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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbdritt bis selber- (Bd. 16, Sp. 429 bis 434)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbdritt, s. DWB selb II, 6, c.
 
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selbdürr, adj., in schweizerischen mundarten sälbdürr, von selbst dürr, eingetrocknet, abgestorben, besonders von bäumen, s. Bühler Davos 1, 155. 2, 28b. 113.
 
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selbe, f. volksthümliche form für salbei, s. daselbst theil 8, 1686 f.: salbey, selbe, f. saulge domestique. Hulsius 270b. vgl. auch selb II, 3, e, γ.
 
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selbeigen, adj., s. selbsteigen 3.
 
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selben, pron. , nebenform zu selb, vgl. das. I, 3, b. II, 3, d. sie ist hervorgegangen aus der alten schwachen flexion, indem hier die endung -en, wie bei den meisten schwachen substantiven, auch in den nom. sing. eingedrungen und damit zur gemeinschaftlichen flexionsform für alle casus geworden ist.
1) ihr hauptgebiet ist das mnd. belege für sulven als nom.: silven ret se jegen ene. deutsche chron. 2, 77, 22; siu scencte selven mit eime guldinen nappe irme lieven manne. 97, 34;

dei duvel had dat sulven schreven. Theoph. 387;

twâr, jode, ik weit dat sulven wol. 492;

den mî got sulven untheit. van deme holte des hill. cruzes 61;

Jesus muste sulven mit rûwen
sîn crûze dregen up de stede. 740;

dat geve, hôge drêvaldicheit,
de sulven is de êwicheit. van s. Marinen 330;

got wil hîrvan sulven afspreken de rechten sentencien. des dodes danz s. 688 Bäthcke;

lât hôren, wat hadde Christus sülven bedreven. Claws Bur 408.

so auch in heutigen nd. mundarten als sül(b)m, sil(b)m weit verbreitet, z. b. ostfries. sülven Stürenburg 272b, südhann. sülben, -wen Schambach 218a (von sek sülwen), sülm in Jever, s. Frommann 3, 279, 28.
2) selben findet sich aber auch auf mhd. (besonders thür.?) boden, s. Weinhold mhd. gramm. § 497. Lexer mhd. handwb. 2, 861. R. Bechstein Germania 11, 146, 152; ich bin durch daʒ selben her kmen. Leyser pred. (14. jahrh.). 80, 46; daʒ wiʒʒe got selben. 87, 27;

(ich) wel ûch selben brenge
ûʒ deseme enelende. spiel von den zehn jungfrauen 21;

oberdeutsch: das .. unser herre hertzog Wilhalm selben dabey .. gewegen (l. gewesen) sint. schreiben der Augsburger vom j. 1422, s. d. städtechron. 4, 120, anmerk. 4. adverbial: dannoch spendæcht er durch iren willen armen læuten da selben. gesta Roman. 43 Keller; da selben erslahen wir in wol. 156, vgl. Schm. 2, 264. — heute besonders in bair.-österr. mundarten: selbm Schm. 2, 263, auch silm; i selm ich selbst Frommann 3, 186, 55 (oberösterr.); selm 6, 38, 24 (Unterinnthal); selbn, selm 6, 344 (Heanzen-mundart); selbn (sprich söim) Hartmann volksschauspiele s. 597. — bair. dselm, zselm(ad) dort, damals Schm. 2, 264.
3) hierzu finden sich anorganische vermehrungen mit s und st, vielleicht unter einflusz von selbs(t) (vielleicht auch nach dem nhd. schwachen gen. auf -ens), so mhd. selbens:

Meynhart, lieber son mîn,
du salt dâ selbens bischof sîn. livtänd. reimchron. 420;

want got vil manich wundir
an manchim menschin wirkit schôn
dâselbins durch sîn crûze vrôn.
Nicl. v. Jeroschin 1142;

[Bd. 16, Sp. 430]



dâ selbins grêve Wernhêr ...
ritterlîche wirde intpfinc. 22814,

s. auch die überschrift vor 4633. —
 
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selbenst in einer bair. urkunde von 1344 s. Lexer handwb. 2, 861; nd. (hamburgisch) sülvenst Frommann 6, 143, 79 (auch sonst, offenbar mischform aus sülven und sülvest), ebenso hildesh. silmst 2, 122, ostfries. sülmst ten Doornkaat Koolman 3, 363b, südhann. auch sülbent Schambach 218a.
 
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selbende, n. die natürliche, ungesäumte kante bei tuch, zettelende; gewöhnlich entstellt zu salband, s. das. 1, th. 8, 1683. vergl. auszer der daselbst angezogenen litteratur noch besonders Weigand 2, 690. J. Grimm kl. schr. 5, 40 f. Andresen volksetym.4 213. Germ. 28, 401. mhd. selbende Lexer handwb. 2, 868; mnd. sulvende, selffende Schiller-Lübben 4, 464b; inicie ... bendel vel selben, selbe ende. Dief. gloss. 299a. sprichwort: am selbende erkennt man das tuch. Simrock sprichw. 9480. mundartlich besonders mitteld. (am untern Main, s. Schm. 2, 265, nass. selbenn Kehrein 1, 375, hess. silbende, selbende Vilmar 382, thür. salbānd, salwand, sallwäñg Hertel 38. sprachsch. 202) und nd. (im binnenlande sülwenne, sülwend Schambach 218b, selfenne Woeste 235a), wofür an der Nordsee die parallelbildungen sulfegge (brem. wb. 4, 1092) und sülvkante (Stürenburg 272b. ten Doornkaat Koolman 3, 363b). entsprechend holl. zelfeinde, -egge, -kant: self-ende, self-egghe, self-kant, ora panni vel telae: extremitates panni aut lintei. Kilian.
 
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selbendig, adj. daselbst befindlich, dortig: sowie nun aus diesem bach vier hauptwälle, wovon einer in die Watschl und selber ende, der andere zu den bei sanct Barbara gelegenen gütern ... gefiert wird, ausgekehret und die wässer davon zu bewässerung selbendiger güter verwendet werden. tirol. weisth. 2, 231, 37.
 
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selber, pron. , neuere form für selb(e), ipse, vgl. dieses I, 3, b und II, 3.
1) zur erklärung vgl. besonders selbst. selber ist nicht, wie es auf den ersten blick scheinen möchte, ein comparativ zu selb- (so schon Steinbach 2, 577, was Adelung mit recht zurückweist), sondern die erstarrte form des starken nom. sing. masc. während Grimm gr. 3, 647 sich noch für die erstere ansicht entschieden hatte, neigt er sich 4, 358, anm. 2 der letzteren zu; ebenso Frommann 3, 186, 55. vgl. auch Weigand 2, 691.
2) im mhd. ist selber (mitteld. auch selbir) berechtigt im nom. sing. masc. (wo allerdings die schwache form üblicher ist, s. DWB selb II, 3, c, α) und im gen. dat. sing. fem. aber schon ende des 12. jahrh. beginnt es über sein gebiet hinauszugreifen und sich als unveränderliche form für alle casus festzusetzen, s. die beispiele bei Weinhold mhd. gramm. § 499. Lexer handwb. 2, 861. Weigand 2, 691. nur in den gen. scheint es nicht eingedrungen zu sein, auch für den nom. acc. neutr. fehlen die belege. es steht also
a) als nom. sing. masc.:

sich, nû hab ich dich gelêret
des ich selber leider nie gepflac.
Walther v. d. Vogelweide 92, 4;

sint uns n got selber hat vorsait. spiel von den zehn jungfrauen s. 23, 15 (sonst stets selben, s. das.);

ein heilic man, hieʒ Albrecht,
der bôt sich selbir zû der vart. livländ. reimchron. 591;

mancher selber die ehe bricht. Alsfeld. passionssp. 403 (vgl. das glossar);

ich wais das sicherleich für war,
dasz es der Neithart selber ist. fastn. sp. 437, 4;

ich hab noch selber als vil. 450, 10.

vgl. besonders: selbe tæte, selbe habe. daʒ du dir selber gebriuwen habest, daʒ trink ouch selber. Berth. v. Regensburg 1, 435, 20—22 (ebenso 323, 29 f.), wo in der altüberlieferten formel sich selbe gehalten hat, während der verf. selbst selber sprach.
b) als dativ: wan dû dich an dem jungesten tage schamen müestest vor aller der werlt unde vor gote selber. Berthold v. Regensb. 1, 350, 18; wie weiʒ eʒ an im selber ist. Megenberg 476, 29; sein (des kupfers) gedœn von im selber ist gepäurisch. 478, 27;

wer dem gelîchsner gloubet baʒ
dann im selber.
Boner 18, 36;

deme selber nâch dem tôde mohte erlangen. minnes. 3, 53b Hagen.


c) als acc.: aber gote als got gehôret zû, das er ... sich selber bekenne ... und sich selber im offenbâre in im selber. theol. deutsch s. 59 (vgl. DWB selb II, 4, d); nû mag her (der geist)

[Bd. 16, Sp. 431]


treten ûʒ sich selber, dô her sêle ist, ... unde mûʒ trete in sich selber, dô her geist ist. Wackernagel leseb. 12, 855, 34. 36; wanne man sal got lîp haben umme sich selber alleyne. 857, 5;

des nam in selber wunder.
Heinrich v. Freiberg Tristan 129.


d) als fem.:

sô rihtet selbe (var. selber) über mich. Trist. 775;

hie von sie leide me enfing,
wen daʒ sie selber ane ghing. Elisabeth 1776.


e) als dat. fem.:

ouch sol ich mîne triuwe
an mir selber niht brechen. arm. Heinrich 821 (ebenso 830. 835);

da vone ich ... it gudes du
mines werden frundes sele iezu
unde ouch mir selber, ob ich kan. Elisabeth 6265.


f) bei pluralformen: di werc, di si tûn in daʒ vegefûr, di leben, wanne si intûn si nicht alsô von im selber. d. myst. 1, 235, 22;

das solten sie den andern fürsten wern,
so helfen sie ir scheflein selber verhern. fastn. sp. 642, 22;

sie (die dienstmädchen) gumppen hinten und voren auf
und piten sich selber veyl. 1107.


3) im nhd. ist selber sehr gewöhnlich, nur in neuerer zeit immer mehr durch selbst zurückgedrängt: selber, et selbst .. er war selber da, und sahe es. Stieler 2003, vgl. Schottel 544; selber, oder selbst, ipse, ipsa, wird nicht declinirt, und ist soviel, als in eigner persohn, oder allein, ohne jemand anders ... selber ist nicht so sehr gebräuchlich im schreiben als selbst. Frisch 2, 262b; des hertzogen von Glorestres sun der gar ein hübscher und starcker ritter was, aber übermütig, und hochtragent und hielt vil von ym selder (druckfehler). Pontus f 6b; von jm selber msz er dir erscheynen. Keisersberg trostsp. (1510) hh 6d; den demütigen, die sich selber .. clain schätzen, nüt achtend auff sich selber, nüt gts von yn selbsz halten. 6a; setz dir selber ein straff auff, wenn du schwerest. sünden des munds 23c; du hast mit dir selber zeschaffen geng. 70d; also soltu vor mit dir selber ein gericht besitzen. 81a (daneben selbs, s. daselbst); (da) betrachtet er in im die sachen, wie sie an in selber beschechen warent. Steinhöwel Äsop s. 39 Österley; und hett ich mich selber erwegen (aufgegeben). Götz v. Berlichingen 56; was aber von jm selber nach deiner erndten wechst, soltu nicht erndten. 3 Mos. 25, 5; denn der herr ewr gott hat selber fur euch gestritten. Jos. 23, 3; wie jr selber sehet. 2 chron. 30, 7; das jm selber nicht helffen kan. weish. Sal. 13, 16; die gottlosen aber bringen sich selber umb jr leben. Tob. 12, 10; wie gros wird denn die finsternis selber sein? Matth. 6, 23; er hat andern geholffen, und kan jm selber nicht helffen. Marc. 15, 31; wie der vater das leben hat in jm selber. Joh. 5, 26; so sehet jr selber zu. ap. gesch. 18, 15; denn unser keiner lebet jm selber, und keiner stirbet jm selber. Röm. 14, 7; der die macht und das ansehen von sich selber hette. Fischart bienenk. 48b; dasz der gehorsam und verdienst Christi ... eygentlich, und inn sich selber unsere gerechtigkeit sei. 102a; der ist nicht wol bey sich selber. Mathesius Sar. 62a; nun wollen wir uns selber leben. E. v. Kleist 1, 158; ich bin versöhnt, ich bin wieder bei mir selber. Göthe 19, 134; Wesener (indem er die andernzitternadelneinschachtelt, brummt etwas heimlich zu Marien). zitternadel du selber! sollst in deinem leben keine auf den kopf bekommen. Lenz 1, 264; wo stikt dann nun das heilige? etwa im aktus selber durch den ich entstund? Schiller räuber 1, 1 schauspiel; als ich wieder zu mir selber kam. 4, 17 trauerspiel; nein! sowahr ich ich selber bin! Fiesko 4, 9; Falterle, der die gefälligkeit selber war. J. Paul Titan 1, 126;

das jm wart selber darnoch leit.
Brant narrensch. 16, 44;

er wil ewr heiland selber sein.
Luther 8, 358a;

die magd sprach: du bist an dir selber (deine scheltworte
treffen dich selbst).
H. Sachs 1, 512d (vgl. 514a);

als solten sie wol mehr als Hector selber seyn.
Fleming 134;

aus dir (gott) quillt alles; du selber
hast keinen zuflusz in dich.
E. v. Kleist 2, 33;

o lob des sinnlichen pöbels,
warum verachtet ich dich, grosz in mir selber, nicht ehe! 133;

schlagt euern Plato selber nach.
Wieland 10, 160;

von sich selber erschien Menelaos, der schlachtenbelobte.
Bürger 199b (Il. 2, 408).

[Bd. 16, Sp. 432]



4) mundartlich, z. b. schweiz. sëlber (i sëlber, mir sëlber, for-em sëlber von selbst) Hunziker 239. Tobler 421a (neben selb); bair. selbe(r) Schm. 2, 263, in Wien Hügel 148b; luxemburgisch sèlwer Gangler 413, thür. ebenso (und sèlweršd) Hertel sprachsch. 227, s. auch Bernd 285, köln. van sich selver komen, wahnsinnig werden Frommann 2, 452a. — nd. natürlich im allgemeinen nicht üblich, jedoch westf. selwer, selwest Woeste 235b.
5) über die verwendung ist zu bemerken:
a) sprichwörtlich: jr werdet freilich zu mir sagen dis sprichwort, artzt hilff dir selber. Luc. 4, 23, medice, cura te ipsum! Stieler 2003; selber essen macht fett (s. auch Gotthelf erzählungen 3, 329); wer selber im creutz gewesen ist, der kan einen andern bekennen. Petri J ii 5a; wer selber nicht helt, der kan sich weder guts noch ehr zu andern versehen. 5b; wer selber nicht gelernet hat, der kan ander nicht lehren. wer selber nichts taug, der sagt von andern auch nichts guts. wer selber nicht wil, da hat gott kein schuld an, bez. dem kan alle welt nit helffen. ebenda; selber (gewöhnlich selbst) ist der mann. Simrock sprichw. 9484; selber thun, selber haben. 9493; sich selber loben ist thorheit, sich selber schänden ist unsinn. wer sich selber schändet, den lobt niemand. 9497 f.; rede nicht mit dir selber, sonst möchte man sagen, dein zuhörer wär ein narr. 9502;

um einen herren steht es gut,
der was er befiehlt selber thut. 9486;

ich kann mit allen sinnen
mir selber nicht entrinnen. 9490;

was ich selber thu,
trau ich andern zu. 9496;

wer selber etwas weisz und kan,
der redt und lehrt gar wol davon.
Petri J ii 5a;

selber was (haben),
wie gut ist das! (vgl. DWB selbst II, 2, e, δ).

vgl. auch Wander 4, 529—531.
b) in bezug auf den gebrauch bemerkt Adelung, dasz es gewöhnlich (nach Campe immer) nachgestellt werde, während selbst auch vorangesetzt werden könne. letzteres geschieht nämlich in der bedeutung 'sogar', die eben bei selber nicht so üblich ist. hierher gehört etwa:

aber am tiefsten trafst du doch mich, den freund, der im arm dich
hält, den selber der schein früherer leiche geschreckt.
Göthe 1, 317.

neben selbst:

die tücke, die den zeughaussturm zu einem diebszug machte,
die selber uns, die selbst das grab noch zu begeifern dachte.
Freiligrath5 3, 173.

s. auch Brockes 5, 109 unter selbstgesprochen. doch findet sich auch in diesem sinne nachsetzung von selber. in der gesprochenen sprache hat es indessen in dieser bedeutung immer schwächeren ton als das dadurch hervorgehobene substantiv:

im beichtstuhl selber ...
brannte das mädchen mir tief im marke.
Hölty 91 Halm;

auch fürsten schweigen selber?
Schiller 1, 343.

umgekehrt findet sich in der ältern sprache vereinzelt voranstellung ohne diesen sinn:

die sün Rechab lobt selber gott,
das sie hieltten jrs vatters gbott.
Brant narrensch. 90, 30.


c) ganz vereinzelt und dem sprachgefühl etwas widerstrebend ist selber beim gen. oder pron. poss. (vgl. DWB selb II, 4):

sonder mag für sich frey auffrecht
sich und sin weib und seine kind ...
ernehren mit sein selber hand.
H. Sachs 2, 1, 82c;

wenn ich erst mein selber bin,
bin ich auch wohl dein.
Grillparzer5 2, 37.


d) ebenso singulär ist selber als ortsadverb in süddeutschen quellen ('dort', vgl.selbt): den zehend sollen die unterthanen abzöhlen lassen, wann selber abgeschnitten das korn. steir. taid. 103, 23 (nach dem glossar).
e) in Leipzig wird selber auch für 'von selbst' gesagt: die treppen steigen sich schlecht, aber nunter gimmt m'r selber. Albrecht 211b. so schon bei Luther: in diesem jar iss was zutretten ist, im andern jar was selber wechst. 2 kön. 19, 29.
6) weiterbildung der form.
a) wie sehr man die bedeutung der endung -er vergasz, zeigt am besten, dasz an sie bereits mhd. das s des gen. gehängt wird; vgl. Weinhold mhd. gr. § 499. alem. gr. s. 296: und dârumbe, mîniu kinder, sô nement iuwer selbers war. Wackernagel pred. nr. 68, 190; wie sie mit unserm ir selbers und andrer erberen lüten wolbedachtem rate

[Bd. 16, Sp. 433]


geeinbert werin. Grimm weisth. 1, 175 (Interlaken, vom j. 1404); sol der selb Pütreich mit sein selbers leib ynner jarsfrist ain Romvart tn und ain Achvart. wr aber daz er das von seiner notdurft mit sein selbs leib nicht tun mchtt. d. städtechron. 4, 181, 37 (Münchner urkunde von 1375);

die alsô vil gesprechen(t)
von ir selberes getât. Iwein 2475 A;

si ... klagt den unschuldigen tôt
ir kinden und ir selbers nôt.
Boner 54, 34;

die muoʒ man dik entsitzen,
nicht von ir selbers witzen. 78, 48.


b) in allen diesen fällen stand selbers neben einem genitiv, allerdings neben dem fem. und dem plur. ebenso gut wie neben dem masc. darüber hinaus wird es erst im 15. jahrh. vereinzelt verwendet:

er sal sinen galgen selbers tragen. Alsfeld. passionssp. 5299;

got spricht usz em selbers sinn wort. 1404.


c) in unbeschränktem gebrauche ist dagegen die erweiterte form selberst, die im 16 jahrh. mehrfach begegnet und entweder aus selbers durch anhängung eines t oder durch vermischung von selber und selbst entstanden ist: die purger selberst. Münchner verordn. bei Schm. 2, 263; ich mag mich selberst verachten, wo ich mich nit an dir reche. Aimon b 2a; wann ich selberst will Reynharten und seine brüder an euch rechen. p 5a; und da disz der könig Yon in jm selberst redt. ebenda; auff des keysers ermanung, ranten hinnach Burgundier, Frantzosen und andere, auch der keyser selberst. s 1b; warumb seit jr eher, wann ich selberst, hinweck gerandt? 2a; Reynhart ... erwag in jm selberst, er wer darumb hinweck gangen u. s. w. v 5b; da n Reynhardt den grossen jamer an den seinen ersahe, .. da sprach er wider sich selberst. x 5a (daneben selbert, s. d); sonst müesset er dem schaden selberst erkenen. steir. taid. 156, 11 (v. j. 1570); den er ime selberst ader seinen nachkomen zu guetem zügelt. 157, 4; wan sich ainer ader aine selberst entleubet in des von Stubenwerg gebiet. 158, 35;

sprichstu das selberst von dier? tirol. passionssp. s. 88, anm. 8 (Brixener pass., handschrift von 1551);

wie du dich tetst selberst nennen. s. 120, 1895, var.

vgl. auch Gombert 5, 18. mundartlich z. b. bair. (s. oben), thür. sèlweršd, s. 4.
d) noch häufiger ist die form selbert: non sunt verba, sed das wesen selbert. Luther 14, 306, 10 Weim. ausg.; dann ich mich nicht berhümen kan, das mich gott on mittel von hymel gesandt hat, wie sie thn und lauffen selbert, so sie doch niemandt sendet noch ledt. 15, 240, 9; von den allen behielt er selbert die schlüssel. Aimon t 2a; ich weysz selbert nit wie. ebenda; da er sich selbert bedencken ward. v 6a; (sie) liessen ihren nachbawren ligen, meineten, er solt selbert heimgehen. Schumann nachtbüchl. 32, 1 Bolte; in Britannia und in seim königreich selbert. 135, 33; ferrer erinnerten sie in, zu bedenken, wie es andern herren, .. als er das selbert guot wissens trüege, ergangen. Zimm. chr.2 1, 171, 16 Barack; er het sich selbert erhenkt. 3, 290, 18; von wassern, die für sich selbert salz haben. Thurneisser v. wassern (1572) 6; wasz er mit der hand glangt mog er abprocken und die andern selbert abschiten. Salzb. taid. 116, 13 (handschr. des 17. jh.); und soll ihn der dorfvogt und die nachpauren selbert versorgen. tirol. weisth. 2, 178, 24 (handschr. vom jahre 1782);

der im helpad icht selbert schwitzt. meisterl. fol. 23, nr. 239;

und mich auch selbert an dut pellen. ebenda;

ain fürst der welt bin ich erkent,
als mich dann Christus selbert nennt.
Schwartzenberg Cic. 128d;

wj du dich selbert lieben sölst,
den nächsten also maynen wölst. 153c;

Lucrecia. di keüsch und frümb,
sich selbert ertödt drümb. 159a;

das dir gefiel dein sinn allein
und liszt deym aygen willen raum,
hieltst dich selbert gar nit im zaum.
H. Sachs fastn. sp. 1, 144, 335 neudruck;

darumb so thut jm selbert schreiben. 4, 9, 240;

der pfarrer ist willig darzu,
das er euch selbert helffen thu. 5, 10, 254;

mit der gleich unglüecks uberladen
wirt der mensch oft mit ungedueld
und ist doch selbert nür sein schueld,
sam hab ers selb vom pfal gelöst. 6, 79, 436;

ich will mir selbert thun mein wort. ged. 2, 1, 26c;

[Bd. 16, Sp. 434]



dasz ein jeder mensch bey sein tagen
sein eigne bürd musz selbert tragen. 4, 1, 56b;

dasz jr alle habt selbert frawen. 4, 3, 40a (dafür fastn. sp. 6, 32, 131 selber);

wer ... grueben grebt den nachtpren sein,
der velt doch entlich selbert drein. fab. u. schwänke 1, nr. 49, 58 neudruck;

da dacht ich pey mir selbert eben. 54,28;

doch triffts am letsten selbs die schand,
und fallen selbert in den graben,
dann sy eim andren tolben haben.
Thurneisser erkl. der archidoxa (1575) 148b.

noch heute in Franken, s. Schm. 2, 263.
7) selber- als erster theil einer composition scheint nur bei J. Paul vorzukommen, hier allerdings sehr häufig. diese zusammensetzungen sind unter den entsprechenden mit selbst- eingereiht, soweit solche gebräuchlich sind. einige ungewöhnlichere wörter seien hier zusammengestellt: selberballenbinderin J. Paul 34, 134 (Nepomukk.); auch der ... verfasser der raritäten des küsters von Rummelsburg bleibt dieser selberbelachung trotz des anscheines vom gegentheil getreu: denn wenn er z. b. .. einen dummkopf lobet, so will er sich doch damit nicht loben .. sondern er will sich wirklich belachen. grönl. proc. 2, 62; wiewol wir Deutschen diesem Bonifacius .. die bekehrung vom moralischen heidenthum der selberentzweiung und selbstsucht wider seinen willen verdanken. 34, 52 (polit. fastenpred.): noch vielleicht kein mensch blieb in so finstere kalte ehrlosigkeit eingegraben, welchen nicht irgend eine seele durch anwärmendes kleines werthhalten vor dem grimmigen selber-gefrieren (wie es ein selberentzünden gibt) errettet hätte. 78 (nachdämm.); unter dem überreizten ohre bleibt immer ein herz den einfachsten melodieen offen; und nur virtuosen sind ihre selbergiftmischer. Levana 3, 116; denn ob ich gleich seit 25 jahren durch einige nachahmungen und nachspiele des buchs, ordentlich mich selber satt bekommen: so überwind' ich doch den überdrusz an dieser selbersattheit durch die hoffnung, dasz der schreibende jüngling später wieder auf lesende jünglinge und jungfrauen treffen .. wird. Hesp. 1, vorr. s. xi; etwas ähnliches gilt von den selberträgerinnen offner briefe. Levana 3, 84; unglaublich viel trägt zu dieser höhern selberwürdigung und zu diesem freien gefühle des eignen jungen werthes eine bessere erziehung bei. herbstblumine 3, 41. — s. ferner selbstdünkel, -genügsamkeit, -gespräch, -hasz, -mord, -opferung, -retter, -sucht, -täuschung, -verlag, -wahl, -zünder.
 
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selber- die so beginnenden composita s. unter selbst- und DWB selber 7.