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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
durstbirn bis durstesnot (Bd. 2, Sp. 1749 bis 1752)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) durstbirn, f. franz. coule soif Nemnich Wörterb.
 
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durstbrunnen, m.

wo sie (Melusina) aber bekomb kein man,
so sol sie verflucht umbher gahn
im waldt Calumbria an der sonnen
und kühln sich in dem durstbrunnen
bisz hin wol an den jüngsten tag,
sol werden ihr herzleid und klag
Jac. Ayrer Opus theatr. 1, 325b.


 
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durstbrünstig, adj. und adv. brennenden durst empfindend. o der guten schlucker! o der durstprünstigen kunden! Fischart Garg. 102a.
 
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dürsteblut, m.

Eisengrims vater Dürsteblut
Rollenhagen Froschm. L 7a.


 
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dürsten, audere wie durren, ein wol aus dem subst. durst f. audacia gebildeter infinitiv. er kommt selten vor.

römisch recht thut nit zsamen stan,
wider die reichstät seind die fürsten,
ein stat ist wider die ander dürsten:
kein fried noch bündnusz wirt gehalten
H. Sachs 3. 1, 251b.

[Bd. 2, Sp. 1750]



ihr seid edel und solt euch schemen
das ihr euch lieszt dunken und dürsten
solch unwarheit vor eurn fürsten
auszzugeben vor meinem man
J. Ayrer Comöd. 463b.

Stieler setzt dies dürsten 280 noch an, bemerkt aber dasz es fast ganz auszer gebrauch gekommen sei.
 
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dürsten , durst empfinden sitire, dursten ohne umlaut kommt daneben vor, immer bei partikelcomposition. goth. þaúrsjan, ahd. durstan für durstjan Graff 5, 203, mhd. dürsten dursten tursten Ben. 1, 322b, dirsten Serranus Synon. 52c, dagegen dürsten Dictionar. 22a. dürsten Dasypod. 317b. Schönsleder L 5. Stieler 280. Rädlein 209. Frisch 1, 212b. dursten Vocab. incip. teut. d 4. Nieremberger Ll 2. altsächs. thurstian, niederd. dösten Schambach 46b, niederl. dorsten, ags. þyrstan, engl. thirst, altnord. þyrsta, schwed. törsta, dän. törste. gehört zu der wurzel þaírsan dürr sein; vergl. Gramm. 2, 39. s. DWB abdursten. erdursten. verdursten, auch dürstern.
1. intransitiv.
a. er hat die ganze nacht durch gedürstet. (hast) wasser aus dem felsen lassen gehen, da sie dürstete Nehem. 9, 15. sie werden weder hungern noch dürsten Jesaia 49, 10. sihe meine knechte sollen essen, ir aber solt hungern: sihe meine knechte sollen trinken, ir aber solt dürsten 65, 13.

spricht man 'kurz predigt, lang bratwürst:
o lieber herr, hört auf, ich dürst'
Eyering 3, 149.

labet den durstenden
Klopstock.

so süsze stärkung hat kein durstender empfunden,
wenn ihn ein trunk erfrischt
Lichtwer Recht der vernunft 24.

Michel. so wirds euch auch nicht am durste fehlen? König. das versteht sich. wer den ganzen tag in der hitze gejagt hat, musz wol dursten Weisze Kom. opern 3, 89. das unsterbliche ist nicht dem sterblich lebenden zu vergleichen, und doch ist auch das blosz lebende verständig. so weisz der magen recht gut, wenn er hungert und durstet Göthe 23, 243. uneigentlich, heftiges verlangen empfinden.

ach, vermöcht ich dich, herr, wie ich dürste, zu preisen
Klopstock 1, 140. 7, 270.

wiewohl sie vor verlangen zu fragen dürsteten Wieland 11, 169. sah einem drucker (buchdrucker) durstend (sehnsüchtig) nach J. Paul Fibel 27.

einsam sitzt sie in dem all der welt,
dürstet ewig an der freudenquelle
Schiller 5b.


b. mit der präpos. nach. aber das volk daselbs dürstet nach wasser 2 Mos. 17, 3. meist uneigentlich. meine seele dürstet nach gott, nach dem lebendigen gott Psalm 42, 3. es dürstet meine seele nach dir 63, 2.

die snacken saufen menschenblut,
darnach ir herz stäts dürsten thut
Fuchs Mückenkr. 1, 862.

nach eines blut oder tod dürsten Henisch 778. dieselbige hungert und dürstet nach dir Schuppius 433. nach der barmherzigkeit gottes dürstende seele 583.

der (Neptunus) kam erst aus der flut und dürstete schon wieder
nach Amphitritens mund
Günther 1062.

wie nach der auferstehung verdorrtes gebein,
so dürstet meine seele
nach diesen augenblicken deiner erbarmungen
Klopst. 1, 129.

kannst du es anders als so, wonach du dürstest, erlangen? ders. Mess. 3, 743.

sieh, ich durste nach ruh! 8, 589.

in ihrem innersten durstet
meine seele nach ihnen 11, 399.

eines lebenden jammern, der nach dem tode dürstet 14, 965.

wer nach angenehmen empfindungen dürstet Wieland 1, 96.

sie dürsteten alle nach feldschlacht
Voss Ilias 2, 863.

ihr (der jungfrau) glaubt das volk und dürstet nach gefechten
Schiller 458a.

hier ist ein mann der in die residenz kommt und nach geist dürstet Gutzkow Ritter vom geiste 5, 476. mit zu. mein seel dürst zu gott dem lebendigen brunnen Psalm 42, 3 Bibel von 1483, wo Luther nach hat.
c. es folgt ein infinitiv oder abhängiger satz.

er dürstet zu sterben
Klopstock Mess. 11, 1480.

doch dürsten wir, dürsten
dich mit wunden die strahlen zu sehen 13, 132.

so dürsteten einige, was vor ein neues
schicksal auch hinter der nacht, die jetzt sie umgäbe, sich hätte
aus den tiefen erhoben des unerforschlichen richters 17, 151. 19, 760. 928.

wie dürst ich ihn zu strafen
Gotter 2, 108.

[Bd. 2, Sp. 1751]



d. unpersönlich.
α. mit dem acc. eigentlich. mich dürstet Rädlein 209b. Frisch 1, 212. mich hat getürstet, und ir haben mich getrenket Keisersberg Pred. 111b. desgleichen so dürstet in, so er ufstot ders. Sünden des munds 10a. gib mir ein wenig wassers zu trinken, denn mich dürstet Richter 4, 19. da in aber seer dürstet, rief er den herrn an 15, 18. und so dich dürstet, so gehe hin zu dem gefesz und trinke Ruth 2, 9. und (hast) inen brot vom himel gegeben, da sie hungerte, und wasser aus dem felsen, da sie dürstete Nehem. 9, 15. Weish. Salom. 11, 4. so nu deinen feind hungert, so speise in: dürstet in, so trenke in Römer 12, 20. sie wöllen nicht mehr trinken dann (als) sie dürst Fischart Bienenkorb 198b. den guten gesellen dürst Henisch 778.

fragen denn bien und blum einander beim nektartausche:
trankest du, tränktest du schon? — hast du? mich dürstet, o gib
Rückert Ged. 266.

uneigentlich. wer ausz disem wasser trinkt, den würt nit mer dürsten ewigklich, verstand des hungers und durstes der dich zu sünden bringt Keisersberg Sünden des munds 12a. mich dürstet, ich beger Dasypod. 227a. wer dis wassers trinket, den wird wider dürsten, wer aber des wassers trinken wird, das ich ihm gebe, der wird ewiglich nicht dürsten Joh. 4, 13. 14. wer zu mir kompt, den wird nicht hungern, und wer an mich gleubet, den wird nimer mehr dürsten 6, 35. mit der präpos. nach, eigentlich und uneigentlich.

dich hat nach sweinem fleisch gedürst,
so freu wir uns der guten würst Fastnachtsp. 818, 4.

genediger hochgeborner furst,
den ie nach eren hat gedurst 189, 17.

unser allergnedigoster und mächtigister fürst,
den hat darnach nie gedürst
das er eur römische kirchen wöll erstörn 296, 6.

sei grüszt, du groszmächtiger fürst,
nach deiner lieb mich allzeit dürst
H. Sachs 3, 190c.

wer von mir isset den hungert immer nach mir, und wer von mir trinkt, den dürstet immer nach mir Jesus Sirach 24, 28. 29.

des Cyrus haupt (die königin Tomyris) auch davon trägt,
wirfts mit irer sieghaften hand
in eimer der voll blut da stand,
und spricht auch dazu also fort
diese bitter giftige wort
'dich hat gedürst nach menschen blut,
sauf sein nu satt, kühl deinen mut'
Rollenhagen Froschm. Ss 7a.

wiewol dich mehr nach der menschen seligkeit denn nach einigem äuszerlichen trank gedürstet Schuppius 452.

nach gnade vater, dürstet mich,
die meine seele labe
Klopstock 7, 190.


β. mit dem dat. ich habe einem jeglichen gutes gethan, auszgenommen diesen miszgönnern, welchen nach meinem blute dürstet Olearius Pers. rosenthal 1, 7. als ihm dürstete ders. Lokmann 9.
γ. Hans Sachs sagt auch es ist einen dürsten.

milch gab sie Sisera, dem fürsten,
zu trinken, als in hart war dürsten 3. 1, 36c.

gnädig und durchleuchtige fürsten,
die (quos) alzeit nach wolfart ist dürsten
desz königreichs und gemeinen nutz 3. 1, 137a.


2. als transitiv erscheint dürsten in uneigentlicher bedeutung, heftig nach etwas verlangen, in der ersten hälfte des 17ten jahrhunderts, wahrscheinlich nachahmung des lateinischen sitire sanguinem, ultionem, honores. Stieler, Rädlein, Frisch und Steinbach kennen es nicht. in der mitte des 18ten taucht es wieder auf.

herr, speise mich mit dir: ich dürst, ich hunger dich.
du bist das himmelbrodt
P. Fleming 30.

doch sagt er auch nach dir herr, dürstet mich 27.

wir sahn den feind mit mordbegier,
wir dürsteten sein blut
Gleim Siegeslied nach der schl. bei Lissa.

dein rachen dürstet blut
Chr. Fel. Weisze.

erstaunt über seine so späte wahl, dacht ich nur ihn,
vergasz selbst der gedürsteten unsterblichkeit
Klopstock 2, 43.

so war es geschehen, und vergebens
dürstete wiederverwandlung der wunsch 2, 148.

der gott (Kamul)
dürstete menschenopfer 2, 164.

meine qualen dir ganz, so ganz wie ichs dürste, zu zeigen ders. Mess. 10, 105.

[Bd. 2, Sp. 1752]



(die fürsten sollen) die Deutschen lieben und ihr blut
nicht saugen, nicht blut dürsten
Claudius 1. 2, 2.

sei keck und kühn und dürste blut!
verlache deiner feinde wut!
Schiller 573a.


3. sprichwörter. wenn einen noch dürstet, so soll er aufhören zu trinken Henisch 778. etliche dürstet nur nach wein, nicht nach wasser das. je mehr einer trinket, je mehr einen dürstet das. 779. meine herren fragen mich immer warumb ich so trinke, und fragen mich nicht einmal warum mich so dürstet Schoch G v. er sieht aus wie bier und toback, wenn man ihn nur ansiehet, so dürstet einen Rädlein 2, 759a. wer nicht wasser mag, den dürstet nicht Simrock 1750. wer nicht dürstet ist dem durstigen hart 1751.
 
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dürsten, n.

doch in der liebe kommt der hunger auf die speise,
die sehnsucht auf den kusz, das dürsten auf den trank
Günther 1066.


 
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dürstend durstend, adj. uneigentlich.

viel anders breiten den flug um der eiche wipfel
die adler Wodans!
ihr auge blickt glühend herab
auf das blut das im thale raucht.
ihr schattender flügel schlägt, ihr durstendes geschrei ertönt
in dem felsenhain
Klopstock 8, 128.

er küszte mit durstenden augen das (im spiegel) flatternde bild der sängerin J. Paul Unsichtb. loge 2, 199. es begegne euch nur der rechte geist, wie ihn die dürstende liebe fordert ders. Titan 2, 113.
 
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dürstern für dürsten sitire. mich dürstert Freidank 71, 21 in drei handschriften, wovon eine in das zweite viertel des 14 jh. gehört. dise weltlichen menschen die allein ir herz uf die weltlichen ding legen, und je me sie usz disen bechen trinken, ie me sie dürstert. aber gleich darauf ie me sie von den bechen drinken, ie me sie darnoch dürstet Keisersberg Bilger 171c. vergl. Gramm. 2, 138. 139.
 
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durstesflamme, f. bildlich,

du (liebender) loderst auf in durstesflammen
ha! wirf ins meer der wonne dich!
schlagt, wellen über mir zusammen!
ich brenne! brenne! kühlet mich!
Bürger 26b.


 
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durstesnot, f. s. durstnot.

ez trunken tûsent ê den tôt
ê éiner stürbe in durstes nôt
Freidank 95, 1.

im hungersfall ein bissen brot,
ein labeschluck in durstesnot
genügen uns zur kost
Bürger 112b.