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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dürsten bis durstig (Bd. 2, Sp. 1749 bis 1753)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dürsten, audere wie durren, ein wol aus dem subst. durst f. audacia gebildeter infinitiv. er kommt selten vor.

römisch recht thut nit zsamen stan,
wider die reichstät seind die fürsten,
ein stat ist wider die ander dürsten:
kein fried noch bündnusz wirt gehalten
H. Sachs 3. 1, 251b.

[Bd. 2, Sp. 1750]



ihr seid edel und solt euch schemen
das ihr euch lieszt dunken und dürsten
solch unwarheit vor eurn fürsten
auszzugeben vor meinem man
J. Ayrer Comöd. 463b.

Stieler setzt dies dürsten 280 noch an, bemerkt aber dasz es fast ganz auszer gebrauch gekommen sei.
 
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dürsten , durst empfinden sitire, dursten ohne umlaut kommt daneben vor, immer bei partikelcomposition. goth. þaúrsjan, ahd. durstan für durstjan Graff 5, 203, mhd. dürsten dursten tursten Ben. 1, 322b, dirsten Serranus Synon. 52c, dagegen dürsten Dictionar. 22a. dürsten Dasypod. 317b. Schönsleder L 5. Stieler 280. Rädlein 209. Frisch 1, 212b. dursten Vocab. incip. teut. d 4. Nieremberger Ll 2. altsächs. thurstian, niederd. dösten Schambach 46b, niederl. dorsten, ags. þyrstan, engl. thirst, altnord. þyrsta, schwed. törsta, dän. törste. gehört zu der wurzel þaírsan dürr sein; vergl. Gramm. 2, 39. s. DWB abdursten. erdursten. verdursten, auch dürstern.
1. intransitiv.
a. er hat die ganze nacht durch gedürstet. (hast) wasser aus dem felsen lassen gehen, da sie dürstete Nehem. 9, 15. sie werden weder hungern noch dürsten Jesaia 49, 10. sihe meine knechte sollen essen, ir aber solt hungern: sihe meine knechte sollen trinken, ir aber solt dürsten 65, 13.

spricht man 'kurz predigt, lang bratwürst:
o lieber herr, hört auf, ich dürst'
Eyering 3, 149.

labet den durstenden
Klopstock.

so süsze stärkung hat kein durstender empfunden,
wenn ihn ein trunk erfrischt
Lichtwer Recht der vernunft 24.

Michel. so wirds euch auch nicht am durste fehlen? König. das versteht sich. wer den ganzen tag in der hitze gejagt hat, musz wol dursten Weisze Kom. opern 3, 89. das unsterbliche ist nicht dem sterblich lebenden zu vergleichen, und doch ist auch das blosz lebende verständig. so weisz der magen recht gut, wenn er hungert und durstet Göthe 23, 243. uneigentlich, heftiges verlangen empfinden.

ach, vermöcht ich dich, herr, wie ich dürste, zu preisen
Klopstock 1, 140. 7, 270.

wiewohl sie vor verlangen zu fragen dürsteten Wieland 11, 169. sah einem drucker (buchdrucker) durstend (sehnsüchtig) nach J. Paul Fibel 27.

einsam sitzt sie in dem all der welt,
dürstet ewig an der freudenquelle
Schiller 5b.


b. mit der präpos. nach. aber das volk daselbs dürstet nach wasser 2 Mos. 17, 3. meist uneigentlich. meine seele dürstet nach gott, nach dem lebendigen gott Psalm 42, 3. es dürstet meine seele nach dir 63, 2.

die snacken saufen menschenblut,
darnach ir herz stäts dürsten thut
Fuchs Mückenkr. 1, 862.

nach eines blut oder tod dürsten Henisch 778. dieselbige hungert und dürstet nach dir Schuppius 433. nach der barmherzigkeit gottes dürstende seele 583.

der (Neptunus) kam erst aus der flut und dürstete schon wieder
nach Amphitritens mund
Günther 1062.

wie nach der auferstehung verdorrtes gebein,
so dürstet meine seele
nach diesen augenblicken deiner erbarmungen
Klopst. 1, 129.

kannst du es anders als so, wonach du dürstest, erlangen? ders. Mess. 3, 743.

sieh, ich durste nach ruh! 8, 589.

in ihrem innersten durstet
meine seele nach ihnen 11, 399.

eines lebenden jammern, der nach dem tode dürstet 14, 965.

wer nach angenehmen empfindungen dürstet Wieland 1, 96.

sie dürsteten alle nach feldschlacht
Voss Ilias 2, 863.

ihr (der jungfrau) glaubt das volk und dürstet nach gefechten
Schiller 458a.

hier ist ein mann der in die residenz kommt und nach geist dürstet Gutzkow Ritter vom geiste 5, 476. mit zu. mein seel dürst zu gott dem lebendigen brunnen Psalm 42, 3 Bibel von 1483, wo Luther nach hat.
c. es folgt ein infinitiv oder abhängiger satz.

er dürstet zu sterben
Klopstock Mess. 11, 1480.

doch dürsten wir, dürsten
dich mit wunden die strahlen zu sehen 13, 132.

so dürsteten einige, was vor ein neues
schicksal auch hinter der nacht, die jetzt sie umgäbe, sich hätte
aus den tiefen erhoben des unerforschlichen richters 17, 151. 19, 760. 928.

wie dürst ich ihn zu strafen
Gotter 2, 108.

[Bd. 2, Sp. 1751]



d. unpersönlich.
α. mit dem acc. eigentlich. mich dürstet Rädlein 209b. Frisch 1, 212. mich hat getürstet, und ir haben mich getrenket Keisersberg Pred. 111b. desgleichen so dürstet in, so er ufstot ders. Sünden des munds 10a. gib mir ein wenig wassers zu trinken, denn mich dürstet Richter 4, 19. da in aber seer dürstet, rief er den herrn an 15, 18. und so dich dürstet, so gehe hin zu dem gefesz und trinke Ruth 2, 9. und (hast) inen brot vom himel gegeben, da sie hungerte, und wasser aus dem felsen, da sie dürstete Nehem. 9, 15. Weish. Salom. 11, 4. so nu deinen feind hungert, so speise in: dürstet in, so trenke in Römer 12, 20. sie wöllen nicht mehr trinken dann (als) sie dürst Fischart Bienenkorb 198b. den guten gesellen dürst Henisch 778.

fragen denn bien und blum einander beim nektartausche:
trankest du, tränktest du schon? — hast du? mich dürstet, o gib
Rückert Ged. 266.

uneigentlich. wer ausz disem wasser trinkt, den würt nit mer dürsten ewigklich, verstand des hungers und durstes der dich zu sünden bringt Keisersberg Sünden des munds 12a. mich dürstet, ich beger Dasypod. 227a. wer dis wassers trinket, den wird wider dürsten, wer aber des wassers trinken wird, das ich ihm gebe, der wird ewiglich nicht dürsten Joh. 4, 13. 14. wer zu mir kompt, den wird nicht hungern, und wer an mich gleubet, den wird nimer mehr dürsten 6, 35. mit der präpos. nach, eigentlich und uneigentlich.

dich hat nach sweinem fleisch gedürst,
so freu wir uns der guten würst Fastnachtsp. 818, 4.

genediger hochgeborner furst,
den ie nach eren hat gedurst 189, 17.

unser allergnedigoster und mächtigister fürst,
den hat darnach nie gedürst
das er eur römische kirchen wöll erstörn 296, 6.

sei grüszt, du groszmächtiger fürst,
nach deiner lieb mich allzeit dürst
H. Sachs 3, 190c.

wer von mir isset den hungert immer nach mir, und wer von mir trinkt, den dürstet immer nach mir Jesus Sirach 24, 28. 29.

des Cyrus haupt (die königin Tomyris) auch davon trägt,
wirfts mit irer sieghaften hand
in eimer der voll blut da stand,
und spricht auch dazu also fort
diese bitter giftige wort
'dich hat gedürst nach menschen blut,
sauf sein nu satt, kühl deinen mut'
Rollenhagen Froschm. Ss 7a.

wiewol dich mehr nach der menschen seligkeit denn nach einigem äuszerlichen trank gedürstet Schuppius 452.

nach gnade vater, dürstet mich,
die meine seele labe
Klopstock 7, 190.


β. mit dem dat. ich habe einem jeglichen gutes gethan, auszgenommen diesen miszgönnern, welchen nach meinem blute dürstet Olearius Pers. rosenthal 1, 7. als ihm dürstete ders. Lokmann 9.
γ. Hans Sachs sagt auch es ist einen dürsten.

milch gab sie Sisera, dem fürsten,
zu trinken, als in hart war dürsten 3. 1, 36c.

gnädig und durchleuchtige fürsten,
die (quos) alzeit nach wolfart ist dürsten
desz königreichs und gemeinen nutz 3. 1, 137a.


2. als transitiv erscheint dürsten in uneigentlicher bedeutung, heftig nach etwas verlangen, in der ersten hälfte des 17ten jahrhunderts, wahrscheinlich nachahmung des lateinischen sitire sanguinem, ultionem, honores. Stieler, Rädlein, Frisch und Steinbach kennen es nicht. in der mitte des 18ten taucht es wieder auf.

herr, speise mich mit dir: ich dürst, ich hunger dich.
du bist das himmelbrodt
P. Fleming 30.

doch sagt er auch nach dir herr, dürstet mich 27.

wir sahn den feind mit mordbegier,
wir dürsteten sein blut
Gleim Siegeslied nach der schl. bei Lissa.

dein rachen dürstet blut
Chr. Fel. Weisze.

erstaunt über seine so späte wahl, dacht ich nur ihn,
vergasz selbst der gedürsteten unsterblichkeit
Klopstock 2, 43.

so war es geschehen, und vergebens
dürstete wiederverwandlung der wunsch 2, 148.

der gott (Kamul)
dürstete menschenopfer 2, 164.

meine qualen dir ganz, so ganz wie ichs dürste, zu zeigen ders. Mess. 10, 105.

[Bd. 2, Sp. 1752]



(die fürsten sollen) die Deutschen lieben und ihr blut
nicht saugen, nicht blut dürsten
Claudius 1. 2, 2.

sei keck und kühn und dürste blut!
verlache deiner feinde wut!
Schiller 573a.


3. sprichwörter. wenn einen noch dürstet, so soll er aufhören zu trinken Henisch 778. etliche dürstet nur nach wein, nicht nach wasser das. je mehr einer trinket, je mehr einen dürstet das. 779. meine herren fragen mich immer warumb ich so trinke, und fragen mich nicht einmal warum mich so dürstet Schoch G v. er sieht aus wie bier und toback, wenn man ihn nur ansiehet, so dürstet einen Rädlein 2, 759a. wer nicht wasser mag, den dürstet nicht Simrock 1750. wer nicht dürstet ist dem durstigen hart 1751.
 
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dürsten, n.

doch in der liebe kommt der hunger auf die speise,
die sehnsucht auf den kusz, das dürsten auf den trank
Günther 1066.


 
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dürstend durstend, adj. uneigentlich.

viel anders breiten den flug um der eiche wipfel
die adler Wodans!
ihr auge blickt glühend herab
auf das blut das im thale raucht.
ihr schattender flügel schlägt, ihr durstendes geschrei ertönt
in dem felsenhain
Klopstock 8, 128.

er küszte mit durstenden augen das (im spiegel) flatternde bild der sängerin J. Paul Unsichtb. loge 2, 199. es begegne euch nur der rechte geist, wie ihn die dürstende liebe fordert ders. Titan 2, 113.
 
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dürstern für dürsten sitire. mich dürstert Freidank 71, 21 in drei handschriften, wovon eine in das zweite viertel des 14 jh. gehört. dise weltlichen menschen die allein ir herz uf die weltlichen ding legen, und je me sie usz disen bechen trinken, ie me sie dürstert. aber gleich darauf ie me sie von den bechen drinken, ie me sie darnoch dürstet Keisersberg Bilger 171c. vergl. Gramm. 2, 138. 139.
 
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durstesflamme, f. bildlich,

du (liebender) loderst auf in durstesflammen
ha! wirf ins meer der wonne dich!
schlagt, wellen über mir zusammen!
ich brenne! brenne! kühlet mich!
Bürger 26b.


 
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durstesnot, f. s. durstnot.

ez trunken tûsent ê den tôt
ê éiner stürbe in durstes nôt
Freidank 95, 1.

im hungersfall ein bissen brot,
ein labeschluck in durstesnot
genügen uns zur kost
Bürger 112b.


 
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durstfolter, f. wie es in den gerichtsstuben sonst eine durstfolter gab, um dem durstigen bekenntnisse abzuzwingen J. Paul Biogr. belust. 1, 162.
 
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dursthaft, adj. siticulosus, wie durstig. Dasyp. 227a. 317c.
 
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durstig dürstig, adj. und adv. kühn keck, verwegen frech; s. das subst. durst f., mit dem es verschwindet. mhd. turstec geturstec Ben. 3, 16a, ags. dyrstig. turstiger kuner kecker audax Voc. theut. 1482 hh 3a, durstiger das. f 5a, turstiger gemutiger grimmiger das. hh 2a. dorstig Diefenbach Gloss. lat. germ. 60a. durstig mannlich audax Henisch 778, praeceps Stieler 280, schles. turstig Weinhold 101b, deutschungar. türstig Schröer 44b, siebenb. getürstig getierschtig das., schweiz. därstig, auch därst Stalder 1, 266, vergl. engl. daringly. sie (die frauen) haben einen starken mut und sein dörstig zu sollichen schnöden (unkeuschen) dingen Albr. v. Eybe 4b. ob der ainer in ainicherlai wege wider unser verordnung zu beswärn durstig wurde Monum. boica 13, 357. 358. die juden heten nit so dürstig dörfen handlen wider Christum Keisersb. Schiff der penitenz 97b. denn es sind gar kecke dürstige helden Luther 5, 291b. also dasz ich gleich durstig an eure kurf. gn. worden bin zu schreiben ders. Briefe 2, 173. solchs mein dürstig oder thöricht schreiben 2, 174. nu werden sie müthiger und dürstiger werden 2, 322. der teufel musz ein boshaftiger giftiger dürstiger geist sein ders. Tischreden 200b. der ich gegenwärtig unter euch geringe bin, im abwesen aber bin ich thürstig gegen euch. ich bitte aber das mir nicht not sei gegenwertig thürstig zu handeln und der künheit zu brauchen 2 Corinth. 10, 1. 2. und (dasz) viel brüder aus meinen banden zuversicht gewonnen, deste dürstiger worden sind das wort zu reden Philipper 1, 14. allermeist aber die so wandeln nach dem fleisch, in der unreinen luft und die herrschaften verachten, thürstig, eigensinnig, nicht erzittern die majesteten zu lestern

[Bd. 2, Sp. 1753]


2 Petri 2, 10. die gott den schepfer aller ding also verachten das sie also dürstig und küne sein zu reden in seine werk Melanchthon Vom abendmal des herrn übersetzt von Mich. Meurer (Wittenb. 1532) bl. 7.

in dem (tractat) er meldt den groszen spot
so die zu Meiszen triben han,
dasz sie so dürstig understan
zu machen heilgen hie auf erd,
die doch nit sind ein meiten (gar nichts) wert
Schade Satiren aus der reformationszeit 3. 119, 17.

wie seit dann ir so durstig und unsinnig dasz ir dürft ein gepot ausz ainem ding machen, das got frei gelassen hat? das. 3. 153, 23. ist einig mensch als dürstig, der mir uberdrang thun wil Aimon fij. der ritter war eines freudigen und durstigen gemüts, sein herz im allein stund auf zank und hader anzurichten Buch der liebe 238, 1. ein frecher und fast dürstiger junger, Seboldt genannt Galmy 228. der marschalk nicht wenig schrecken von dieser rede empfieng, da er den mönch so durstig mit im reden hörte 321. es ist ihme aber dermaszen mit gehörigem ernst under die nasen gepfiffen worden dasz er mit seinen dürstigen Ölbergern zeitlich widerumb umbwenden und das versengeld mit schimpf und spott naher Homburg geben müssen Reinhard Gegenbericht 1, 253. kein thier ist freventlich oder durstig als ein unverschämbter mensch Lehmann 2, 307.

herr, lasz die durch uns vergehen,
die dir dürstig widerstehen.
reute sie und stamm und haus
mit ast, stock und wurzel aus
A. Gryphius 2, 262.

soll eine jedere rotte (bei aufläufen) ... zu des bedrängten hause ... so diszfalls dürstiger und gewaltthätiger weise angefallen würde, eilen. der stadt Leipzig ordnungen 1701 s. 541.
 
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durstig dürstig, adj. und adv. begierig zu trinken, nach einem trank lechzend, ahd. durstac dursteg Graff 5, 202, mhd. durstec, durstendic Ben. 1, 328a, niederd. döstig Strodtmann Idiot. osnabrug. 40. Schambach 46b. Schütze 1, 241. durstig sitibundus Voc. incip. teut. d 4. altfries. dorstig torstig Richthofen 691. 1076, neufries. torstig tortig Outzen 362. niederl. dorstig, ags. þursteg þurstig, engl. thirsty, isl. þyrstugr, dän. törstig. mit dem umlaut durstig setzt schon Dasypod. 317c an, dann findet es sich bei Ayrer und Schuppius: durstig und dürstig bei Luther, Rädlein, Steinbach 1, 312, jetzt gilt durstig allein, auszer in blutdürstig.
1. das volk wird hungerig, müde und dürstig sein 2 Sam. 17, 29. sie giengen in der wüsten hungerig und durstig, und ire seele verschwachet Psalm 107, 4. bringet den durstigen wasser entgegen Jesaia 21, 14. und wie einem durstigen trewmet das er trinket, wenn er aber aufwachet ist er mat und durstig 29, 8. denn ich wil wasser gieszen auf die durstige und ströme auf die dürre 49, 3. wolan, alle die ir dürstig seid, komet her zum wasser 55, 1. wie ein fuszgenger der durstig ist lechzet sie (deine tochter) und trinkt das nähest wasser das sie kriegt Sirach 26, 15. denn ich bin hungerig gewesen und ir habt mich gespeiset, ich bin durstig gewesen und ir habt mich getrenket Matth. 25, 35. ein durstiger genger der von groszer hitz und heftigem gon auszgemerglet ist und groszen durst uberkompt Maaler 95c. es schmeckt mir wol, ich war durstig Henisch 778. disz bier macht durstiger das. wer durstig ist der schmeckt nicht wie es an ihm selbst ist, denn der durst nimpt ihm allen geschmack das.

den trunk ich rauf tragen thet
dasz ir etwas im vorrat het,
wenn ir rein kommt und dürstic werdt
J. Ayrer Trag. 56c.

dasz einsmals etliche dürstig gewesen und seien in mitternacht zu einem pennal in seine stuben kommen und haben vermeinet sie wollen etwas zu trinken darin finden Schuppius 372. die hungerigen gespeiset, die dürstige getränket 430. könnt ihr ihnen denn den jungen durstigen mund und gaumen wieder bringen? J. Paul Literar. nachlasz 4, 183.

ward an dieser heilgen schwelle
mancher hungrige gespeiset,
manche durstige getränket
Göthe 11, 242.

der gerne wein, brantwein, bier trinkt, ein durstiger bruder bibulus Frisch 1, 212, ein saufbruder Rädlein 209b.

solches erlebten wir nicht, fürwahr, soweit wir (dorfmusikanten) herum schon
kamen, wir durstigen spieler, im land und auszer den grenzen
Mörike Idylle 116.

[Bd. 2, Sp. 1754]


durst machend, erregend. hierauf that ich einen pommerischen zug aus dem kruge, denn es war ein durstiges wetter Leipziger Avanturier 94.

die hulden sie kommen von durstiger jagd,
und laszt ihr sie trinken wies jeder behagt,
dann sind sie euch hold die unholden
Göthe 1, 226.

o hätte damals ein wohlthätiger geist vor meiner thüre dich vorbei gewiesen, an der du müde, durstig von der jagd, zu klopfen kamst 9, 306.

was ist das für ein durstig jahr?
die kehle lechzt mir immerdar
Uhland Ged. 91.


2. uneigentlich und bildlich. macht euch her zu mir ir unerfarnen und kompt zu mir in die schule, und was euch feilet (fehlet) das künd ir hie lernen, denn ir seid gewislich seer dürstig (nach lehre begierig) Sirach 51, 31. 32. das er settiget die dürstige seele und füllet die hungerige seele mit gutem Psalm 107, 9. ein gut gerücht aus fernen landen ist wie ein kalt wasser einer dürstigen seele Sprüche Salom. 25, 25. nu aber ist sie gepflanzt in der wüsten, in einem dürren durstigen land Hesekiel 19, 13. Henisch 778. ich wil dem durstigen geben von dem brun des lebendigen wassers umb sonst Offenb. Joh. 21, 6. mit einem hitzigen ernst und durstigen eifer S. Frank Laster der trunkenheit A ij. also habt ir den fall, dardurch dem Gurgullantula sein nam entstanden, vernommen, auch sein durstig anligen verstanden, welches er der göttin Pontina klaget Fischart Garg. 110a. die wismäder (die wiesen Schmeller 2, 550) sind durstig, das ist ausgetrocknet, brennen aus, prati sitiunt Henisch 778.

seid tapfer, mancher ist gestiegen,
weil er entschlossen in gefahr,
ein feind von ruh und von vergnügen
und durstig nach der ehre war
Gellert 1, 279.

ein balsamisches theer tränkt itzt die durstigen räder
Zachariä Phaeton 4, 26.

und doch
trankt ihr mit durstigem ohr
Klopstock 2, 54.

floh der betäubende doch endlich zum sessel wo geist gelehrt wird, auf ihn
lehrlinge harren, dann stumm seiner beredsamkeit
horchen und durstiges ohrs! 2, 86.

wenn grübler endlich die durstige feder tränken ders.

ebenso trieb sie (die saftvolle seele des knaben Albano) sogar in den juristischen felsen des pflegevaters z. b. in Fabris staatskanzlei, wie oft kräuter in herbarien ihre durstigen wurzeln herum und über die dürren blätter hinaus J. Paul Titan 1, 80. mit durstigen offenen sinnen in dem herrlichen geistigen universum sich umdrehen 1, 81. die runde tafel der erde lag hell und sonderbar erweichend um sein durstiges auge 1, 87. wie menschen zugleich harthörig unter dem gemeinen lebensgetöse sein können und doch den feinsten musikalischen lauten offen, so waren Schoppes innere ohren verhärtet gegen das volksgepolter des allgemeinen treibens, aber durstig zogen alle weiche leise melodien der heiligern seelen ein 4, 43. sein durstiger wunsch war so gesund zu werden als er zum kriege mit dem Spanier brauche 5, 135. jetzt liesz Walt vor dem bruder eine durstige seele in alle ihre gedichte und hoffnungen der liebe ausbrechen ders. Flegeljahre 2, 3.

durstig trinkt den goldnen strahlenregen
jedes rollende gestirn
Schiller 2a.

deiner lüfte balsamischer strom durchrinnt mich erquickend
und den durstigen blick labt das energische licht 75a.

lasz mich in vollen, in durstigen zügen
trinken die freie, die himmlische luft 425a.

mein durstiges erz (säbel)
betrinke dich, koste
von herz zu herz
Lenau Neu. ged. 269 (251).

von steinen die ganz trocken, von ziegeln die völlig ausgebrannt sind und daher feuchtigkeit und wasser leicht einsaugen, sagen die maurer sie sind durstig und wollen sie gewöhnlich damit loben Helfft Wörterb. der landbaukunst 87b. so auch vom trocknen erdboden, sehen sie nur, dieser thonboden saugt eine überschwemmung ein, so durstig ist er Gutzkow Zauberer v. Rom 2, 137. s. blutdürstig. liebedurstig. rachedurstig. ruhmdurstig. schmähedurstig. weisheitdürstig.
3. sprichwörter.

und ein weinschenk und ein füller
und durstig leut und guter wein
die dink süln allweg pei ainander sein Fastnachtsp. 714, 4.
Henisch 778.

ein guter trunk und ein durstige zung gehören zusammen Henisch 778. hüt dich für den durstigen das. wer seinen

[Bd. 2, Sp. 1755]


hungerigen und durstigen feind speiset und trenket, der samlet fewrige kolen auf sein haupt das.