein licht, selb-licht, scheinen.
Fleming ged. 299.


 
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selbmal, adv. damals, vgl. DWB selb II, 2, f und selbigmal; besonders thüringisch (säll m Hertel 43): ich wollt mit dem finger auf den zeigen, der die stadt selbmal hat abgebrennt. Ludwig 2, 68.
 
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selbmeister, m.: selb-meister. nidersächs. sülfmeister, ein handwerks-gesell, der als meister arbeiten will, und nicht dazu gemacht ist. ein pfuscher. in Faustens Lübeckischer chron. anhang, col. 263, magister opificii se ipsum erigens, non ab aliis creatus. Frisch 2, 262a, vgl. Campe, der die sonst nicht bezeugte schreibung selbstmeister hat, und brem. wb. 3, 124 (sulf-meister). — besonders mnd. sulfmester, bezeichnung der aufseher über die salinen in Lüneburg: rectores salinae qui vulgo zulffmestere dicuntur. Schiller-Lübben 4, 465b. 6, 276a. daher als term. techn. (in nd. form) auch in die nhd. schriftsprache aufgenommen.im hd. ist das wort selten, so in Augsburg für den obersten der weibel: die burger hant daʒ recht hieze den weiheln daʒ kaim erbären manne niemen niht gebieten sol umbe eine sache wan ain sälpmeister. s. Schmid 490 f.
 
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selbmündig, adj. mündig, volljährig; ausdruck der ältern rechtssprache, eigentlich der in seiner eigenen munt steht. so schon longob. selp-, selb-, silp-, silmundius, -ia. Bruckner 210b, schon bei Schottel 544 erwähnt; mhd. selpmündic Lexer handwb. 2, 869, mnd. sulf-, silfmundich Schiller-Lübben 4, 466a, im nhd. aussterbend. s. auch Schröder rechtsgeschichte2 261 (anm. 13). Brunner 1, 76 f. (anm. 46): sui iuris effecte, quod vulgariter dicitur selfmundig. Kölner quelle vom jahre 1291 bei Schröder a. a. o.; alse en knecht is achtein jar olt, so is he sulfmundich, und wan so en iunc vrowe es twelef jar alt, den is se komen to eren jaren, jedoch so ne wert se nicht sulfmundich. Lübecker recht bei Haltaus 1673. vgl. selbstmündig.
 
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selbneunt, s. DWB selb II, 6, c.