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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seilbrücke bis seilen (Bd. 16, Sp. 219 bis 221)
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[Bd. 16, Sp. 219]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seilbrücke, f. bergmännisch das gebälke, das das eigentliche göpelhaus mit dem seilscheibengerüst verbindet, die walzen für die seilleitung und die bremsvorrichtung trägt. Veith 445. vgl. seil 4, c, ε.
 
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seilchen, n., demin. zu seil, funiculus, resticula. Stieler 2000, cordella, cordarella, funicello Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 759c. Adelung (unter seil), nd. seelken, bildlich: enem dat seelken äwer de oren teen, einen durch list und schmeichelei zu etwas bringen. Dähnert 419b. vgl. seil 3, a, γ.
 
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seilder, m. in älterer sprache, inquilinus, conductor Scherz-Oberlin 1471, mit folgendem beleg: das alle burger seslute und seilder die mit den burgeren dienent, ze beiden stetten zu Loufenburg unt die lute die vor den toren nach bi gesessen sint, und mit den burgeren übel und gut lident, diu recht und die friheit bant vor alter vor uns. vorderen kastvogten iren herren, unt erkennen uns des mit disem briefe ze warheit, das weder der vorgen. burgeren, sesluten noch seilderen lip noch gut, ligende noch varnde sullen phant sin, noch pfandunge liden dur uns. dort wol mit recht bezeichnet als nebenform zu selder (häusler Lexer mhd. handwb. 2, 863).
 
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seildicke, f. dicke eines seils. Karmarsch-Heeren3 2, 655.
 
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seildreher, m., dasselbe wie seiler: seyldräher, seyler, cordier. Hulsius (1616) 297a.
 
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seildurchmesser, m. durchmesser eines seils. Karmarsch-Heeren3 2, 660.
 
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seile, f. salix capraea Nemnich 2, 1199, nebenform zu sale, s. dies oben theil 8, 1696.
 
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seilelein, n., s. seillein.
 
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seilelse, f. bezeichnung einer gattung ausländischer klettersträucher, ventilago, deren stränge zu seilen gebraucht werden. Oken 3, 1742.
 
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seilen, verb. zu seil gehörig, mhd. seilen Lexer mhd. handwb. 2, 857, mnd. selen, mit einem seil binden Schiller-Lübben 4, 182a, nnd. selen, mit einem seil binden, versehen, mit seilen umziehen Schambach 189b; altfries. sela, binden Richthofen 1004a; ags. slan, mit einem seil binden, bildlich: beschränken Bosworth-Toller 810b, got. bezeugt in insailjan, an seilen hinunterlassen. Marc. 2, 4. im nhd. ist das wort gegenüber dem mhd. gebrauch bedeutend zurückgegangen. Adelung bezeichnet es als 'nur in einigen gemeinen sprecharten üblich'.
1) ein seil, seile verfertigen, contorquere laqueos, restes intorquere, raro tamen occurrit. Stieler 2000. Stalder 2, 369, als ausdruck der seiler verzeichnet bei Eggers kriegslex. 2, 887 (cabler). Karmarsch-Heeren3 8, 196: Wenzeln wider lassen seilen. quelle von 1442 bei Lexer mhd. hdwb. 2, 857; vom stand fürnemmer gemeinnützlicher leut, die wol dapffer seylen, seyten machen und spinnen. Fischart groszm. 42. in engerem sinne: die einzelnen schnüre oder litzen eines taues oder seils aufziehen und ausspannen, damit sie zusammengedreht werden können. Jacobsson 4, 134a.
2) mit einem seil, mit seilen versehen.
a) lebewesen:

nie seil baʒ gehundet
wart, ouch was der hunt vil wol geseilet.
Wolfram Tit. 142, 3;

do si (eine frau, die der mann als pferd aufzäumt) erst an sach,
das si solt lîden ungemach,
und er sy sailen begund. liedersaal 2, 517, 501 Laszberg.


b) gegenstände, so belagerungs-, schleudermaschinen:

schiere wurden dâ gestalt
zwô und sibinzich mangen
mit hurden wol behangen,
gemannet und geseilet.
Lamprecht Alex. 1355 (Straszburger handschr.);

antwerc diu bestenheiʒet seilen wol
gegen disen gesten. Kudrun 1385, 1.

ein schiff seilen, mit den zur ausrüstung nötigen seilen versehen. Campe, häufiger beseilen, s. dies oben theil 1, 1613. vielleicht gehört hierher auch ein bett, bettladen seilen in den folgenden stellen: wenn man ein bedt will seilen, so schlecht man einen nagel midt dem andern usz. Keisersberg brösaml. (1517) 1, 43a; der her (Christus) schlg ein nagel mit dem anderen usz (gemeint ist: zahlte den tadlern den vorwurf heim), als da man ein beth seilt. evangel. (1522) 57d; Egidius det auch ein frag an in (einen, der ihn fragt), und schlug ein nagel mit dem anderen usz, als wen man ein betladen seilet. Pauli sch. u. ernst 374, 23 Österley. die 'spannbetten' älterer zeit waren unten mit gespannten seilen versehen, die dem darüber ausgebreiteten eigentlichen lager (unterbett) federkraft gaben.

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Weinhold deutsche frauen2 2, 109. Schultz höf. leben2 1, 86. ein bett seilen kann also wol heiszen: es mit seilen versehen. aber schlug man dabei einen nagel mit dem andern aus?
3) an ein seil, seile, mit einem seil, seilen binden, umwinden, in älterer sprache auch allgemeiner: binden, fesseln, seylen, jugare. voc. von 1455 bei Schm.2 2, 255, seilen, fune constringere Schottel 1414. Stieler 2000, legare con corda ò cosa simile. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760a.
a) ohne object, im gegensatz zu lösen:

er (gott) loset unde seilet.
Hugo v. Langenstein Martina 113, 96.


b) mit acc. verbunden und entsprechend passivisch.
α) in sinnlicher anwendung.
αα) in beziehung auf lebewesen:

dô vuorte man in (einen menschen) gesailet. kaiserchron. 12565 Schröder;

mit roube unt mit brande was gar ungespart
daʒ lant, dar zuo der kristen vil geseilet. Lohengrin 2626;

er (ein mensch) wart gebunden und geseilt. Diocletian 1098;

er (Christus) wart von ir (der judenschaft) verteilet,
gebunden unt geseilet. schauspiele des mittelalters 1, 220, 296 Mone;

im vergleich:

recht als ein jeger seilet
auf guten wan sein lieben hunt.
Suchenwirt 26, 8.


ββ) auf gegenstände bezogen: die reben seilen, legare le viti, als winzerausdruck bezeichnet. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760a; die böæme selen Schambach 189b; de klocke selen, die aufzuziehende glocke an einem seile befestigen. ebenda.
β) zu bildlichem gebrauche leiten die folgenden wendungen über:

der tüfel ms si seilen
und si füren in der helle grund. schauspiele des mittelalters 1, 280, 220 Mone,

in ausgeführten bildern:

Triuve kam ze verte nie:
diu was geseilet vaste,
gebunden ze einem aste
smâchlîche hœne unde truop.
Helbling 4, 427;

also mag trost mein jeger sein;
der hat geseilt daʒ hertze mein
und an sein pant gestrikchet.
Suchenwirt 26, 14.

rein bildlich schweizerisch einen seilen, ihn stillen, still bleiben machen. Stalder 2, 369; mit unpersönlichem object:

ach solt ich den apfel teilen,
den Pâris der Minne gap,
zwâr du (Minne) müestes jâmer seilen,
solt ich dâ durch in mîn grap.
Frauenlob 249 (lieder 2), 5, 3.


γ) mit adverbialen zusätzen instrumental-sociativer oder localer art.
αα) instrumentaler art: geseilet mit einer wide umb sînen nac. quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 857; bildlich:

so bistu mit dem bande
deʒ tiefels so geseilet
und mit im verteilet
in sîn selbis fluoche.
Hugo v. Langenstein Martina 93, 33;

mit der sorgen bande
hât minne mich geseilet. Reinfried von Braunschweig 3689.

freier, indem ein abstracter begriff unmittelbar hinzutritt, wo das verhältnis auch rein sociativ sein kann:

mit ir sundin stânt sie geseilit. fundgruben 2, 131, 20 Hoffmann;

so eʒ (daʒ mensche) enpfâhit daʒ lebin,
so ist eʒ verteilit,
mit den sunden geseilit,
daʒ doch sunde nie gepflac.
Hugo v. Langenstein Martina 115, 74;

im wart der welte abent segen
in der sünden naht geboten
von sînen valschen abgoten,
mit den eʒ (er?) was verteilit
mit dem fluoche geseilit
und mit der sunden britel. 226, 28.


ββ) localer art:

der dâ wirt verteilit,
zu den dieveln wirt er êweclîche geseilet. fundgruben 2, 132, 14 Hoffmann;

sie wolten zu Pilateund Judas mit geselleschaft sîn geseilet. jüng. Tit. 1303, 3.

mit abstractem neutralen object und dativ der person:

disz mensch (ein mädchen) soll solche noth, soll solche grosse pein
mir seylen auff den hals, soll meine marter seyn.
Opitz 2, 179.

[Bd. 16, Sp. 221]



c) reflexiv, bildlich:

ûf die urteillîchen spor
hab ich mich geseilet.
swaʒ mir wirt erteilet,
daʒ wil ich tuon und anders niht. Reinfried von Braunschweig 8425.


d) in zusammensetzungen: anseilen, s. dies oben theil 1, 459, aufseilen, s. dies oben theil 1, 734, zusammenseilen, zuseilen, verseilen Stieler 2000, durch den andern theil der zusammensetzung in die gegentheilige bedeutung übergehend ausseilen, laxare, nodum tollere. ebenda, weidmännisch dem leithund, der über das hängeseil getreten ist, aus demselben helfen, mit dem zurufe (worin das wort intransitiv erscheint:) seil aus! Kehrein weidmannsspr. 45, losseilen, entseilen Stieler 2000.
4) mittelst eines seiles ziehen und allgemeiner ziehen überhaupt, als im hochd. ungebräuchlich bezeichnet. Adelung, heimseilen, in sein haus an einem seile ziehen. Campe, auch freier, s. oben theil 4, 2, 862, ähnlich: mittelst des seiles vom ufer aus lenken, ein flosz, schiff fort, raus, rein seilen. Schm.2 2, 254, forstmännisch, einen baumstamm an einem seile von einem berg hinabgleiten lassen. Behlen 5, 610.
5) henken:

wa man die begriffen kan,
die sint zitig und vertailet,
das mans secket, redert, sailet. liedersaal 1, 430, 114 Laszberg;

wirstu darumb geseilt,
das wer din rechter dot. Altswert 170, 26;

daʒ was, daʒ man in sailet
und im den leib vertailet.
Beheim buch von den Wienern 256, 20.


6) ein seil spannen, um wäsche zu trocknen. Stalder 2, 369.
 
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seilen, verb., nd. nebenform zu segeln, s. dies oben sp. 93.