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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seilwerk bis seimicht (Bd. 16, Sp. 226 bis 228)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seilwerk, n., collectiv zu seil, seilwerk, geseile, cordaggio, cordame Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 759c, alle seile an einer sache Campe: sailwerck zu failem markt bringen. quelle bei Birlinger 383b; das seilwerck eines schiffs. Kramer a. a. o.
 
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seilwindung, f. windung eines seils Karmarsch-Heeren3 2, 661.
 
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seilziehen, n. als spiel, s. DWB seil 4, b, γ.
 
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seim, m. dickflüssiger saft, honig und ähnliches, ahd. seim, saim, nectar, mel Graff 6, 221. 222, mhd. seim, seum, sein Lexer mhd. handwb. 2, 858: md. nd. seem Schiller - Lübben 4, 186b. brem. wb. 4, 751. Dähnert 420a; mndl. seem Franck mndl. gramm., nndl. (honig-)zeem; altnord. seimr Fritzner2 3, 199. die herkunft des worts ist unklar. W. Wackernagels vermutung, seim gehöre etymologisch zu seihen (Haupts zeitschr. 6, 271), wird von Schade wb.2 2, 750b abgelehnt. Fick vgl. wb.3 2, 256. 3, 313 vergleicht griech. αἷμα. man könnte die wurzel si, binden darin erkennen, die auch dem folgenden wort zu grunde liegt.vereinzelt steht das nach Frisch 2, 261a in der bibelübersetzung von 1483 Syrach cap. 24 bezeugte (honig-)sam. — beachtung verdient, dasz das wort 1523 in Basel der erklärung bedarf: seymss (hohel. 5, 1), ungeleutert honig, waben. Frommanns zeitschr. 6, 44. dazu stimmt, dasz es bei Dasypodius und Maaler anscheinend fehlt, während es die lexicographen von Schottel ab durchweg verzeichnen. — seim flectiert durchaus stark. der plur. ist selten (s. 1). - das finnisch-lappische sima. f. mel, nectar geht wahrscheinlich auf das german. wort zurück. Thomsen einflusz der german. sprachen auf die finn.-lapp. 170.
1) vom honig, mel, nectar Graff 6, 221. 222 (s. oben), honig in dickflüssiger gestalt, wie er von selbst aus den waben rinnt. Adelung ('besonders oberdeutsch'): Williram 74, 15 Seemüller (die stelle s. unten);

vom bienenstocke trieft der seim.
Stolberg 2, 7,

und überhaupt honig ohne das wachs, mel exemptum Stieler 1695, purgatum Steinbach 2, 574:

'was', sprach er zu ihm, 'hast du aufgetischt,
dasz du in seim koloquinthe gemischt?'
Rückert Firdosi 1, 272.

honig in der blume, wie ihn die biene trägt:

flink tragen sie (die bienen) heim
den würzigen seim.
Voss 4 (1802) 115;

wie ihn dann von der au stumpfnasige bienen genähret,
blumigen seim eintragend zum duftenden cederbehaltnis. Theokrit 7, 81;

aus einem blumenkelch saugt sie (die biene) so gift, als seim.
Rückert ges. ged. 1, 23;

pluralisch:

das haus (der blume), das hochbegnadigte, erhellte
sich innerlich und flosz von süszen seimen,
als es der liebe hauch im innern schwellte. 185.

dann auch die wabe. Stieler 1695, Steinbach 2, 574, Frisch 2, 261a glossieren favus, was ja eigentlich 'wabe' heiszt, aber auch den honig ohne das wachs bezeichnen kann. genauer definiert Stieler aber auch: apum cellula, Frisch favi apum cellae seu loculamenta, und in der folgenden stelle wird daneben besonders honig genannt: ich habe meins seims (das wort der vorlage heiszt 'wabe') sampt meinem honige gessen. hohel. 5, 1.

[Bd. 16, Sp. 227]



in vergleichen: abo untar den, qui adhuc in mundo conversantur, habon ih vundan sumelîche, dîe der also uberes sint doctrina caelesti, samo der wabo des sêimes. Williram 74, 15 Seemüller (glosse zu hohel. 5, 1, wo Williram wabon übersetzt); baven seem, super pavum (sc. favum). Köln. quelle des 15. jahrh. in Frommanns zeitschr. 2, 452. bildlich:

(von Maria:) din zunge honig gusset,
din munt mit seume flusset. quelle in
Haupts zeitschr. 2, 151;

dem kunyg von hoen synnen
dem bot si (Maria) yren seym.
Muscatblüt 25, 60;

honig und seim in der folgenden stelle sind wol tautologisch aufzufassen:

sie (die welt) bringt mit honig und seim dich empor,
und flüstert nur weiches wort dir ins ohr.
Rückert Firdosi 1, 29.

verdeutlichend mhd. honiges seim. quelle im mhd. wb. 2, 2, 242b; mnd. des honniges zeem. quelle bei Schiller-Lübben 4, 186b; bildlich:

sî (Maria) ist ein wabe
des lebenden honges seime. lobgesang auf d. hl. jungfrau in
Haupts zeitschr. 4, 537, 65, 8 (nach
Pfeiffer Germania 3, 65 für honecseimes).

vgl. das häufigere honigseim oben theil 4, 2, 1792. mit dem gen. eines abstractums bildlich:

sîn êren seim,
ob er sich mischet zuo des wandels veim,
jâ trage diu wort.
Frauenlob 320, 8 Ettmüller

(der herausgeber übersetzt: seiner ehre honig, wenn er sich mit dem schaum der fehlbarkeit vermischet, trage den tadel);

der eren seym
hastu z eyner frauwen.
Muscablüt 36, 70.


2) dickflüssiger körper überhaupt Adelung, sciroppo, sciloppo, mucilaggine Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760a; von einem zaubersaft:

den saft hekatëisches krautes
sprenget sie ihr; und sofort, da der traurige seim sie berührte,
flosz herunter das haar, und die nase zugleich, und die ohren.
Voss Ovids verwandl. 1 (1798), 319 (Arachne 105).

meist aber doch wol von eszbarem: seim von gerste Campe. vgl. gerstenseim, graupenseim, zuckerseim.
 
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seimbeutel, m., westfäl. sêmesbel, beutel zum auspressen des honigseims. Woeste 235b.
 
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seime, f. landschaftlich leine, schwaches seil Adelung, alia dialecto idem est quod senne, sed pro funiculis subtilioribus, et resticulis Stieler 2007, bei den vogelstellern bezeichnung der leinen an den garnen, die sie unterscheiden als obere seime, untere seime, hintere spannseime, zwerchseime, ruheseime. Heppe wohlred. jäger 278a, in dieser anwendung vielleicht auch in dem bei Vilmar 385 aus Landau gesch. der jagd angeführten beleg, daneben auch sieme: sieme an einer peitsche, filum tortum scuticae annexum Stieler 2007, dür. sîme, sîmen, sîm, zîmen, f., daneben sîm, m., deminutiv sîmche Hertel thür. sprachsch. 227, hess. sîme Vilmar 385; nd. sîme, f., deminutiv sîmeke, f. Schambach 192a, überall in der bedeutung 'leine'; alts. sîmo, m. strick, altfries. sîm, nordfries. seem Richthofen 1015b; ags. sîma, m. Bosworth-Toller 874b; altnord. sîmi, m. Fritzner2 3, 244b. die länge des stammvocals steht in den älteren dialekten nicht überall fest. in neueren mundarten begegnen auch gewisz eng verwandte formen mit kurzem vocal (reihe i-î-ai), in Ost- und Westpreuszen simme, f. starke leine als einfassung der flügel des fischernetzes Frischbier 2, 341a, nd. sim, n. band, schnur, zugband, zugschnur, schlinge ten Doornkaat Koolman 3, 183b, sinn, faden an der peitsche, sink, dasselbe (deminutiv?) Schütze 4, 104; schwed. dial. simme Fritzner a. a. o., und schon altnord. scheint ein sinnentsprechendes sima, n. mit kurzem vocal vorhanden zu sein 244a (hat dän. sime 244b langen oder kurzen vocal?). vergl. auch hamb. semm, schnur an der angelrute Schütze 4, 96. Pfister 276 stellt hess. simele, simeze, simze, binse mit sîme zusammen. auszerhalb des germ. entspricht am deutlichsten griech. ἱμάς; zu grunde liegt wahrscheinlich eine wurzel si, binden, die auch in seil erkannt wird. vgl. Schade2 2, 764. finn.-lapp. siima, f. funiculus (scuticae, hami piscarii), russ. síma sind wol aus dem germ. entlehnt. Thomsen einflusz der german. sprachen auf die finn.-lapp. 169. 170.
 
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seimen, verb. zu seim, hd. zuerst bezeugt bei Clajus gr. (1578) 107, 10 neudruck (Weidling), mnd. nnd. sêmen.
1) persönlich, meist im sinne von seim 1, mel purgo Steinbach 2, 574, das wachs und die unreinigkeit von dem flüssigen honig absondern. brem. wb. 4, 751, den honig seimen, läutern Adelung, honigseimen öcon. lex. (1744) 1229: kofften honnich

[Bd. 16, Sp. 228]


mer, wen se des behuff hadden to erem cramwerke, dat se vort semeden. quelle bei Schiller-Lübben 4, 187a; wenn man den bienen geseymet honig zu essen giebet, so sollen allezeit kleine rütlein darauf geleget werden, sonst ertrinken sie darinne. Höfler bienenkunst (1614) 285. in allgemeinerem sinne, nach seim 2: graupen seimen, sie so kochen, dasz man seim davon bekommt. Campe.
2) unpersönlich: die gerstengraupen (subject) seimen, geben seim, eine seimige brühe Adelung; die graupe seimet gut, gibt vielen, guten seim Campe.
 
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seimer, m. der seimt, honig läutert, nd. sêmer, honnigsemer brem. wb. 4, 751, ebenso mnd., als metbereiter erwähnt. Schiller-Lübben 4, 187a.
 
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seimhonig, m. der vom wachs abgesonderte honigseim, mel liquatum. Overbeck bienenwb. (1765) 43, honig, der nicht von selbst aus den waben flieszt, sondern künstlich geschieden und geläutert wird. Nemnich 2, 533, aber auch der von selbst ausflieszende honig, 'für das veraltete honigseim'. Adelung. nd. seemhonnig, ausgebrachter honig Dähnert 420a, geseimter honig Danneil 191a.
 
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seimich, subst.:

morgens früh wenn aufgeht der tag,
so nimme im wasser seimich (lesart saymich),
stosz im mörser, bestreiche dich
damit an deinem bösen bein,
mach ein pflaster drausz und geh heim,
lasz ob dem bein liegen ein nacht! histori Peter Lewen bei
Boxberger narrenbuch 137, 1535.

der herausgeber bemerkt: gesäme (?), der zusammenhang läszt an senf denken.
 
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seimicht, adj. einem seim ähnlich Adelung, aber wol auch: seim enthaltend, favoso, lento, spesso come favo, sciropposo, mucilagginoso. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 760a: seimichte brühe, gerste. ebenda.