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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbgesuch bis selbkommend (Bd. 16, Sp. 435 bis 438)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbgesuch, n.: selb-gesuche, n. cercamento, ricerca di se stesso; cioè del proprio suo utile, honore ò diletto. Kramer dict. 2, 764a.
 
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selbgewachsen, -gewalt, s. DWB selbstgewachsen, selbstgewalt.
 
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selbgunst, f. Logau 3, 10, 30 als überschrift des gedichts:

selb-lieb handelt jmmer recht, dann jhm gibet recht und rath
rath und richter an die hand, den er in dem spiegel hat.


 
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selbhaft, m.: 'selb-haft zu wunden (heftpflaster?)'. Schm. 2, 265; ist dann die schwart weit von einander gewesen, so gib im einen zwickhaften oder selphaften. Braunschweig chir. (1498) 60b.
 
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selbheit, f., mhd. selb-, selbe-, selbesheit Lexer handwb. 2, 868, vgl. selbstheit; selbheit, selbstheit (term. ascetico), stessità, ipseità, proprietà, cioè amor proprio corrotto e nemico dell' amor di dio. ebenselbheit, identità. Kramer dict. 2, 764b. in neuerer sprache nur noch bei Rückert, vgl. selb II, 3, e, β. belege: daʒ ich von mir selber unde von mîner selbheit ... ungehindert blîbe. Eckhart 583, 39; wan von ir ichheit und selbheit ist es ir unmüglich (der seele, gott zu erkennen), wan in welcher crêatûr dis volkomen bekant sol werden, dâ mûsz crêatûrlicheit, geschaffenheit, ichheit, selbheit ... zu nichte werden. theol. deutsch 3; der alde mensche das ist Adam und ungehôrsam, selbheit und icheit und des glîchen. 28; sô ie mêr selbheit und icheit, sô ie mêr sunde und bôsheit. ouch ist geschriben, sô mîn, ich, mir, mich, das ist icheit und selbheit, sô das ie mêr in dem menschen abe nimpt, sô getes ich .. ie mêr zû nimpt in dem menschen. 31; dann der an Christum glaubt, der glaubt freilich, dass das leben Christi (ob es woll aller natur und selbhait das aller bitterst ist) das edelst und best sei. S. Franck paradoxa (1539) 113a; so ists alsdann wieder in mysterio, an der natur ende, wie es war ehe es ins geschöpff eintratt, verstehet die essentialische begierde, der auszgesprochene Mercurius, der musz also wieder ans ende seiner selbheit gehen, und ins sprechende wort sich ergeben. Jac. Böhme de signat. rer. s. 149 (cap. 11, 98); die selbheit die verdambt. Scheffler cherub. wandersmann s. 26 neudruck (1, 143, überschrift, vgl. DWB seinheit, sp. 368);

lasz mich aus eigenheit ausgehen
und aller selbheit sterben ab! wunderhorn 2, 500 Boxberger (aus dem 'anmuthigen blumenkranz' 1712);

rein sich opfernd hinzugeben,
frei von selbheit, höher kann
kein gefühl die seele heben,
die dadurch der erd' entrann.
Rückert (1882) 1, 395 (liebesfrühl. 1, 56):

selbst auch gott, der allgenuge,
will geliebt von den menschen sein.
wähnst du in deiner selbheit truge
dir zu genügen, mensch, allein? 7, 498 (vierzeilen 2, 36);

zieh deine selbheit aus, und an die göttlichkeit!
die selbheit ist so eng, die göttlichkeit so weit. weisheit des brahm. 1, s. 42.


 
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selbherr, s. DWB selbstherr.
 
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selbig, pron. , nebenform zu flectiertem selb- (idem, is), s. daselbst I, 3, a. II, 1. 2.
1) selbig begegnet zuerst im mhd. des 14. (bez. ende des 13., s. Schonebeck unter 2, d) jahrh., und zwar sowol oberdeutsch wie mitteldeutsch, s. Weigand 2, 691 f. Lexer hdwb. 2, 862. Weinhold mhd. gramm.2 s. 554. auszerhalb des hochd. scheint es dagegen zunächst nicht vorzukommen (mnd. de sulvige bei Schiller-Lübben 4, 465b angeführt, aber ohne beleg). in Luthers bibelübersetzung hat die ausgabe letzter hand an einigen stellen derselbige, wo die früheren ausg. derselbe lesen, so: doch weh dem selbigen menschen, durch welchen er verrhaten wird. Luc. 22, 22; sintemal du eben dasselbige thust, das du richtest. Röm. 2, 1, s. auch 14, 14. — von abweichenden und mundartlichen

[Bd. 16, Sp. 436]


formen ist bemerkenswert: schweizerisch finden sich, entsprechend der lautgestalt des stammworts, zwei formen: sellig und sebig. letztere findet sich z. b. bei Manuel, s. das glossar von Bächtold. sellig steht bei Gotthelf, aber in der bedeutung von solch, daher vielleicht als mischform aufzufassen, vgl. dieses und unten 4, a. die steir. und kärnt. taidinge bieten die hier auffällige form selwig: nach dem selwigen weg ausz an den hungrischen rain. 88, 21; in den selwigen lantgericht hat nimant ein greifn wen der richter von Fridberg. 89, 3; aber daneben selbig: die Retschizer rinnet .. untz auf den Strainpach, und nach dem selbigen Strainnapach auf den ek und nach der selwigen alwen .. und gedt von der selbigen alben ab untz in den Winkel in der Pollann, und nach den selbigen Winkel ab untz durch den Stamer. 243, 34—38. flectiert selbing (aus selbigen): auf den guedern die .. auf die selbing vogtei gehorent. 244, 6; wer den selbing man dann verantburten will. 12, und selling: den selling soll er antborden den purkgraffen. 11. — ostmitteldeutsch salch: salches mol, salche nocht. Pasch 91, thür. salγes mól, salγe nochd. Hertel sprachsch. 227. auch ins heutige nd. eingedrungen: desulvige, daneben de sulvigste brem. wb. 4, 1092; de, dat sülvige Dähnert 473a. Danneil 216a. Frommann 3, 268, 17 (märkisch). — die weiterbildungen selbigt, selbigst s. unter 5, die analogen ableitungen von den erweiterten stämmen selbstig, selbtig s. an ihrer stelle.
2,
a) selbig findet sich zuerst stets mit dem bestimmten artikel der selbige, jetzt gewöhnlich in ein wort zusammengeschrieben, s. theil 2, 1024—26: gerad an das selbig ort, eodem. der zur selbigen zyt gelbt hat. Maaler 369d; das ist eben dasselbige ding, egli è la medesima, l'istessa cosa. Kramer dict. 2, 763c: selbig (adj. construitur cum articulo definitivo) ipse. der selbige wird es dir sagen. Steinbach 2, 577.
b) es steht zunächst im vollen sinne, 'idem': und des herrn zorn ergrimmet zur selbigen zeit. 4 Mos. 32, 10; zur selbigen zeit waren die obersten in der stad. Judith 6, 10; aber sie giengen aus, und machten jn rüchtbar im selbigen gantzen lande. Matth. 9, 31; aus der groszen verlegenheit, worin sich Wilhelm befand, .. risz ihn Laertes noch am selbigen morgen. Göthe 19, 229 (Wilh. Meister 5, 15);

das helff uns der vatter, der geist und der sone!
das was alles der selbige man. Alsf. passionssp. 8087;

unser weniges mein und dein
schlieszt der selbige schlüssel.
Voss 5, 47.

adverbialer genitiv: desselbigen gleichen auch der geist hilfft unser schwacheit auff. Röm. 8, 26.
c) häufiger steht auch derselbige in der abgeblaszten bedeutung eines bloszen demonstrativs, jener, dieser, besonders der (eben) erwähnte: derselbige, dieselbige, dasselbige, ille, illa, illud. Frisch 2, 262b; sô entsleuʒt er (der dunst) sich auch in waʒʒer, und smeckt daʒ selbig waʒʒer von dem ding, dâ von der dunst kümt. Megenberg 81, 15; 'sagend mir by üwer trüw, wer hatt die gröst er des stritz behalten?' 'junckfrow', sagt der rytter, 'ir sond wüssen, das Rengnold der selbig ist'. Haimonsk. s. 67, 31 Bachmann; item, es sol auch zu der selbigen elich täding ein ieglicher purger komen. tirol. weisth. 4, 470, 1;

sô maynt er dann der selbig hübsch geselle,
das im nit schad, noch schell kain ungevelle.
O. v. Wolkenstein 117, 2, 5;

und wan der selbige herre kommen ist,
so enhot der Judden rich kein frist. Alsfeld. passionssp. 4779;

darnach thut sich entzucken
meines hertzen ein solche lust
wol zu der selbigen fart (zeit), bergreihen s. 33, 25 neudruck;

schuldig ist der selbig häler,
widerkerung gleich dem steler.
Schwartzenberg Cic. 119c;

der neünde gschmack auch an sie seczt.
der selbig gschmack ist gar versalczen.
H. Sachs fab. u. schwänke 1, nr. 55, 117 neudr.

seltner ohne substantiv:

es reim sich oder reim sich nicht,
das selbig mich nicht hart anficht. 36, 42;

ir sprecht, die lieb sey leydes vol.
das selbig glaub ich nit gar wol. fastn. sp. 1, s. 4, 96 neudruck.


d) um den volleren sinn (s. b) zu verdeutlichen, treten daher verstärkende zusätze hinzu (vgl. DWB selb II, 1, a), so eben derselbige, s. theil 2, 1026; ein und derselbige:

iʒ ist ein und der selbige geist (unus atque idem spiritus).
Brun v. Schonebeck 1427.

[Bd. 16, Sp. 437]



3) die verwendung des stark flectierten selbiger ohne artikel ist nicht vor dem 17. jahrh. nachzuweisen.
a) idem, der nämliche: hierauff wandte er sich nach Demmin, und liesz ... so starck alszfort arbeiten, dasz er noch selbige nacht, da er des vorigen tages war ankommen, mit den lauffgraben bisz an die wercke kam. Micrälius altes Pomm. 2, 280; selbige nacht schickte Floramena an Solanden einen brief. pol. stockf. 331; als sie mit verfolgung des wildes etwas ferne von dem schlosz und hause abgekommen .., dasz sie bey herzunahender nacht sich nicht getraueten, selbigen abend wieder heim zu kommen, sahe der könig selbiger gegend eine baur-hütte. Olearius persian. rosenth. 44b (3, 1); wenn es schon die nothturfft erfordert, ein ding zu wiederholen, hat er es doch mit zierlichen umbschweiffen zu beschreiben wissen, dasz er selbige worte nicht wieder nöhtig gehabt. 61a (4, 6); es kahm aber ein ander prediger selbiges orthes. 62b (4, 12); (er) starb noch in selbigem jahre. J. E. Schlegel 4, 315; meine gute Sara sagte mir's wohl, gleich selbigen abend. Göthe 10, 175 (Stella 4); wenn ihn seine freundin von den guten und bösen eigenschaften eines solchen mannes oft launig unterhielt ... und doch noch vielleicht selbigen abend ... in den armen eines unwürdigen ausruhte. 15, 118; da verliesz ich sie mit der bitte: sie selbigen tages noch sehen zu dürfen. 16, 37; er habe noch selbigen abend einer von Ottiliens lieblingsmelodieen ein allerliebstes gedicht untergelegt. 17, 251; Laertes wuszte noch in selbiger nacht einen tüchtigen mann zu schaffen, dem man den auftrag geben konnte. 19, 236; dasz ich meine unwandelbare anhänglichkeit an den hohen abgeschiedenen nicht besser zu bethätigen wüszte, als wenn ich, selbiger weise dem verehrten eintretenden gewidmet, alles was noch an mir ist, diesem ... von frischem anzueignen mich ausdrücklich verpflichte. 60, 310; gestern früh ... hat man ihn auf den kirchhof getragen; unter selbigem grab liegt er, das ich euch gezeigt habe. Hebel 3, 12;

am tag, da selbiges jahr sich schlosz.
Uhland ged. (1864) 324 (Rechberger);

Belsazer ward aber in selbiger nacht
von seinen knechten umgebracht.
H. Heine 1, 47 Elster.

hier ist zusatz von eben seltner, s. ebenselbiger theil 3, 16: aber eben selbige .. wollen den stich nicht halten. Olearius pers. reisebeschr. 283b. — die ausdrucksweise ist also besonders beliebt bei zeit- und ortsangaben. doch so beliebt sie z. b. gerade bei Göthe ist, so entschieden ist sie im 19. jh. zurückgegangen, ohne indessen jetzt ganz aufgegeben zu sein. über den gebrauch des artikels läszt sich beobachten, dasz dieser mit vorliebe gesetzt wird, wenn er mit einer präposition zusammenschmelzen kann (am selbigen abend u. ähnl.), dagegen öfter fehlt, wo dies nicht der fall ist (zu selbiger zeit), namentlich bei adverbialem acc. oder gen. ohne präposition. heute wird einerseits die fügung mit artikel vor der artikellosen, andrerseits das einfache selb- vor dem weitergebildeten selbig- bevorzugt.
b) in abgeschwächter bedeutung. selbiger, selbige, selbiges (pron. demonstr. it. relat. che và senza articolo) quello, quella, quello. selbiger mann, selbige frau, selbiges kind. wo ist selbiger herr, selbige frau? .. in selbiger zeit, in quel tempo. Kramer dict. 2, 763c; selber, etiam dicitur selbiger, et id. notat quod derselbe, ille. selbige, illa, selbiges, illud. Stieler 2003. diese ausdrucksweise, im 17.—18. jahrh. nicht selten, ist heute in mustergiltiger, dialectfreier schriftsprache ganz abgekommen und findet sich nur noch in absichtlich archaisierender oder volksthümelnder sprechweise. schon Frisch 1, 262b bemerkt: selbiger, selbige. selbiges, bleibt nur in etlicher gemeiner leute reden, und nur an einigen orten, man braucht dafür, derselbe, dieselbe, dasselbe, oder derselbige (s. 2, c). belege
α) mit substantiv: angesehen dasz er weder weg noch steg in selbiger gegend wuste. polit. stockf. 321; ich wohne in selbiger nachbarschafft, und kenne das hausz. Olearius rosenth. 61b (4, 9); gleichfalls ist auch in der landschafft Sentzar, ein moedsin oder ruffer, so auff der kirchen zu stehen pflegen, gewesen, welcher eine sehr übele stimme gehabt, dasz den leuten selbige zu hören die ohren wehe gethan; der herr selbiger kirche war ein frommer sanfftmüthiger mann. 62c (4, 13); dasz die leute selbiges orthes, da er itzo wäre, ihm 50 ducaten angeboten. ebenda; wie es selbiger autor mit gedencket. 84b (7, 13); es sind aber selbige abdallen eine sonderliche arth leute in Persien. 102a (8, 67); auf selbigen triften war kein hirt so schön. Gessner 1, 278; vgl. auch selbigmal.

[Bd. 16, Sp. 438]



β) ohne substantiv: ob man selbigs (des holzwerks) zum haubtschlosz ... betürftig sein mechte. tirol. weisth. 1, 30, 8 (17. jahrh.); doch wierdet ... ainem gemainsmann ... ain reverender kue, da er selbige auf sein aignen gietern schon nit erhalten kunte, aufzuschlagen verwilligt. 2, 196, 2 (vom j. 1638); eine wollistige bestie hatte ihn mit eitelkeit eingenommen dasz er von ihr letzlich überwunden und selbige sich an seine lincke hand nechst mir trauen lassen wolte. pot. stockf. 326; kunst und tugend ist in den augen der feinde auch ein laster, wenn sie selbige an uns vermercken. Olearius rosenth. 59a (4, 1); bringt wer ein irsal in schwang, und selbiges ist gering, .. so mag es ihm hingehen. Klopstock 12, 106; das ist nun eine grosze schwierigkeit, und ist selbige kein solcher knoten, da du nur könntest drein haun ..., ist ein knoten, den du lösen muszt, oder dich lieber gar nicht mit selbigem befassen. 117; einem meisterer ist ein zu ehrsamer name worden, angesehn selbiger von meister abgeleitet wird. 154 (und noch oft in der 'gelehrtenrepublik', wol mit absicht alterthümelnd); diesz macht daher unstreitig unser eigen selbst so zweifelhaft, dasz wir selbiges nicht erkennen. Hamann 1, 132; die grosse kunst war also, unter der maske der freundschaft seine begierden zu eben der zeit zu reitzen, da sie selbige durch eine unaffektierte zurückhaltung abzuschrecken schien. Wieland 1, 288 (Agath. 5, 4); ich will dir .. die ganze geschichte meines lebens, so weit ich in selbiges zurück zu sehen vermag, entdecken. 377 (6, 5); die achtung, womit er seinen dienern überhaupt zu begegnen pflegte, und womit er sie desto stärker aufmunterte, selbige zu verdienen. 7, 237 (gold. spiegel 2, 10); vor ihnen, schöne Danae, können die grazien keine geheimnisse haben wollen; oder welche sterbliche dürfte sich hoffnung machen zu selbigen zugelassen zu werden? 10, 5; und sie haben seine kinder erzogen? .. was haben sie selbige gelehrt? Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 310; Philo hatte sich indessen öfters in der bibliothek aufgehalten, und führte mich nunmehr auch in selbiger ein. Göthe 19, 344; es (das bild) stellt vor den Konradin von Schwaben und Friedrich von Oestreich, als selbige im gefängnisz zu Neapel sitzen und schach spielen. Tischbein bei Merck briefs. 1, 407.
4) besonderheiten der bedeutung.
a) schweiz. sellig solch, vgl. 1: sellig wett ih zehn an jeden finger kriegen. Gotthelf Uli d. knecht s. 41, 40 Vetter; sellige (solchen) sollten die kränzchen verboten werden. 449, 78; häb sorg zu dere; du überchunst ke selligi meh! 457, 93; sellige wie du, sind in dieser bösen zeit ein rar fressen. schuldenb. s. 9.
b) selbig für den genitiv selbes(t), ipsius, eigen:

ach gott selbst und das gebildet hat
mit seiner selbigen gewalt. bergr. s. 66, 26 neudr.


c) niemands lebet selbiger an dem hof denn er allein. Galmy 160, ist nur druckfehler für seliger, wie die ausgabe von 1540 (61a) liest.
5) gleichbedeutende weiterbildungen.
a) selbigst, vielleicht als superlativ gemeint, s. DWB selbst II, 4.
b) selbigt, wol nach analogie von steinicht neben steinig u. ähnl.: der .. passagier thut besser, einem so sommermüden rosselenker den fond im wagen einzuräumen, .. damit selbigter ausstellungskutscher nicht über die leiterbäume fällt. Goltz jugendl. 3, 87.
 
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selbigkeit, f. identität: aus der ursprünglichen einerleiheit der vernunft in allen und der selbigkeit der zu bildenden natur vor allen ergiebt sich als abgeschlossenes ganzes ein bildungsgebiet, wo ein werk von einem einzelnen angefangen von einem anderen als völlig dasselbe fortgesetzt .. werden kann. Fischer Schleiermacher (1899) 119 (aus der ethik). — vergl. auch dasselbigkeit Schiller Demetr. 1, s. theil 2, 810: identitas das selbigkeit, eben das selb. Melber vocab. praedicantium (1486) 13b, s. Gombert 5, 19.
 
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selbigmal, adv. damals, vgl. DWB selbig 3, b, α und selbmal: hab' ihn als eine kleine rotznase gekannt, so hoch, selbigmahl war er schon ein vorwitziger junge. Fr. Müller 3, 102.
 
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selbkante, f., nur mundartlich, besonders 1) nd. sülfkante gleichbedeutend mit selbende, s. daselbst, so auch westfäl. selfkante Woeste 235b, niederl. zelfkant, vgl. auch Andresen volksetym.4 213. 2) westfälisch auch für 'rand, klebekruste des brotes'. Woeste a. a. o. 3) in der Eifler mundart selfkante die linke seite. Frommann 6, 19.
 
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selbkommend, adj. von selbst, ohne anbau und pflege, kommend, wachsend: disz volck (die Gethuler) bawet nicht, sunder laufft hin und her in der wüsten, nöret sich der selbkummenden

[Bd. 16, Sp. 439]


frücht. Franck weltb. 8a; vgl.: da allerley frücht von jnen selbs bekummen ungebawen. 8b.