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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
durchschauern bis durchscheinung (Bd. 2, Sp. 1663 bis 1665)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) durchschauern , wie durchschaudern.
1. innerlich bewegen, zumal freudig. das gefühl das mich beim anschauen ihrer himmlischen schönheit durchschauerte Wieland 8, 384.

als du von wonneleben
durchschauert, mich umfiengst
und fest an mir, wie reben,
am ulmenstocke hiengst
Blumauer Gedichte (Wien 1782) 54.

gottes nähe durchschauert mich
Schubart.

o gott, an meiner Mira brust
durchschauert mich die fromme lust
Bürger 12a.

[Bd. 2, Sp. 1664]



und vorgefühl des bessern lebens
durchschaur ihn, sanft herabgethaut,
wer durch die nacht voll heiszes strebens
empor zu unserm (der sterne) reigen schaut
Voss 4, 145.

ewig bräutlich keuscher kusz!
wenn jeder augenblick mich durchschauert,
was soll ich fragen wie lang es gedauert!
Göthe 5, 265.

das wetter ist recht zu mir gestimmt, und ich fange an zu glauben dasz die witterung in der ich immer lebe auch so den immediatsten einflusz auf mich hat und die grosze welt meine kleine immer mit ihrer stimmung durchschauert ders. an frau v. Stein 1, 96.

lasz bergeslüfte froh dein herz durchschauern,
und sie verwehn dein ungerechtes trauern
Lenau Faust 7.


2. mit schrecken, mit grauen erfüllen. in einzelnen stellen erstrebte sie (die schauspielerin) kraft, ja zuweilen durchschauerte sie das herz durch züge der leidenden natur Sturz 1, 95.

wenn ihr, von dem gefühl des elends noch durchschauert,
mit einem leidenden getrauert
Gotter 1, 24.

sie, bei dem anblick,
starreten auf, und alle durchschauerte bleiches entsetzen
Voss Ilias 8, 77.

jener sprachs, und den greis durchschauerte banges entsetzen 24, 358.

die glocke tönt, die fürchterliche,
durchschauert die beruszten mauern
Göthe 41, 103.

jetzt flammenroth, jetzt, vom nahenden geschick
durchschauert, bleich wie eine büste,
stürzt in den innern hof, und, wahnsinn in dem blick,
besteigt sie das entsetzliche gerüste
Schiller 45b.

geschreckt durch den zusammenlauf der menge,
durchschauert von dem gräszlichen gerücht,
stürzt Anna halb entseelt durch das gedränge 46b.

sammeln sie
erst ihre geister, dasz sie ruhiger,
nicht in so grauenvollen bildern die
mein innerstes durchschauern, mir erzählen 293a.

will mich reue nun zu spät durchschauern?
Rückert Ged. 349.

unpersönlich. es durchschauerte mich stäts so etwas von erhabenem dichter- und landstreicherfieber v. Holtei Vierzig jahre 2, 132.
 
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durchschaulich, adj. und adv. was sich durchschauen läszt. dünkt dich nicht du werdest bei jeder dieser abschälungen dir selbst durchschaulicher? Wieland 25, 282.
 
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durchschauung, f. Stieler 1744. das erste heftige verlangen der seele, welches sie nie verläszt, ist neuheit und dann durchschauung und endlich vollkommenheit oder zerstörung der dinge Heinse Ardinghello 1, 275.
 
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durchschecken, durch und durch scheckig machen.

ein kraus weisz har
von löcken dick, het ainst mein haubt bedecket;
dasselb plassnirt (blasonniert) sich schwarz und grab,
von schilden (glatzen) kal durchschöcket
Wolkensteiner 102. 2, 4.


 
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durchschein, m. das hindurchleuchten.

(die wangen) von der rôsen durchschîne
gevar alsô rubbîne Athis A*, 19.

es was durchschein luna pernox Maaler 94d. schönheit ist also immer nur durchschein, form Herder 19, 96. hecken und bäume noch ohne blat, aber wie herrlich überglänzt vom durchschein ihrer fülle, alle zweige mit hochgeschwellten knospen bedeckt Jacobi Woldemar 30.
 
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durchschein, adj. wie durchscheinend, durchscheinig, translucidus Maaler 94d. ist so gar durchschein und glänzend dasz er auch die augen verletzt Forer Fischb. 115a.
 
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durchscheinen, durchleuchten, durchstralen pellucere, Voc. incip. teut. d 4. Henisch 774. Stieler 1751, Rädlein 207b, ahd. durhskînan Graff 6, 505, mhd. durchschînen, niederd. dôrschînen Schambach 46a. 1. untrennbar. das erleuchten des herrn durchscheinet alle innere heimlichkeit Zürch. bibel Sprichw. 20.

der blitz durchscheint das feld
Opitz.

der gott so von des himmels bahn
mit seiner strahlen kraft die ganze welt durchscheinet ders.

du bist so mager dasz dich die sonne durchscheinen möchte Steinbach 2, 418. 2. trennbar, translucere.

sie (drei leoparden auf dem schilde) kunden von gesteine
durchliuhten und durchschînen
Konrad v. Würzb. Turnier von Nantes 53, 5.

[Bd. 2, Sp. 1665]


ein licht scheint zwischen den bäumen durch. es sind wolken am himmel, aber die sonne scheint durch. vast (sehr) heiter scheinen Maaler 94d. sieht man die grenzlinie der westphälischen und friesischen Sachsen durchscheinen Möser 1, 281. bei einem dünnen anstrich scheint die ursprüngliche farbe des gegenstands durch Helfft Wörterb. der landbaukunst 86b. auch wenn gegenstände undicht gearbeitet sind, scheint das tageslicht durch das. uneigentlich, ob er zwar eine religionslehre durchscheinen läszt Kant 6, 344.
 
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durchscheinend, adj. und adv. durchsichtig. durchscheinends durchscheinigs durchsichtigs transparens Voc. theut. 1482 f 4b. die gassen der stad waren lauter gold als ein durchscheinend glas Offenb. Joh. 21, 21.

die zimmer und die säl sind ganz durchscheinend weisz
Weckherlin 222.

der schweif der kometen ist durchscheinend Kant 8, 281.

mit durchscheinendem rohre (perlucenti avena) begeistert ich ländliche lieder,
ich, den Latona gebar, sohn des erhabenen Zeus
Voss Lygdamus 4, 71.

rechts ihr murmelt ein quell mit sanft durchscheinendem wasser ders.

sie (Angelica) hatte erst ein bild, nach art älterer Florentiner, grau in grau gemahlt und es bei völlig entschiedenem und fertigem helldunkel mit durchscheinender farbe überzogen Göthe 54, 289. der saft der farben, ihre durchscheinende klarheit ders. die gemälde der alten niederländischen meister werden von vielen hochgeachtet, weil ihre gesättigten, durchscheinenden farben eine ohngefähr gleiche wirkung thun ders. was gibt aquarellmalereien ihr heiteres, leichtes, den tag, als der weisze, durch die überzogenen farben durchscheinende papiergrund? ders. uneigentlich für offenbar, allis daz sie von uns schriben und geschriben han, daz sie daz felschlichen ungetruwelichin und boslichin, als dorchschinende lantkundige und offinberliche schelke ligen und gelogen han Brief des erzbischofs Johann zu Mainz vom jahr 1405 in Fichards Wetteravia 1, 208.
 
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durchscheinig, adj. und adv. durchsichtig, wie durchschein, durchscheinend. durchschînic alsô ein kristalle Hermann v. Fritzlar 239, 38. durchscheinig transparens Diefenbach Gloss. lat. germ. 593b. (der adamas) ist einer durchscheinigen farb Albertus Magnus Buch der versamlung oder heimlichkeiten (Straszb. 1508) 21. ein theil des kopfes ist also durchscheinig dasz man die nerven der augen wie durch ein glas dadurch sihet Forer Fischb. 58a. cörper durch die nicht zu sehen ist, werden dann durchscheinig Paracels. op. 2, 402c. noch führt es an Stieler 1753, Rädlein 207b und Nieremberger Ll, jetzt wird es nicht mehr gebraucht.
 
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durchscheinigkeit, f. wie durchsichtigkeit, transparentia Voc. theut. 1482 f 4b. Diefenbach Gloss. lat. germ. 593b.
 
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durchscheinung, f. durchgang des lichts Stieler 1752. Nieremberger Ll.