Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seitwenden bis sekret (Bd. 16, Sp. 403)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seitwenden (daneben seitwände), plur., nach Jacobsson 7, 333b soviel als schläfer, mitteldeiche, deiche die hinter dem haupt- oder seedeiche liegen. vgl. Schiller-Lübben 4, 205b unter side-, sîtwendinge.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seitwind, m., s. seitenwind.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
seitzling, m. eine art weinapfel in Schwaben. Frisch 2, 262a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sekant, adj., lehnwort aus dem ital. seccante (vgl. sekieren) im Wiener volksdialekt, 'unangenehm, zudringlich, neckend, quälend' Hügel 148b: o das ist ein sekanter mensch, der glaubt, die leut' sind nur wegen ihm auf der welt, dasz er sein gall' an ihnen auslassen kann. Raimund 2, 309. — dazu sekatur, f., plage, qual, mühe. Hügel a. a. o.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sekante, f., term. techn. der mathematik, eine gerade, die die peripherie eines kreises schneidet, verlängerte sehne. — secans, secante s. Eggers 2, 870.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sekel, m.
1) für seckel, säckel, s. theil 8, 1618 f. und 9, 2805; schmalkaldisch sêkel tasche. Vilmar 382.
2) im alten testament name eines gewichts, besonders für gold und silber, s. DWB säckel 5, theil 8, 1619:

das kriegsgeräthe — glaubt mir kek
frasz zehen sekel silbers weg.
Schiller 3, 172.

aus hebr. , gewicht, abgewogenes metallstück als münze; also ist die schreibung mit ck hier unberechtigt.
3) in Wien sekeln, (fusz-)socken. Hügel 148b (für söckel?).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sekerment, n., entstellung aus sakrament, vgl. daselbst, theil 8, 1671 ff.: wie macht sich der geist so unnütz uber dem wort und namen (sacrament) ... zu letzt wird er ein jüde und heisst es, sekerment, wie die jüden uns christen spotten, und heissens seker theminith, das heiszt, ein falsch gleichnis. Luther 3, 62a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sekieren, sekkieren, verb. plagen, lehnwort aus ital. seccare, eigentlich trocknen, dann auch belästigen, langweilen, beschwerlich fallen, vgl. DWB sekant; in Wien sekir'n 'jemand durch ungerechte vorwürfe oder durch blosze laune verdrusz bereiten' Hügel 148b; dazu sekirerei, f. plage, quälerei, mühe.selten in der litteratur: liebster M.! ich sekkire sie leider ärger, als recht ist, aber ich kann mir nicht anders helfen. Wieland an Merck 1, 92; ich hätte dich längst und ernstlich darum gebeten, wenn ich nicht gefürchtet hätte, dich zu sekkiren. 402; weil du mit der schwester bis dato noch nicht gut auskommen magst, werd' ich dir einen platz rein kehren, damit du nicht sekkirt werdest. Spindler vogelhändler von Imst (1876) 2, 212.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sekonde, f., für sekunde, in der wollmanufaktur 'diejenige spanische wolle, die von dem untertheil der seiten der schafe, desgleichen von den schenkeln und dem schwanze geschoren wird, und schon nicht so gut als die prim ist'. Jacobsson 4, 137a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sekres, n.?:

sol ich jr land erben,
wenn dar ist viel, die theten mich bitten,
das macht ich mit meinem secres,
ich sang ein lied mit grossem fleis. Ambras. liederb. 105, 16.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
sekret, n. , lehnwort aus lat. secretum (bez. frz. secret) in verschiedenen bedeutungen, gewöhnlich secret geschrieben, auch mit lateinischer endung secretum, pl. secreta. während das adj. secreet mit sicherheit nur im nl. zu belegen ist (nhd. bei Campe erg.-wb., vgl. 2 zu ende), findet sich das substantivierte neutrum in allen theilen des deutschen sprachgebiets. es taucht im spätern mhd. bez. mnd.-mnl. auf, s. die belege unten, ist im

[Bd. 16, Sp. 404]


ältern nhd. nicht selten, verschwindet dann allmählich aus der schriftsprache und lebt jetzt nur noch in mundarten fort (in der bedeutung 3, s. daselbst). luxemb. secret, m., s. 1 und 6.
1) geheimnis. so selten: den weillen es in voller gasz solle geschehen [sein], so kan es ja kein secret sein. Elisabeth Charlotte 3, 494; will ich ihr alle possirliche historger verzehlen, so ich erfahren kan undt welche keine secretten sein. 628. von secret sein, ins geheimnis eingeweiht: es weisz kein mensch, alsz die von secret sein, die friedenspuncten. 384. — secret secretorum als titel eines buches bei Suchenwirt 38, 346. — jetzt nur noch luxemb. secret, m., s. Gangler 412.
2) geheimsiegel, cachet: secret, das siegel eines herrn, sigillum. contra-secret, das rück-siegel. Frisch 2, 253a, s. auch Kinderling 329. so schon mhd. secrête, secrêt Lexer handwb. 2, 843: secretum .. eyn heimlich insigel .. cleynsegel, secreet Dief. gl. 523b; zu urkunde so haben wir unser secete an diesen brief tun hencken. urkunde von 1461 bei Scherz-Oberlin 1467; diser genannten sigil, oder secret sein so in grossem ansehen, das nach auszweisung irer derohalb gesetzter statuten allain ir zwen damit ein testament bekreftigen können. d. städtechron. 11, 787, 19; dann uns unser herr der römisch kaiser in disen leufen kaines seiner gnadensigill oder secret zgeschickt oder bevolhen hat. 22, 283, 2; warhafftige abeschriffte, mit des rats secrete versigelt. Spittendorf 134; zum neinten sollen alle briefliche urkunden .. unter unsers des thumbcapitals etc. aigen und gewönlichem insigl oder secret verfertigt werden. östr. weisth. 1, 6, 29; geben in unsern schloss zu Brichsen under unsern fürstlichen zu ent aufgedruckten secret. 5, 745, 32; bescheen, des zu urkunt seiner fürstl. genad aufgedruckt secret. 6, 281, 26; zu urkund mit unserm zu rück au[f]gedruckten secret besiegelt. Luther 1, priv. bl. 3b; zur urkundt haben wir unser furstlich secret zu ende dieses offenen brieffs auffdrucken lassen. Kirchhof milit. discipl. 90;

Tyle Luterdes degger hart
dem rade dat secret bewart. d. städtechron. 16, 240 (Braunschweiger schichtsp. 4479).

dafür auch: dise abred und abschid haben also all tail bewilgt, und wir trei comissari unserer secret pitschier hie fürgetruckt. 23, 363, 4, wo im gloss. secret als adj. angesetzt ist.
3) heimliches gemach, abtritt: cloaca .. secret o. h. gemach Dief. gloss. 128a; profey, der, in multis civitatibus imperialibus latrinae ac cloacae ita vocantur, et aliâ dialectô prifet, quare deducunt à latinor. privatus, quasi locus occultus, secretus, unde etiam sekret nominatur. Stieler 1481; secret, das heimliche gemach, latrina. Frisch 2, 253a; s. auch öcon. lex.2 2685. Kinderling 329. Campe erg.-wb. Weigand 2, 677. litteraturbelege besonders aus dem 16. jahrh.: hurenwirt. .. Knz, mein gesel, ist nit etwas ins bapsts secret von diser sachen auch? Kunz. ich mein, du machest geren usz bapsts recht ein sprachhus. es heiszt nit secret, sonder decret. Schade sat. und pasqu. 3, 171, 17, vgl. 278, 5 f.; (ich) bekam mit urlaub ... die dünne scheysse ... der kartenmaler fraget, ob ich das wasser abschlagen wölle. sprich ich: 'lieber meister, es ist ein andere kranckheyt vorhanden; wa ist das secret?' Lindener Katzip. 145; da war ein häwszlein inn für die fawlen mägdt gemachet, die grosse flatzenmäüler haben, wann sie so kawren, unnd in wehe wirdt, dasz das secret nit weyt ist, wann sie die scheyssen ankompt. 230; zu dem hetten die von Straszburg die secreta und haimliche gemach in ir statt rumen .. lassen. Zimm. chron.2 1, 381, 30 Barack. später selten: die zimmer wohl verriegelt, dasz sie sobald nicht herauf können, indessen wir hinten über den gang und zum secret hinunter an's wasser! Fr. Müller 2, 87. — so noch jetzt in vielen mundarten, s. Bühler Davos 1, 155. Tobler 419a. Kehrein 1, 375 (sekret, sikret). Hertel sprachsch. 227 ('s zikridchen). Stürenburg 243b.
4) geheimmittel: wie die fische in den reuschen zu fangen sind .. von herrn Joh. Ehrenreich Geymann, freyherrn, hab ich folgendes für ein probirtes secret bekommen. Hohberg 2, 500a. so schon mnl.:

ic sel u leren mijn secreet,
dat u oom mi leerde, Mertijn,
op dat ghi verwinre moet sijn. Reinaert 6858.


5) nach Eggers 2, 871 im seewesen das zündloch der kanonen.
6) besondere bedeutungen weist secret, m. im Luxemburger dialekt auf, nämlich
a) geheime feder;
b) verborgne schublade, verborgnes behältnis;
c) geheimgefängnis, kerker, wo niemand erlaubt ist, mit den gefangenen zu sprechen, s. Gangler 412.