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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seinesgleichen bis seinigkeit (Bd. 16, Sp. 366 bis 369)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seinesgleichen, s. sein, possessiv 5, c, ζ.
 
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seinestheils, adv. quantum ad illum. Stieler 2269 und so heute allgemein, in getrennter schreibung seines theils. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760c.
 
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seinethalb, adv., dasselbe wie das folgende. vgl. meinethalb oben theil 6, 1935. mhd. begegnet adverbiales sînhalp in der bedeutung 'auf seiner seite, von seiner seite aus, von ihm aus', local:

ze sweder sîner sîten
er sînhalp sach (der könig Lac, der zwischen Erec und Enite reitet), so fröuter sich:
wan îr beider lîp was wünneclich.
Hartmann Erec 2910.

freier:

der bâbes gebôt sînhalp
uber allen gaistlîchen gewalt. kaiserchron. 8422 Schröder;

iwer prîs, sinhalp (der besiegte ist gemeint) der gotes slac,
im freude hât enpfüeret.
Wolfram Parz. 545, 6.

daneben schon mhd. sînthalp, nhd. seinenthalp, in neuerer zeit seinethalb, formen, deren t (et) sicher unorganisch ist. das en in seinenthalp erklärt sich am leichtesten durch einflusz des folgenden, der übrigens für alle diese formen angenommen werden kann. im obigen sinne, mit getrennter schreibung: neyn fürwar,

[Bd. 16, Sp. 367]


sprach Fridrich, ich kan mich sein nit geng verwundern (dasz der ritter, der für die beschuldigte frau kämpfen will, noch nicht da ist), ich förcht aber er der erdachten handlung glauben geben hab, und dardurch mein gnädige fraw seinent halb verkürzt werd. Galmy (1540) 121a. ähnlich: liebe schien seinethalb sich mit vortheil, lust und ehre in gleichem grade zu verschwistern. Meiszner bei Campe unter verschwistern. grund, zweck bezeichnend:

aber des magens wuth, des verderblichen, kann man unmöglich
bändigen, welcher so viel unheils den sterblichen darbeut.
seinethalb (τῆς ἕνεκεν) gehn selbst schönrudrige schiffe gerüstet
durch das verödete meer, unheil feindseligen bringend.
Voss Odyssee 17, 288;

ein geschehenlassen, dulden seitens des sprechenden ausdrückend:

der kunic sînthalp müest werden
ein heiden mit allen den sînen,
ê daʒ er mêr wold erschînen
ûf ungerischem sant.
Ottocar 24945 Seemüller


 
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seinethalben, adv. eigentlich: auf seiner seite, von seiner seite aus, älter seinenthalben, mhd. sînenthalben (früher auch in getrennter schreibung seinet halben u. s. f.), ursprünglich sînen halben. vgl. meinethalben oben theil 6, 1935. in obigem sinne:

er klagt in sînen ungemach
und die flust, die sînenthalben
was geschehen von den Valben.
Ottocar 6896 Seemüller;

heut bekümmert er mit neidischen worten einen brder, morgen balget er mit dem andern, dasz also seinent halben selten frid z spüren war. Kirchhof wendunm. 1, 276 Österley. grund oder zweck bezeichnend, verstärkt durch von:

vil manich Kûre sîn ende nam
von sînenthalben, daʒ ist wâr. livländ. reimchron. 5809 Meyer.

aber auch allein so, seinethalben, ejus causa, in gratiam illius. Stieler 736: du solt deinen bruder nicht hassen in deinem hertzen, sondern du solt deinen nehesten straffen, auff das du nicht seinet halben schuld tragen müssest. 3 Mos. 19, 17. ich habe das seinethalben gethan. auch eine allgemeinere beziehung ausdrückend: seinethalben ist sy noch ein reine magdt oder tochter, narrat ut virgo a se integra etiam tum siet. Terent. Maaler 369c. so heute nicht mehr, wol aber noch ähnlich, ein geschehenlassen, dulden seitens des sprechenden bezeichnend: (der erste sultan) gab, so bald er seinen eignen wanst angefüllt hatte, allen seinen glücklichen unterthanen die erlaubniss, seinethalben zu mittag zu essen — wenn sie was zu essen hätten. Wieland 8, 147.
 
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seinethalber, adv., dasselbe wie das vorige. in der form sinthalber, in der bedeutung eius causa: ich selbs ouch sinthalber (meines sohnes wegen) in die lich (zum leichenbegängnis) fürgang. Terenz deutsch (1499) 12b (Andria 1).
 
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seinetwegen, adv., ähnlicher bildung und bedeutung wie die vorigen. vgl. meinetwegen oben theil 6, 1916. mhd. begegnet von sinen wegen, im älteren nhd. von seinent-, seinetwegen (auch noch in getrennter schreibung) mit der bedeutung 'von ihm aus, in seinem namen': item es hat och ain herr von Clingenberg, oder weller vogtt hie ist, die rechten, wenn es an den grossen fraeffel gat, was ob iii β D ist, so mag er dem herren oder sim vogt, die es von sinen wegen tnd, dem amman den steken uss sir hand nemen und mag richten umb den fraeffel. weisth. 1, 241, 18 (Thurgau, 14. jahrh.); ist es aber sach, das er ye nit kumpt, will ich von seinet wegen mich inn den kampff begeben. Galmy (1540) 120a; z letsten kam jm z sinn, damit er sant Veiten nit mit seinem langen auflentzen unwillig machte, wolt er einem gten frommen mann von seinetwegen die fart verdingen auszzerichten. Wickram rollw. 8, 6 Kurz; so er alsdann nit kumbt oder iemant von seinentwegen, so ist er auch gleichfalls die mult vervallen. tirol. weisth. 3, 64, 20 (von 1591); wann der dorfmaister oder iemande anderer von seinetwegen ain gemaine arbait .. gepieten oder ansagen wierdet. 2, 66, 13 (von 1644). von seinen wegen und später einfaches seinent-, seinetwegen, seintwegen (Stieler 2457) bezeichnet dann auch allgemeiner grund und zweck, seinetwegen, eius causa Steinbach 2, 575: ich that es seinetwegen. Adelung;

das hab ich (uxor Pilati) heint im schlaff vernummen,
wan er (Jesus) ist mir zw gesichte kummen,
und hab von seinen wegen vil erlitten. ad. passionssp. aus Tirol (1897) 1726 Wackernell;

[Bd. 16, Sp. 368]



dem vogel gleich im vogelbauer,
der tag und nacht von liebe singt,
der, obs ihr nicht zu herzen dringt,
sie doch ergetzt mit seiner trauer,
weil oft neugierig ein beschauer
seintwegen stehn bleibt auf der gassen.
Rückert 30;

natürlich ebenso reflexiv, sua causa:

er thats nicht, Satans reiche zu schützen;
seinetwegen verübt' er es.
Klopstock 2, 68 (Mess. 2, 305),

obgleich hier wegen des verblassens der reflexiven bedeutung von sein ein deutlicherer ausdruck wie seiner selbst wegen vorgezogen wird. schlieszlich bezeichnet seinetwegen auch ein geschehenlassen, dulden seitens des sprechenden: das dürfe er wiederholen, seinetwegen so oft er wolle. Hebel schatzkästlein 10. — in älterer sprache begegnet übrigens auch eine verbindung von seiner wegen, in der die pronominalform nicht wie in von seinen wegen als possessiv, sondern als genitiv des personalpronomens aufzufassen ist. vergl. wegen seiner Stieler 2457: der zouch yn die margke mit dem kynnde dem Romer (dem unmündigen herzog), unde nam von seyner wegen (an seiner statt, in seinem namen) die sloss und die stete yn. Rothe thür. chron. 648.
 
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seinetwillen, adv. sua, ejus gratia, vollständiger um seinetwillen, üm seinetwillen, ad ejus honores. Stieler gr. 123, älter um seinentwillen, auch getrennt geschrieben, ursprünglich um sînen willen. vgl. meinetwillen oben theil 6, 1916: dasz wir ... einen gewissen glauben, vertrawen und versicherung haben, dasz uns gott umb seinent (Christi) willen unsere sünde vergebe. Fischart bienenk. 97a; kaum aber hatten sie sich losgelassen, als Wĭlhelmen ein schwindel überfiel, nicht sowohl um seinetwillen, als weil er die kinder über dem ungeheuren abgrunde hängen sah. Göthe 21, 41. selten erhält sich die form seinet, wenn willen nicht unmittelbar darauf folgt: denn um seinet d. i. des vernünftigen wesens in der welt willen, so wie es seiner moralischen bestimmung nach gedacht werden kann, ist alles gemacht. Kant 6, 223. in reflexivem sinne lieber (um) seiner selbst willen, wo der gen. des personalpronomens für den acc. des possessivs eintritt. vgl. das vorige. mhd. begegnet in gleichem sinne durch sînen willen:

des genâdet er im gnuoc
mit worten und mit muote,
Gawein der guote,
wand erʒ durch sînen willen tete.
Hartmann Iwein 5689;

sî sprach 'nû bewîs et mich:
durch sinen willen tuon ich
swaʒ ich mac und sol. 8052.


 
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seingedenken, n.:

hier den ring zum seingedenken.
Weber Dreizehnlinden 261.


 
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seinheit, f. eigenart, vielleicht zu sein, possessiv gehörig, dann nur für eine dritte person geltend. vgl. meinheit oben theil 6, 1937, oder zu sein, esse (vgl. wesenheit);

die selbheit, die verdambt.
dafern der teufel könt' aus seiner seinheit gehn,
so sehestu jhn straks in gottes throne stehn.
Silesius cherub. wandersmann 1, 143 (s. 26 neudruck).


 
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seinig, adj. , weiterbildung zu sein, possessiv, gleicher bedeutung, aber nur angewendet in den fällen, wo sein ohne subst. steht, in der regel mit bestimmtem artikel, vgl. der meinige oben theil 6, 1937, gewöhnlich mit schwacher flexion, so schon mhd.: vor dem sînegen. quelle des 14. jahrh. im mhd. wb. 2. 2, 293b, in älterer sprache im nom. acc. plur. auch stark flectierend. Stieler 2001 (s. unten 2), im nom. n. sing. unflectiert bezeugt. H. Sachs 5 (1579), 359c (s. unten 3). selten ohne artikel, da natürlich in starker flexion wie alleinstehendes seiner, seine, seins:

sie kamen immer näher an,
sah immer der herr nichts seinigs (von seinem geiste) dran.
Göthe 56, 27.

steigerung begegnet wie bei sein der bedeutung des worts gemäsz nur ausnahmsweise: dazu that freilich Habacuc, der kleine cousin aus dem advokatenhause, das seinigste. Kl. Schmidt kom. dicht. 420. das nd. kennt auszer der genau entsprechenden form de, dat sinige noch sinigte. Schambach 192a.
1) auf ein vorausgegangenes subst. sich beziehend: anderer schriften für die seinigen ausgeben. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760c; disz haus ist mein; das seinige ist gröszer. Frisch 2, 261a; das sind nicht unsere sachen, es sind die seinigen. Adelung.
2) substantivisch pluralisch, m. und f. umfassend, die seinige, sui, i. e. domestici, familiares, subditi, sui homines. Stieler 2001, die seinigen, personen, die mit ihm in verwandtschaft oder

[Bd. 16, Sp. 369]


genauer verbindung stehen, wie die seinen, s. sein, possessiv 7: ich weisz nicht was vor eine verborgene kraft ihn die seinigen zu verlassen dahin trieb. Hoffmannswaldau bei Steinbach 2, 575; die seinige versorgen, domum suam tueri, liberis suis prospicere. Stieler 2001; er will die seinige besuchen, parenti. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760a; ein jeder soll die seinigen beschützen, suos quisque tueri debet. Steinbach 2, 575;

aber mich kränkt in der seele des weisheitsvollen Odysseus
jammergeschick, der so lange den seînigen ferne sich abhärmt.
Voss Od. 1, 49.

selten unpersönlich, wo in gedanken ein subst. ergänzt wird: die seinige [stösse] davontragen, riportarne le sue [bastonate]. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760c. der seinige, die seinige auch in der regel persönlich, eine enge zugehörigkeit bezeichnend, ganz wie der seine, s. sein, possessiv 7.
3) substantivisch neutral das seinige, in denselben gebrauchsarten wie das seine, s. sein, poss. 8. das seinige, bona sua, proprietas. Stieler 2001: ist des seinigen beraubet worden. Schottel 541; er lebt von dem seinigen, de suo victitat, proprio aere vivit Stieler 2001: das seinige zu raht halten, sumtuum rationem habere, parsimoniam adhibere in rebus suis. ebenda; er hat das seinige schon lang durchgejagt. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760c;

wir wöllen gleich auff halten den,
der also dückisch laufft voran,
welcher hat den berauben than,
dasz jhem das seinig wider werd.
H. Sachs 5 (1579), 359d.

auch das was einem zukommt: er will das seinige. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1709), 760c; ihm ist das seinige zu theil worden. ebenda; einem jeglichen das seinige geben. ebenda. ähnlich in bezug auf äuszerungen, handlungen, was einer seiner art, seinen verhältnissen nach thun kann, thun musz, was man von ihm erwarten kann: ein jeder sagt das seinige. ebenda; es will ein ieder das seinige dabey gethan haben, suam quisque in ea re partem esse vult, suam operam praedicat. Steinbach 2, 575; er hat das seinige gethan. Adelung.
 
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seinigkeit, f. possit dici suitas cum jurisconsultis, sed ista significatione in usu non est: malumus enim heredem suum appellare noterben, et inde suitas melius exponeretur noterbnehmung, quam seinigkeit, quod tamen etiam novum, poeticum et rarum vocabulum est. Stieler 2001.