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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbgelte bis selbherr (Bd. 16, Sp. 434 bis 435)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbgelte, m., mhd. für selbstschuldner, s. das., selpgelte, selbgelde, auch selpgülte Lexer mhd. handwb. 2, 868. — dafür auch selbgelter ebenda, debitor principalis Haltaus 1671: es mag der kauffer, so sein gekauffte habe in der zeit der weerschafft umb sachen die werschaft berürend mit recht angesprochen wirt, den selbgelter oder die pürgen mit recht fürnemen und beclagen. urkunde von 1479 s. ebenda.dazu selbgeltschaft, f. obligatio pro debitore principali. 1672. — Campe schreibt selbstgelter, -geltschaft, doch sind diese formen sonst nicht bezeugt.
 
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selbgeniesz, m.:

wenn eigennutz und selb geniesz
vertrieben weren ausz der welt,
so wer nit nötig, das man gelt
oder müntz hinfort dorffte machen.
B. Waldis Esop 4, 100, 110.


 
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selbgericht, n. eigenmächtige selbsthülfe, judicium, quod quis in sua causa sibi facit, quo quis suus sibi judex est, in jura magistratus involat, indebitumque sibi usurpat vindictae ministerium; vindicta et violentia privata. Haltaus 1672; mhd. selpgerihte Lexer handwb. 2, 868. nachtr. 364; mnd. sulf-, selfgherichte,

[Bd. 16, Sp. 435]


sulf-, silfrichte, selfrecht. Schiller-Lübben 4, 465b; nhd. selb-gericht, n. giudicio da se stesso cioè vendetta propria ò privata. Kramer dict. 2, 764a, vindicta privata Stieler 1557, selbstgericht Campe: de de ... ensatten, dodeden, verdreven, bescatteden sinen rat unde borghere, vredebrakeden, husscindeden, kesten uphüwen, rerof unde rof unde mannigherhande sulfgherichte beghinghen. d. städtechron. 6, 363, 21.
 
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selbgerühmt, adj.: auff einen selbgerühmten, überschrift zweier epigramme von Logau 2, 115, 83 f. das erste lautet:

dein ruhm pflegt auff zu gehn, wie sterne bey der nacht:
nur dieses ist nicht gut, dasz damals niemand wacht.


 
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selbgeschosz, n., s. DWB selbstgeschosz.
 
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selbgesuch, n.: selb-gesuche, n. cercamento, ricerca di se stesso; cioè del proprio suo utile, honore ò diletto. Kramer dict. 2, 764a.
 
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selbgewachsen, -gewalt, s. DWB selbstgewachsen, selbstgewalt.
 
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selbgunst, f. Logau 3, 10, 30 als überschrift des gedichts:

selb-lieb handelt jmmer recht, dann jhm gibet recht und rath
rath und richter an die hand, den er in dem spiegel hat.


 
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selbhaft, m.: 'selb-haft zu wunden (heftpflaster?)'. Schm. 2, 265; ist dann die schwart weit von einander gewesen, so gib im einen zwickhaften oder selphaften. Braunschweig chir. (1498) 60b.
 
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selbheit, f., mhd. selb-, selbe-, selbesheit Lexer handwb. 2, 868, vgl. selbstheit; selbheit, selbstheit (term. ascetico), stessità, ipseità, proprietà, cioè amor proprio corrotto e nemico dell' amor di dio. ebenselbheit, identità. Kramer dict. 2, 764b. in neuerer sprache nur noch bei Rückert, vgl. selb II, 3, e, β. belege: daʒ ich von mir selber unde von mîner selbheit ... ungehindert blîbe. Eckhart 583, 39; wan von ir ichheit und selbheit ist es ir unmüglich (der seele, gott zu erkennen), wan in welcher crêatûr dis volkomen bekant sol werden, dâ mûsz crêatûrlicheit, geschaffenheit, ichheit, selbheit ... zu nichte werden. theol. deutsch 3; der alde mensche das ist Adam und ungehôrsam, selbheit und icheit und des glîchen. 28; sô ie mêr selbheit und icheit, sô ie mêr sunde und bôsheit. ouch ist geschriben, sô mîn, ich, mir, mich, das ist icheit und selbheit, sô das ie mêr in dem menschen abe nimpt, sô getes ich .. ie mêr zû nimpt in dem menschen. 31; dann der an Christum glaubt, der glaubt freilich, dass das leben Christi (ob es woll aller natur und selbhait das aller bitterst ist) das edelst und best sei. S. Franck paradoxa (1539) 113a; so ists alsdann wieder in mysterio, an der natur ende, wie es war ehe es ins geschöpff eintratt, verstehet die essentialische begierde, der auszgesprochene Mercurius, der musz also wieder ans ende seiner selbheit gehen, und ins sprechende wort sich ergeben. Jac. Böhme de signat. rer. s. 149 (cap. 11, 98); die selbheit die verdambt. Scheffler cherub. wandersmann s. 26 neudruck (1, 143, überschrift, vgl. DWB seinheit, sp. 368);

lasz mich aus eigenheit ausgehen
und aller selbheit sterben ab! wunderhorn 2, 500 Boxberger (aus dem 'anmuthigen blumenkranz' 1712);

rein sich opfernd hinzugeben,
frei von selbheit, höher kann
kein gefühl die seele heben,
die dadurch der erd' entrann.
Rückert (1882) 1, 395 (liebesfrühl. 1, 56):

selbst auch gott, der allgenuge,
will geliebt von den menschen sein.
wähnst du in deiner selbheit truge
dir zu genügen, mensch, allein? 7, 498 (vierzeilen 2, 36);

zieh deine selbheit aus, und an die göttlichkeit!
die selbheit ist so eng, die göttlichkeit so weit. weisheit des brahm. 1, s. 42.


 
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selbherr, s. DWB selbstherr.