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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sekretist bis sektenwesen (Bd. 16, Sp. 406 bis 408)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sekretist, m. in fabriken, der das geheimnis der zubereitung kennt, geheimarbeiter. Campe erg.-wb.
 
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sekreton, m., ostindischer weiszer kattun. Jacobsson 4, 137b.
 
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sekretröhre, f. röhre, die den unrat in die senkgrube (s. DWB sekret 3) leitet, causse d'aisance. Jacobsson 4, 137b.
 
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sekretur, f. versiegelung, vgl. DWB sekretieren 1: gestalten dann auch alle totfäl sogleich ... anzuzeigen seind, damit allenfals die secretur und inventur vorgenomen ... werden können. tirol. weisth. 1, 44, 21.
 
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sekt, m. trockenbeerwein, schwerer süszwein von weiszer oder goldgelber farbe aus Spanien und den kanarischen inseln, als palmsekt, Malaga-sekt und Xerez-sekt unterschieden, s. öcon. lex.2 2685. Jacobsson 4, 137b. 7, 334a, neuerdings auch in andern südlichen gegenden bereitet, besonders in Griechenland, s. Karm.-Heeren3 10, 604. das wort ist entlehnt aus franz. (vin) sec bez. ital. (vino) secco, bezeichnet also wein aus trocknen beeren; ebenso engl. sack Weigand 2, 677. Kluge4 325b. Andresen volksetym.4 221 f. die älteste form ist daher sec, seck: sie (die stadt Schiras) ist wegen des herrlichen weinwachses, welcher allda wie ein weisser lieblicher seck fält, im gantzen königreiche berühmt. Olearius reisebeschr. 284b. so noch jetzt holl. sek; auch im (ältern) nd., sprichwörtlich sek maakt geck, s. Strodtmann 210. im hd. dagegen hat das wort gewöhnlich ein anorganisches t angenommen. diese form seckt, sect begegnet ebenfalls schon im 17. jahrh. und ist aus dem hochd. ins dän. schwed. eingedrungen. belege: seckt (der) vinum hispanicum Steinbach 2, 558; (der postwagen) hatte unterschiedene personen auffgeladen, denen der wirth mit einem trunck warmen seckt begegnete. Weise erzn. s. 191 neudruck; gieb mir ein glas sekt, schurke. Shakesp. Heinr. IV. 1. theil 2, 4; gebt mir eine flasche palmenwein dafür! ... der krieg trinkt blut, der friede sect. Raimund 2, 4;

es setzte manch glasz wein, und manche flasche sect.
Picander 2, 421;

die eine alte nixe, doch mit kandierten sachen
und pfefferkuchen und sekt sehr fromm zu machen war.
Wieland 4, 98 (Amadis 4, 21);

und ich trank vom seckt zu viel.
Arnim Halle u. Jerus. 223.

Frisch 2, 252a gibt an: seck, s. m. spricht man insgemein falsch aus, und sagt sec. es kommt vom italiänischen und spanischen secco, und gall. sec, so vom lateinischen sicco kommen, daher nennt man diesen spanischen wein an einigen orten trucken-beer-wein, s. trocken, weil er von meist eingeschrumpelten und beynahe trockenen beeren gemacht wird, vinum ex uvis passis. es giebt in Europa jetzt dreyerley sect, oder spanischen wein. 1. canarien-sec-wein. 2. palm-sec, und 3. sec von Madera. davon der erste der beste, die dritte sorte die schlechteste, die heiszt auch Xereser sec. auch Campe im erg. - wb. gibt noch beide formen, sec und sect, an.die übertragung des namens auf schaumwein, champagner, ist neuern datums und angeblich von Ludw. Devrient aufgebracht (in anwendung der aufgeführten Shakespearestelle auf sein lieblingsgetränk), s. Büchmann12 109.
 
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sekte, f. von der kirche getrennte religiöse gemeinde. lehnwort aus mittellat. secta, s. Du Cange 7, 388, mhd. secte Lexer handwb. 2, 843, ebenso mnd. (s. unten 2), vgl. Weigand 2, 677. die bedeutung ist bald eine mehr concrete, bald eine abstracte (also unterschieden wie christenheit und christenthum), ohne dasz der unterschied immer deutlich innegehalten würde (genau entsprechend den fremden ausdrücken, die es wiedergibt, lat. secta, im neuen testament stets αἵρεσις).

[Bd. 16, Sp. 407]



1) concret, die gesammtheit der einer lehre (besonders einer ketzerischen) anhängenden: sect, rott, anhang, une secte. Hulsius 294b; es stund aber auff der hohepriester und alle die mit jm waren (welchs ist die secte der Saduceer). ap. gesch. 5, 17; da tratten auff etliche von der Phariseer secten. 15, 5; wir haben diesen man funden, schedlich ... und einen furnemesten der secten der Nazarener. 24, 5; gottes wort musz ... sich meistern, drehen unnd deuteln lassen, wie es ein jeder verstehet, und wil nach seinem kopff, daher auch so viel rotten, secten und ergernisz kommen. Luther tischr. 17b; sein pfarrer ... vermaint nur, er wer villeucht von den secten und rottengaister verfürt. Zimm. chron.2 2, 431, 5 Barack (oder ist sektengeist gemeint?); ein rechtschaffner prediger werts nit allain den ketzern, sunder auch den heuchlern, nicht allein den wilden schweinen, sunder auch den dickischen füchslein, die liederlich durch newe ungeübte sekten einschleichen. brief des Joh. Nas vom jahre 1573, s. Wagners arch. 1, 59; übereinstimmung mit dem geschmack der zeit, in der sie leben, oder der secte, zu der sie sich bekennen. Hamann 1, 59; geschloszne zünfte, rotten und secten haben ihre eigenen wörterbücher. 2, 210; der selige Anton Collins aber machte in einem ... sendschreiben über die kirchengeschichte einer berühmten secte, den Sokrates gar zum vorläufer derselben. 4, 111; in den sekten nimmt die bauernreligion ihre eigentümlichste form an, vielleicht die seltsamste in der frommen, aber staats- und kirchenfeindlichen sekte der Salpetrer. E. H. Meyer volksk. 262;

die unsêlige secte (die heiden). pass. 121, 42 Köpke.

diese bedeutung ist jetzt die einzige, wird aber von dem religiösen gebiete vielfach auf andre (philosophie, ästhetik u. s. w.) übertragen, vgl.: eine secte der welt-weisen, secta philosophorum. Frisch 2, 252c; von den kleinen Hamännchen und von der Königsbergischen secte. Hamann 3, 412; das blinde gerücht von einer ganzen secte seines ungesunden und dunkeln geschmacks bey seite gesetzt, ist es von ihres vorgeblichen stifters styl ... nunmehro ausgemacht ... 4, 292; wir arbeiten in Deutschland wie in jener verwirrung Babels; secten im geschmack, partheien in der dichtkunst, schulen in der weltweisheit streiten gegeneinander. Herder 1, 141 Suphan; da übrigens der deutsche Parnasz mit sich selbst uneinig und in gewisse secten getrennet ist. Uz s. 4 Sauer.im fränk.-henneb. auch für 'schlechtes, gemeines volk'. Spiesz 232.
2) dagegen überwiegt in der ältern sprache eine abstractere verwendung, die von einer solchen gemeinschaft angenommene lehre, glaubens- oder lebensweise, besonders auch irrlehre, ketzerei, so ohne scharfe scheidung von 1: seckt (die) anhang, meinung von vilen angenommen, weysz und gestalt zeläben, secta, haeresis. Maaler 369a; secte, s. f. vom lateinischen secta, eine von der gewöhnlichen und für gut gehaltenen unterschiedene meinung mit ihrem anhang. Frisch 2, 252c; es mit einer secte halten, sectam alicujus sequi. 253a; he sande in do irrere van Arrianen, de vorkarden se mit ire secten. d. chron. 2, 129, 23; nach diesem wege, den sie eine secten heissen, diene ich also dem gott meiner veter, das ich gleube allem, was geschrieben stehet im gesetze und in den propheten. apostelgesch. 24, 14; doch wollen wir von dir hören, was du heltest, denn von dieser secten ist uns kund, das jr wird an allen enden widersprochen. 28, 22; wie auch unter euch sein werden falsche lerer, die neben einfüren werden verderbliche secten. 2 Petr. 2, 1; dise vier graffen sein geschickt, verstendig, fürnem und ainsteils so gelert, das sie ein gutherzigen sollten betauren, das sie also mit so unglückhaftigen secten und schwermereien sein behaft. Zimm. chr.2 4, 285, 30 Barack; dasz man wol ohne secten könne fromm sein. Opel-Cohn 395; dasz uns kein sect, orden, stand oder äuszerlich werk zu christen mache. ebenda;

(sie) brâhten ophers vil ir goten,
als in ir secte was geboten. Barl. u. Jos. 284, 24;

daʒ wir ein rechter secte haben,
danne wir unz her hân entsaben:
sô sich, wir wollen in dirre vrist
gelouben alle an Jêsum Crist. pass. 678, 45 Köpke;

doch weiʒ ich kein gelouben
an sinne manicvalte,
der sich sô missestalte
nâ sîner secte rehtekeit
als leider tuot diu kristenheit. Reinfr. von Braunschweig 17789;

drumb hat er ein new sect erdacht
und die aus Welschland zu uns bracht,
sind vom namen Jesu genent. Nasenesel C 4b (am rande: der Jesuitter seckt);

[Bd. 16, Sp. 408]



so braucht ich nye kein simoney,
macht kein roth, sect noch ketzerey,
kein falsche leer auch von mir kam.
H. Sachs 1, 347d

noch ziehen sie die in jhr bet
menschlicher sect und gleysznerey,
in jhre irrthumb mancherley. 4, 1, 48a;

da denn der Arrianer sect
Orient diser zeyt vollsteckt. 118b;

ja alles, was nur luthrisch wär,
sei ein bös sect und falsche lehr.
Opel - Cohn s. 13, 12.


3) hieraus erklärt sich die heute in oberdeutschen mundarten verbreitete bedeutung des plur. secktn, sëkte(n) 'grillen, sonderbarkeiten' s. Frommann 5, 407, 40 (alem.). Schm. 2, 223. Schöpf 668. Lexer 230: es ist nur eine von deines lieben vaters sekten, dasz er dich das bäckerhandwerk will erlernen lassen. Spindler vogelhändler von Imst (1876) 2, 212, vgl. s. 257.
 
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sektengeist, m.: statt des ehemaligen sekten- und raufgeistes nehmen mehrere universitäten eine feinere tendenz an, gesellschaften der wissenschaft ... zu werden. Herder 17, 303 Suphan; das wird den aufrührerischen sektengeist zu paaren treiben. Shakespeare Heinr. IV., 1. th., 5, 4; denn jeder bedeutende kopf ward, auch wenn er hoch über dem sektengeiste stand, willig oder nicht, in den streit der literarischen parteien hineingerissen. Treitschke d. gesch. 2, 16.
 
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sektenlust, f.: der verfasser dieses werks versichert, dasz ihn keine lange weile .. kein fanatisches jucken .. keine secktenlust, zum autor gemacht habe. Lessing 4, 464.
 
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sektenpulver, n., entstellt aus insektenpulver, s. Andresen volksetym.6 142.
 
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sektenseuche, f.: wie die cholera langsam schleicht .. und wieder sprünge macht .. fast gleich ging es mit der sektenseuche. Gotthelf 1, 429 Vetter (bauernsp. cap. 41).
 
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sektenwesen, n.: das ganze halb kindlich rührende, halb lächerliche gebahren dieses anmaszlichen studentenstaates trug allzu sehr den charakter des sektenwesens, als dasz sein politischer fanatismus hätte auf weite kreise wirken können. Treitschke d. gesch. 2, 5.