Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
selbbaum bis selbende (Bd. 16, Sp. 429 bis 430)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) selbbaum, m. jeder einzelne von mehreren stämmen aus einer wurzel, in alten glossen: stipes .. selp- vel selpoum. Dief. gloss. 553b; astile chandalstap, selppaum. nov. gloss. 200b. vgl. J. Grimm gramm. 2, 638 und kl. schr. 5, 40. Schm. 2, 264. Lexer handwb. 2, 868: ausz der wurcz des bawmes wachssend vier czwey, daz haissend selbaum .. der erst selbpaum, von dem wachsent drey est ... der vierde selbepam. quelle bei Schm. a. a. o.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbbeutel, m.: man erkennt auch in den landsrechten, dass all selbpeütl und supprëter (schubbretter?) ab sollen sein. Salzb. taid. 80, 7 ('verbotene vorrichtung bei mahlmühlen' glossar).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbbrennend, adj.: es erschein jnen aber wol ein selb brennend fewr. weish. Sal. 17, 6.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbdach, n., in quellen des 15. jahrh., s. Lexer mhd. handwb. 2, 868. Schm. 2, 265.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbdritt, s. DWB selb II, 6, c.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbdürr, adj., in schweizerischen mundarten sälbdürr, von selbst dürr, eingetrocknet, abgestorben, besonders von bäumen, s. Bühler Davos 1, 155. 2, 28b. 113.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbe, f. volksthümliche form für salbei, s. daselbst theil 8, 1686 f.: salbey, selbe, f. saulge domestique. Hulsius 270b. vgl. auch selb II, 3, e, γ.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbeigen, adj., s. selbsteigen 3.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selben, pron. , nebenform zu selb, vgl. das. I, 3, b. II, 3, d. sie ist hervorgegangen aus der alten schwachen flexion, indem hier die endung -en, wie bei den meisten schwachen substantiven, auch in den nom. sing. eingedrungen und damit zur gemeinschaftlichen flexionsform für alle casus geworden ist.
1) ihr hauptgebiet ist das mnd. belege für sulven als nom.: silven ret se jegen ene. deutsche chron. 2, 77, 22; siu scencte selven mit eime guldinen nappe irme lieven manne. 97, 34;

dei duvel had dat sulven schreven. Theoph. 387;

twâr, jode, ik weit dat sulven wol. 492;

den mî got sulven untheit. van deme holte des hill. cruzes 61;

Jesus muste sulven mit rûwen
sîn crûze dregen up de stede. 740;

dat geve, hôge drêvaldicheit,
de sulven is de êwicheit. van s. Marinen 330;

got wil hîrvan sulven afspreken de rechten sentencien. des dodes danz s. 688 Bäthcke;

lât hôren, wat hadde Christus sülven bedreven. Claws Bur 408.

so auch in heutigen nd. mundarten als sül(b)m, sil(b)m weit verbreitet, z. b. ostfries. sülven Stürenburg 272b, südhann. sülben, -wen Schambach 218a (von sek sülwen), sülm in Jever, s. Frommann 3, 279, 28.
2) selben findet sich aber auch auf mhd. (besonders thür.?) boden, s. Weinhold mhd. gramm. § 497. Lexer mhd. handwb. 2, 861. R. Bechstein Germania 11, 146, 152; ich bin durch daʒ selben her kmen. Leyser pred. (14. jahrh.). 80, 46; daʒ wiʒʒe got selben. 87, 27;

(ich) wel ûch selben brenge
ûʒ deseme enelende. spiel von den zehn jungfrauen 21;

oberdeutsch: das .. unser herre hertzog Wilhalm selben dabey .. gewegen (l. gewesen) sint. schreiben der Augsburger vom j. 1422, s. d. städtechron. 4, 120, anmerk. 4. adverbial: dannoch spendæcht er durch iren willen armen læuten da selben. gesta Roman. 43 Keller; da selben erslahen wir in wol. 156, vgl. Schm. 2, 264. — heute besonders in bair.-österr. mundarten: selbm Schm. 2, 263, auch silm; i selm ich selbst Frommann 3, 186, 55 (oberösterr.); selm 6, 38, 24 (Unterinnthal); selbn, selm 6, 344 (Heanzen-mundart); selbn (sprich söim) Hartmann volksschauspiele s. 597. — bair. dselm, zselm(ad) dort, damals Schm. 2, 264.
3) hierzu finden sich anorganische vermehrungen mit s und st, vielleicht unter einflusz von selbs(t) (vielleicht auch nach dem nhd. schwachen gen. auf -ens), so mhd. selbens:

Meynhart, lieber son mîn,
du salt dâ selbens bischof sîn. livtänd. reimchron. 420;

want got vil manich wundir
an manchim menschin wirkit schôn
dâselbins durch sîn crûze vrôn.
Nicl. v. Jeroschin 1142;

[Bd. 16, Sp. 430]



dâ selbins grêve Wernhêr ...
ritterlîche wirde intpfinc. 22814,

s. auch die überschrift vor 4633. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbenst in einer bair. urkunde von 1344 s. Lexer handwb. 2, 861; nd. (hamburgisch) sülvenst Frommann 6, 143, 79 (auch sonst, offenbar mischform aus sülven und sülvest), ebenso hildesh. silmst 2, 122, ostfries. sülmst ten Doornkaat Koolman 3, 363b, südhann. auch sülbent Schambach 218a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
selbende, n. die natürliche, ungesäumte kante bei tuch, zettelende; gewöhnlich entstellt zu salband, s. das. 1, th. 8, 1683. vergl. auszer der daselbst angezogenen litteratur noch besonders Weigand 2, 690. J. Grimm kl. schr. 5, 40 f. Andresen volksetym.4 213. Germ. 28, 401. mhd. selbende Lexer handwb. 2, 868; mnd. sulvende, selffende Schiller-Lübben 4, 464b; inicie ... bendel vel selben, selbe ende. Dief. gloss. 299a. sprichwort: am selbende erkennt man das tuch. Simrock sprichw. 9480. mundartlich besonders mitteld. (am untern Main, s. Schm. 2, 265, nass. selbenn Kehrein 1, 375, hess. silbende, selbende Vilmar 382, thür. salbānd, salwand, sallwäñg Hertel 38. sprachsch. 202) und nd. (im binnenlande sülwenne, sülwend Schambach 218b, selfenne Woeste 235a), wofür an der Nordsee die parallelbildungen sulfegge (brem. wb. 4, 1092) und sülvkante (Stürenburg 272b. ten Doornkaat Koolman 3, 363b). entsprechend holl. zelfeinde, -egge, -kant: self-ende, self-egghe, self-kant, ora panni vel telae: extremitates panni aut lintei. Kilian.