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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sekieren bis sekretröhre (Bd. 16, Sp. 403 bis 406)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sekieren, sekkieren, verb. plagen, lehnwort aus ital. seccare, eigentlich trocknen, dann auch belästigen, langweilen, beschwerlich fallen, vgl. DWB sekant; in Wien sekir'n 'jemand durch ungerechte vorwürfe oder durch blosze laune verdrusz bereiten' Hügel 148b; dazu sekirerei, f. plage, quälerei, mühe.selten in der litteratur: liebster M.! ich sekkire sie leider ärger, als recht ist, aber ich kann mir nicht anders helfen. Wieland an Merck 1, 92; ich hätte dich längst und ernstlich darum gebeten, wenn ich nicht gefürchtet hätte, dich zu sekkiren. 402; weil du mit der schwester bis dato noch nicht gut auskommen magst, werd' ich dir einen platz rein kehren, damit du nicht sekkirt werdest. Spindler vogelhändler von Imst (1876) 2, 212.
 
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sekonde, f., für sekunde, in der wollmanufaktur 'diejenige spanische wolle, die von dem untertheil der seiten der schafe, desgleichen von den schenkeln und dem schwanze geschoren wird, und schon nicht so gut als die prim ist'. Jacobsson 4, 137a.
 
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sekres, n.?:

sol ich jr land erben,
wenn dar ist viel, die theten mich bitten,
das macht ich mit meinem secres,
ich sang ein lied mit grossem fleis. Ambras. liederb. 105, 16.


 
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sekret, n. , lehnwort aus lat. secretum (bez. frz. secret) in verschiedenen bedeutungen, gewöhnlich secret geschrieben, auch mit lateinischer endung secretum, pl. secreta. während das adj. secreet mit sicherheit nur im nl. zu belegen ist (nhd. bei Campe erg.-wb., vgl. 2 zu ende), findet sich das substantivierte neutrum in allen theilen des deutschen sprachgebiets. es taucht im spätern mhd. bez. mnd.-mnl. auf, s. die belege unten, ist im

[Bd. 16, Sp. 404]


ältern nhd. nicht selten, verschwindet dann allmählich aus der schriftsprache und lebt jetzt nur noch in mundarten fort (in der bedeutung 3, s. daselbst). luxemb. secret, m., s. 1 und 6.
1) geheimnis. so selten: den weillen es in voller gasz solle geschehen [sein], so kan es ja kein secret sein. Elisabeth Charlotte 3, 494; will ich ihr alle possirliche historger verzehlen, so ich erfahren kan undt welche keine secretten sein. 628. von secret sein, ins geheimnis eingeweiht: es weisz kein mensch, alsz die von secret sein, die friedenspuncten. 384. — secret secretorum als titel eines buches bei Suchenwirt 38, 346. — jetzt nur noch luxemb. secret, m., s. Gangler 412.
2) geheimsiegel, cachet: secret, das siegel eines herrn, sigillum. contra-secret, das rück-siegel. Frisch 2, 253a, s. auch Kinderling 329. so schon mhd. secrête, secrêt Lexer handwb. 2, 843: secretum .. eyn heimlich insigel .. cleynsegel, secreet Dief. gl. 523b; zu urkunde so haben wir unser secete an diesen brief tun hencken. urkunde von 1461 bei Scherz-Oberlin 1467; diser genannten sigil, oder secret sein so in grossem ansehen, das nach auszweisung irer derohalb gesetzter statuten allain ir zwen damit ein testament bekreftigen können. d. städtechron. 11, 787, 19; dann uns unser herr der römisch kaiser in disen leufen kaines seiner gnadensigill oder secret zgeschickt oder bevolhen hat. 22, 283, 2; warhafftige abeschriffte, mit des rats secrete versigelt. Spittendorf 134; zum neinten sollen alle briefliche urkunden .. unter unsers des thumbcapitals etc. aigen und gewönlichem insigl oder secret verfertigt werden. östr. weisth. 1, 6, 29; geben in unsern schloss zu Brichsen under unsern fürstlichen zu ent aufgedruckten secret. 5, 745, 32; bescheen, des zu urkunt seiner fürstl. genad aufgedruckt secret. 6, 281, 26; zu urkund mit unserm zu rück au[f]gedruckten secret besiegelt. Luther 1, priv. bl. 3b; zur urkundt haben wir unser furstlich secret zu ende dieses offenen brieffs auffdrucken lassen. Kirchhof milit. discipl. 90;

Tyle Luterdes degger hart
dem rade dat secret bewart. d. städtechron. 16, 240 (Braunschweiger schichtsp. 4479).

dafür auch: dise abred und abschid haben also all tail bewilgt, und wir trei comissari unserer secret pitschier hie fürgetruckt. 23, 363, 4, wo im gloss. secret als adj. angesetzt ist.
3) heimliches gemach, abtritt: cloaca .. secret o. h. gemach Dief. gloss. 128a; profey, der, in multis civitatibus imperialibus latrinae ac cloacae ita vocantur, et aliâ dialectô prifet, quare deducunt à latinor. privatus, quasi locus occultus, secretus, unde etiam sekret nominatur. Stieler 1481; secret, das heimliche gemach, latrina. Frisch 2, 253a; s. auch öcon. lex.2 2685. Kinderling 329. Campe erg.-wb. Weigand 2, 677. litteraturbelege besonders aus dem 16. jahrh.: hurenwirt. .. Knz, mein gesel, ist nit etwas ins bapsts secret von diser sachen auch? Kunz. ich mein, du machest geren usz bapsts recht ein sprachhus. es heiszt nit secret, sonder decret. Schade sat. und pasqu. 3, 171, 17, vgl. 278, 5 f.; (ich) bekam mit urlaub ... die dünne scheysse ... der kartenmaler fraget, ob ich das wasser abschlagen wölle. sprich ich: 'lieber meister, es ist ein andere kranckheyt vorhanden; wa ist das secret?' Lindener Katzip. 145; da war ein häwszlein inn für die fawlen mägdt gemachet, die grosse flatzenmäüler haben, wann sie so kawren, unnd in wehe wirdt, dasz das secret nit weyt ist, wann sie die scheyssen ankompt. 230; zu dem hetten die von Straszburg die secreta und haimliche gemach in ir statt rumen .. lassen. Zimm. chron.2 1, 381, 30 Barack. später selten: die zimmer wohl verriegelt, dasz sie sobald nicht herauf können, indessen wir hinten über den gang und zum secret hinunter an's wasser! Fr. Müller 2, 87. — so noch jetzt in vielen mundarten, s. Bühler Davos 1, 155. Tobler 419a. Kehrein 1, 375 (sekret, sikret). Hertel sprachsch. 227 ('s zikridchen). Stürenburg 243b.
4) geheimmittel: wie die fische in den reuschen zu fangen sind .. von herrn Joh. Ehrenreich Geymann, freyherrn, hab ich folgendes für ein probirtes secret bekommen. Hohberg 2, 500a. so schon mnl.:

ic sel u leren mijn secreet,
dat u oom mi leerde, Mertijn,
op dat ghi verwinre moet sijn. Reinaert 6858.


5) nach Eggers 2, 871 im seewesen das zündloch der kanonen.
6) besondere bedeutungen weist secret, m. im Luxemburger dialekt auf, nämlich
a) geheime feder;
b) verborgne schublade, verborgnes behältnis;
c) geheimgefängnis, kerker, wo niemand erlaubt ist, mit den gefangenen zu sprechen, s. Gangler 412.

[Bd. 16, Sp. 405]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sekretär, m.
1) schreiber, lehnwort aus (mittel-)lat. secretarius. es begegnet hochd. zuerst im 15. jahrh.: sîn heimlîcher rât und secrêtâri, s. Lexer handwb. 2, 843, womit zugleich die älteste form und bedeutung angegeben ist. mnd. im Braunschweiger schichtbuch (von 1514) als secreter: do wart de abbet dul unde dovendich, unde wolde de rechticheyt nicht holden vor eyn rechtscheding, unde gingk darmede umme myt sinem secreter, wu dat he dat closter wolde rumen. d. städtechron. 16, 407, 16. das wort scheint im ältern nhd. zuweilen den vertrauten eines fürsten, einen 'geheimen rat' zu bedeuten (vgl. oben): secretari, einer mit dem ein fürst oder herr etwas heimlichs redt, ab aure, a secretis, secretarius, a consilijs. Maaler 369a; Pillero der fürst steht auff, und spricht:

fraw köngin, da ist hart betrübt
der könig, weisz nicht was jn ubt,
weyl er verhelt sein trawrigkeit
vor mir, der ich bin lange zeit
gewest sein secretarius,
derhalb ich mich besorgen musz,
er hab kein vertrawen zu mir.
H. Sachs 4, 2, 45a.

gewöhnlich aber ist die bedeutung 'schreiber, geheimschreiber, beeidigter schreiber' deutlich zu erkennen; das wort ist daher wol von sekret (s. daselbst 2) abzuleiten und bedeutet eigentlich 'der das siegel führt'. so gibt Maaler a. a. o. als hauptbedeutung an: secretari (der) stattschreyber, scriptor, librarius, secretarius, ab epistolis, ad manum servus. die wortform ist in der ältern zeit gewöhnlich die lateinische, secretarius, geheimschreiber Kinderling 329: unde ein jder part heft enen secretarium bi sik gehat. Lappenberg Hamb. chron. 85; nach vollentung döszen übergibt der herr prælath seinen beamten, dem secretario, oder ain andern anstath döszen ein versigltes decret. steir. taid. 139, 42; Eginhardus keyser Caroli schreiber oder secretarius (wie man es heut nennet, da die schreiber nicht mehr schreiber heissen mögen, weil es gar zu teutsch ist, und jeder ein frembden namen haben will, gleich als ob er dann mehr were, als er vor diesem gewesen). Zincgref apophth. 1, 12; secretarius. an einem gutten secretario ist vil gelegen; und bestehet sein amt nicht so an der zierlichen feder, als in dem rechten verstande u. s. w. Butschky Pathm. s. 244; ich habe keinen teütschen secretarius, so drauff andtworten konte, undt mitt eygener handt kan ich es schwerlich thun, den ich habe garzu viel zu schreiben. Elisabeth Charlotte 3, 100; es ist kein eintziger fehler in ewerm brieff, ihr schreibt wie ein secretarius, gar eine schönne handt. 103; dasz er (der kurfürst) ihn hernach zum biblioteckarius gemacht, hernach zum geheimen secretarius. 265 (vgl. das reg.);

secretarius.
herr secretari, ir habt gescheczt
die pawrn und aus der schuel geschweczt.
H. Sachs 23, 62, 11 f. Keller - Götze.

häufig auch secretari (auszer als voc., wie im letzten beispiele), so schon im 15. jahrh., s. oben: ab aure, a secretis, ein geheimer schreiber, secretari, geheimer rath. Corvinus fons lat. 2b; Martin Frey, unser secretari, und Sigmundt Schenck, unser kanzleischreiber. tirol. weisth. 4, 707, 44; so bald die brieff angeben und geschriben gewesen, verschafft Grandbuchier das Ulrich Gallet sein secretari .. zu dem Picrocholo ward abgefertiget. Garg. 211b (33. cap.);

ein secretari und stadtschreiber.
Opel - Cohn 27, 39.

vgl. auch: aug so wis, das der seckeretary von Pamerg uns dorg den Melgor Deig hat 5 stuckla pfeben (melonen) hat geschickt. Paumgartner briefw. s. 172 Steinhausen (vom j. 1592). — noch weiter verkürzt: sekretar, secretarius ... regimentssekretar, scriba praetorianus, castrensis, auctoratorum. Stieler 2020. — seit dem 18. jh. gewöhnlich mit franz. endung, secretair, so z. b. bei Campe erg.-wb.; jetzt meist sekretär geschrieben, vgl. Weigand 2, 677. verschiedene formen neben einander bei Schiller kabale u. liebe 1, 2: sekretair Wurm. die vorigen. frau. ah guten morgen, herr sekertare (so immer im munde der frau). werke 3, 361; Miller ... werden doch das nicht von mir denken herr sekretarius? 363. — ganz vereinzelt ist die umbildung: der geschworne schreiber oder secretierer in einen verschränckten ort begriffen (in der schreiberey) zeichnet die vorgelauffene händel auff. Comenius sprachenth. 652. bei H. Sachs auch volksetymologische entstellung zu seckeldarius, s. th. 9, 2805. — dazu sekretärbrief, m., im gegensatz zum eigenhändigen schreiben: ich werde viel lieber ein billiet von J. L. entpfangen, alsz ein secretariusbrieff, wie vom könig. Elisab. Charlotte 3, 521. ferner sekretariat, n.

[Bd. 16, Sp. 406]



2) schreibtisch, schreibschrank. Campe erg.-wb., so jetzt sehr häufig, auch mundartlich, in Basel der sékĕrdär Seiler 267b, luxemb. secrétaire Gangler 412.
3) name einer vogelart auf den Philippinen und im innern von Africa, falco serpentarius. Nemnich. vgl. Oken 7, 153.
 
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sekretbuch, n. liber, quod facultatum rationem habet. Apin 491.
 
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sekretieren, verb.
1) mit dem sekret (s. daselbst 2) siegeln, so mitteld. sekretêren in einer urk. von 1484 s. Lexer handwb. 2, 845, vgl. Schröder d. rechtsgesch.2 s. 477, anm. 29, und sekretur.
2) verborgen halten, recondere, celare, vulgo sekretiren. Stieler 165; secretiren, commissa celare, occultare. Apin 491. jetzt veraltet.
 
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sekretierer, m., für sekretär, s. daselbst 1 gegen ende, vgl. DWB sekretieren 1.
 
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sekretist, m. in fabriken, der das geheimnis der zubereitung kennt, geheimarbeiter. Campe erg.-wb.
 
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sekreton, m., ostindischer weiszer kattun. Jacobsson 4, 137b.
 
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sekretröhre, f. röhre, die den unrat in die senkgrube (s. DWB sekret 3) leitet, causse d'aisance. Jacobsson 4, 137b.