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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seitenschritt bis seitenstechen (Bd. 16, Sp. 397 bis 398)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seitenschritt, m., z. b. im tanze. Campe; bildlich: noch hoffe ich in meinem poetischen streben keinen rückschritt gethan zu haben; einen seitenschritt vielleicht, indem es mir begegnet seyn kann, den materiellen foderungen der welt und der zeit etwas eingeräumt zu haben. Schiller an Humboldt 2. april 1805.
 
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seitenschub, m.: die grundmauern waren bei dem erdrutsch durch heftige seitenschübe gefährdet. seitensprosz bei der pflanze: wann aber übrige seitenschübe am stock heraus gewachsen sind. Hohberg adl. landleben 2, 67b.
 
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seitenschwimmer, m. plattfisch, fisch der scheinbar auf der seite schwimmt (pleuronectes).
 
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seitensicht, f.: rück-, hin- und seitensicht. Hippel lebensl. 4, 357.
 
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seitenspalte, f., z. b. in einer höhle; seitenspalten des rückenmarks. Meckel anatomie 3, 435 (1817).
 
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seitenspan, m.: die grosze chorden .. welche sich mitten durch die lange seytenspäne der röhr im untern schenckel bisz in den fusz hinab erstrecken. Uffenbach neues roszbuch (1603) 1, 198.
 
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seitensprosz, m. in gewählterer sprache: ein seitensprosz des königlichen hauses; vgl. seitenlinie, seitenverwandter.
 
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seitensprung, m.: sie rettete sich vor dem heranrasenden pferde durch einen raschen seitensprung; der behende wirth thät einen seitensprung und öffnete die gaststube. Siegfr. von Lindenb. 1, 111 (1784); besonders in bildlicher anwendung: allerhand launige seitensprünge machen, vom schriftsteller, plauderer, der nicht streng bei der sache bleibt, sondern sich überraschend und mit witz zu abseits liegenden gegenständen wendet. anders: mach keine seitensprünge, weiche nicht aus, sprich gradezu:

die klugheit, in solchen fällen, macht einen seitensprung.
Wieland 4, 28 (der neue Amadis 2, 8);

ein seitensprung
der unbesonn'nen einbildung.
Göckingk 1, 180 (1780);

das war weiter nichts, als ein seitensprung. Bürger 176a; keinen seitensprung, lose! Schiller kabale u. liebe 4, 7; bis

[Bd. 16, Sp. 398]


so lange werde dieser stand hie und dort noch viel seitensprünge machen, das volk in finsternisz und trübsinn zu erhalten. Pestalozzi Lienh. u. Gertrud 3, 237 (1792); in besonderm sinne: seit'nsprung, 'das besuchen unmoralischer personen'; kurze visite während eines geschäftsganges. Hügel 148b.
 
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seitenstand, m., z. b. bei einem groszen schieszen: es war ein haupt- und mehrere seitenstände eingerichtet.
 
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seitenständig, adj., von blättern und blüten, die entlang eines triebes stehen, im gegensatze zu gipfelständig. Behlen lex. der forst- und jagdk. 5, 611; hierzu seitenständigkeit, f. Campe.
 
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seitenstechen, n.: heftiges seitenstechen haben (seite II, 1); neben der anwendung in allgemeinerem sinne in älterer sprache auch für eine besondre krankheitserscheinung, vgl. DWB seitenkränke, -schmerz, -weh. pleuritis, dolor lateris acutus et pungens cum spirandi difficultate, das seitenstechen. Corvinus fons lat. (1660) 351b; das seitenstechen, pleuritis Stieler 2156; seiten-stechen, seiten-schmertzen, seiten-wehe, mal di costato, mal di punta, pleuresia Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 762a; seiten - stechen, pleuritis, eine krankheit. Frisch 2, 262a, vgl. Wirsung arzneib. (1597) 232 B ff. hitzig seitenstechen, seitenstechen, so von blästen kommt, seitenstechen so nicht pleuresis. Tabernaemontanus kräuterb. (1664) register; (bocksblut) lindert und curirt .. pleuritidem, das seitenstechen. Hohberg adl. landleb. 1, 278a, vgl. 3, 1, 229a; dasz gibt nicht allein husten undt schnupen, sondern auch gar seyttenstechen undt pleuresien. Elis. Charlotte von Orl. briefe s. 528 Holland (1871); menschenkind, das wohl auch einmal herzklopfen oder seitenstechen oder die milzsucht bekommt. Hebel 2, 171 (1853);

das wasser zeigt an grosz gebrechn,
den lendenstein und seitenstechn.
Hollonius somnium vitae humanae 31 neudruck;

arbeit, schwindel, seitenstechen
sind den sterblichen nicht fremde. Göttinger musenalm. 1773, 121.

durch lachen hervorgerufen: wollt ihr milzweh haben, und euch seitenstechen lachen, so kommt mit mir. Shakespeare was ihr wollt 3, 2. derb: die hot seitenstechen vurne, von einer feilen dirne. Wander sprichw.-lex. 4, 529.