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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seimbeutel bis seimisch (Bd. 16, Sp. 227 bis 228)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seimbeutel, m., westfäl. sêmesbel, beutel zum auspressen des honigseims. Woeste 235b.
 
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seime, f. landschaftlich leine, schwaches seil Adelung, alia dialecto idem est quod senne, sed pro funiculis subtilioribus, et resticulis Stieler 2007, bei den vogelstellern bezeichnung der leinen an den garnen, die sie unterscheiden als obere seime, untere seime, hintere spannseime, zwerchseime, ruheseime. Heppe wohlred. jäger 278a, in dieser anwendung vielleicht auch in dem bei Vilmar 385 aus Landau gesch. der jagd angeführten beleg, daneben auch sieme: sieme an einer peitsche, filum tortum scuticae annexum Stieler 2007, dür. sîme, sîmen, sîm, zîmen, f., daneben sîm, m., deminutiv sîmche Hertel thür. sprachsch. 227, hess. sîme Vilmar 385; nd. sîme, f., deminutiv sîmeke, f. Schambach 192a, überall in der bedeutung 'leine'; alts. sîmo, m. strick, altfries. sîm, nordfries. seem Richthofen 1015b; ags. sîma, m. Bosworth-Toller 874b; altnord. sîmi, m. Fritzner2 3, 244b. die länge des stammvocals steht in den älteren dialekten nicht überall fest. in neueren mundarten begegnen auch gewisz eng verwandte formen mit kurzem vocal (reihe i-î-ai), in Ost- und Westpreuszen simme, f. starke leine als einfassung der flügel des fischernetzes Frischbier 2, 341a, nd. sim, n. band, schnur, zugband, zugschnur, schlinge ten Doornkaat Koolman 3, 183b, sinn, faden an der peitsche, sink, dasselbe (deminutiv?) Schütze 4, 104; schwed. dial. simme Fritzner a. a. o., und schon altnord. scheint ein sinnentsprechendes sima, n. mit kurzem vocal vorhanden zu sein 244a (hat dän. sime 244b langen oder kurzen vocal?). vergl. auch hamb. semm, schnur an der angelrute Schütze 4, 96. Pfister 276 stellt hess. simele, simeze, simze, binse mit sîme zusammen. auszerhalb des germ. entspricht am deutlichsten griech. ἱμάς; zu grunde liegt wahrscheinlich eine wurzel si, binden, die auch in seil erkannt wird. vgl. Schade2 2, 764. finn.-lapp. siima, f. funiculus (scuticae, hami piscarii), russ. síma sind wol aus dem germ. entlehnt. Thomsen einflusz der german. sprachen auf die finn.-lapp. 169. 170.
 
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seimen, verb. zu seim, hd. zuerst bezeugt bei Clajus gr. (1578) 107, 10 neudruck (Weidling), mnd. nnd. sêmen.
1) persönlich, meist im sinne von seim 1, mel purgo Steinbach 2, 574, das wachs und die unreinigkeit von dem flüssigen honig absondern. brem. wb. 4, 751, den honig seimen, läutern Adelung, honigseimen öcon. lex. (1744) 1229: kofften honnich

[Bd. 16, Sp. 228]


mer, wen se des behuff hadden to erem cramwerke, dat se vort semeden. quelle bei Schiller-Lübben 4, 187a; wenn man den bienen geseymet honig zu essen giebet, so sollen allezeit kleine rütlein darauf geleget werden, sonst ertrinken sie darinne. Höfler bienenkunst (1614) 285. in allgemeinerem sinne, nach seim 2: graupen seimen, sie so kochen, dasz man seim davon bekommt. Campe.
2) unpersönlich: die gerstengraupen (subject) seimen, geben seim, eine seimige brühe Adelung; die graupe seimet gut, gibt vielen, guten seim Campe.
 
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seimer, m. der seimt, honig läutert, nd. sêmer, honnigsemer brem. wb. 4, 751, ebenso mnd., als metbereiter erwähnt. Schiller-Lübben 4, 187a.
 
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seimhonig, m. der vom wachs abgesonderte honigseim, mel liquatum. Overbeck bienenwb. (1765) 43, honig, der nicht von selbst aus den waben flieszt, sondern künstlich geschieden und geläutert wird. Nemnich 2, 533, aber auch der von selbst ausflieszende honig, 'für das veraltete honigseim'. Adelung. nd. seemhonnig, ausgebrachter honig Dähnert 420a, geseimter honig Danneil 191a.
 
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seimich, subst.:

morgens früh wenn aufgeht der tag,
so nimme im wasser seimich (lesart saymich),
stosz im mörser, bestreiche dich
damit an deinem bösen bein,
mach ein pflaster drausz und geh heim,
lasz ob dem bein liegen ein nacht! histori Peter Lewen bei
Boxberger narrenbuch 137, 1535.

der herausgeber bemerkt: gesäme (?), der zusammenhang läszt an senf denken.
 
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seimicht, adj. einem seim ähnlich Adelung, aber wol auch: seim enthaltend, favoso, lento, spesso come favo, sciropposo, mucilagginoso. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 760a: seimichte brühe, gerste. ebenda.
 
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seimicht, adj., bair. verkürzt saimet, langsam, unbehülflich Schm.2 2, 278, kaum wie dort vermutet wird übertragung des vorigen. vgl. vielmehr götting. seimelær, nachlässiger mensch Schambach 189a, und säumeln, nd. holl. semmeln, langsam nachlässig etwas thun, zögern, trödeln oben theil 8, 1910. 1911.
 
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seimig, adj. seim enthaltend, gebend Campe, aber auch: einem seim ähnlich, seimig, sämig, sêmig, dickflüssig wie honigseim Frischbier 2, 337a, sêmig, dickflüssig Hertel thür. sprachsch. 227, ebenso nd. sêmig brem. wb. 4, 751. Schütze 4, 89. Dähnert 420a. Danneil 191a. Schambach 190a, seimig, sämig Frommanns zeitschrift 6, 493. vgl. sähmig oben theil 8, 1739:

ströme mir auch Sybaritis von honige; dann, wann es taget,
schöpfe für wasser das mädchen die seimige wabe in den eimer!
Voss Theokrit 5, 127.


 
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seimigen, verb. seimig machen: die brühe seimicht machen ò seimigen, inspessare un poco un guazzato, dargli un pò di corpo. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760a.
 
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seimisch, adj., nebenform zu sämisch, vgl. dies oben theil 8, 1739: der weiszgerber gibet seimisch leder zu kauffe. Comenius sprachenthür (1657) 508.