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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seitenweg bis seitenwunde (Bd. 16, Sp. 400 bis 401)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seitenweg, m. vicina, diverticulum Stieler 2455; seitenweg, camino, sentiero da canto Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 762b; seiten-weg, diverticulum Frisch 2, 262a; einen seitenweg einschlagen. Campe; lenkte ein phaeton hinter uns durch einen seitenweg in die chaussee ein. Thümmel reise 2, 200 (1791); als sie wegen eines einkaufs nach der stadt ging, machte sie auf eigene gefahr einen seitenweg zu einem handelsgärtner. Freytag ges. werke 6, 143; die frau leitete die fremden einen seitenweg bergauf und thalab. 12, 41. häufig in bildlicher anwendung: etwas auf seitenwegen zu erreichen wissen. auf seitenwegen kommen wir zu demselben schlusse. ein neuer seitenweg, in den sein sinnen verirrte. Alexis Isegrimm 238; um von diesem seitenwege uns zurück zu wenden ... fassen wir den punkt, nach dem wir steuern, wiederum scharf ins auge. Ludwig 5, 58 (1891);

fehlt dem geraden weg, wie öfters, sicherheit.
läszt sie die klugheit sich durch seitenwege führen. Göttinger musenalm. 1773, 93.


 
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seitenweh, n., vgl. seitenschwer, -schmerz, -stechen, in weiterem sinne und in älterer sprache zur bezeichnung der pleuritis. pleuresis, stich vel seittenwee Dief. gl. 442b; seiten wehe, pleuritis Dasyp.; das seytenwee oder der stich, dolor lateralis, pleuritis Maaler 372c; seitenwehe, seitenstich, pleurisie Hulsius dict. (1616) 296a; seitenwehe, pleuritis, dolor lateris acutus et pungens cum spirandi difficultate, das seitenstechen. Corvinus fons lat. (1660) 351b; seitenwehe Kramer deutsch - it. dict. (1702) 2, 762b; seiten-weh Frisch 2, 262a; sitaweh, pleuritis Bühler Davos 2, 27b; pleuritis ist ein seiten oder rippenweh, welches sich in den netzlen oder häutlen, so die rippen umbfahen, auszbreitet, etwa bisz zun schultern erstreckt, fieber, stechen, schmertzen, schauder, kältin, mühlichs athmen und husten bringt. Wirsung arzneib. (1597) 232 B; ich meines thails halt das seiten-wehe für den schlimesten zustand. Abraham a S. Clara Judas 1, 280 (1686);

die sehnsucht fängt mich an mit stiller angst zu quälen,
und machts, wie seiten-weh, das blinde stiche giebt.
Günther 580;

ihn fällt kein rauferschwert, kein seitenweh und gicht.
Hagedorn 1, 63 (1771).


 
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seitenwehr, f.
1) vgl. seitengewehr: wöhr, seitenwöhr, ensis, gladius lateralis. voc. von 1618 bei Schm. 2, 973; seitenwehr, gladius Stieler 2512; bei Campe versehentlich in diesem sinne als n.: (alle durchreisenden sollen) alle andere waffen auszer der seitenwöhrn, sobalt ainer in die herberg angelangt, von sich .. geben. tirol. weisth. 1, 23, 7; sein menliche seitenwehr. 3, 28, 11; dasz jeder burger sein gebührende ober- und seitenwöhr habe. steir. u. kärnt. taidinge 539, 3; wie sie die seitenwehren nicht geben wollen. Schweinichen denkw. 36 Österley.
2) die seitenwehr, verlohrne wehr, bei einem treibjagen an der seite aufgestellt. Kehrein wb. d. weidmannssprache 271; das seitenwehr Jacobsson 4, 137a, ebenso bei Adelung.
 
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seitenweiser, m., s. seitenzeiger.
 
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seitenwendung, f.: durch eine rasche seitenwendung entging er dem hiebe; seitenwendung eines deiches (niederd. siedwendung Schütze 4, 102); verletzende seitenwendung einer rede.
 
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seitenwerk, n. pars organi pneumatici in latere operis Frisch 2, 262a, vgl. Jacobsson 4, 137a; seitenwerke im festungsbau. Campe (im gegensatze zu den haupt-, kernwerken).
 
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seitenwind, m.: venti collaterales, die seitenwind. Corvinus fons lat. (1660) 352a; seit- sive seitenwind, intermedius,

[Bd. 16, Sp. 401]


lateralis Stieler 2464, vgl. Frisch 2, 262a; mit einem seitenwind fahren. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 762b. Eggers kriegslex. 2, 889; doch ist seitenwind in der deutschen seemannssprache nicht geläufig, sie nennt diesen vortheilhaftesten wind halben wind im gegensatze zum vollen, der grade von hinten komml. die jäger nennen halb-, seiten-, schneidewind den wind, der den jäger von der seite trifft; er ist bei suche und pirschgang nachtheilig. Behlen lex. der forst- u. jagdk. 3, 371; vgl. Kehrein weidmannssprache 327.
 
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seitenwink, m.: indem er bald das erkenntniszvermögen auf's engste einzuschränken bemüht schien, bald aber die gränzen, die er selbst gezogen hatte, mit einem seitenwink hinausdeutete. Göthe 50, 56.
 
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seitenwinkel, m.: wer bin ich, dasz ich urtheile, da ich eben nur den groszen saal queer durchgehe, und einen seitenwinkel des groszen verdeckten gemähldes im dunkelsten schimmer beäuge. Herder zur philos. u. gesch. 3, 173.
 
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seitenwort, n. (vergl. seitenstück): gynäkofagen. ein seitenwort zu anthropofagen .., wovon das letztere menschenfresser, so wie das erstere weiberfresser bezeichnet. Wieland 5, 191 (Amadis xiv, anmerk. 2); bei Campe als neubildung verzeichnet.
 
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seitenwunde, f.: seiten- sive sperwunde, et brustwunde, dicitur vulnus in pectore Christi lancea datum. Stieler 1389; (die stigmatisierte) ergosz .. blut aus dem brustkreuz und der seitenwunde. Brentano ges. schriften 4, 320.