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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sekret bis sekte (Bd. 16, Sp. 403 bis 406)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sekret, n. , lehnwort aus lat. secretum (bez. frz. secret) in verschiedenen bedeutungen, gewöhnlich secret geschrieben, auch mit lateinischer endung secretum, pl. secreta. während das adj. secreet mit sicherheit nur im nl. zu belegen ist (nhd. bei Campe erg.-wb., vgl. 2 zu ende), findet sich das substantivierte neutrum in allen theilen des deutschen sprachgebiets. es taucht im spätern mhd. bez. mnd.-mnl. auf, s. die belege unten, ist im

[Bd. 16, Sp. 404]


ältern nhd. nicht selten, verschwindet dann allmählich aus der schriftsprache und lebt jetzt nur noch in mundarten fort (in der bedeutung 3, s. daselbst). luxemb. secret, m., s. 1 und 6.
1) geheimnis. so selten: den weillen es in voller gasz solle geschehen [sein], so kan es ja kein secret sein. Elisabeth Charlotte 3, 494; will ich ihr alle possirliche historger verzehlen, so ich erfahren kan undt welche keine secretten sein. 628. von secret sein, ins geheimnis eingeweiht: es weisz kein mensch, alsz die von secret sein, die friedenspuncten. 384. — secret secretorum als titel eines buches bei Suchenwirt 38, 346. — jetzt nur noch luxemb. secret, m., s. Gangler 412.
2) geheimsiegel, cachet: secret, das siegel eines herrn, sigillum. contra-secret, das rück-siegel. Frisch 2, 253a, s. auch Kinderling 329. so schon mhd. secrête, secrêt Lexer handwb. 2, 843: secretum .. eyn heimlich insigel .. cleynsegel, secreet Dief. gl. 523b; zu urkunde so haben wir unser secete an diesen brief tun hencken. urkunde von 1461 bei Scherz-Oberlin 1467; diser genannten sigil, oder secret sein so in grossem ansehen, das nach auszweisung irer derohalb gesetzter statuten allain ir zwen damit ein testament bekreftigen können. d. städtechron. 11, 787, 19; dann uns unser herr der römisch kaiser in disen leufen kaines seiner gnadensigill oder secret zgeschickt oder bevolhen hat. 22, 283, 2; warhafftige abeschriffte, mit des rats secrete versigelt. Spittendorf 134; zum neinten sollen alle briefliche urkunden .. unter unsers des thumbcapitals etc. aigen und gewönlichem insigl oder secret verfertigt werden. östr. weisth. 1, 6, 29; geben in unsern schloss zu Brichsen under unsern fürstlichen zu ent aufgedruckten secret. 5, 745, 32; bescheen, des zu urkunt seiner fürstl. genad aufgedruckt secret. 6, 281, 26; zu urkund mit unserm zu rück au[f]gedruckten secret besiegelt. Luther 1, priv. bl. 3b; zur urkundt haben wir unser furstlich secret zu ende dieses offenen brieffs auffdrucken lassen. Kirchhof milit. discipl. 90;

Tyle Luterdes degger hart
dem rade dat secret bewart. d. städtechron. 16, 240 (Braunschweiger schichtsp. 4479).

dafür auch: dise abred und abschid haben also all tail bewilgt, und wir trei comissari unserer secret pitschier hie fürgetruckt. 23, 363, 4, wo im gloss. secret als adj. angesetzt ist.
3) heimliches gemach, abtritt: cloaca .. secret o. h. gemach Dief. gloss. 128a; profey, der, in multis civitatibus imperialibus latrinae ac cloacae ita vocantur, et aliâ dialectô prifet, quare deducunt à latinor. privatus, quasi locus occultus, secretus, unde etiam sekret nominatur. Stieler 1481; secret, das heimliche gemach, latrina. Frisch 2, 253a; s. auch öcon. lex.2 2685. Kinderling 329. Campe erg.-wb. Weigand 2, 677. litteraturbelege besonders aus dem 16. jahrh.: hurenwirt. .. Knz, mein gesel, ist nit etwas ins bapsts secret von diser sachen auch? Kunz. ich mein, du machest geren usz bapsts recht ein sprachhus. es heiszt nit secret, sonder decret. Schade sat. und pasqu. 3, 171, 17, vgl. 278, 5 f.; (ich) bekam mit urlaub ... die dünne scheysse ... der kartenmaler fraget, ob ich das wasser abschlagen wölle. sprich ich: 'lieber meister, es ist ein andere kranckheyt vorhanden; wa ist das secret?' Lindener Katzip. 145; da war ein häwszlein inn für die fawlen mägdt gemachet, die grosse flatzenmäüler haben, wann sie so kawren, unnd in wehe wirdt, dasz das secret nit weyt ist, wann sie die scheyssen ankompt. 230; zu dem hetten die von Straszburg die secreta und haimliche gemach in ir statt rumen .. lassen. Zimm. chron.2 1, 381, 30 Barack. später selten: die zimmer wohl verriegelt, dasz sie sobald nicht herauf können, indessen wir hinten über den gang und zum secret hinunter an's wasser! Fr. Müller 2, 87. — so noch jetzt in vielen mundarten, s. Bühler Davos 1, 155. Tobler 419a. Kehrein 1, 375 (sekret, sikret). Hertel sprachsch. 227 ('s zikridchen). Stürenburg 243b.
4) geheimmittel: wie die fische in den reuschen zu fangen sind .. von herrn Joh. Ehrenreich Geymann, freyherrn, hab ich folgendes für ein probirtes secret bekommen. Hohberg 2, 500a. so schon mnl.:

ic sel u leren mijn secreet,
dat u oom mi leerde, Mertijn,
op dat ghi verwinre moet sijn. Reinaert 6858.


5) nach Eggers 2, 871 im seewesen das zündloch der kanonen.
6) besondere bedeutungen weist secret, m. im Luxemburger dialekt auf, nämlich
a) geheime feder;
b) verborgne schublade, verborgnes behältnis;
c) geheimgefängnis, kerker, wo niemand erlaubt ist, mit den gefangenen zu sprechen, s. Gangler 412.

[Bd. 16, Sp. 405]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sekretär, m.
1) schreiber, lehnwort aus (mittel-)lat. secretarius. es begegnet hochd. zuerst im 15. jahrh.: sîn heimlîcher rât und secrêtâri, s. Lexer handwb. 2, 843, womit zugleich die älteste form und bedeutung angegeben ist. mnd. im Braunschweiger schichtbuch (von 1514) als secreter: do wart de abbet dul unde dovendich, unde wolde de rechticheyt nicht holden vor eyn rechtscheding, unde gingk darmede umme myt sinem secreter, wu dat he dat closter wolde rumen. d. städtechron. 16, 407, 16. das wort scheint im ältern nhd. zuweilen den vertrauten eines fürsten, einen 'geheimen rat' zu bedeuten (vgl. oben): secretari, einer mit dem ein fürst oder herr etwas heimlichs redt, ab aure, a secretis, secretarius, a consilijs. Maaler 369a; Pillero der fürst steht auff, und spricht:

fraw köngin, da ist hart betrübt
der könig, weisz nicht was jn ubt,
weyl er verhelt sein trawrigkeit
vor mir, der ich bin lange zeit
gewest sein secretarius,
derhalb ich mich besorgen musz,
er hab kein vertrawen zu mir.
H. Sachs 4, 2, 45a.

gewöhnlich aber ist die bedeutung 'schreiber, geheimschreiber, beeidigter schreiber' deutlich zu erkennen; das wort ist daher wol von sekret (s. daselbst 2) abzuleiten und bedeutet eigentlich 'der das siegel führt'. so gibt Maaler a. a. o. als hauptbedeutung an: secretari (der) stattschreyber, scriptor, librarius, secretarius, ab epistolis, ad manum servus. die wortform ist in der ältern zeit gewöhnlich die lateinische, secretarius, geheimschreiber Kinderling 329: unde ein jder part heft enen secretarium bi sik gehat. Lappenberg Hamb. chron. 85; nach vollentung döszen übergibt der herr prælath seinen beamten, dem secretario, oder ain andern anstath döszen ein versigltes decret. steir. taid. 139, 42; Eginhardus keyser Caroli schreiber oder secretarius (wie man es heut nennet, da die schreiber nicht mehr schreiber heissen mögen, weil es gar zu teutsch ist, und jeder ein frembden namen haben will, gleich als ob er dann mehr were, als er vor diesem gewesen). Zincgref apophth. 1, 12; secretarius. an einem gutten secretario ist vil gelegen; und bestehet sein amt nicht so an der zierlichen feder, als in dem rechten verstande u. s. w. Butschky Pathm. s. 244; ich habe keinen teütschen secretarius, so drauff andtworten konte, undt mitt eygener handt kan ich es schwerlich thun, den ich habe garzu viel zu schreiben. Elisabeth Charlotte 3, 100; es ist kein eintziger fehler in ewerm brieff, ihr schreibt wie ein secretarius, gar eine schönne handt. 103; dasz er (der kurfürst) ihn hernach zum biblioteckarius gemacht, hernach zum geheimen secretarius. 265 (vgl. das reg.);

secretarius.
herr secretari, ir habt gescheczt
die pawrn und aus der schuel geschweczt.
H. Sachs 23, 62, 11 f. Keller - Götze.

häufig auch secretari (auszer als voc., wie im letzten beispiele), so schon im 15. jahrh., s. oben: ab aure, a secretis, ein geheimer schreiber, secretari, geheimer rath. Corvinus fons lat. 2b; Martin Frey, unser secretari, und Sigmundt Schenck, unser kanzleischreiber. tirol. weisth. 4, 707, 44; so bald die brieff angeben und geschriben gewesen, verschafft Grandbuchier das Ulrich Gallet sein secretari .. zu dem Picrocholo ward abgefertiget. Garg. 211b (33. cap.);

ein secretari und stadtschreiber.
Opel - Cohn 27, 39.

vgl. auch: aug so wis, das der seckeretary von Pamerg uns dorg den Melgor Deig hat 5 stuckla pfeben (melonen) hat geschickt. Paumgartner briefw. s. 172 Steinhausen (vom j. 1592). — noch weiter verkürzt: sekretar, secretarius ... regimentssekretar, scriba praetorianus, castrensis, auctoratorum. Stieler 2020. — seit dem 18. jh. gewöhnlich mit franz. endung, secretair, so z. b. bei Campe erg.-wb.; jetzt meist sekretär geschrieben, vgl. Weigand 2, 677. verschiedene formen neben einander bei Schiller kabale u. liebe 1, 2: sekretair Wurm. die vorigen. frau. ah guten morgen, herr sekertare (so immer im munde der frau). werke 3, 361; Miller ... werden doch das nicht von mir denken herr sekretarius? 363. — ganz vereinzelt ist die umbildung: der geschworne schreiber oder secretierer in einen verschränckten ort begriffen (in der schreiberey) zeichnet die vorgelauffene händel auff. Comenius sprachenth. 652. bei H. Sachs auch volksetymologische entstellung zu seckeldarius, s. th. 9, 2805. — dazu sekretärbrief, m., im gegensatz zum eigenhändigen schreiben: ich werde viel lieber ein billiet von J. L. entpfangen, alsz ein secretariusbrieff, wie vom könig. Elisab. Charlotte 3, 521. ferner sekretariat, n.

[Bd. 16, Sp. 406]



2) schreibtisch, schreibschrank. Campe erg.-wb., so jetzt sehr häufig, auch mundartlich, in Basel der sékĕrdär Seiler 267b, luxemb. secrétaire Gangler 412.
3) name einer vogelart auf den Philippinen und im innern von Africa, falco serpentarius. Nemnich. vgl. Oken 7, 153.
 
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sekretbuch, n. liber, quod facultatum rationem habet. Apin 491.
 
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sekretieren, verb.
1) mit dem sekret (s. daselbst 2) siegeln, so mitteld. sekretêren in einer urk. von 1484 s. Lexer handwb. 2, 845, vgl. Schröder d. rechtsgesch.2 s. 477, anm. 29, und sekretur.
2) verborgen halten, recondere, celare, vulgo sekretiren. Stieler 165; secretiren, commissa celare, occultare. Apin 491. jetzt veraltet.
 
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sekretierer, m., für sekretär, s. daselbst 1 gegen ende, vgl. DWB sekretieren 1.
 
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sekretist, m. in fabriken, der das geheimnis der zubereitung kennt, geheimarbeiter. Campe erg.-wb.
 
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sekreton, m., ostindischer weiszer kattun. Jacobsson 4, 137b.
 
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sekretröhre, f. röhre, die den unrat in die senkgrube (s. DWB sekret 3) leitet, causse d'aisance. Jacobsson 4, 137b.
 
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sekretur, f. versiegelung, vgl. DWB sekretieren 1: gestalten dann auch alle totfäl sogleich ... anzuzeigen seind, damit allenfals die secretur und inventur vorgenomen ... werden können. tirol. weisth. 1, 44, 21.
 
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sekt, m. trockenbeerwein, schwerer süszwein von weiszer oder goldgelber farbe aus Spanien und den kanarischen inseln, als palmsekt, Malaga-sekt und Xerez-sekt unterschieden, s. öcon. lex.2 2685. Jacobsson 4, 137b. 7, 334a, neuerdings auch in andern südlichen gegenden bereitet, besonders in Griechenland, s. Karm.-Heeren3 10, 604. das wort ist entlehnt aus franz. (vin) sec bez. ital. (vino) secco, bezeichnet also wein aus trocknen beeren; ebenso engl. sack Weigand 2, 677. Kluge4 325b. Andresen volksetym.4 221 f. die älteste form ist daher sec, seck: sie (die stadt Schiras) ist wegen des herrlichen weinwachses, welcher allda wie ein weisser lieblicher seck fält, im gantzen königreiche berühmt. Olearius reisebeschr. 284b. so noch jetzt holl. sek; auch im (ältern) nd., sprichwörtlich sek maakt geck, s. Strodtmann 210. im hd. dagegen hat das wort gewöhnlich ein anorganisches t angenommen. diese form seckt, sect begegnet ebenfalls schon im 17. jahrh. und ist aus dem hochd. ins dän. schwed. eingedrungen. belege: seckt (der) vinum hispanicum Steinbach 2, 558; (der postwagen) hatte unterschiedene personen auffgeladen, denen der wirth mit einem trunck warmen seckt begegnete. Weise erzn. s. 191 neudruck; gieb mir ein glas sekt, schurke. Shakesp. Heinr. IV. 1. theil 2, 4; gebt mir eine flasche palmenwein dafür! ... der krieg trinkt blut, der friede sect. Raimund 2, 4;

es setzte manch glasz wein, und manche flasche sect.
Picander 2, 421;

die eine alte nixe, doch mit kandierten sachen
und pfefferkuchen und sekt sehr fromm zu machen war.
Wieland 4, 98 (Amadis 4, 21);

und ich trank vom seckt zu viel.
Arnim Halle u. Jerus. 223.

Frisch 2, 252a gibt an: seck, s. m. spricht man insgemein falsch aus, und sagt sec. es kommt vom italiänischen und spanischen secco, und gall. sec, so vom lateinischen sicco kommen, daher nennt man diesen spanischen wein an einigen orten trucken-beer-wein, s. trocken, weil er von meist eingeschrumpelten und beynahe trockenen beeren gemacht wird, vinum ex uvis passis. es giebt in Europa jetzt dreyerley sect, oder spanischen wein. 1. canarien-sec-wein. 2. palm-sec, und 3. sec von Madera. davon der erste der beste, die dritte sorte die schlechteste, die heiszt auch Xereser sec. auch Campe im erg. - wb. gibt noch beide formen, sec und sect, an.die übertragung des namens auf schaumwein, champagner, ist neuern datums und angeblich von Ludw. Devrient aufgebracht (in anwendung der aufgeführten Shakespearestelle auf sein lieblingsgetränk), s. Büchmann12 109.
 
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sekte, f. von der kirche getrennte religiöse gemeinde. lehnwort aus mittellat. secta, s. Du Cange 7, 388, mhd. secte Lexer handwb. 2, 843, ebenso mnd. (s. unten 2), vgl. Weigand 2, 677. die bedeutung ist bald eine mehr concrete, bald eine abstracte (also unterschieden wie christenheit und christenthum), ohne dasz der unterschied immer deutlich innegehalten würde (genau entsprechend den fremden ausdrücken, die es wiedergibt, lat. secta, im neuen testament stets αἵρεσις).

[Bd. 16, Sp. 407]



1) concret, die gesammtheit der einer lehre (besonders einer ketzerischen) anhängenden: sect, rott, anhang, une secte. Hulsius 294b; es stund aber auff der hohepriester und alle die mit jm waren (welchs ist die secte der Saduceer). ap. gesch. 5, 17; da tratten auff etliche von der Phariseer secten. 15, 5; wir haben diesen man funden, schedlich ... und einen furnemesten der secten der Nazarener. 24, 5; gottes wort musz ... sich meistern, drehen unnd deuteln lassen, wie es ein jeder verstehet, und wil nach seinem kopff, daher auch so viel rotten, secten und ergernisz kommen. Luther tischr. 17b; sein pfarrer ... vermaint nur, er wer villeucht von den secten und rottengaister verfürt. Zimm. chron.2 2, 431, 5 Barack (oder ist sektengeist gemeint?); ein rechtschaffner prediger werts nit allain den ketzern, sunder auch den heuchlern, nicht allein den wilden schweinen, sunder auch den dickischen füchslein, die liederlich durch newe ungeübte sekten einschleichen. brief des Joh. Nas vom jahre 1573, s. Wagners arch. 1, 59; übereinstimmung mit dem geschmack der zeit, in der sie leben, oder der secte, zu der sie sich bekennen. Hamann 1, 59; geschloszne zünfte, rotten und secten haben ihre eigenen wörterbücher. 2, 210; der selige Anton Collins aber machte in einem ... sendschreiben über die kirchengeschichte einer berühmten secte, den Sokrates gar zum vorläufer derselben. 4, 111; in den sekten nimmt die bauernreligion ihre eigentümlichste form an, vielleicht die seltsamste in der frommen, aber staats- und kirchenfeindlichen sekte der Salpetrer. E. H. Meyer volksk. 262;

die unsêlige secte (die heiden). pass. 121, 42 Köpke.

diese bedeutung ist jetzt die einzige, wird aber von dem religiösen gebiete vielfach auf andre (philosophie, ästhetik u. s. w.) übertragen, vgl.: eine secte der welt-weisen, secta philosophorum. Frisch 2, 252c; von den kleinen Hamännchen und von der Königsbergischen secte. Hamann 3, 412; das blinde gerücht von einer ganzen secte seines ungesunden und dunkeln geschmacks bey seite gesetzt, ist es von ihres vorgeblichen stifters styl ... nunmehro ausgemacht ... 4, 292; wir arbeiten in Deutschland wie in jener verwirrung Babels; secten im geschmack, partheien in der dichtkunst, schulen in der weltweisheit streiten gegeneinander. Herder 1, 141 Suphan; da übrigens der deutsche Parnasz mit sich selbst uneinig und in gewisse secten getrennet ist. Uz s. 4 Sauer.im fränk.-henneb. auch für 'schlechtes, gemeines volk'. Spiesz 232.
2) dagegen überwiegt in der ältern sprache eine abstractere verwendung, die von einer solchen gemeinschaft angenommene lehre, glaubens- oder lebensweise, besonders auch irrlehre, ketzerei, so ohne scharfe scheidung von 1: seckt (die) anhang, meinung von vilen angenommen, weysz und gestalt zeläben, secta, haeresis. Maaler 369a; secte, s. f. vom lateinischen secta, eine von der gewöhnlichen und für gut gehaltenen unterschiedene meinung mit ihrem anhang. Frisch 2, 252c; es mit einer secte halten, sectam alicujus sequi. 253a; he sande in do irrere van Arrianen, de vorkarden se mit ire secten. d. chron. 2, 129, 23; nach diesem wege, den sie eine secten heissen, diene ich also dem gott meiner veter, das ich gleube allem, was geschrieben stehet im gesetze und in den propheten. apostelgesch. 24, 14; doch wollen wir von dir hören, was du heltest, denn von dieser secten ist uns kund, das jr wird an allen enden widersprochen. 28, 22; wie auch unter euch sein werden falsche lerer, die neben einfüren werden verderbliche secten. 2 Petr. 2, 1; dise vier graffen sein geschickt, verstendig, fürnem und ainsteils so gelert, das sie ein gutherzigen sollten betauren, das sie also mit so unglückhaftigen secten und schwermereien sein behaft. Zimm. chr.2 4, 285, 30 Barack; dasz man wol ohne secten könne fromm sein. Opel-Cohn 395; dasz uns kein sect, orden, stand oder äuszerlich werk zu christen mache. ebenda;

(sie) brâhten ophers vil ir goten,
als in ir secte was geboten. Barl. u. Jos. 284, 24;

daʒ wir ein rechter secte haben,
danne wir unz her hân entsaben:
sô sich, wir wollen in dirre vrist
gelouben alle an Jêsum Crist. pass. 678, 45 Köpke;

doch weiʒ ich kein gelouben
an sinne manicvalte,
der sich sô missestalte
nâ sîner secte rehtekeit
als leider tuot diu kristenheit. Reinfr. von Braunschweig 17789;

drumb hat er ein new sect erdacht
und die aus Welschland zu uns bracht,
sind vom namen Jesu genent. Nasenesel C 4b (am rande: der Jesuitter seckt);

[Bd. 16, Sp. 408]



so braucht ich nye kein simoney,
macht kein roth, sect noch ketzerey,
kein falsche leer auch von mir kam.
H. Sachs 1, 347d

noch ziehen sie die in jhr bet
menschlicher sect und gleysznerey,
in jhre irrthumb mancherley. 4, 1, 48a;

da denn der Arrianer sect
Orient diser zeyt vollsteckt. 118b;

ja alles, was nur luthrisch wär,
sei ein bös sect und falsche lehr.
Opel - Cohn s. 13, 12.


3) hieraus erklärt sich die heute in oberdeutschen mundarten verbreitete bedeutung des plur. secktn, sëkte(n) 'grillen, sonderbarkeiten' s. Frommann 5, 407, 40 (alem.). Schm. 2, 223. Schöpf 668. Lexer 230: es ist nur eine von deines lieben vaters sekten, dasz er dich das bäckerhandwerk will erlernen lassen. Spindler vogelhändler von Imst (1876) 2, 212, vgl. s. 257.